Krankheitsbilder

Koronare Herzkrankheit

Die koronare Herzkrankheit ist die Atherosklerose der Herzkranzgefäße mit Angina pectoris als Leitsymptom. Im Kern steht die Trennung der Pharmakotherapie: Thrombozytenhemmung und Statin verbessern die Prognose, Nitrate, Betablocker und Calciumkanalblocker lindern die Beschwerden.

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  • Einordnung: Die KHK ist die Atherosklerose der Koronarien; das chronische Koronarsyndrom steht dem akuten gegenüber, Leitsymptom ist die Angina pectoris, Sonderform die vasospastische Angina.
  • Pathophysiologie: LDL-getriebene Plaques verengen das Gefäß und verursachen bei Belastung ein Missverhältnis von Sauerstoffangebot und -bedarf; die Ruptur vulnerabler Plaques mit Thrombus führt zum akuten Koronarsyndrom.
  • Angriffspunkte: Thrombozyten (ASS, Clopidogrel), LDL und Plaque (Statine, Ezetimib, PCSK9-Hemmer), Frequenz und Kontraktilität (Betablocker, Ivabradin), Vor- und Nachlast (Nitrate, Calciumkanalblocker), später Na⁺-Strom (Ranolazin).
  • Prognoseverbessernd: ASS dauerhaft (Clopidogrel als Alternative) und ein Statin unabhängig vom Ausgangs-LDL für alle, Eskalation mit Ezetimib und PCSK9-Hemmer, Betablocker ein Jahr nach Infarkt, ACE-Hemmer nur bei Begleiterkrankung.
  • Symptomatisch: Glyceroltrinitrat sublingual im Anfall; als Dauertherapie gleichrangig Betablocker, Calciumkanalblocker oder langwirksame Nitrate mit nitratfreiem Intervall, Ivabradin und Ranolazin als Ergänzung.
  • Warum X statt Y: Bei Asthma und bei vasospastischer Angina Calciumkanalblocker statt Betablocker; zum Betablocker Amlodipin, nicht Verapamil; Ivabradin nur bei Sinusrhythmus.
  • Medikationsanalyse: NSAR, Triptane, zu hohe Schilddrüsenhormondosen und das abrupte Absetzen von Betablockern verschlechtern die KHK.

Überblick

Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist die Manifestation der Atherosklerose an den Herzkranzgefäßen. Stenosen begrenzen den Koronarfluss, so dass bei steigendem Sauerstoffbedarf eine Myokardischämie entsteht. Zusammen mit dem Herzinfarkt ist sie die häufigste Todesursache in Deutschland.

📖 Definition: Chronisches Koronarsyndrom

Stabile Verlaufsform der KHK ohne akutes Ereignis, mit oder ohne Beschwerden, einschließlich der Phase nach Infarkt oder Revaskularisation. Den Gegenpol bildet das akute Koronarsyndrom.

Leitsymptom ist die Angina pectoris: retrosternaler Druck oder Enge mit Ausstrahlung in Arm, Hals oder Kiefer als Ausdruck der Ischämie.

  • Stabile Angina: belastungs- oder kälteabhängig, reproduzierbar, klingt in Ruhe oder unter Nitrat binnen Minuten ab.
  • Instabile Angina: neu, zunehmend oder in Ruhe; zählt zum akuten Koronarsyndrom.
  • Vasospastische Angina: Ruheschmerz durch Koronarspasmus, oft nachts oder frühmorgens, häufig ohne relevante Stenose, mit flüchtiger ST-Hebung.
  • Diagnostik (Einordnung): Belastungs-EKG, Stress-Bildgebung oder CT-Koronarangiographie, invasive Koronarangiographie; dazu das Risikoprofil mit LDL-Cholesterin, Blutdruck und HbA1c.

Pathophysiologie und Angriffspunkte

Die Pharmakotherapie setzt auf zwei Ebenen an: an der Plaque mit ihrer Thrombose, die die Prognose bestimmt, und an der Sauerstoffbilanz des Myokards, die die Beschwerden bestimmt. Atherosklerose ist eine chronisch-entzündliche, LDL-getriebene Erkrankung der arteriellen Intima.

Abfolge von fünf Arterienquerschnitten mit zunehmender Lipideinlagerung, fibröser Kappe und schließlich rupturierter Plaque mit Thrombus.

Von der Endotheldysfunktion zur Plaqueruptur: stenosierende, stabile Plaques verursachen Angina, lipidreiche, vulnerable Plaques mit dünner Kappe rupturieren und lösen Infarkte aus.
  1. Endotheldysfunktion: Risikofaktoren mindern die NO-Bildung, Permeabilität und Adhäsionsmoleküle nehmen zu.
  2. Lipideinlagerung: LDL dringt in die Intima ein und wird oxidiert.
  3. Schaumzellen: eingewanderte Monozyten werden zu Makrophagen und nehmen oxidiertes LDL über Scavenger-Rezeptoren ungebremst auf.
  4. Fibröse Plaque: glatte Muskelzellen bilden eine fibröse Kappe über einem nekrotischen Lipidkern, die Stenose wächst.
  5. Ruptur: Entzündung und Matrixmetalloproteinasen verdünnen die Kappe, sie reißt, Thrombozyten aggregieren am freigelegten Kern → akutes Koronarsyndrom.

Risikofaktoren sind erhöhtes LDL-Cholesterin, Hypertonie, Diabetes mellitus, Rauchen, Alter, männliches Geschlecht und familiäre Belastung. Dieselbe Pathogenese liegt den peripheren Durchblutungsstörungen zugrunde.

Eine stenosierende Plaque verursacht Angina, weil der Koronarfluss unter Belastung nicht mehr mitsteigt: Der Bedarf wächst mit Frequenz, Kontraktilität und Wandspannung, das Angebot hängt vom diastolischen Fluss ab (Physiologie). Infarkte entstehen dagegen oft an wenig stenosierenden, aber lipidreichen, vulnerablen Plaques.

Schema einer verengten Koronararterie mit Thrombus und eines Herzens mit Waage aus Sauerstoffangebot und -bedarf, beschriftet mit den angreifenden Arzneistoffklassen.

Angriffspunkte der KHK-Therapie: Plaque und Thrombus bestimmen die Prognose, die Sauerstoffbilanz die Beschwerden.
Angriffspunkt Arzneistoffklasse Effekt
Thrombozytenaktivierung an der Plaque ASS, P2Y12-Antagonisten Thrombose ↓, Infarkt ↓
LDL-Cholesterin, Plaque Statine, Ezetimib, PCSK9-Hemmer LDL ↓, Plaque stabilisiert
Herzfrequenz, Kontraktilität Betablocker, Ivabradin, Verapamil, Diltiazem O₂-Bedarf ↓, Diastole länger
Vorlast (venöser Tonus) Organische Nitrate Wandspannung ↓, Koronardilatation
Nachlast, Koronartonus Calciumkanalblocker Nachlast ↓, Spasmolyse
Später Na⁺-Einstrom im Myokard Ranolazin Ca²⁺-Überladung ↓, bessere Relaxation

Therapie

Die Therapie verfolgt zwei getrennte Ziele: die Prognose verbessern (Infarkt, Schlaganfall, Tod verhindern) und die Symptome kontrollieren (Angina, Belastbarkeit). Prognostisch wirksame Arzneistoffe bekommt jede Patientin, Antianginosa nur bei Beschwerden und je nach Begleiterkrankung. Basis sind Rauchstopp, Bewegung, Ernährung und Gewichtsreduktion.

Zweispaltige Übersicht der KHK-Pharmakotherapie, links prognoseverbessernde, rechts symptomatische Arzneistoffklassen.

Prognose und Symptome: zwei Therapieziele, zwei Gruppen von Arzneistoffen.
💡 Merke

Die Prognose entscheidet sich an Plaque und Thrombus (ASS, Statin), die Beschwerden an der Sauerstoffbilanz (Nitrat, Betablocker, Calciumkanalblocker).

Prognoseverbessernd

Nach der Nationalen VersorgungsLeitlinie sind die Klassen klar abgestuft.

Klasse Stellenwert warum
ASS alle, dauerhaft, 1. Wahl irreversible COX-1-Hemmung → TXA₂ ↓; Infarkt und Sterblichkeit ↓
Clopidogrel bei ASS-Unverträglichkeit oder pAVK; nach PCI befristet mit ASS (DAPT) kaum Zusatznutzen gegenüber ASS; Prasugrel, Ticagrelor bei stabiler KHK nicht empfohlen
Statine alle, dauerhaft, unabhängig vom Ausgangs-LDL Sterblichkeit ↓, Plaquestabilisierung
Ezetimib → PCSK9-Hemmer Eskalation, wenn das LDL-Ziel unter Statin verfehlt wird Ereignisse ↓, Sterblichkeit nicht belegt
Betablocker nach Infarkt für ein Jahr, dann neu bewerten Re-Infarkt und Sterblichkeit ↓
ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten nur bei Begleiterkrankung (z. B. Hypertonie, Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz) eigenständiger Nutzen bei KHK nicht belegt

Für die Lipidsenkung lässt die Leitlinie eine feste Statindosis oder eine Zielwertstrategie zu (LDL < 55 mg/dl und Senkung um mindestens die Hälfte); Details unter Hyperlipoproteinämien.

  • Magenschutz: bei erhöhtem gastrointestinalem Blutungsrisiko ASS plus PPI.
  • Orale Antikoagulation ohne PCI: kein zusätzlicher Plättchenhemmer, weil nur das Blutungsrisiko steigt.
  • Typ-2-Diabetes: SGLT2-Inhibitoren oder GLP-1-Rezeptor-Agonisten wegen ihres kardiovaskulären Nutzens.
  • Grippeimpfung: jährlich, weil Influenza das Infarktrisiko kurzfristig erhöht.
  • Nicht empfohlen: Omega-3-Fettsäuren, Vitamine, Phytotherapie, weil ohne Nutzen und zulasten der Adhärenz.
Prüferinnenfrage
Warum verbessern Nitrate die Prognose nicht, ASS und Statine aber schon?
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Die Prognose entscheidet sich an der Ruptur vulnerabler Plaques und dem aufgelagerten Thrombus. ASS hemmt die TXA₂-abhängige Plättchenaggregation, Statine senken LDL und stabilisieren die fibröse Kappe, beide verhindern also das Ereignis selbst. Nitrate verbessern nur hämodynamisch die Sauerstoffbilanz, ohne Plaque oder Thrombogenität zu verändern: Sie lindern Angina, verhindern aber keinen Infarkt.

Symptomatisch: Anfall und Dauertherapie

Für den Anfall braucht jede Patientin mit Angina ein schnellwirksames organisches Nitrat, meist Glyceroltrinitrat als Spray oder Zerbeißkapsel. Sublingual wirkt es binnen Minuten und umgeht den First-Pass; vor absehbarer Belastung genommen, steigert es die Belastbarkeit. Anwendung im Sitzen wegen des Blutdruckabfalls, bessert sich der Schmerz nicht rasch: Notruf.

Die Dauertherapie kennt keine feste Rangfolge: Betablocker, Calciumkanalblocker und langwirksame Nitrate gelten symptomatisch als gleichwertig, gewählt wird nach Begleiterkrankung und Verträglichkeit.

Klasse Prinzip günstig bei ungünstig bei
β₁-selektive Betablocker Frequenz, Kontraktilität ↓ nach Infarkt, Tachykardie, Hypertonie, HFrEF Bradykardie, AV-Block, Asthma
Dihydropyridine (Amlodipin) Nachlast ↓, Koronardilatation Hypertonie, vasospastische Angina, mit Betablocker Knöchelödeme; kurzwirksames Nifedipin (Reflextachykardie)
Verapamil, Diltiazem zusätzlich Frequenz ↓ Betablocker kontraindiziert (Asthma) mit Betablocker (AV-Block), HFrEF
Langwirksame Nitrate (ISMN, ISDN) Vorlast ↓ Ergänzung Toleranz → nitratfreies Intervall; PDE-5-Hemmer
Ivabradin If-Hemmung im Sinusknoten → nur Frequenz ↓ Betablocker unverträglich oder Frequenz trotz Betablocker hoch kein Sinusrhythmus
Ranolazin später Na⁺-Strom ↓ → Ca²⁺-Überladung ↓, ohne Einfluss auf Frequenz und Blutdruck Ergänzung bei niedrigem Blutdruck oder niedriger Frequenz QT-Verlängerung; starke CYP3A4-Hemmer
⚠️ Achtung: Betablocker bei Vasospasmus

Bei vasospastischer Angina können Betablocker, besonders nichtselektive, den Spasmus verstärken: Die β₂-vermittelte Dilatation fällt weg, die α₁-Vasokonstriktion überwiegt. Mittel der Wahl sind Calciumkanalblocker, ergänzt durch Nitrate.

PCI und Bypass lindern Beschwerden und verbessern nur in bestimmten Konstellationen die Prognose; sie ersetzen die medikamentöse Therapie nicht.

Arzneimittel, die die KHK verschlechtern

In der Medikationsanalyse fallen Arzneimittel auf, die den Sauerstoffbedarf steigern oder die Koronarien verengen.

Arzneimittel warum
NSAR, Coxibe prothrombotisch, Na⁺- und Wasserretention, Blutdruck ↑
Triptane 5-HT₁B-vermittelte Koronarkonstriktion, kontraindiziert
Abruptes Absetzen von Betablockern Rebound über hochregulierte β-Rezeptoren → Angina, Infarkt
Schilddrüsenhormone zu hoch, Sympathomimetika Frequenz und O₂-Bedarf ↑

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Teste dich mit 11 Karten
wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Aussage 1

Das abrupte Absetzen eines Betablockers kann Angina bis hin zum Infarkt auslösen.

Unter Dauertherapie sind die β-Rezeptoren hochreguliert; fällt die Blockade plötzlich weg, steigen Frequenz und Sauerstoffbedarf überschießend an.

Reihenfolge

Aussage 3

Bei stabiler KHK mit Indikation zur oralen Antikoagulation ohne PCI wird kein zusätzlicher Thrombozytenaggregationshemmer gegeben.

Ein zusätzlicher Plättchenhemmer würde ohne Zusatznutzen nur das Blutungsrisiko erhöhen.

Aussage 4

Ranolazin lindert Angina, indem es Herzfrequenz und Blutdruck senkt.

Ranolazin hemmt den späten Na⁺-Einstrom, vermindert so die Ca²⁺-Überladung und verbessert die Relaxation, ohne Frequenz oder Blutdruck relevant zu beeinflussen.

Aussage 5

Langwirksame Nitrate senken bei KHK die kardiovaskuläre Sterblichkeit.

Nitrate verbessern nur die Sauerstoffbilanz und lindern die Angina, verändern aber weder Plaque noch Thrombogenität. Prognoseverbessernd sind ASS und Statine.

Zuordnen

Aussage 7

Bei der vasospastischen Angina sind Calciumkanalblocker Mittel der Wahl.

Sie relaxieren die glatte Gefäßmuskulatur und wirken direkt spasmolytisch; Betablocker können den Spasmus dagegen verstärken.

Warum?

Lückentext

Aussage 10

Ivabradin eignet sich auch bei Vorhofflimmern, weil es die Überleitung im AV-Knoten hemmt.

Ivabradin hemmt den If-Strom im Sinusknoten und senkt nur die Sinusfrequenz; es wirkt daher nur bei Sinusrhythmus.

Prüferin fragt

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