Polyen-Antimykotika
Polyen-Antimykotika binden an Ergosterol der Pilzmembran, bilden Poren und wirken fungizid mit sehr breitem Spektrum. Kern sind der Mechanismus, die Reservestellung von liposomalem Amphotericin B und die Nephrotoxizität mit Kalium- und Magnesiumverlust.
Dein roter Faden
- Einordnung: Polyene sind makrocyclische Naturstoffe und die ältesten Antimykotika; systemisch nur Amphotericin B, lokal Nystatin und Natamycin.
- Mechanismus: Bindung an Ergosterol, ringförmige Poren, Ausstrom von K⁺ und Mg²⁺ und dadurch fungizide Wirkung; Resistenz selten.
- Selektivität: Die Affinität zu Ergosterol übertrifft die zu Cholesterol, aber nicht absolut, daraus folgt die Toxizität.
- Anwendung: Mittel der Wahl bei Mukormykose und mit Flucytosin bei Kryptokokken-Meningitis, sonst Alternative zu Echinocandinen und Triazolen; lokal bei Soor und Pilzkeratitis.
- Formulierung: Keine orale Resorption; liposomales Amphotericin B ist die systemische Standardform, weil weniger freie Substanz die Niere erreicht.
- UAW: Infusionsreaktionen, Nephrotoxizität mit Hypokaliämie und Hypomagnesiämie, Anämie.
- Wechselwirkungen: additive Nephrotoxizität mit Aminoglykosiden oder Calcineurin-Inhibitoren, Hypokaliämie erhöht die Toxizität von Herzglykosiden.
Kostenlos weiterlesen mit deinem Relaxed-Konto
Lege dir ein kostenloses Konto an, dann ist das ganze 2. Staatsexamen für dich frei. Kein Abo, keine Zahlungsdaten.
Bitte bestätige zuerst deine E-Mail-Adresse
Wir haben dir einen Link geschickt. Mit bestätigter E-Mail-Adresse liest du hier gleich weiter.
Überblick
Polyen-Antimykotika sind makrocyclische Lactone aus Streptomyces mit einer Kette konjugierter Doppelbindungen. Sie binden an Ergosterol der Pilzzellmembran und machen sie durchlässig. Als älteste Antimykotika greifen sie an der fertigen Membran an, nicht an der Ergosterolsynthese wie die Azol-Antimykotika oder an der Zellwand wie die Echinocandine.
- Fungizid und breit: Hefen, Schimmelpilze, dimorphe Pilze und Mucorales, Resistenz selten.
- Nicht oral resorbierbar: systemisch nur Amphotericin B intravenös, sonst lokal an Haut, Schleimhaut, Darm und Auge.
- Toxisch: Restaffinität zu Cholesterol → Nephrotoxizität als dosisbegrenzende UAW.
- Stellenwert: systemisch Alternative zu Echinocandinen und Triazolen, Mittel der Wahl bei Mukormykose und Kryptokokken-Meningitis; lokal Standard bei Soor.
Typischer Vertreter ist Amphotericin B, das einzige systemisch eingesetzte Polyen.
- Prinzip: Heptaen, bindet Ergosterol → Poren → K⁺-Verlust, fungizid
- Kinetik: oral nicht resorbiert, i. v. bevorzugt liposomal, starke Gewebebindung, sehr lange terminale Halbwertszeit
- Einsatz: Mukormykose, Kryptokokken-Meningitis, invasive Candidose und Aspergillose als Alternative, viszerale Leishmaniose
- Besonderheit: amphoter (daher der Name), nephrotoxisch, Hypokaliämie
Wirkt fast gegen alle Pilze, schadet vor allem der Niere.
Vertreter
Die drei Polyene unterscheiden sich in Ringgröße und Zahl der konjugierten Doppelbindungen und damit in der Anwendung. Amphotericin B (Heptaen) bildet stabile Poren und ist als einziges systemisch nutzbar. Nystatin und Natamycin (Tetraene) sind systemisch zu toxisch bzw. zu schwach und bleiben Lokalmittel.
Wirkmechanismus
Ergosterol ist das Hauptsterol der Pilzmembran und übernimmt dort die Rolle des Cholesterols in Säugerzellen: Es reguliert Fluidität und Funktion von Membranproteinen (Biosynthese bei den Azol-Antimykotika). Polyene sind amphiphil: Die starre Polyenkette bindet lipophil an das Sterol, die Polyolseite mit vielen OH-Gruppen bleibt hydrophil.
- Bindung: Die Polyenkette lagert sich an Ergosterol in der Membran an.
- Porenbildung: Mehrere Amphotericin-B-Sterol-Komplexe ordnen sich ringförmig an, die OH-Gruppen nach innen → wassergefüllter Kanal.
- Ionenverlust: K⁺, Mg²⁺ und kleine Moleküle strömen aus, H⁺ ein → Membranpotenzial und Stoffwechsel brechen zusammen.
- Zelltod: konzentrationsabhängig fungizid, zusätzlich oxidative Membranschäden.
Amphotericin B entzieht der Membran Ergosterol zudem als extramembranäres Aggregat. Natamycin bindet Ergosterol ebenfalls, bildet aber keine Poren, sondern blockiert ergosterolabhängige Membranprozesse.
Die Selektivität ist nur relativ: Die Affinität zu Ergosterol (zusätzliche Doppelbindungen in Ring B und Seitenkette) übertrifft die zu Cholesterol deutlich, aber nicht absolut. Daraus folgt die Toxizität. Resistenz ist selten, weil Pilze mit verändertem Sterolgehalt (Mutationen der Ergosterolsynthese) an Fitness verlieren; intrinsisch wenig empfindlich sind etwa Aspergillus terreus und Scedosporium.
Wirkungen und Anwendung
Die Indikationen ergeben sich aus breitem Spektrum und hoher Toxizität: systemisch dort, wo besser verträgliche Mittel versagen oder nicht wirken (Stellenwert bei Mykosen).
- Mukormykose: liposomales Amphotericin B Mittel der Wahl, weil Mucorales gegen Fluconazol, Voriconazol und Echinocandine resistent sind.
- Kryptokokken-Meningitis, ZNS-Candidose: initial kombiniert mit Flucytosin (synergistisch).
- Invasive Candidose und Aspergillose: Alternative bei Kontraindikation, Unverträglichkeit oder Resistenz gegen Echinocandine bzw. Triazole; bei Kindern jenseits des Neugeborenenalters erste Wahl neben Micafungin.
- Lokale Candidose: Nystatin oder orales Amphotericin B bei Mund-, Darm-, Haut- und Vaginalsoor.
- Pilzkeratitis: Natamycin-Augentropfen, besonders gegen Fusarium.
- Viszerale Leishmaniose: liposomales Amphotericin B, da auch Leishmanien Ergosterol-artige Sterole besitzen (Protozoeninfektionen).
Pharmakokinetik
Die Kinetik wird von Molekülgröße und Amphoterie bestimmt und erklärt, warum die Formulierung über Verträglichkeit entscheidet.
- Keine orale Resorption: großes, amphoteres, schlecht wasserlösliches Molekül → oral nur Wirkung im Gastrointestinaltrakt, systemisch nur i. v.
- Verteilung: starke Bindung an Lipoproteine und Gewebe (Leber, Milz, Niere), kaum liquorgängig, trotzdem wirksam bei Meningitis.
- Elimination: kaum Metabolismus, sehr lange terminale Halbwertszeit (Wochen) durch Rückverteilung aus dem Gewebe, nicht dialysierbar.
Amphotericin B ist in die Lipiddoppelschicht kleiner unilamellarer Liposomen (Phospholipide, Cholesterol) eingebettet. Sie zirkulieren lange, reichern sich in Leber, Milz und am Infektionsort an und geben den Wirkstoff bevorzugt an Pilzzellen ab, so dass weniger freies Amphotericin B Niere und Erythrozyten erreicht.
Unerwünschte Wirkungen
Fast alle UAW betreffen das systemische Amphotericin B und folgen aus der Bindung an Cholesterol menschlicher Membranen oder aus der Zytokinfreisetzung.
| UAW | warum | |
|---|---|---|
Immunsystem |
Infusionsreaktion (Fieber, Schüttelfrost, Rigor) | Aktivierung von Monozyten über TLR2 → TNF-α, IL-1, Prostaglandine |
Niere |
Nephrotoxizität, häufig, dosisbegrenzend | Vasokonstriktion der afferenten Arteriole → GFR ↓; Poren in Tubuluszellen |
Niere |
Hypokaliämie, Hypomagnesiämie | tubulärer K⁺- und Mg²⁺-Verlust, distale tubuläre Azidose |
Blut |
normochrome Anämie | renale Erythropoetinbildung ↓ |
Gefäße · Leber |
Thrombophlebitis, Leberwerterhöhung, selten Kardiomyopathie | lokale bzw. direkte Membranschädigung |
Liposomal sind Nephrotoxizität und Infusionsreaktionen deutlich seltener; Natriumvorlauf mit Kochsalzlösung mindert die Vasokonstriktion zusätzlich. Lokale Polyene verursachen kaum mehr als Reizungen oder Allergien.
Antwort anzeigen
Amphotericin B bildet auch in Tubuluszellen Poren, so dass K⁺ in den Harn verloren geht; dazu kommt eine distale tubuläre Azidose. Der parallele Mg²⁺-Verlust verstärkt das, weil Magnesiummangel die K⁺-Sekretion über ROMK-Kanäle enthemmt. Kalium lässt sich deshalb oft erst nach Magnesiumsubstitution ausgleichen (Hypokaliämie).
Kontraindikationen und Wechselwirkungen
Echte Kontraindikationen sind wenige, weil systemisches Amphotericin B oft alternativlos ist. Das Risiko liegt in additiver Nieren- und Elektrolyttoxizität.
- Kontraindikation: Überempfindlichkeit; Vorsicht bei vorbestehender Niereninsuffizienz und Herzinsuffizienz. In der Schwangerschaft bevorzugtes systemisches Antimykotikum, weil Azole teratogen sind.
- Nephrotoxische Kombinationen: Aminoglykoside, Vancomycin, Ciclosporin, Tacrolimus, Foscarnet, Cisplatin, NSAR, Röntgenkontrastmittel → additive Nierenschädigung.
- Kaliumsenkende Arzneimittel: Schleifen- und Thiaziddiuretika, Glucocorticoide → Hypokaliämie verstärkt.
- QT-verlängernde Arzneimittel: K⁺- und Mg²⁺-Mangel begünstigt Torsade de pointes.
- Flucytosin: renale Elimination sinkt → Myelotoxizität, Spiegelkontrolle (Mykosen).
Hypokaliämie und Hypomagnesiämie steigern die Bindung von Herzglykosiden an die Na⁺/K⁺-ATPase → Arrhythmien. K⁺ und Mg²⁺ engmaschig kontrollieren und ausgleichen.
Unterschiede innerhalb der Klasse
Entscheidend sind die Formulierung des Amphotericin B und die Beschränkung von Nystatin und Natamycin auf die lokale Anwendung.
| Präparat | Anwendung | Kinetik | Verträglichkeit |
|---|---|---|---|
| Amphotericin B konventionell (Desoxycholat) | i. v., für Candidämie nicht mehr empfohlen | rasche Freisetzung freier Substanz | stark nephrotoxisch, häufig Infusionsreaktionen |
| Amphotericin B liposomal | i. v., systemische Standardform | hohe Spiegel, lange Zirkulation | deutlich weniger nephrotoxisch, höher dosierbar |
| Nystatin | Suspension, Salbe, Vaginalzäpfchen | nicht resorbiert | lokal gut verträglich |
| Natamycin | Augentropfen | nicht resorbiert, wirkt oberflächlich | lokal gut verträglich |
Selbst hergestellte Mischungen von konventionellem Amphotericin B mit Fettemulsionen sind nicht zugelassen und obsolet.
Teste dich
Reihenfolge
Aussage 2
Bei Mukormykose ist liposomales Amphotericin B Mittel der Wahl, weil Mucorales gegen Echinocandine resistent sind.
Mucorales sind gegen Echinocandine, Fluconazol und Voriconazol resistent, Amphotericin B erfasst sie dagegen zuverlässig.
Aussage 3
Polyen-Antimykotika hemmen die Biosynthese von Ergosterol.
Die Ergosterolsynthese hemmen Azole und Allylamine. Polyene binden an bereits in der Membran vorhandenes Ergosterol und bilden Poren.
Aussage 4
Liposomales Amphotericin B ist deutlich weniger nephrotoxisch als die konventionelle Desoxycholat-Formulierung.
Die Liposomen geben den Wirkstoff bevorzugt an Pilzzellen ab, so dass weniger freies Amphotericin B die Niere erreicht.
Zuordnen
Warum?
Aussage 7
Amphotericin B wirkt konzentrationsabhängig fungizid.
Durch die Poren verliert die Pilzzelle K⁺, Mg²⁺ und kleine Moleküle, Membranpotenzial und Stoffwechsel brechen zusammen und die Zelle stirbt.
Aussage 8
Nystatin wird nach oraler Gabe gut resorbiert und eignet sich deshalb für systemische Mykosen.
Nystatin wird nicht resorbiert und ist systemisch zu toxisch. Es wirkt nur lokal, etwa bei Mund-, Darm-, Haut- und Vaginalsoor.
Aussage 9
Unter Amphotericin B kommt es typischerweise zu einer Hyperkaliämie.
Typisch ist eine Hypokaliämie, weil Poren in Tubuluszellen und die distale tubuläre Azidose zu renalem K⁺-Verlust führen, verstärkt durch Magnesiummangel.
Prüferin fragt
Fehler entdeckt oder eine Idee? Wir verbessern die Inhalte laufend. Melde es uns gerne über dieses Formular ❤️
Teile der Inhalte wurden mithilfe von KI-Systemen erstellt und werden fortlaufend redaktionell geprüft. Trotz Sorgfalt können Fehler enthalten sein. Wichtige Informationen bitte anhand offizieller Quellen prüfen. Relaxed ins Stex ist ein unabhängiges Angebot und steht in keiner Kooperation mit dem IMPP. Das Angebot ist weder vom IMPP autorisiert noch mit diesem verbunden.