Grundlagen

Wasser- und Elektrolythaushalt

Flüssigkeitsräume, Osmo- und Volumenregulation, Kalium-, Calcium- und Magnesiumhaushalt sowie Säure-Basen-Regulation als Grundlage für Diuretika, Vaptane, Infusionen und Elektrolytstörungen. Der Kern ist die Trennung von Natriumbilanz (Volumen) und Wasserbilanz (Natriumkonzentration).

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  • Räume: Zwei Drittel des Körperwassers liegen intrazellulär (K⁺), ein Drittel extrazellulär (Na⁺), Wasser folgt der Tonizität.
  • Tonizität: Nur nicht membrangängige Teilchen verschieben Wasser, danach teilt man Dehydratation und Hyperhydratation in isoton, hypoton und hyperton ein.
  • Osmo- vs. Volumenregulation: ADH und Durst steuern die Wasserbilanz und damit das Plasma-Na⁺, RAAS, Sympathikus und natriuretische Peptide die Na⁺-Bilanz und damit das Volumen, gemessen am effektiven arteriellen Blutvolumen.
  • Kalium intern und extern: Insulin, β₂-Stimulation und Alkalose verschieben K⁺ in die Zellen, renal entscheiden Aldosteron und distales Na⁺-Angebot über die Sekretion im Sammelrohr.
  • Säure-Basen: Der offene Bicarbonat-Puffer wird von der Lunge (pCO₂) und der Niere (HCO₃⁻ über Ammonium und titrierbare Säure) geregelt, Azidose geht mit Hyperkaliämie einher.
  • Angriffspunkte: Diuretika ändern die Na⁺-Bilanz, Vaptane und Desmopressin die Wasserbilanz, Insulin und β₂-Sympathomimetika den Kalium-Shift, Infusionen das EZR-Volumen.

Flüssigkeitsräume

Wasser und Elektrolyte verteilen sich auf getrennte Flüssigkeitsräume. Diuretika, Infusionen und Hormonanaloga verändern gezielt deren Größe und Zusammensetzung. Das Gesamtkörperwasser beträgt beim Erwachsenen etwa 60 % des Körpergewichts.

Blockdiagramm der Flüssigkeitsräume mit Na⁺ extrazellulär und K⁺ intrazellulär sowie Pfeilen für die Verteilung von Kochsalz- und Glucoselösung

Flüssigkeitsräume und die Verteilung infundierter Lösungen
  • Intrazellulärraum (IZR): etwa zwei Drittel des Wassers, Hauptkation K⁺
  • Extrazellulärraum (EZR): etwa ein Drittel, davon rund ein Viertel intravasal, Hauptkation Na⁺ mit Cl⁻ und HCO₃⁻
  • Na⁺/K⁺-ATPase: hält den Gradienten aufrecht, daher bestimmt Na⁺ die Größe des EZR
  • Wasser: passiert Membranen frei (Aquaporine) und folgt dem osmotischen Gradienten
📖 Definition: Osmolalität und Tonizität

Osmolalität ist die Zahl gelöster Teilchen je kg Wasser (Plasma etwa 290 mosmol/kg). Tonizität zählt nur Teilchen, die die Zellmembran nicht frei passieren (Na⁺, Glucose bei Insulinmangel), und entscheidet so über Wasserverschiebungen; Harnstoff erhöht die Osmolalität, nicht die Tonizität.

Dehydratation (Wassermangel) und Hyperhydratation (Wasserüberschuss) teilt man nach der Tonizität des EZR ein, weil sie bestimmt, ob die Zellen mitbetroffen sind.

Tonizität Plasma-Na⁺ Zellen Dehydratation, z. B. Hyperhydratation, z. B.
isoton normal unverändert Erbrechen, Diarrhö, Diuretika kardiale Ödeme
hypoton ↓ schwellen Salzverlust, nur Wasser ersetzt Wasserintoxikation, SIADH
hyperton ↑ schrumpfen Wassermangel, Diabetes insipidus übermäßige NaCl-Zufuhr

Osmo- und Volumenregulation

Osmolalität und Volumen des EZR werden über getrennte Sensoren und Effektoren geregelt. Umgesetzt wird beides im distalen Nephron (Nierenfunktion).

A Osmoregulation
  • Sensor: Osmorezeptoren im Hypothalamus, sehr empfindlich
  • Effektor: ADH über V2-Rezeptoren → Aquaporin-2 im Sammelrohr, dazu Durst
  • Stellgröße: Wasserbilanz → Plasma-Na⁺
B Volumenregulation
  • Sensor: Barorezeptoren, Vas afferens, Macula densa
  • Effektor: RAAS und Sympathikus (Na⁺-Retention), natriuretische Peptide (Natriurese)
  • Stellgröße: Na⁺-Bilanz → EZR-Volumen

Zurückgehaltenes Na⁺ zieht über ADH und Durst Wasser nach: Das Volumen wächst, die Konzentration bleibt. Freies Wasser dagegen verteilt sich auf alle Räume und verdünnt das Plasma-Na⁺, ohne den EZR nennenswert zu vergrößern. Bildung und Freisetzung von ADH: Hypothalamus und Hypophyse, Störungen: Hypo- und Hypernatriämie.

💡 Merke

Die Natriumbilanz bestimmt das Volumen, die Wasserbilanz die Natriumkonzentration. Ödem und Exsikkose sind Natriumprobleme, Hypo- und Hypernatriämie Wasserprobleme.

📖 Definition: Effektives arterielles Blutvolumen

Der Teil des Blutvolumens, der die arteriellen Barorezeptoren füllt und die Organe perfundiert. Die Niere reagiert auf das EABV, nicht auf das Gesamtvolumen, deshalb kann es bei vergrößertem EZR erniedrigt sein (Herzinsuffizienz, Leberzirrhose).

Prüferinnenfrage
Warum hat ein Patient mit schwerer Herzinsuffizienz Ödeme und zugleich eine Hyponatriämie?
Antwort anzeigen

Bei der Herzinsuffizienz sinkt das effektive arterielle Blutvolumen, obwohl der EZR vergrößert ist. RAAS und Sympathikus halten Na⁺ zurück, das Volumen wächst, es entstehen Ödeme. Zusätzlich wird ADH nicht-osmotisch über die Barorezeptoren freigesetzt, weil der Volumenschutz bei starkem Abfall Vorrang vor der Osmoregulation hat. Das retinierte freie Wasser verdünnt das Na⁺.

Kalium, Calcium, Magnesium, Phosphat

Kalium, Calcium und Magnesium sind klinisch bedeutsam, weil sie Membranpotenzial und Erregbarkeit von Herz, Nerv und Muskel bestimmen. Der K⁺-Gradient legt das Ruhemembranpotenzial fest, deshalb sind schon kleine Änderungen des Plasma-K⁺ arrhythmogen.

Kalium

Fast das gesamte K⁺ liegt intrazellulär. Die interne Kaliumbilanz (Kalium-Shift) verschiebt es binnen Minuten zwischen den Räumen, ohne den Gesamtbestand zu ändern:

  • Insulin: aktiviert die Na⁺/K⁺-ATPase → K⁺ in die Zelle
  • β₂-Stimulation: aktiviert cAMP-vermittelt die Na⁺/K⁺-ATPase → K⁺ in die Zelle
  • pH: Azidose → K⁺ aus der Zelle (Austausch gegen H⁺), Alkalose umgekehrt

Die externe Kaliumbilanz bestimmt die Niere. Die Hauptzellen des Sammelrohrs sezernieren K⁺ über ROMK, angetrieben von der Na⁺-Resorption über ENaC, die das Lumen negativ lädt.

Hauptzelle des Sammelrohrs mit ENaC und ROMK auf der Lumenseite, Na⁺/K⁺-ATPase auf der Blutseite und Aldosteronrezeptor im Zellinneren

K⁺-Sekretion in der Hauptzelle: getrieben von ENaC, verstärkt durch Aldosteron
  • Aldosteron: steigert ENaC und Na⁺/K⁺-ATPase → K⁺-Sekretion ↑
  • Distales Na⁺-Angebot und Fluss: je mehr davon das Sammelrohr erreicht, desto größer der K⁺-Verlust

Störungen: Hypo- und Hyperkaliämie.

Calcium, Magnesium, Phosphat

Die hormonelle Steuerung gehört zur Calciumhomöostase, renal gilt:

  • Ca²⁺: überwiegend parazellulär (proximal, dicke aufsteigende Henle-Schleife), fein reguliert im distalen Tubulus
  • Mg²⁺: vor allem parazellulär in der Henle-Schleife, getrieben vom lumenpositiven Potenzial
  • Phosphat: proximal über Na⁺-Phosphat-Cotransport, gehemmt durch Parathormon und FGF23
  • Erregbarkeit: extrazelluläres Ca²⁺ stabilisiert spannungsabhängige Na⁺-Kanäle → Tetanie bei Hypocalcämie

Säure-Basen-Haushalt

Der Plasma-pH (7,35 bis 7,45) wird durch Puffer sofort abgefangen und durch Lunge und Niere korrigiert. Wichtigster extrazellulärer Puffer ist der Bicarbonat-Puffer (CO₂/HCO₃⁻), daneben Hämoglobin, Proteine und Phosphat. Die Henderson-Hasselbalch-Gleichung beschreibt ihn:

\[\text{pH} = 6{,}1 + \log\frac{[\text{HCO}_3^-]}{0{,}03 \cdot p\text{CO}_2}\]

Trotz eines pKs weit unter dem Blut-pH puffert das System gut, weil es offen ist: Die Lunge regelt den Nenner (pCO₂) in Minuten, die Niere den Zähler (HCO₃⁻) über Stunden bis Tage. Entscheidend ist das Verhältnis, nicht die absolute Konzentration.

  1. Bicarbonat-Rückresorption: proximal sezerniertes H⁺ (Na⁺/H⁺-Austauscher) bildet mit filtriertem HCO₃⁻ über die Carboanhydrase CO₂, das zurückdiffundiert → HCO₃⁻ zurückgewonnen, aber keine Säure ausgeschieden
  2. Ammonium: proximale Zellen desaminieren Glutamin → NH₄⁺ in den Harn, neues HCO₃⁻ ins Blut, bei Azidose stark steigerbar
  3. Titrierbare Säure: Schaltzellen des Sammelrohrs sezernieren H⁺ über die H⁺-ATPase, gebunden an HPO₄²⁻ ausgeschieden → je H⁺ ein neues HCO₃⁻

Säure-Basen- und Kaliumhaushalt sind gekoppelt: Azidose verschiebt K⁺ aus den Zellen, Alkalose hinein. Umgekehrt fördert Hypokaliämie die Alkalose, weil H⁺ in die Zellen wandert und die Ammoniogenese steigt. Anionenlücke und Einteilung der Störungen: Azidose und Alkalose.

Pharmakologische Angriffspunkte

Arzneistoffe greifen an den beschriebenen Regelgliedern an: an der Na⁺-Bilanz, am ADH-System oder am Kalium-Shift.

Schema eines Nephrons und einer Körperzelle mit markierten Wirkorten von Diuretika, Vaptanen, Desmopressin, Carboanhydrasehemmern, Insulin und β₂-Sympathomimetika

Pharmakologische Angriffspunkte im Wasser- und Elektrolythaushalt
Angriffspunkt Arzneistoff(klasse) Effekt
Na⁺-Resorption im Tubulus Diuretika Natriurese → EZR-Volumen ↓, meist K⁺-Verlust
Aldosteron, ENaC Kaliumsparende Diuretika, MRA Na⁺-Ausscheidung ↑, K⁺-Sekretion ↓
V2-Rezeptor, Antagonismus Vaptane Aquarese → Plasma-Na⁺ ↑
V2-Rezeptor, Agonismus Desmopressin Wasserretention, Risiko Hyponatriämie
Na⁺/K⁺-ATPase (Shift) Insulin mit Glucose, β₂-Sympathomimetika K⁺ in die Zellen, Gesamt-K⁺ unverändert
Carboanhydrase Carboanhydrasehemmer HCO₃⁻-Verlust → metabolische Azidose
EZR-Volumen Infusionslösungen isotone Elektrolytlösung bleibt im EZR

Glucose 5 % ist isoosmolar, nach Verstoffwechselung der Glucose aber effektiv freies Wasser: Sie verteilt sich auf alle Räume und füllt den Intravasalraum kaum.

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wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Aussage 1

Die Plasma-Natriumkonzentration wird in erster Linie über die Natriumbilanz geregelt.

Die Natriumbilanz bestimmt das Volumen. Die Natriumkonzentration wird über die Wasserbilanz (ADH, Durst) geregelt.

Aussage 2

Bei der renalen Ammoniogenese entsteht aus Glutamin neues Bicarbonat für das Blut.

Proximale Zellen desaminieren Glutamin, NH₄⁺ geht in den Harn, das neu gebildete HCO₃⁻ ins Blut.

Zuordnen

Aussage 4

Eine Alkalose verschiebt K⁺ aus den Zellen und führt so zur Hyperkaliämie.

Bei Alkalose wandert K⁺ in die Zellen, es droht eine Hypokaliämie. K⁺ aus den Zellen verschiebt die Azidose.

Aussage 5

Aldosteron hemmt den epithelialen Natriumkanal ENaC in den Hauptzellen des Sammelrohrs.

Aldosteron steigert ENaC und Na⁺/K⁺-ATPase und fördert damit Na⁺-Resorption und K⁺-Sekretion.

Lückentext

Aussage 7

Bei einer hypertonen Dehydratation schwellen die Zellen an.

Der hypertone EZR entzieht den Zellen Wasser, sie schrumpfen. Zellschwellung tritt bei hypotonen Störungen auf.

Aussage 8

Harnstoff erhöht die Osmolalität des Plasmas, aber nicht seine Tonizität.

Harnstoff passiert Zellmembranen frei und verschiebt daher kein Wasser. Er zählt zur Osmolalität, nicht zur Tonizität.

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