Arzneistoffe

Dopaminantagonisten und Prokinetika

Metoclopramid und Domperidon blockieren D₂-Rezeptoren in der Chemorezeptor-Triggerzone und im enteralen Nervensystem und wirken so antiemetisch und prokinetisch. Den Kern bilden der Unterschied in der ZNS-Gängigkeit und die daraus folgenden Risiken: extrapyramidale Störungen bei Metoclopramid, QT-Verlängerung bei Domperidon.

✓ gelesen
Dein roter Faden6 Punkte
  • Einordnung: Metoclopramid und Domperidon sind D₂-Antagonisten mit antiemetischer und prokinetischer Wirkung, im Unterschied zu antiemetisch wirksamen Antipsychotika.
  • Zentraler und peripherer D₂-Antagonismus: Blockade in der Chemorezeptor-Triggerzone wirkt antiemetisch, Blockade präsynaptischer D₂-Rezeptoren im Plexus myentericus steigert die Acetylcholinfreisetzung; MCP ist zusätzlich 5-HT₄-Agonist.
  • Prokinetik: Sphinktertonus und Antrumkontraktionen steigen, die Magenentleerung beschleunigt sich, Anticholinergika heben das auf.
  • Indikationen: Übelkeit und Erbrechen, Rescue bei Chemotherapie, Migräneattacke mit besserer Analgetikaresorption, Domperidon bei Parkinson; wegen der EMA-Beschränkung nur kurzzeitig.
  • EPS, Prolaktin, QT: MCP verursacht Frühdyskinesien vor allem bei Jüngeren und tardive Dyskinesien, beide erhöhen Prolaktin, Domperidon verlängert über hERG-Blockade das QT-Intervall.
  • Vergleich: Domperidon ist P-gp-Substrat und kaum ZNS-gängig, daher bei Parkinson möglich, aber CYP3A4-abhängig und kardial riskant; MCP ist ZNS-gängig und renal eliminiert.

Kostenlos weiterlesen mit deinem Relaxed-Konto

Lege dir ein kostenloses Konto an, dann ist das ganze 2. Staatsexamen für dich frei. Kein Abo, keine Zahlungsdaten.

Kostenloses Konto anlegen

Bitte bestätige zuerst deine E-Mail-Adresse

Wir haben dir einen Link geschickt. Mit bestätigter E-Mail-Adresse liest du hier gleich weiter.

Zum Konto

Überblick

Dopaminantagonisten mit prokinetischer Wirkung blockieren D₂-Rezeptoren in der Chemorezeptor-Triggerzone (antiemetisch) und im Magen-Darm-Trakt (motilitätssteigernd). Diese Doppelwirkung unterscheidet sie von anderen Antiemetika.

  • Vertreter: Metoclopramid (MCP, substituiertes Benzamid, ZNS-gängig) und Domperidon (Benzimidazolon-Derivat, peripher).
  • Abgrenzung zu Antipsychotika: Haloperidol, Olanzapin oder Levomepromazin wirken über zentrale D₂-Blockade ebenfalls antiemetisch, aber kaum prokinetisch und stärker sedierend (Antipsychotika der 1. Generation, 2. Generation).
  • Indikationen: Übelkeit und Erbrechen verschiedener Genese, Migräneattacke, nur noch kurzzeitig.
  • Stellenwert: Basis-Antiemetika und Rescue, aber durch neurologische bzw. kardiale Risiken begrenzt.
📖 Definition: Prokinetikum

Arzneistoff, der die koordinierte propulsive Motilität des oberen Gastrointestinaltrakts steigert, vor allem die Magenentleerung, meist über verstärkte cholinerge Übertragung im Plexus myentericus.

Typischer Vertreter ist Metoclopramid, weil es alle drei Wirkkomponenten der Klasse vereint.

Metoclopramid
Dopaminantagonisten · Leitsubstanz
  • Prinzip: D₂-Antagonist zentral und peripher, dazu 5-HT₄-Agonist, hochdosiert schwacher 5-HT₃-Antagonist
  • Kinetik: gut resorbiert, ZNS-gängig, überwiegend renal eliminiert
  • Einsatz: kurzzeitig bei Übelkeit und Erbrechen, postoperativ, in der Migräneattacke, bei verzögerter Chemotherapie-Emesis
  • Besonderheit: oral, rektal und parenteral verfügbar

Zentral wirksam heißt: antiemetisch stark, aber Frühdyskinesien.

Vertreter

Beide Vertreter teilen den D₂-Antagonismus. Sie unterscheiden sich darin, ob sie die Blut-Hirn-Schranke überwinden: Metoclopramid ja, Domperidon als P-Glykoprotein-Substrat kaum. Daraus folgen die unterschiedlichen Risikoprofile.

Wirkstoffe
ZNS-gängig, Benzamid
Metoclopramid zusätzlich 5-HT₄-Agonist
Peripher, Benzimidazolon
Domperidon P-gp-Substrat, CYP3A4

Wirkmechanismus

Die antiemetische Wirkung entsteht in der Area postrema, die prokinetische im enteralen Nervensystem. Grundlagen zu den Rezeptoren stehen beim dopaminergen System, zum Brechreflex bei Übelkeit und Erbrechen.

  1. Zentral: D₂-Blockade in der Chemorezeptor-Triggerzone (außerhalb der Blut-Hirn-Schranke, daher auch für Domperidon erreichbar) → Brechreiz ↓.
  2. Peripher: Dopamin hemmt über präsynaptische D₂-Rezeptoren die Acetylcholinfreisetzung im Plexus myentericus; Blockade → ACh ↑ → M₃-vermittelte Kontraktion der glatten Muskulatur.
  3. 5-HT₄-Agonismus (nur MCP): fördert präsynaptisch zusätzlich die ACh-Freisetzung, wie bei den 5-HT₄-Rezeptor-Agonisten.
  4. 5-HT₃-Antagonismus (nur MCP): schwach, erst hochdosiert relevant.

Ergebnis ist die Prokinetik: Tonus des unteren Ösophagussphinkters ↑, Antrumkontraktionen ↑, bessere antroduodenale Koordination, beschleunigte Magenentleerung. Auf das Kolon wirken beide kaum. Weil die Wirkung über Acetylcholin läuft, heben Anticholinergika sie auf.

Schema mit Area postrema und einem cholinergen Neuron des Plexus myentericus, an dem D₂-Rezeptoren blockiert und 5-HT₄-Rezeptoren aktiviert werden, wodurch mehr Acetylcholin an der glatten Muskulatur wirkt.

Antiemetisch in der Chemorezeptor-Triggerzone, prokinetisch über enthemmte Acetylcholinfreisetzung im Plexus myentericus.

Wirkungen und Anwendung

Antiemese und beschleunigte Magenentleerung bestimmen die Indikationen, die EMA-Beschränkung ihre Dauer.

  • Übelkeit und Erbrechen: postoperativ, bei Gastroenteritis Erwachsener kurzfristig, nicht bei Kindern (Übelkeit und Erbrechen); Prokinetik kann eine Diarrhö verstärken.
  • Chemotherapie: MCP als Prophylaxe bei gering emetogener Therapie und als Rescue, dem Olanzapin unterlegen (CINV).
  • Migräneattacke: In der Attacke ist der Magen atonisch; Beschleunigung der Magenentleerung verbessert die Resorption von Analgetika und Triptanen, dazu antiemetisch (Migräne).
  • Gastroparese: verzögerte Magenentleerung ohne mechanisches Hindernis, typisch diabetisch durch autonome Neuropathie; Prokinetika lindern, eine Dauertherapie schließt die EMA-Beschränkung aber aus.
  • Parkinson (Domperidon): Übelkeit bei Einleitung von Dopaminagonisten oder Apomorphin.
  • Reflux: den PPI unterlegen, keine Monotherapie.

Wegen tardiver Dyskinesien (MCP) und kardialer Risiken (Domperidon) begrenzt die EMA Dosis und Dauer: MCP höchstens fünf Tage, nicht bei chronischen Erkrankungen, Domperidon nur bei Übelkeit und Erbrechen, möglichst kurz.

Pharmakokinetik

Die Kinetik erklärt die Hälfte des Unterschieds zwischen beiden Substanzen.

  • Domperidon, Blut-Hirn-Schranke: Substrat von P-Glykoprotein, das es aus dem Endothel zurückpumpt → kaum ZNS-Spiegel.
  • Domperidon, Metabolismus: hoher First-Pass-Effekt über CYP3A4 → Hemmer erhöhen die Spiegel stark.
  • Metoclopramid: lipophil genug und kein relevantes P-gp-Substrat → ZNS-gängig.
  • Metoclopramid, Elimination: überwiegend renal, teils unverändert → bei Niereninsuffizienz Dosis reduzieren.

Unerwünschte Wirkungen

Fast alle UAW folgen aus der D₂-Blockade am falschen Ort, die QT-Verlängerung aus einer Kanalblockade.

UAW warum
ZNS
Frühdyskinesien (Blick-, Schlund-, Zungenkrämpfe), v. a. Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, MCP striatale D₂-Blockade → cholinerges Übergewicht; Antidot Biperiden (zentrale Anticholinergika)
ZNS
Tardive Dyskinesie, MCP, Langzeitgabe adaptive D₂-Hypersensitivität, oft irreversibel → Grund der Zeitbegrenzung
ZNS
Parkinsonoid, Akathisie, Müdigkeit, MCP zentrale D₂-Blockade; Details bei den Antipsychotika
Sexualität
Hyperprolaktinämie (Galaktorrhö, Gynäkomastie, Amenorrhö), beide Dopamin hemmt die Prolaktinsekretion; die Hypophyse liegt außerhalb der Blut-Hirn-Schranke (Hyperprolaktinämie)
Herz
QT-Verlängerung, Torsade de pointes, plötzlicher Herztod, v. a. Domperidon hERG-Kaliumkanal-Blockade, risikoreich bei hohen Spiegeln und Älteren
Magen-Darm
Diarrhö Prokinetik

Kontraindikationen und Wechselwirkungen

Kontraindikationen ergeben sich aus D₂-Blockade, Motilitätssteigerung und QT-Effekt.

  • Parkinson-Syndrom (MCP): zentraler D₂-Antagonismus verschlechtert die Motorik und hebt Levodopa und Dopaminagonisten auf (Parkinson-Syndrom).
  • Mechanischer Ileus, GI-Blutung, Perforation: gesteigerte Motilität gefährdet.
  • Phäochromozytom (MCP): kann Katecholaminfreisetzung aus dem Tumor auslösen → hypertensive Krise.
  • Kinder: MCP unter einem Jahr kontraindiziert, danach nur zweite Wahl wegen Frühdyskinesien.
  • Kardiale Risiken (Domperidon): QT-Verlängerung, Elektrolytstörungen, Herzinsuffizienz, mittelschwere Leberinsuffizienz; keine Kombination mit QT-verlängernden Arzneistoffen.
  • Anticholinergika, Opioide: heben die Prokinetik auf.
  • Antipsychotika: additive EPS mit MCP.
⚠️ Achtung: Domperidon und CYP3A4-Hemmer

Ketoconazol, Clarithromycin oder Ritonavir hemmen den First-Pass-Abbau, die Domperidonspiegel steigen und mit ihnen das Torsade-Risiko. Die Kombination ist kontraindiziert.

Unterschiede innerhalb der Klasse

Entscheidend ist die Blut-Hirn-Schranke: Sie trennt das neurologische vom kardialen Risiko.

Vergleichsschema der Verteilung von Metoclopramid und Domperidon im Gehirn mit Chemorezeptor-Triggerzone, Hypophyse und Striatum sowie P-Glykoprotein an der Blut-Hirn-Schranke.

Gleiche Rezeptoren, verschiedene Orte: CTZ und Hypophyse außerhalb der Blut-Hirn-Schranke erreichen beide, das Striatum (EPS) nur Metoclopramid, während Domperidon das QT-Risiko trägt.
Merkmal Metoclopramid Domperidon
ZNS-Gängigkeit ja kaum (P-gp)
Wirkort Antiemese CTZ und zentral CTZ
EPS häufig bei Jüngeren sehr selten
Prolaktin ↑ ja ja
QT-Risiko gering relevant
Elimination renal CYP3A4
5-HT₄-Komponente ja nein
Prüferinnenfrage
Warum bekommt ein Parkinson-Patient gegen Übelkeit Domperidon und nicht Metoclopramid?
Antwort anzeigen

Domperidon wird von P-Glykoprotein aus dem Gehirn gehalten und blockiert deshalb nicht die nigrostriatalen D₂-Rezeptoren, die Levodopa braucht. Die Chemorezeptor-Triggerzone liegt außerhalb der Blut-Hirn-Schranke und bleibt erreichbar. Metoclopramid wirkt dagegen im Striatum und verschlechtert die Motorik. Vor Domperidon wird wegen des QT-Risikos ein EKG empfohlen.

💡 Merke

Außerhalb der Blut-Hirn-Schranke (CTZ, Hypophyse) wirken beide, im Striatum nur Metoclopramid.

Teste dich

Teste dich mit 10 Karten
wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Aussage 1

Domperidon erhöht den Prolaktinspiegel, obwohl es die Blut-Hirn-Schranke kaum passiert.

Die Hypophyse liegt außerhalb der Blut-Hirn-Schranke; dort hemmt Dopamin die Prolaktinsekretion, die Domperidon aufhebt.

Wer bin ich?

Aussage 3

Beim Phäochromozytom ist Metoclopramid kontraindiziert, weil es eine Katecholaminfreisetzung aus dem Tumor auslösen kann.

Die Katecholaminfreisetzung kann eine hypertensive Krise auslösen.

Zuordnen

Aussage 5

Die prokinetische Wirkung beruht auf einer gesteigerten Acetylcholinfreisetzung im Plexus myentericus und wird durch Anticholinergika aufgehoben.

D₂-Blockade hebt die präsynaptische Hemmung cholinerger Neurone auf; Anticholinergika blockieren den Effekt am M₃-Rezeptor.

Aussage 6

Domperidon verursacht häufiger Frühdyskinesien als Metoclopramid, weil es stärker an D₂-Rezeptoren bindet.

Umgekehrt: Domperidon ist P-gp-Substrat, erreicht das Striatum kaum und verursacht sehr selten EPS. Frühdyskinesien sind typisch für das ZNS-gängige Metoclopramid.

Aussage 7

Metoclopramid wird überwiegend über CYP3A4 abgebaut, deshalb sind CYP3A4-Hemmer bei ihm kontraindiziert.

Das gilt für Domperidon. Metoclopramid wird überwiegend renal eliminiert, die Dosis wird an die Nierenfunktion angepasst.

Warum?

Lückentext

Prüferin fragt

Fehler entdeckt oder eine Idee? Wir verbessern die Inhalte laufend. Melde es uns gerne über dieses Formular ❤️

Teile der Inhalte wurden mithilfe von KI-Systemen erstellt und werden fortlaufend redaktionell geprüft. Trotz Sorgfalt können Fehler enthalten sein. Wichtige Informationen bitte anhand offizieller Quellen prüfen. Relaxed ins Stex ist ein unabhängiges Angebot und steht in keiner Kooperation mit dem IMPP. Das Angebot ist weder vom IMPP autorisiert noch mit diesem verbunden.

Zurück nach oben