Arzneistoffe

Z-Substanzen

Z-Substanzen (Zolpidem, Zopiclon) sind Nicht-Benzodiazepin-Agonisten an der Benzodiazepin-Bindungsstelle des GABA-A-Rezeptors und werden als reine Hypnotika kurzzeitig bei Insomnie eingesetzt. Kern sind die α1-Präferenz von Zolpidem, die kurze Kinetik, komplexe Schlafverhaltensweisen und der nüchterne Vergleich mit den Benzodiazepinen.

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Dein roter Faden7 Punkte
  • Einordnung: Z-Substanzen sind Nicht-Benzodiazepine, die an der Benzodiazepin-Bindungsstelle des GABA-A-Rezeptors als positive allosterische Modulatoren wirken.
  • Mechanismus: Sie erhöhen die GABA-induzierte Öffnungsfrequenz des Cl⁻-Kanals; Zolpidem bevorzugt α1-haltige Rezeptoren, Flumazenil antagonisiert.
  • Wirkspektrum: α1 vermittelt Sedierung, Hypnose und Amnesie, deshalb wirken sie als reine Hypnotika, kaum anxiolytisch oder muskelrelaxierend.
  • Anwendung und Kinetik: Kurzzeitbehandlung der Insomnie bis vier Wochen; schneller Wirkeintritt, kurze Halbwertszeit, Abbau über CYP3A4, bei Frauen höhere Zolpidem-Spiegel.
  • UAW: Restwirkung am Morgen, Amnesie, Stürze, komplexe Schlafverhaltensweisen, bitterer Geschmack bei Zopiclon, Toleranz, Abhängigkeit und Rebound-Insomnie.
  • KI und WW: wie Benzodiazepine (Myasthenie, Schlafapnoe, Atem- und schwere Leberinsuffizienz); Alkohol und Opioide additiv, CYP3A4-Hemmer erhöhen, Induktoren senken die Spiegel.
  • Vergleich: kürzer und selektiver als Benzodiazepine, aber nicht wirksamer und nicht frei von Abhängigkeit.

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Überblick

Z-Substanzen sind strukturell keine Benzodiazepine, binden aber an die Benzodiazepin-Bindungsstelle des GABA-A-Rezeptors und verstärken dort allosterisch die GABA-Wirkung. Sie werden ausschließlich als Hypnotika eingesetzt. Gemeinsam ist ihnen der Mechanismus der Benzodiazepine, unterschiedlich sind Struktur, Subtyp-Präferenz und Kinetik.

  • Kernmerkmal: schneller Wirkeintritt, kurze Wirkdauer, kaum anxiolytisch oder muskelrelaxierend.
  • Indikation: Kurzzeitbehandlung der Insomnie.
  • Stellenwert: zweite Wahl nach nicht-medikamentösen Verfahren, gleichwertig mit Benzodiazepin-Hypnotika, nicht zur Langzeittherapie.

Typischer Vertreter ist Zolpidem, an dem sich die α1-Präferenz am besten zeigt.

Zolpidem
Z-Substanzen · Leitsubstanz
  • Prinzip: positiver allosterischer Modulator am GABA-A-Rezeptor, bevorzugt an α1-haltigen Subtypen.
  • Kinetik: rasch resorbiert, kurze Halbwertszeit, Abbau überwiegend über CYP3A4 zu inaktiven Metaboliten.
  • Einsatz: Kurzzeitbehandlung von Ein- und Durchschlafstörungen.
  • Besonderheit: bei Frauen höhere Plasmaspiegel und mehr Restwirkung am Morgen.

Vertreter

In Deutschland sind zwei Z-Substanzen relevant. Sie gehören zu verschiedenen chemischen Klassen und unterscheiden sich vor allem in der Subtyp-Präferenz und der Halbwertszeit. Beide sind reine Hypnotika mit kurzer Wirkdauer.

Wirkstoffe
Imidazopyridin
Zolpidem α1-präferent, sehr kurz
Cyclopyrrolon
Zopiclon Racemat, wenig subtypselektiv

Wirkmechanismus

Z-Substanzen binden an der Grenzfläche zwischen α- und γ₂-Untereinheit, also an der Benzodiazepin-Bindungsstelle (Aufbau des Rezeptors siehe Benzodiazepine). Wie Benzodiazepine sind sie positive allosterische Modulatoren: Sie erhöhen die Affinität für GABA und die Öffnungsfrequenz des Cl⁻-Kanals, ohne den Kanal allein zu öffnen.

  1. Bindung: Z-Substanz an der α/γ₂-Bindungsstelle.
  2. Modulation: GABA-induzierte Kanalöffnung häufiger.
  3. Cl⁻-Einstrom: Hyperpolarisation, Erregbarkeit ↓.
  4. Folge: Sedierung und Schlafanstoß, vor allem über α1-haltige Rezeptoren.

Die Untereinheiten vermitteln verschiedene Wirkungen: α1 Sedierung, Hypnose und anterograde Amnesie, α2/α3 Anxiolyse und Muskelrelaxation, α5 Lernen und Gedächtnis. Daraus folgt das schmale, hypnotische Wirkspektrum von Zolpidem.

Schema eines GABA-A-Rezeptors mit Bindungsstelle zwischen α- und γ2-Untereinheit und Zuordnung der α-Subtypen zu Sedierung, Anxiolyse, Muskelrelaxation und Gedächtnis.

Benzodiazepin-Bindungsstelle und α-Subtypen: Zolpidem bevorzugt α1 (Sedierung, Amnesie), Diazepam moduliert alle Subtypen.
📖 Definition: α1-Präferenz

Deutlich höhere Affinität für GABA-A-Rezeptoren mit α1-Untereinheit als für α2/α3, kaum Bindung an α5-haltige Rezeptoren (typisch für Zolpidem).

Da die Bindungsstelle dieselbe ist, verdrängt Flumazenil auch Z-Substanzen kompetitiv.

Prüferinnenfrage
Warum wirkt Zolpidem kaum anxiolytisch, obwohl es an derselben Stelle bindet wie Diazepam?
Antwort anzeigen

Diazepam moduliert α1-, α2-, α3- und α5-haltige Rezeptoren gleichermaßen. Zolpidem bevorzugt α1-Rezeptoren, die Sedierung und Hypnose vermitteln, und erreicht in therapeutischer Konzentration die α2/α3-Rezeptoren für Anxiolyse und Muskelrelaxation kaum. Die Amnesie bleibt allerdings, weil auch sie über α1 läuft.

Wirkungen und Anwendung

Im Vordergrund steht die schlafanstoßende Wirkung, die übrigen Benzodiazepin-Wirkungen treten in therapeutischer Dosis zurück.

  • Hypnotisch: Einschlaflatenz ↓, nächtliches Erwachen ↓, weil α1-vermittelte Sedierung überwiegt.
  • Kaum anxiolytisch und muskelrelaxierend: wegen geringer α2/α3-Wirkung (Zolpidem), bei Zopiclon schwach ausgeprägt.
  • Antikonvulsiv: klinisch ohne Bedeutung.
  • Insomnie: Kurzzeitbehandlung (höchstens vier Wochen), wenn nicht-medikamentöse Verfahren nicht ausreichen; Stellenwert und Stufenschema unter Schlafstörungen.
  • Depression: Schlafstörungen bei Depression nur im begründeten Einzelfall und kurz, aus denselben Gründen wie bei Benzodiazepinen.

Pharmakokinetik

Beide Vertreter werden rasch resorbiert und wirken innerhalb einer halben Stunde, deshalb erst unmittelbar vor dem Zubettgehen einnehmen (nach einer Mahlzeit verzögert).

  • Halbwertszeit: Zolpidem etwa 2 bis 3 h, Zopiclon etwa 5 h, bei Älteren und Leberinsuffizienz verlängert.
  • Metabolismus: überwiegend CYP3A4, daher anfällig für Hemmer und Induktoren; bei schwerer Leberinsuffizienz kontraindiziert.
  • Geschlecht: Frauen eliminieren Zolpidem langsamer und haben morgens höhere Spiegel, deshalb bei Frauen niedriger dosieren.
  • Zopiclon: wird in den Speichel sezerniert.

Unerwünschte Wirkungen

Die UAW sind die der Benzodiazepine, verschoben auf die α1-vermittelten Effekte und die Nacht.

UAW warum
ZNS
Restwirkung am Morgen, eingeschränkte Fahrtüchtigkeit Wirkung überdauert die Nacht (Zopiclon, Frauen unter Zolpidem, spätes Einnehmen)
ZNS
Anterograde Amnesie α1-vermittelt, besonders bei zu kurzer Schlafdauer nach Einnahme
ZNS
Komplexe Schlafverhaltensweisen Handeln im teilsedierten Zustand mit Amnesie, verstärkt durch Alkohol und hohe Dosis
ZNS
Stürze, Verwirrtheit Sedierung, Ataxie, vor allem bei Älteren nachts
Mund
Bitterer, metallischer Geschmack Zopiclon wird in den Speichel ausgeschieden
ZNS
Toleranz, Abhängigkeit, Rebound-Insomnie adaptive Veränderungen am GABA-A-Rezeptor; nach abruptem Absetzen schläft man schlechter als zuvor
📖 Definition: Komplexe Schlafverhaltensweisen

Komplexe Handlungen ohne volles Wachbewusstsein und mit Amnesie, etwa Schlafwandeln, nächtliches Essen, Telefonieren oder Autofahren. Nach einer solchen Episode wird die Z-Substanz abgesetzt.

Das Abhängigkeitspotenzial ist geringer als oft angenommen (Abhängigkeit und Sucht), deshalb kurz anwenden und ausschleichend absetzen.

Kontraindikationen und Wechselwirkungen

Kontraindikationen und zentral dämpfende Wechselwirkungen entsprechen denen der Benzodiazepine, dazu kommt die CYP3A4-Abhängigkeit.

  • Kontraindikationen: Myasthenia gravis, schwere respiratorische Insuffizienz, Schlafapnoe-Syndrom, schwere Leberinsuffizienz, frühere komplexe Schlafverhaltensweisen; Abhängigkeitsanamnese als relative Kontraindikation.
  • Alkohol, Opioide, andere zentral Dämpfende: additive Sedierung und Atemdepression.
  • CYP3A4-Hemmer (Clarithromycin, Azol-Antimykotika, Ritonavir): Spiegel ↑, Restwirkung und Amnesie ↑.
  • CYP3A4-Induktoren (Rifampicin, Carbamazepin, Johanniskraut): Spiegel ↓, Wirkverlust.
⚠️ Achtung: Alkohol am Abend

Alkohol verstärkt Sedierung und Atemdepression und begünstigt komplexe Schlafverhaltensweisen mit Amnesie.

Fall aus der Apotheke
Antibiotikum zur Schlafmedikation

Eine Kundin nimmt seit zwei Wochen abends Zolpidem und legt ein Rezept über Clarithromycin vor. Sie muss morgens früh mit dem Auto zur Arbeit.

  1. Welches Problem sehen Sie?
  2. Was raten Sie?
Lösung anzeigen
  1. Clarithromycin hemmt CYP3A4 stark und erhöht so die Zolpidem-Spiegel. Da Frauen Zolpidem ohnehin langsamer eliminieren, steigt das Risiko für Restwirkung am Morgen, Amnesie und eingeschränkte Fahrtüchtigkeit.
  2. Rücksprache mit der Ärztin, ob Zolpidem während der Antibiose pausiert oder reduziert werden kann, alternativ ein Antibiotikum ohne CYP3A4-Hemmung. Bis dahin kein Autofahren bei Benommenheit, keinen Alkohol, Einnahme erst direkt vor dem Schlafen.

Unterschiede innerhalb der Klasse

Zolpidem und Zopiclon unterscheiden sich vor allem in Selektivität und Wirkdauer, damit auch im Risiko für Restwirkung am Morgen.

Zwei Konzentrationskurven über acht Stunden, die Zopiclon-Kurve liegt zur Weckzeit noch über der Wirkschwelle.

Dank kürzerer Halbwertszeit fällt Zolpidem bis zur Weckzeit meist unter die Schwelle für Restwirkung, Zopiclon häufiger nicht.
Merkmal Zolpidem Zopiclon
Subtyp-Präferenz α1-präferent wenig subtypselektiv
Halbwertszeit etwa 2 bis 3 h etwa 5 h
Restwirkung am Morgen geringer, aber bei Frauen relevant häufiger
Besonderheit Geschlechtsunterschied in der Kinetik bitterer Geschmack

Gegenüber Benzodiazepin-Hypnotika sprechen für Z-Substanzen die kurze Wirkdauer und das schmale Wirkspektrum mit weniger Muskelrelaxation. Die Grenzen sind deutlich: In der Wirksamkeit unterscheiden sie sich nicht signifikant, Toleranz, Abhängigkeit und Rebound-Insomnie bleiben, und die Leitlinie bewertet beide Gruppen gemeinsam mit derselben Begrenzung auf höchstens vier Wochen.

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Lückentext

Aussage 2

Z-Substanzen öffnen den Chloridkanal des GABA-A-Rezeptors auch ohne GABA.

Sie sind positive allosterische Modulatoren und erhöhen nur die GABA-induzierte Öffnungsfrequenz, ohne den Kanal allein zu öffnen.

Zuordnen

Wer bin ich?

Aussage 5

Rifampicin kann die Wirkung von Zolpidem abschwächen.

Rifampicin induziert CYP3A4, über das Zolpidem überwiegend abgebaut wird; die Spiegel sinken.

Aussage 6

Zopiclon hat eine kürzere Halbwertszeit als Zolpidem und verursacht deshalb seltener Restwirkung am Morgen.

Umgekehrt: Zopiclon hat mit etwa 5 h die längere Halbwertszeit und führt häufiger zu Restwirkung als Zolpidem mit etwa 2 bis 3 h.

Aussage 7

Die Wirkung von Z-Substanzen lässt sich mit Flumazenil aufheben.

Sie binden an der Benzodiazepin-Bindungsstelle, an der Flumazenil kompetitiv verdrängt.

Aussage 8

Zolpidem bindet bevorzugt an GABA-A-Rezeptoren mit α1-Untereinheit.

Das ist die α1-Präferenz; α1 vermittelt Sedierung, Hypnose und anterograde Amnesie.

Warum?

Prüferin fragt

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