Weitere Anxiolytika
Buspiron, Opipramol, Hydroxyzin und Lavendelöl lindern Angst ohne Angriff am GABA_A-Rezeptor und ohne relevantes Abhängigkeitspotenzial. Den Kern bilden das Target, aus dem Wirkeintritt und Sedierung folgen, sowie die Risiken Wirklatenz (Buspiron) und QT-Verlängerung (Hydroxyzin).
Dein roter Faden
- Einordnung: Buspiron, Opipramol, Hydroxyzin und Lavendelöl sind Anxiolytika ohne GABA_A-Mechanismus und ohne relevantes Abhängigkeitspotenzial, bei der GAD nur Reservemittel.
- Buspiron: 5-HT₁A-Partialagonist; Anxiolyse erst nach Desensitisierung der Autorezeptoren über Wochen, nicht sedierend, keine Kreuztoleranz zu Benzodiazepinen.
- Opipramol: trizyklisches Gerüst, aber kaum Wiederaufnahmehemmung; wirkt über Sigma-Rezeptoren und H₁-Blockade, daher sedierend, bei GAD und somatoformen Störungen.
- Hydroxyzin und Lavendelöl: Hydroxyzin als zentraler H₁-Antagonist kurzzeitig bei Angst und Unruhe, Lavendelöl hemmt spannungsabhängige Ca²⁺-Kanäle bei subsyndromaler Unruhe.
- UAW: Buspiron Schwindel und Übelkeit; Opipramol und Hydroxyzin Sedierung und anticholinerge Effekte; Hydroxyzin QT-Verlängerung über hERG-Blockade.
- KI und WW: Hydroxyzin nicht mit QT-verlängernden Arzneistoffen, Buspiron nicht mit MAO-Hemmern und Vorsicht mit CYP3A4-Hemmern, additive Sedierung mit Alkohol und anderen zentral dämpfenden Stoffen.
Kostenlos weiterlesen mit deinem Relaxed-Konto
Lege dir ein kostenloses Konto an, dann ist das ganze 2. Staatsexamen für dich frei. Kein Abo, keine Zahlungsdaten.
Bitte bestätige zuerst deine E-Mail-Adresse
Wir haben dir einen Link geschickt. Mit bestätigter E-Mail-Adresse liest du hier gleich weiter.
Überblick
Weitere Anxiolytika lindern Angst über Mechanismen jenseits des GABA_A-Rezeptors: Buspiron als 5-HT₁A-Partialagonist, Opipramol über Sigma- und H₁-Rezeptoren, Hydroxyzin als zentral wirksamer H₁-Antagonist und Lavendelöl über spannungsabhängige Ca²⁺-Kanäle. Anders als die Benzodiazepine haben sie kaum oder kein Abhängigkeitspotenzial.
- Kein GABAerger Mechanismus: keine Muskelrelaxation, keine antikonvulsive Wirkung, keine Kreuztoleranz zu Benzodiazepinen.
- Kein Abhängigkeitspotenzial: keine Toleranz, kein Entzugssyndrom, daher auch über Wochen einsetzbar.
- Sedierung je nach Target: Hydroxyzin und Opipramol dämpfen über H₁-Blockade, Buspiron und Lavendelöl nicht.
- Indikationen: generalisierte Angststörung (GAD), somatoforme Störungen, Unruhe- und Angstzustände.
- Stellenwert: Reservemittel, bei der GAD erst nach Versagen oder Unverträglichkeit der Mittel erster Wahl (Angststörungen).
Typischer Vertreter ist Buspiron, das Prinzip einer Anxiolyse ohne Sedierung und ohne Abhängigkeit.
- Prinzip: Partialagonist am 5-HT₁A-Rezeptor (Azapiron).
- Kinetik: ausgeprägter First-Pass über CYP3A4, daher sehr geringe Bioverfügbarkeit; kurze Halbwertszeit; aktiver Metabolit 1-(2-Pyrimidinyl)piperazin.
- Einsatz: GAD als Reservemittel.
- Besonderheit: Anxiolyse erst nach Wochen, daher nicht zur Bedarfsmedikation.
Vertreter
Die vier Wirkstoffe teilen den klinischen Zweck, nicht den Mechanismus, und werden daher nach ihrem Target unterschieden. Opipramol trägt ein trizyklisches Grundgerüst, steht aber hier, weil es die Monoamin-Wiederaufnahme kaum hemmt. Lavendelöl ist ein standardisiertes Phytopharmakon zur oralen Einnahme.
Wirkmechanismus
Die vier Vertreter dämpfen die Übererregbarkeit limbischer Strukturen über jeweils eigene Targets. Daraus erklären sich Wirkeintritt, Sedierung und UAW.
- Buspiron: partieller Agonist an somatodendritischen 5-HT₁A-Autorezeptoren der Raphekerne und an postsynaptischen 5-HT₁A-Rezeptoren in Hippocampus und Amygdala. Akut sinkt die Feuerrate serotonerger Neurone, erst nach Desensitisierung der Autorezeptoren steigt die serotonerge Übertragung, daher die Wirklatenz. Als Partialagonist wirkt es bei hohem Serotonintonus funktionell antagonistisch.
- Opipramol: bindet mit hoher Affinität an Sigma-Rezeptoren und blockiert H₁-Rezeptoren stark, D₂- und 5-HT₂-Rezeptoren schwächer, muscarinische nur schwach. SERT und NET hemmt es kaum, es wirkt also nicht über den Mechanismus der trizyklischen Antidepressiva.
- Hydroxyzin: inverser Agonist an zentralen H₁-Rezeptoren, dämpft so die histaminerge Wachheitsbahn aus dem Hypothalamus (zentrale H₁-Wirkung); zusätzlich schwach 5-HT₂A-antagonistisch und anticholinerg. Sein Oxidationsprodukt Cetirizin ist als Zwitterion kaum ZNS-gängig (H₁-Antihistaminika).
- Lavendelöl: Silexan (Hauptbestandteile Linalool und Linalylacetat) hemmt präsynaptische spannungsabhängige Ca²⁺-Kanäle und vermindert so die Freisetzung erregender Transmitter; keine Bindung am Benzodiazepin-Bindungsort.
Sigma-Rezeptoren (σ₁, σ₂) sind weder Opioid- noch G-Protein-gekoppelte Rezeptoren: σ₁ ist ein intrazelluläres Chaperon an der Kontaktzone von endoplasmatischem Retikulum und Mitochondrien, das IP₃-Rezeptoren, Ionenkanäle und NMDA-Rezeptoren moduliert. Weitere Liganden sind Fluvoxamin, Haloperidol und Dextromethorphan.
Wirkungen und Anwendung
Klinisch entscheidet, ob die Anxiolyse sofort oder erst nach Wochen einsetzt und ob sie sediert.
- Generalisierte Angststörung: Buspiron und Opipramol, nach der deutschen Leitlinie nur, wenn höhergradig empfohlene Therapien unwirksam waren oder nicht vertragen wurden (Angststörungen).
- Somatoforme Störungen: Opipramol; die Sedierung über H₁ setzt sofort ein, die anxiolytische Gesamtwirkung nach ein bis zwei Wochen.
- Kurzzeitig bei Angst und Unruhe: Hydroxyzin, rasch wirksam, weil H₁-Blockade keine Adaptation braucht; daneben bei Pruritus.
- Subsyndromale Unruhe: Lavendelöl bei Unruhezuständen mit ängstlicher Verstimmung, nicht sedierend, auch in der Selbstmedikation.
Unerwünschte Wirkungen
Die UAW folgen aus dem Rezeptorprofil: Buspiron wirkt serotonerg, Opipramol und Hydroxyzin antihistaminerg und anticholinerg. Keiner der vier Wirkstoffe führt zu relevanter Abhängigkeit.
| UAW | warum | |
|---|---|---|
ZNS |
Wirklatenz von Wochen | Buspiron |
ZNS |
Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerz, anfangs Nervosität | Buspiron |
ZNS |
keine Sedierung, keine psychomotorische Einschränkung | Buspiron |
ZNS |
Müdigkeit, eingeschränkte Fahrtüchtigkeit | Opipramol, Hydroxyzin |
Mund · Auge |
Mundtrockenheit, Obstipation, Akkommodationsstörung, Harnverhalt | Opipramol, Hydroxyzin |
Gefäße · Stoffwechsel |
Orthostase, Gewichtszunahme | Opipramol |
Herz |
QT-Verlängerung, Torsade de pointes | Hydroxyzin |
Magen-Darm |
Aufstoßen mit Lavendelgeschmack | Lavendelöl |
Kontraindikationen und Wechselwirkungen
Die Kontraindikationen leiten sich aus dem Rezeptorprofil ab, die Wechselwirkungen aus additiven Effekten und dem CYP-Abbau.
- QT-Risiko (Hydroxyzin): kontraindiziert bei angeborenem oder erworbenem Long-QT-Syndrom, Hypokaliämie, Bradykardie und mit QT-verlängernden Arzneistoffen.
- MAO-Hemmer (Buspiron): Kombination meiden, weil Blutdruckanstieg und serotonerge Überstimulation drohen.
- CYP3A4-Hemmer und -Induktoren (Buspiron): Itraconazol, Clarithromycin oder Grapefruitsaft erhöhen die Spiegel stark, weil der hohe First-Pass entfällt; Rifampicin senkt sie.
- Zentral dämpfende Stoffe (Opipramol, Hydroxyzin): Alkohol, Benzodiazepine, Opioide → additive Sedierung.
- Anticholinerge Risiken (Opipramol, Hydroxyzin): Engwinkelglaukom, Harnverhalt bei Prostatahyperplasie; Opipramol zudem höhergradiger AV-Block.
- Lavendelöl: keine relevanten Wechselwirkungen bekannt.
Zusammen mit Citalopram, Makroliden, Methadon oder Klasse-III-Antiarrhythmika steigt das Risiko für Torsade de pointes deutlich. Bei älteren Menschen Hydroxyzin wegen QT-Risiko, Sedierung und anticholinerger Last meiden.
Unterschiede innerhalb der Klasse
Innerhalb der Gruppe bestimmt das Target Wirkeintritt und Sedierung. Gegenüber Benzodiazepinen fehlt allen die Abhängigkeit, aber auch die sofortige, zuverlässige Anxiolyse.
| Merkmal | Buspiron | Opipramol | Hydroxyzin | Lavendelöl | Benzodiazepine |
|---|---|---|---|---|---|
| Target | 5-HT₁A (partiell) | Sigma, H₁ | H₁ | Ca²⁺-Kanäle | GABA_A |
| Anxiolyse | nach Wochen | nach 1 bis 2 Wochen | rasch | nach Wochen | sofort |
| Sedierung | nein | ja | stark | nein | ja |
| Abhängigkeit | nein | nein | nein | nein | ja |
Pregabalin wirkt bei der GAD rascher als Buspiron, hat aber ein Missbrauchspotenzial.
Antwort anzeigen
Buspiron senkt akut über die 5-HT₁A-Autorezeptoren sogar die serotonerge Aktivität, die Anxiolyse entsteht erst nach deren Desensitisierung über Wochen. Es hat weder GABAerge noch sedierende Wirkung. Weil keine Kreuztoleranz besteht, fängt es auch einen Benzodiazepinentzug nicht ab, Benzodiazepine müssen trotzdem ausgeschlichen werden.
Teste dich
Zuordnen
Lückentext
Aussage 3
Die geringe Bioverfügbarkeit von Buspiron beruht auf einem ausgeprägten First-Pass-Metabolismus über CYP3A4.
Deshalb erhöhen CYP3A4-Hemmer wie Itraconazol, Clarithromycin oder Grapefruitsaft die Spiegel stark.
Aussage 4
Lavendelöl wirkt als positiver allosterischer Modulator am Benzodiazepin-Bindungsort des GABA_A-Rezeptors.
Lavendelöl bindet nicht am Benzodiazepin-Bindungsort, sondern hemmt präsynaptische spannungsabhängige Ca²⁺-Kanäle.
Warum?
Aussage 6
Buspiron zeigt Kreuztoleranz mit Benzodiazepinen und kann daher einen Benzodiazepinentzug abfangen.
Buspiron wirkt nicht GABAerg und hat keine Kreuztoleranz zu Benzodiazepinen; diese müssen trotzdem ausgeschlichen werden.
Aussage 7
Opipramol hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin ähnlich stark wie die klassischen trizyklischen Antidepressiva.
Opipramol hemmt SERT und NET kaum; es wirkt über Sigma-Rezeptoren und H₁-Blockade.
Aussage 8
Buspiron wirkt als Partialagonist am 5-HT₁A-Rezeptor.
Buspiron aktiviert partiell somatodendritische Autorezeptoren und postsynaptische 5-HT₁A-Rezeptoren; die Anxiolyse folgt nach Desensitisierung der Autorezeptoren.
Aussage 9
Hydroxyzin kann durch Blockade kardialer hERG-K⁺-Kanäle die QT-Zeit verlängern.
Die hERG-Blockade verzögert die Repolarisation; daher ist Hydroxyzin mit QT-verlängernden Arzneistoffen kontraindiziert.
Wer bin ich?
Prüferin fragt
Fehler entdeckt oder eine Idee? Wir verbessern die Inhalte laufend. Melde es uns gerne über dieses Formular ❤️
Teile der Inhalte wurden mithilfe von KI-Systemen erstellt und werden fortlaufend redaktionell geprüft. Trotz Sorgfalt können Fehler enthalten sein. Wichtige Informationen bitte anhand offizieller Quellen prüfen. Relaxed ins Stex ist ein unabhängiges Angebot und steht in keiner Kooperation mit dem IMPP. Das Angebot ist weder vom IMPP autorisiert noch mit diesem verbunden.