Arzneistoffe

Polyen-Antimykotika

Polyen-Antimykotika binden an Ergosterol der Pilzmembran, bilden Poren und wirken fungizid mit sehr breitem Spektrum. Kern sind der Mechanismus, die Reservestellung von liposomalem Amphotericin B und die Nephrotoxizität mit Kalium- und Magnesiumverlust.

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Dein roter Faden7 Punkte
  • Einordnung: Polyene sind makrocyclische Naturstoffe und die ältesten Antimykotika; systemisch nur Amphotericin B, lokal Nystatin und Natamycin.
  • Mechanismus: Bindung an Ergosterol, ringförmige Poren, Ausstrom von K⁺ und Mg²⁺ und dadurch fungizide Wirkung; Resistenz selten.
  • Selektivität: Die Affinität zu Ergosterol übertrifft die zu Cholesterol, aber nicht absolut, daraus folgt die Toxizität.
  • Anwendung: Mittel der Wahl bei Mukormykose und mit Flucytosin bei Kryptokokken-Meningitis, sonst Alternative zu Echinocandinen und Triazolen; lokal bei Soor und Pilzkeratitis.
  • Formulierung: Keine orale Resorption; liposomales Amphotericin B ist die systemische Standardform, weil weniger freie Substanz die Niere erreicht.
  • UAW: Infusionsreaktionen, Nephrotoxizität mit Hypokaliämie und Hypomagnesiämie, Anämie.
  • Wechselwirkungen: additive Nephrotoxizität mit Aminoglykosiden oder Calcineurin-Inhibitoren, Hypokaliämie erhöht die Toxizität von Herzglykosiden.

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Überblick

Polyen-Antimykotika sind makrocyclische Lactone aus Streptomyces mit einer Kette konjugierter Doppelbindungen. Sie binden an Ergosterol der Pilzzellmembran und machen sie durchlässig. Als älteste Antimykotika greifen sie an der fertigen Membran an, nicht an der Ergosterolsynthese wie die Azol-Antimykotika oder an der Zellwand wie die Echinocandine.

  • Fungizid und breit: Hefen, Schimmelpilze, dimorphe Pilze und Mucorales, Resistenz selten.
  • Nicht oral resorbierbar: systemisch nur Amphotericin B intravenös, sonst lokal an Haut, Schleimhaut, Darm und Auge.
  • Toxisch: Restaffinität zu Cholesterol → Nephrotoxizität als dosisbegrenzende UAW.
  • Stellenwert: systemisch Alternative zu Echinocandinen und Triazolen, Mittel der Wahl bei Mukormykose und Kryptokokken-Meningitis; lokal Standard bei Soor.

Typischer Vertreter ist Amphotericin B, das einzige systemisch eingesetzte Polyen.

Strukturformel von Amphotericin B
Amphotericin B
Polyen-Antimykotika · Leitsubstanz
  • Prinzip: Heptaen, bindet Ergosterol → Poren → K⁺-Verlust, fungizid
  • Kinetik: oral nicht resorbiert, i. v. bevorzugt liposomal, starke Gewebebindung, sehr lange terminale Halbwertszeit
  • Einsatz: Mukormykose, Kryptokokken-Meningitis, invasive Candidose und Aspergillose als Alternative, viszerale Leishmaniose
  • Besonderheit: amphoter (daher der Name), nephrotoxisch, Hypokaliämie

Wirkt fast gegen alle Pilze, schadet vor allem der Niere.

Vertreter

Die drei Polyene unterscheiden sich in Ringgröße und Zahl der konjugierten Doppelbindungen und damit in der Anwendung. Amphotericin B (Heptaen) bildet stabile Poren und ist als einziges systemisch nutzbar. Nystatin und Natamycin (Tetraene) sind systemisch zu toxisch bzw. zu schwach und bleiben Lokalmittel.

Wirkstoffe
Strukturformel von Amphotericin B
Systemisch und lokal Amphotericin B i. v. liposomal, oral lokal
Strukturformel von Nystatin
Nur lokal Nystatin Mund, Darm, Haut, Vagina
Nur lokal Natamycin Auge

Wirkmechanismus

Ergosterol ist das Hauptsterol der Pilzmembran und übernimmt dort die Rolle des Cholesterols in Säugerzellen: Es reguliert Fluidität und Funktion von Membranproteinen (Biosynthese bei den Azol-Antimykotika). Polyene sind amphiphil: Die starre Polyenkette bindet lipophil an das Sterol, die Polyolseite mit vielen OH-Gruppen bleibt hydrophil.

  1. Bindung: Die Polyenkette lagert sich an Ergosterol in der Membran an.
  2. Porenbildung: Mehrere Amphotericin-B-Sterol-Komplexe ordnen sich ringförmig an, die OH-Gruppen nach innen → wassergefüllter Kanal.
  3. Ionenverlust: K⁺, Mg²⁺ und kleine Moleküle strömen aus, H⁺ ein → Membranpotenzial und Stoffwechsel brechen zusammen.
  4. Zelltod: konzentrationsabhängig fungizid, zusätzlich oxidative Membranschäden.

Schema einer Pilzmembran mit ringförmig angeordneten Amphotericin-B-Molekülen um einen Kanal, durch den Kalium- und Magnesiumionen ausströmen, im Vergleich zu einer menschlichen Membran mit Cholesterol.

Amphotericin B bindet Ergosterol, bildet Poren und führt zum Ionenverlust; die schwächere Bindung an Cholesterol erklärt die Toxizität.

Amphotericin B entzieht der Membran Ergosterol zudem als extramembranäres Aggregat. Natamycin bindet Ergosterol ebenfalls, bildet aber keine Poren, sondern blockiert ergosterolabhängige Membranprozesse.

Die Selektivität ist nur relativ: Die Affinität zu Ergosterol (zusätzliche Doppelbindungen in Ring B und Seitenkette) übertrifft die zu Cholesterol deutlich, aber nicht absolut. Daraus folgt die Toxizität. Resistenz ist selten, weil Pilze mit verändertem Sterolgehalt (Mutationen der Ergosterolsynthese) an Fitness verlieren; intrinsisch wenig empfindlich sind etwa Aspergillus terreus und Scedosporium.

Wirkungen und Anwendung

Die Indikationen ergeben sich aus breitem Spektrum und hoher Toxizität: systemisch dort, wo besser verträgliche Mittel versagen oder nicht wirken (Stellenwert bei Mykosen).

  • Mukormykose: liposomales Amphotericin B Mittel der Wahl, weil Mucorales gegen Fluconazol, Voriconazol und Echinocandine resistent sind.
  • Kryptokokken-Meningitis, ZNS-Candidose: initial kombiniert mit Flucytosin (synergistisch).
  • Invasive Candidose und Aspergillose: Alternative bei Kontraindikation, Unverträglichkeit oder Resistenz gegen Echinocandine bzw. Triazole; bei Kindern jenseits des Neugeborenenalters erste Wahl neben Micafungin.
  • Lokale Candidose: Nystatin oder orales Amphotericin B bei Mund-, Darm-, Haut- und Vaginalsoor.
  • Pilzkeratitis: Natamycin-Augentropfen, besonders gegen Fusarium.
  • Viszerale Leishmaniose: liposomales Amphotericin B, da auch Leishmanien Ergosterol-artige Sterole besitzen (Protozoeninfektionen).

Pharmakokinetik

Die Kinetik wird von Molekülgröße und Amphoterie bestimmt und erklärt, warum die Formulierung über Verträglichkeit entscheidet.

  • Keine orale Resorption: großes, amphoteres, schlecht wasserlösliches Molekül → oral nur Wirkung im Gastrointestinaltrakt, systemisch nur i. v.
  • Verteilung: starke Bindung an Lipoproteine und Gewebe (Leber, Milz, Niere), kaum liquorgängig, trotzdem wirksam bei Meningitis.
  • Elimination: kaum Metabolismus, sehr lange terminale Halbwertszeit (Wochen) durch Rückverteilung aus dem Gewebe, nicht dialysierbar.
📖 Definition: Liposomale Formulierung

Amphotericin B ist in die Lipiddoppelschicht kleiner unilamellarer Liposomen (Phospholipide, Cholesterol) eingebettet. Sie zirkulieren lange, reichern sich in Leber, Milz und am Infektionsort an und geben den Wirkstoff bevorzugt an Pilzzellen ab, so dass weniger freies Amphotericin B Niere und Erythrozyten erreicht.

Gegenüberstellung einer Micelle mit freiem Amphotericin B und eines Liposoms mit eingebettetem Amphotericin B, darunter Niere mit hoher bzw. geringer Belastung.

Konventionell vs. liposomal: Das Liposom gibt Amphotericin B bevorzugt an Pilzzellen ab, so dass weniger freies Amphotericin B die Niere erreicht.

Unerwünschte Wirkungen

Fast alle UAW betreffen das systemische Amphotericin B und folgen aus der Bindung an Cholesterol menschlicher Membranen oder aus der Zytokinfreisetzung.

UAW warum
Immunsystem
Infusionsreaktion (Fieber, Schüttelfrost, Rigor) Aktivierung von Monozyten über TLR2 → TNF-α, IL-1, Prostaglandine
Niere
Nephrotoxizität, häufig, dosisbegrenzend Vasokonstriktion der afferenten Arteriole → GFR ↓; Poren in Tubuluszellen
Niere
Hypokaliämie, Hypomagnesiämie tubulärer K⁺- und Mg²⁺-Verlust, distale tubuläre Azidose
Blut
normochrome Anämie renale Erythropoetinbildung ↓
Gefäße · Leber
Thrombophlebitis, Leberwerterhöhung, selten Kardiomyopathie lokale bzw. direkte Membranschädigung

Schema eines Nephrons mit verengter afferenter Arteriole und geschädigten Tubuluszellen, aus denen Kalium und Magnesium in den Harn verloren gehen.

Renale Toxizität von Amphotericin B: GFR-Abfall, Elektrolytverlust und verminderte Erythropoetinbildung.

Liposomal sind Nephrotoxizität und Infusionsreaktionen deutlich seltener; Natriumvorlauf mit Kochsalzlösung mindert die Vasokonstriktion zusätzlich. Lokale Polyene verursachen kaum mehr als Reizungen oder Allergien.

Prüferinnenfrage
Warum entwickelt ein Patient unter Amphotericin B eine Hypokaliämie und keine Hyperkaliämie?
Antwort anzeigen

Amphotericin B bildet auch in Tubuluszellen Poren, so dass K⁺ in den Harn verloren geht; dazu kommt eine distale tubuläre Azidose. Der parallele Mg²⁺-Verlust verstärkt das, weil Magnesiummangel die K⁺-Sekretion über ROMK-Kanäle enthemmt. Kalium lässt sich deshalb oft erst nach Magnesiumsubstitution ausgleichen (Hypokaliämie).

Kontraindikationen und Wechselwirkungen

Echte Kontraindikationen sind wenige, weil systemisches Amphotericin B oft alternativlos ist. Das Risiko liegt in additiver Nieren- und Elektrolyttoxizität.

  • Kontraindikation: Überempfindlichkeit; Vorsicht bei vorbestehender Niereninsuffizienz und Herzinsuffizienz. In der Schwangerschaft bevorzugtes systemisches Antimykotikum, weil Azole teratogen sind.
  • Nephrotoxische Kombinationen: Aminoglykoside, Vancomycin, Ciclosporin, Tacrolimus, Foscarnet, Cisplatin, NSAR, Röntgenkontrastmittel → additive Nierenschädigung.
  • Kaliumsenkende Arzneimittel: Schleifen- und Thiaziddiuretika, Glucocorticoide → Hypokaliämie verstärkt.
  • QT-verlängernde Arzneimittel: K⁺- und Mg²⁺-Mangel begünstigt Torsade de pointes.
  • Flucytosin: renale Elimination sinkt → Myelotoxizität, Spiegelkontrolle (Mykosen).
⚠️ Achtung: Herzglykoside und Amphotericin B

Hypokaliämie und Hypomagnesiämie steigern die Bindung von Herzglykosiden an die Na⁺/K⁺-ATPase → Arrhythmien. K⁺ und Mg²⁺ engmaschig kontrollieren und ausgleichen.

Unterschiede innerhalb der Klasse

Entscheidend sind die Formulierung des Amphotericin B und die Beschränkung von Nystatin und Natamycin auf die lokale Anwendung.

Präparat Anwendung Kinetik Verträglichkeit
Amphotericin B konventionell (Desoxycholat) i. v., für Candidämie nicht mehr empfohlen rasche Freisetzung freier Substanz stark nephrotoxisch, häufig Infusionsreaktionen
Amphotericin B liposomal i. v., systemische Standardform hohe Spiegel, lange Zirkulation deutlich weniger nephrotoxisch, höher dosierbar
Nystatin Suspension, Salbe, Vaginalzäpfchen nicht resorbiert lokal gut verträglich
Natamycin Augentropfen nicht resorbiert, wirkt oberflächlich lokal gut verträglich

Selbst hergestellte Mischungen von konventionellem Amphotericin B mit Fettemulsionen sind nicht zugelassen und obsolet.

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wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Reihenfolge

Aussage 2

Bei Mukormykose ist liposomales Amphotericin B Mittel der Wahl, weil Mucorales gegen Echinocandine resistent sind.

Mucorales sind gegen Echinocandine, Fluconazol und Voriconazol resistent, Amphotericin B erfasst sie dagegen zuverlässig.

Aussage 3

Polyen-Antimykotika hemmen die Biosynthese von Ergosterol.

Die Ergosterolsynthese hemmen Azole und Allylamine. Polyene binden an bereits in der Membran vorhandenes Ergosterol und bilden Poren.

Aussage 4

Liposomales Amphotericin B ist deutlich weniger nephrotoxisch als die konventionelle Desoxycholat-Formulierung.

Die Liposomen geben den Wirkstoff bevorzugt an Pilzzellen ab, so dass weniger freies Amphotericin B die Niere erreicht.

Zuordnen

Warum?

Aussage 7

Amphotericin B wirkt konzentrationsabhängig fungizid.

Durch die Poren verliert die Pilzzelle K⁺, Mg²⁺ und kleine Moleküle, Membranpotenzial und Stoffwechsel brechen zusammen und die Zelle stirbt.

Aussage 8

Nystatin wird nach oraler Gabe gut resorbiert und eignet sich deshalb für systemische Mykosen.

Nystatin wird nicht resorbiert und ist systemisch zu toxisch. Es wirkt nur lokal, etwa bei Mund-, Darm-, Haut- und Vaginalsoor.

Aussage 9

Unter Amphotericin B kommt es typischerweise zu einer Hyperkaliämie.

Typisch ist eine Hypokaliämie, weil Poren in Tubuluszellen und die distale tubuläre Azidose zu renalem K⁺-Verlust führen, verstärkt durch Magnesiummangel.

Prüferin fragt

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