Grundlagen

Menstruationszyklus

Hypothalamus, Hypophyse, Ovar und Endometrium bilden einen Regelkreis, der im Zyklusverlauf von negativer auf positive Rückkopplung umschaltet. Den Kern bilden die Hormonkurven der drei Phasen, denn an ihnen setzen Kontrazeption, Ovulationsinduktion und Gestagentherapie an.

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Dein roter Faden6 Punkte
  • Achse: Pulsatiles GnRH steuert FSH und LH, das Ovar antwortet mit Estradiol, Progesteron und Inhibin, das Endometrium folgt.
  • Follikelphase: Steigendes FSH rekrutiert Follikel, der dominante Follikel bildet nach dem Zwei-Zellen-zwei-Gonadotropine-Prinzip Estradiol und senkt FSH über negative Rückkopplung.
  • Ovulation: Hohes, anhaltendes Estradiol schaltet auf positive Rückkopplung um, der LH-Peak löst nach etwa 24 bis 36 Stunden die Ovulation aus.
  • Lutealphase: Das LH-abhängige Corpus luteum bildet Progesteron, das die Achse bremst und das estrogen-vorbereitete Endometrium sekretorisch transformiert.
  • Luteolyse oder Schwangerschaft: Ohne hCG fällt Progesteron nach etwa 14 Tagen ab und die Menstruation folgt, hCG rettet dagegen das Corpus luteum.
  • Pharmakologie: Gestagene unterdrücken den LH-Peak, Gonadotropine und Clomifen induzieren die Ovulation, GnRH-Analoga supprimieren die Achse, Antigestagene blockieren den Progesteronrezeptor.

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Überblick

Der Menstruationszyklus ist das periodische Zusammenspiel von Hypothalamus, Hypophyse, Ovar und Endometrium. Es bringt etwa alle 28 Tage eine Eizelle zur Ovulation und bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf eine Einnistung vor. Kontrazeptiva, Gonadotropine und GnRH-Analoga greifen gezielt in diese Achse ein.

  • Hypothalamus: setzt GnRH pulsatil frei. Nur pulsatiles GnRH hält die Hypophyse stimulierbar (Hypothalamus- und Hypophysenhormone).
  • Hypophysenvorderlappen: bildet FSH und LH.
  • Ovar: bildet Estradiol, Progesteron und Inhibin, die auf Hypothalamus und Hypophyse zurückwirken.
  • Endometrium: ist das Erfolgsorgan und folgt den Ovarialhormonen.

Der ovarielle Zyklus (Follikelphase, Ovulation, Lutealphase) läuft parallel zum uterinen Zyklus (Menstruation und Proliferationsphase, dann Sekretionsphase). Störungen dieses Ablaufs behandelt Zyklusstörungen und Endometriose, das Erlöschen der Ovarfunktion Klimakterium und Hormonersatztherapie.

Follikelphase

Die Follikelphase reicht vom ersten Blutungstag bis zur Ovulation. Sie beginnt, weil mit dem Untergang des Corpus luteum Estradiol, Progesteron und Inhibin A abfallen: Die negative Rückkopplung entfällt, FSH steigt.

  • Rekrutierung: FSH lässt eine Kohorte antraler Follikel wachsen.
  • Selektion: Der Follikel mit den meisten FSH-Rezeptoren bildet am meisten Estradiol und Inhibin B. Beide senken FSH, die übrigen Follikel unterschreiten ihre FSH-Schwelle und werden atretisch. Der dominante Follikel überlebt, weil er mit weniger FSH auskommt und zusätzlich LH-Rezeptoren erwirbt.

Estradiol entsteht nach dem Zwei-Zellen-zwei-Gonadotropine-Prinzip: Keine der beiden Zellen besitzt den vollständigen Syntheseweg.

A Thekazelle
  • Steuerung: LH
  • Leistung: CYP17 bildet Androstendion aus Cholesterol, Aromatase fehlt
B Granulosazelle
  • Steuerung: FSH
  • Leistung: Aromatase (CYP19) wandelt das übernommene Androstendion in Estradiol um, CYP17 fehlt

Estradiol treibt die Proliferation der Funktionalis, induziert Progesteronrezeptoren im Endometrium und macht den Zervixschleim dünn und spinnbar.

Zwei nebeneinanderliegende Follikelzellen, links Thekazelle unter LH mit Androgenbildung, rechts Granulosazelle unter FSH mit Aromatisierung zu Estradiol

Zwei-Zellen-zwei-Gonadotropine-Prinzip der Estradiolsynthese

Ovulation

Zur Zyklusmitte kehrt sich die Wirkung von Estradiol um. Bleibt der Spiegel hoch und über etwa zwei Tage anhaltend, stimuliert Estradiol die Achse, statt sie zu hemmen: positive Rückkopplung.

Diagramm mit Hormonkurven über 28 Tage: Estradiolgipfel vor dem LH-Peak zur Zyklusmitte, danach Progesteronplateau und Temperaturanstieg

Hormonkurven, Basaltemperatur, Ovar und Endometrium im Zyklusverlauf
  1. Umschalten: Estradiol aktiviert Kisspeptin-Neurone, die GnRH-Pulsfrequenz steigt, die Hypophyse wird empfindlicher für GnRH.
  2. LH-Peak: steiler LH-Anstieg mit kleinerem FSH-Gipfel.
  3. Wirkung am Follikel: Die Eizelle nimmt die Meiose wieder auf, die Granulosazellen luteinisieren, Prostaglandine und Proteasen lösen die Follikelwand.
  4. Ovulation: Follikelruptur etwa 24 bis 36 Stunden nach Beginn des LH-Peaks.
Prüferinnenfrage
Warum kommt der LH-Peak nur einmal im Zyklus, und zwar zur Zyklusmitte?
Antwort anzeigen

Die positive Rückkopplung braucht hohe, anhaltende Estradiolspiegel ohne Progesteron. Das liefert erst der reife dominante Follikel kurz vor der Ovulation. Danach senkt das Progesteron des Corpus luteum die GnRH-Pulsfrequenz und verhindert einen zweiten Peak. Ein dauerhaft zugeführtes Gestagen nutzt genau das zur Ovulationshemmung (Hormonelle Kontrazeptiva).

Lutealphase

Die Lutealphase reicht von der Ovulation bis zur nächsten Blutung. Aus Granulosa- und Thekazellen des gesprungenen Follikels entsteht das Corpus luteum (Gelbkörper), eine LH-abhängige Drüse, die vor allem Progesteron, daneben Estradiol und Inhibin A bildet.

  • Rückkopplung: Progesteron und Estradiol hemmen GnRH, FSH und LH, Progesteron senkt vor allem die GnRH-Pulsfrequenz.
  • Sekretorische Transformation: Progesteron stoppt die Proliferation, die Drüsen werden geschlängelt und sezernieren Glykogen, das Stroma wird ödematös, die Spiralarterien wachsen. Das gelingt nur am estrogen-vorbereiteten Endometrium, weil Estradiol die Progesteronrezeptoren induziert.
  • Weitere Wirkungen: Zervixschleim zäh, Basaltemperatur um etwa 0,5 °C erhöht (zentral thermogen).
  1. Luteolyse: Ohne Befruchtung geht das Corpus luteum nach etwa 14 Tagen zugrunde, Progesteron und Estradiol fallen.
  2. Progesteronentzug: Prostaglandine (PGF₂α) verengen die Spiralarterien, die Funktionalis wird ischämisch.
  3. Menstruation: Die Funktionalis wird abgestoßen, FSH steigt, der nächste Zyklus beginnt.

Bei Schwangerschaft bildet der Trophoblast hCG. Es bindet am LH-Rezeptor, rettet das Corpus luteum und sichert die Progesteronbildung, bis die Plazenta sie übernimmt.

💡 Merke

Die Lutealphase ist mit rund 14 Tagen konstant, Schwankungen der Zykluslänge gehen auf die Follikelphase zurück.

Pharmakologische Angriffspunkte

Gynäkologische Hormontherapie ahmt eine Zyklusphase nach oder verschiebt eine Rückkopplung.

Schema der Hormonachse vom Hypothalamus bis zum Endometrium mit Rückkopplungen und markierten Wirkorten der Arzneistoffgruppen

Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse und ihre pharmakologischen Angriffspunkte
Angriffspunkt Arzneistoffklasse Effekt
LH-Peak Hormonelle Kontrazeptiva Gestagen (± Estrogen) dauerhaft → negative Rückkopplung, keine Ovulation
Follikelreifung, LH-Peak Gonadotropine, Clomifen (SERM) FSH treibt Follikel, hCG ersetzt den LH-Peak, Clomifen enthemmt die Rückkopplung → FSH ↑
GnRH-Rezeptor GnRH-Agonisten und -Antagonisten Agonist: Flare-up, dann Desensitisierung; Antagonist: sofortige Blockade → FSH, LH, Estradiol ↓
Endometrium Gestagene sekretorische Transformation, Schutz vor estrogenbedingter Hyperplasie, Entzugsblutung
Progesteronrezeptor Antigestagene und SPRM Ulipristalacetat verzögert die Ovulation, Mifepriston imitiert den Progesteronentzug

Die Rückkopplung sagt voraus, ob ein Eingriff die Achse bremst (Gestagen, GnRH-Daueragonist) oder enthemmt (Clomifen).

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wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Reihenfolge

Aussage 2

In der Granulosazelle wird unter FSH-Einfluss Androstendion zu Estradiol aromatisiert.

FSH induziert in der Granulosazelle die Aromatase (CYP19), die das aus der Thekazelle stammende Androstendion zu Estradiol umsetzt.

Aussage 3

GnRH-Antagonisten verursachen zu Therapiebeginn einen Flare-up von FSH und LH.

Den Flare-up verursachen GnRH-Agonisten vor der Desensitisierung. Antagonisten blockieren den GnRH-Rezeptor sofort.

Aussage 4

Die sekretorische Transformation setzt eine vorherige Estrogenwirkung voraus, weil Estradiol die Progesteronrezeptoren induziert.

Ohne Estrogen-Priming fehlen im Endometrium die Progesteronrezeptoren, Progesteron kann dann nicht transformieren.

Aussage 5

Progesteron steigert in der Lutealphase die GnRH-Pulsfrequenz.

Progesteron senkt die GnRH-Pulsfrequenz und bremst so die Achse. Deshalb kommt es nach der Ovulation zu keinem zweiten LH-Peak.

Warum?

Zuordnen

Aussage 8

Die Thekazelle bildet unter FSH-Einfluss selbst Estradiol.

Die Thekazelle steht unter LH-Kontrolle und bildet Androstendion. Ihr fehlt die Aromatase, Estradiol entsteht erst in der Granulosazelle.

Aussage 9

Der LH-Peak wird durch hohe, über etwa zwei Tage anhaltende Estradiolspiegel ausgelöst.

Hohes, anhaltendes Estradiol schaltet von negativer auf positive Rückkopplung um, GnRH-Pulsfrequenz und hypophysäre Empfindlichkeit steigen.

Prüferin fragt

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