Grundlagen

Adrenerges und dopaminerges System

Biosynthese, Speicherung, Freisetzung und Inaktivierung von Noradrenalin, Adrenalin und Dopamin, dazu die Adrenozeptor- und Dopaminrezeptor-Subtypen mit Signalweg und Organwirkung. Den Kern bilden die Kette von Tyrosin bis zum Abbau und die Rezeptortabelle, an der alle Sympathikus-Pharmaka ansetzen.

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  • Einordnung: Noradrenalin ist Transmitter des Sympathikus, Adrenalin Hormon des Nebennierenmarks, Dopamin Vorstufe und eigenständiger Transmitter; alle sind polar und Substrate von MAO und COMT.
  • Synthese: Tyrosin → L-DOPA (Tyrosinhydroxylase, geschwindigkeitsbestimmend) → Dopamin (DDC) → im Vesikel Noradrenalin (Dopamin-β-Hydroxylase) → im Nebennierenmark Adrenalin (PNMT).
  • Speicherung und Freisetzung: VMAT pumpt im H⁺-Austausch in Vesikel, Freisetzung durch Ca²⁺-abhängige Exozytose, präsynaptische α₂-Autorezeptoren bremsen über Gi.
  • Inaktivierung: vor allem Uptake 1 (NET) zurück ins Neuron, Uptake 2 extraneuronal; Abbau durch MAO und COMT zu Vanillinmandelsäure bzw. Homovanillinsäure.
  • Adrenozeptoren: α₁ über Gq (Vasokonstriktion), α₂ über Gi (Freisetzung ↓, Sympathikotonus ↓), β über Gs (β₁ Herz, β₂ Bronchodilatation und Vasodilatation, β₃ Lipolyse und Detrusor); Noradrenalin wirkt kaum an β₂.
  • Dopaminrezeptoren: D1-artig über Gs (renale Vasodilatation), D2-artig über Gi (Area postrema, Prolaktinhemmung, Autorezeptor).
  • Angriffspunkte: falsche Transmitter, VMAT-Hemmung, Freisetzung und NET-Hemmung, MAO- und COMT-Hemmung, subtypselektive Agonisten und Antagonisten.

Orientierung

Katecholamine sind Amine mit Brenzcatechin-Ring (3,4-Dihydroxyphenyl) und Ethylamin-Seitenkette. Sie wirken als Transmitter und als Hormon, und fast jedes Sympathikus-Pharmakon greift in ihren Lebenszyklus oder an ihren Rezeptoren an. Die Organisation des vegetativen Nervensystems setzt diese Seite voraus (Anatomie und Physiologie).

  • Noradrenalin: Transmitter der postganglionären sympathischen Neurone; wirkt an α und β₁, kaum an β₂.
  • Adrenalin: Hormon des Nebennierenmarks; wirkt an α, β₁ und β₂.
  • Dopamin: eigenständiger Transmitter in ZNS und Peripherie und Vorstufe von Noradrenalin; wirkt an D-Rezeptoren, in höherer Konzentration auch an β₁ und α₁.

Alle drei sind polar und Substrate von MAO und COMT: oral praktisch unwirksam und nicht ZNS-gängig.

Lebenszyklus der Katecholamine

Synthese, Speicherung und Freisetzung laufen in der Nervenendigung als feste Kette ab, jeder Schritt ist ein pharmakologischer Angriffspunkt.

Reaktionsfolge mit fünf Strukturformeln, verbunden durch Pfeile mit Enzymnamen.

Biosynthese der Katecholamine von Tyrosin bis Adrenalin.
  1. Hydroxylierung: Tyrosin → L-DOPA durch die Tyrosinhydroxylase (Cofaktor Tetrahydrobiopterin); geschwindigkeitsbestimmend, durch Noradrenalin rückgekoppelt gehemmt.
  2. Decarboxylierung: L-DOPA → Dopamin durch die aromatische L-Aminosäure-Decarboxylase (DDC, Pyridoxalphosphat), zytosolisch und auch peripher ubiquitär.
  3. Speicherung: der vesikuläre Monoamintransporter (VMAT) pumpt Dopamin im Austausch gegen H⁺ in die Vesikel (Protonengradient durch V-ATPase) und schützt es vor der zytosolischen MAO.
  4. β-Hydroxylierung: im Vesikel Dopamin → Noradrenalin durch die Dopamin-β-Hydroxylase (Ascorbat, Cu²⁺).
  5. N-Methylierung: vor allem im Nebennierenmark Noradrenalin → Adrenalin durch die PNMT (Methyldonor S-Adenosylmethionin, durch Cortisol induziert).
  6. Freisetzung: Aktionspotenzial → Ca²⁺-Einstrom über spannungsabhängige Ca²⁺-Kanäle → Exozytose.

Die Wirkung endet vor allem durch Wiederaufnahme, nicht durch Abbau im Spalt.

  • Uptake 1: neuronaler Noradrenalin-Transporter (NET), Na⁺/Cl⁻-gekoppelt, hochaffin; holt den Großteil zurück → erneute Speicherung über VMAT oder Abbau. Analog dazu DAT für Dopamin.
  • Uptake 2: extraneuronal (glatte Muskulatur, Herz, Leber), niedrigaffin mit hoher Kapazität (OCT3); inaktiviert vor allem zirkulierende Katecholamine.
  • Monoaminoxidase (MAO): an der äußeren Mitochondrienmembran, oxidative Desaminierung; MAO-A (Noradrenalin, Serotonin, Tyramin; Darm, Leber), MAO-B (bevorzugt Dopamin; Gehirn, Thrombozyten).
  • Catechol-O-Methyltransferase (COMT): vorwiegend extraneuronal, methyliert die 3-OH-Gruppe mit S-Adenosylmethionin.
  • Abbauprodukte: Vanillinmandelsäure aus Noradrenalin und Adrenalin, Homovanillinsäure aus Dopamin; Metanephrine dienen als Marker beim Phäochromozytom.
Prüferinnenfrage
Wie wird Noradrenalin im synaptischen Spalt inaktiviert, und was ist anders als beim Acetylcholin?
Antwort anzeigen

Noradrenalin wird überwiegend über Uptake 1 (NET) in die Nervenendigung zurückgeholt und dort über VMAT erneut gespeichert oder durch die mitochondriale MAO abgebaut. Acetylcholin wird dagegen schon im Spalt durch die Acetylcholinesterase gespalten (cholinerges System). Deshalb verstärken NET-Hemmer wie Cocain oder trizyklische Antidepressiva die noradrenerge Wirkung stark, während die COMT vor allem zirkulierende Katecholamine nach Uptake 2 inaktiviert.

Adrenozeptoren

Adrenozeptoren sind G-Protein-gekoppelte Rezeptoren mit sieben Transmembrandomänen; der Subtyp bestimmt das G-Protein und damit die Organantwort (Signaltransduktion). In glatter Muskulatur kontrahiert Ca²⁺ über Calmodulin und Myosin-leichte-Ketten-Kinase, cAMP relaxiert. Am Herzen dagegen steigert cAMP über PKA (Phosphorylierung von L-Typ-Ca²⁺-Kanälen und Phospholamban) Kraft und Frequenz.

Drei nebeneinanderstehende Rezeptoren mit ihren G-Proteinen, Second Messengern und Zellantworten.

Signalwege der Adrenozeptor-Subtypen.
Subtyp G-Protein → Messenger Lokalisation Wirkung
α₁ Gq → PLC → IP₃/DAG, Ca²⁺ ↑ Gefäße, M. dilatator pupillae, Blasenhals, Prostata Vasokonstriktion, Mydriasis, Blasenverschluss
α₂ Gi → cAMP ↓ präsynaptisch, Hirnstamm, Thrombozyten, β-Zellen Noradrenalin-Freisetzung ↓, Sympathikotonus ↓, Aggregation ↑, Insulin ↓
β₁ Gs → cAMP ↑ → PKA Herz, juxtaglomeruläre Zellen positiv chrono-, ino-, dromo-, bathmotrop; Renin ↑
β₂ Gs → cAMP ↑ Bronchien, Gefäße der Skelettmuskulatur, Uterus, Leber, Skelettmuskel Bronchodilatation, Vasodilatation, Tokolyse, Glykogenolyse, K⁺-Aufnahme in Zellen, Tremor
β₃ Gs → cAMP ↑ Fettgewebe, Detrusor Lipolyse, Detrusorrelaxation
💡 Merke

α₁ → Gq, α₂ → Gi, alle β → Gs: in dieser Reihenfolge „q, i, s“.

📖 Definition: Präsynaptischer Autorezeptor

Rezeptor auf der Nervenendigung für den eigenen Transmitter. Der α₂-Autorezeptor hemmt über Gi (cAMP ↓, Ca²⁺-Einstrom ↓) die weitere Noradrenalin-Freisetzung: negative Rückkopplung.

Die Affinitätsreihenfolge definiert die Subtypen und erklärt, warum Noradrenalin den Blutdruck steigert, Adrenalin in niedriger Konzentration aber Muskelgefäße erweitert (Katecholamine):

  • α: Adrenalin ≥ Noradrenalin ≫ Isoprenalin
  • β₁: Isoprenalin > Adrenalin = Noradrenalin
  • β₂: Isoprenalin > Adrenalin ≫ Noradrenalin

Bei Daueragonismus phosphorylieren G-Protein-gekoppelte Rezeptorkinasen (GRK) den Rezeptor, β-Arrestin entkoppelt und internalisiert ihn (Desensitisierung), anhaltend sinkt die Rezeptorzahl (Downregulation). Umgekehrt führt Dauerblockade zur Upregulation, daher der Rebound beim abrupten Absetzen von Betablockern.

Dopaminerges System

Dopaminrezeptoren sind ebenfalls G-Protein-gekoppelt und bilden zwei Familien mit gegensätzlichem Signalweg.

A D1-artig (D1, D5)
  • Signal: Gs → cAMP ↑
  • Lage: postsynaptisch
  • Peripher: Niere und Splanchnikusgebiet → Vasodilatation, Natriurese
B D2-artig (D2, D3, D4)
  • Signal: Gi/o → cAMP ↓, K⁺-Leitfähigkeit ↑
  • Lage: post- und präsynaptisch (Autorezeptor)
  • Peripher: Area postrema → Erbrechen; Hypophyse → Prolaktinhemmung

Die Area postrema liegt außerhalb der Blut-Hirn-Schranke, deshalb wirken dort auch nicht ZNS-gängige D2-Antagonisten wie Domperidon antiemetisch (Dopaminantagonisten). Zentral steuern nigrostriatale (Motorik), mesolimbisch-mesokortikale (Antrieb, Belohnung) und tuberoinfundibuläre Bahnen (Prolaktin), Details unter Grundlagen der Psychopharmakologie.

In noradrenergen Neuronen ist Dopamin nur Zwischenstufe, dopaminergen Neuronen fehlt die Dopamin-β-Hydroxylase. Dopamin selbst passiert die Blut-Hirn-Schranke nicht, die Vorstufe Levodopa dagegen über den Aminosäuretransporter LAT1 (Levodopa mit Decarboxylasehemmer).

Pharmakologische Angriffspunkte

Jeder Schritt von der Synthese bis zum Rezeptor lässt sich pharmakologisch verstärken oder blockieren.

Schema einer noradrenergen Nervenendigung mit Vesikel, Transportern, Abbauenzymen und Rezeptoren, jeweils beschriftet mit angreifenden Arzneistoffklassen.

Noradrenerge Synapse mit den pharmakologischen Angriffspunkten von der Synthese bis zum Rezeptor.
Angriffspunkt Prinzip Beispiele (Klasse)
Synthese falscher Transmitter, DDC-Hemmung α-Methyldopa → α-Methylnoradrenalin (Antisympathotonika); Carbidopa, Benserazid peripher
Speicherung VMAT-Hemmung → Vesikel entleert Reserpin, Tetrabenazin (Antisympathotonika)
Freisetzung und Wiederaufnahme Verdrängung, NET-Umkehr oder NET-Hemmung Amphetamin, Ephedrin, Cocain (indirekte Sympathomimetika)
Abbau MAO-B- bzw. COMT-Hemmung Rasagilin (MAO-B-Hemmer); Entacapon (COMT-Hemmer); MAO-Hemmer als Antidepressiva
α₁ Agonist / Antagonist Phenylephrin (α-Sympathomimetika) / Doxazosin (Alpha-Blocker)
α₂ Agonist Clonidin, Moxonidin (Antisympathotonika)
β Agonist / Antagonist Dobutamin, Salbutamol (β-Sympathomimetika) / Metoprolol (Betablocker); Mirabegron an β₃ (β3-Agonisten)
D-Rezeptoren Agonist / D2-Antagonist Pramipexol (Dopaminagonisten) / Haloperidol (Antipsychotika)

Direkte Agonisten wirken unabhängig vom Transmittervorrat, indirekte Sympathomimetika brauchen gefüllte Speicher; Grundlagen der Rezeptoragonisten unter direkte Sympathomimetika.

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Lückentext

Aussage 2

Die Tyrosinhydroxylase katalysiert den geschwindigkeitsbestimmenden Schritt der Katecholaminsynthese.

Die Umsetzung von Tyrosin zu L-DOPA ist der langsamste Schritt und wird durch Noradrenalin rückgekoppelt gehemmt.

Aussage 3

D1-artige Dopaminrezeptoren hemmen über Gi die Adenylatcyclase.

D1-artige Rezeptoren (D1, D5) koppeln an Gs und erhöhen cAMP. Gi-gekoppelt sind die D2-artigen Rezeptoren (D2, D3, D4).

Warum?

Aussage 5

Präsynaptische α₂-Autorezeptoren sind Gi-gekoppelt und hemmen die weitere Noradrenalin-Freisetzung.

Über Gi sinken cAMP und der Ca²⁺-Einstrom, dadurch wird weniger Noradrenalin exozytiert: negative Rückkopplung.

Reihenfolge

Aussage 7

Noradrenalin hat am β₂-Rezeptor eine höhere Affinität als Adrenalin.

An β₂ gilt Isoprenalin > Adrenalin ≫ Noradrenalin. Noradrenalin wirkt vor allem an α und β₁.

Aussage 8

Die Dopamin-β-Hydroxylase wandelt Dopamin im Zytosol der Nervenendigung in Noradrenalin um.

Die Dopamin-β-Hydroxylase sitzt im Vesikel. Dopamin muss erst über VMAT in das Vesikel gepumpt werden, bevor es zu Noradrenalin hydroxyliert wird.

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