Grundlagen

Aufbau des Nervensystems

Gliederung des ZNS, Neuron und Myelin, das Gleichgewicht von Glutamat und GABA, die motorische Basalganglienschleife und die Blut-Hirn-Schranke als Grundlage der Neuropharmakologie. Im Kern stehen der direkte und der indirekte Weg sowie die Erregungsbalance als Brücke zu Parkinson und Epilepsie.

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  • Gliederung: Das ZNS liegt hinter der Blut-Hirn-Schranke; Kortex, Basalganglien, Thalamus, Hirnstamm und Kleinhirn lassen sich einzelnen Krankheitsbildern und zentralen UAW zuordnen.
  • Zellen: Oligodendrozyten bilden im ZNS das Myelin, das die saltatorische Erregungsleitung zwischen den Ranvier-Schnürringen ermöglicht; bei MS wird es zerstört.
  • Erregungsbalance: Glutamat (AMPA, NMDA) und GABA (GABA-A, Cl⁻) halten Netzwerke im Gleichgewicht; Übererregung führt zum Anfall, Glutamatüberschuss über Ca²⁺-Überladung zur Exzitotoxizität.
  • Basalganglien: Der GPi hemmt den Thalamus tonisch; der direkte Weg (D₁) enthemmt und fördert Bewegung, der indirekte Weg (D₂) bremst.
  • Dopamin und Acetylcholin: Dopamin fördert über beide Wege Bewegung; bei Dopaminmangel überwiegen indirekter Weg und relativ Acetylcholin, es resultiert Hypokinese.
  • Blut-Hirn-Schranke: Lipophilie, P-Glykoprotein und Transporter wie LAT1 entscheiden über die ZNS-Gängigkeit; peripher bleibende Partner wie Benserazid nutzen die Schranke gezielt.
  • Angriffspunkte: Ionenkanäle und SV2A (Antiepileptika), GABA und NMDA, dopaminerge und cholinerge Transmission (Parkinson, Alzheimer) sowie Immunzellmigration (MS).

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Orientierung

Neurologische Arzneistoffe greifen in ein Organ ein, das hinter der Blut-Hirn-Schranke liegt und von einem fein austarierten Gleichgewicht aus Erregung und Hemmung lebt. Wer weiß, wo ein Wirkstoff in diese Balance oder in die motorischen Schleifen eingreift, kann Wirkung und zentrale UAW ableiten. Transmitter und Rezeptoren selbst sind unter Neurotransmitter und Mediatoren erklärt.

Gliederung des Nervensystems

Das zentrale Nervensystem (ZNS: Gehirn und Rückenmark) ist durch die Blut-Hirn-Schranke abgeschirmt, das periphere (PNS) umfasst somatische und vegetative Nerven. Pharmakologisch zählt, welche Region bei welchem Krankheitsbild versagt.

Region Funktion Bezug
Großhirnrinde, Hippocampus Motorik, Sensorik, Gedächtnis fokale Epilepsie, Alzheimer
Basalganglien Auswahl und Skalierung von Bewegung Parkinson, Hyperkinesien
Thalamus Relais zum Kortex, thalamokortikale Rhythmen Absencen
Hirnstamm (Mittelhirn mit Substantia nigra) Vitalfunktionen, Dopaminquelle Parkinson, Atemdepression als UAW
Kleinhirn Koordination Ataxie, Nystagmus als UAW
Weiße Substanz, Rückenmark Leitungsbahnen MS

Neuron, Glia und Myelin

Das Neuron empfängt Signale über Dendriten und Soma, integriert sie am Axonhügel, wo das Aktionspotenzial entsteht, und leitet sie über das Axon zur Synapse. Gliazellen sind dabei aktive Partner:

  • Astrozyten: nehmen Glutamat über Transporter (EAAT) auf, puffern K⁺, induzieren die Dichtigkeit der Blut-Hirn-Schranke.
  • Oligodendrozyten: bilden im ZNS das Myelin (im PNS die Schwann-Zellen), Ziel des Autoimmunangriffs bei MS.
  • Mikroglia: residente Immunzellen des ZNS.

Die Myelinscheide ist eine lipidreiche, isolierende Membranwicklung um das Axon. Spannungsabhängige Na⁺-Kanäle sitzen gebündelt an den freien Ranvier-Schnürringen, sodass das Aktionspotenzial von Schnürring zu Schnürring springt (saltatorische Erregungsleitung): schneller und energiesparender als kontinuierliche Leitung. Bei Demyelinisierung verlangsamt sich die Leitung oder bricht ab, freiliegende K⁺-Kanäle verkürzen zusätzlich das Aktionspotenzial (hier setzt der K⁺-Kanal-Blocker Fampridin symptomatisch an).

Zeichnung eines myelinisierten Axons mit Ranvier-Schnürringen und springendem Aktionspotenzial sowie eines demyelinisierten Abschnitts

Saltatorische Erregungsleitung und ihre Störung bei Demyelinisierung.

Erregung und Erregungsbalance

Die neuronale Erregbarkeit beruht auf wenigen Kanaltypen, die zugleich die wichtigsten Targets sind:

  • Spannungsabhängige Na⁺-Kanäle: Aufstrich des Aktionspotenzials, tragen hochfrequente Entladungen.
  • Spannungsabhängige Ca²⁺-Kanäle: präsynaptisch für die Vesikelfreisetzung, thalamisch (T-Typ) als Schrittmacher der Absence-Rhythmen.
  • Ligandengesteuerte Kanäle: AMPA- und NMDA-Rezeptor (Glutamat, Kationeneinstrom) gegen GABA-A-Rezeptor (Cl⁻-Einstrom, Hyperpolarisation).

Glutamat ist der wichtigste erregende, GABA der wichtigste hemmende Transmitter des ZNS. Ihr Exzitations-Inhibitions-Gleichgewicht hält Netzwerke stabil: Kippt es zur Erregung, synchronisieren Neuronenverbände (Anfall), überwiegt die Hemmung, folgen Sedierung bis Koma. Antiepileptika verschieben die Balance deshalb über weniger Erregung oder mehr Hemmung.

📖 Definition: Exzitotoxizität

Neuronenuntergang durch übermäßige Glutamatwirkung: Dauerhaft aktivierte NMDA-Rezeptoren führen zur Ca²⁺-Überladung, Ca²⁺-abhängige Proteasen, Lipasen und Radikale zerstören Mitochondrien und Membranen. Relevant bei Ischämie, Status epilepticus und als Modell bei Alzheimer.

Basalganglien und motorische Schleifen

Die Basalganglien (Striatum, Globus pallidus externus und internus, Nucleus subthalamicus, Substantia nigra) wählen aus kortikalen Bewegungsentwürfen aus und skalieren sie. Ihr Ausgang, der Globus pallidus internus (GPi), hemmt den Thalamus tonisch über GABA, Bewegung entsteht durch gezielte Enthemmung. Die Schleife läuft vom Kortex über Striatum, Pallidum und Thalamus zurück zum Kortex.

Schema der Basalganglienschleife mit Kortex, Striatum, Globus pallidus externus und internus, Nucleus subthalamicus, Thalamus und Substantia nigra; Pfeile für erregende und hemmende Verbindungen

Direkter und indirekter Weg der Basalganglien: Dopamin aktiviert über D₁ den direkten und hemmt über D₂ den indirekten Weg, beides fördert Bewegung.
A Direkter Weg
  • Striatum (D₁) → hemmt GPi
  • Thalamus enthemmt
  • fördert Bewegung
B Indirekter Weg
  • Striatum (D₂) → hemmt Globus pallidus externus → Nucleus subthalamicus enthemmt → aktiviert GPi
  • Thalamus stärker gehemmt
  • bremst Bewegung

Dopamin aus der Substantia nigra pars compacta wirkt über beide Wege bewegungsfördernd (Dopaminrezeptoren). Cholinerge Interneurone im Striatum sind sein Gegenspieler: Fehlt Dopamin, überwiegt relativ Acetylcholin.

  • Hypokinese: Dopaminmangel (Parkinson) → indirekter Weg überwiegt → Thalamus gebremst → Akinese, Rigor.
  • Hyperkinese: Verlust der Neurone des indirekten Wegs (Chorea Huntington) oder Dopaminüberschuss (Levodopa-Dyskinesien) → Thalamus enthemmt.
Prüferinnenfrage
Wie kann Dopamin Bewegung fördern, obwohl D₂-Rezeptoren hemmend gekoppelt sind?
Antwort anzeigen

Über D₁-Rezeptoren (Gs) aktiviert Dopamin die Neurone des direkten Wegs, über D₂-Rezeptoren (Gi) hemmt es die des bewegungsbremsenden indirekten Wegs. Beides senkt den hemmenden GPi-Ausgang auf den Thalamus. Deshalb lösen D₂-Antagonisten wie Antipsychotika ein Parkinsonoid aus, und Dopaminagonisten mit D₂-Präferenz wirken antiparkinsonoid.

Blut-Hirn-Schranke als Hürde

Endothel mit Tight Junctions, Perizyten und Astrozytenendfüße bilden die Blut-Hirn-Schranke, als Verteilungsbarriere erklärt unter Verteilung. Für ZNS-Arzneistoffe zählt, wie man sie überwindet oder gezielt nutzt:

  • Passive Diffusion: kleine, lipophile, ungeladene Moleküle; quartäre Amine bleiben draußen.
  • Efflux: P-Glykoprotein pumpt Substrate zurück ins Blut (z. B. Loperamid).
  • Transporter als Eintrittspforte: Levodopa gelangt als Aminosäure über LAT1 ins Gehirn, Dopamin nicht; Nahrungsproteine konkurrieren.
  • Gezielt peripher: Benserazid und Carbidopa passieren die Schranke nicht und hemmen die Decarboxylierung von Levodopa nur außerhalb des Gehirns (Levodopa). Domperidon blockiert D₂ an der Area postrema, die außerhalb der Schranke liegt, nicht im Striatum.

Pharmakologische Angriffspunkte

Die Angriffspunkte folgen den Prinzipien dieser Seite: Erregbarkeit, Glutamat-GABA-Balance, Basalganglien-Transmission und Immunzugang über die Schranke.

Übersichtsschema einer Synapse und der Blut-Hirn-Schranke mit markierten Angriffspunkten von Antiepileptika, Antiparkinsonmitteln, Antidementiva und MS-Therapeutika

Angriffspunkte neurologischer Arzneistoffe an Synapse, Basalganglien und Blut-Hirn-Schranke.
Angriffspunkt Arzneistoffklasse Effekt
Spannungsabhängige Na⁺-Kanäle Na⁺-Kanal-Antiepileptika hochfrequente Entladungen ↓
Ca²⁺-Kanäle (T-Typ, α₂δ) Ca²⁺-Kanal-Antiepileptika Absencen, Transmitterfreisetzung ↓
Vesikelprotein SV2A SV2A-Liganden Freisetzung moduliert
GABA-A-Rezeptor, GABA-Abbau GABAerge Antiepileptika, Benzodiazepine Inhibition ↑
NMDA-Rezeptor Memantin Exzitotoxizität ↓
Striatales Dopamindefizit Levodopa, Dopaminagonisten, MAO-B-Hemmer, COMT-Hemmer direkter Weg ↑, indirekter ↓
Striatales ACh-Übergewicht Zentrale Anticholinergika Balance zu Dopamin ↑
Kortikales cholinerges Defizit AChE-Hemmer ACh im Spalt ↑
Immunzellmigration über die Schranke MS-Basistherapeutika Entzündung, Demyelinisierung ↓

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wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Aussage 1

Exzitotoxizität beruht auf einer übermäßigen Aktivierung von GABA-A-Rezeptoren mit Chlorid-Überladung der Neurone.

Exzitotoxizität entsteht durch übermäßige Glutamatwirkung: Daueraktivierte NMDA-Rezeptoren führen zur Ca²⁺-Überladung.

Aussage 2

Der direkte Weg der Basalganglien wird von Dopamin über D₁-Rezeptoren aktiviert und fördert Bewegung.

Der direkte Weg hemmt den GPi und enthemmt so den Thalamus; Dopamin aktiviert ihn über D₁-Rezeptoren.

Warum?

Zuordnen

Aussage 5

Beim Parkinson-Syndrom überwiegt infolge des Dopaminmangels der indirekte Weg, der Thalamus wird stärker gehemmt.

Ohne Dopamin fehlt die D₁-Aktivierung des direkten und die D₂-Hemmung des indirekten Wegs; der GPi-Ausgang steigt, es resultiert Hypokinese.

Aussage 6

Im ZNS wird die Myelinscheide von Schwann-Zellen gebildet.

Im ZNS bilden Oligodendrozyten das Myelin, Schwann-Zellen nur im PNS. Oligodendrozyten sind daher das Ziel bei MS.

Aussage 7

Benserazid hemmt die Decarboxylierung von Levodopa vor allem im Gehirn.

Benserazid und Carbidopa passieren die Blut-Hirn-Schranke nicht und hemmen die Decarboxylierung nur peripher; im Gehirn wird Levodopa weiter zu Dopamin umgewandelt.

Reihenfolge

Lückentext

Prüferin fragt

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