Arzneistoffe

Antitussiva

Antitussiva dämpfen den Hustenreflex zentral im Hirnstamm oder peripher an den Afferenzen der Atemwege. Im Kern geht es um die Mechanismen von Dextromethorphan und den Nicht-Opioiden, um CYP2D6 und um die Regel: kein Hustenstiller bei produktivem Husten.

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  • Einteilung: Antitussiva dämpfen den Hustenreflex zentral (Opioide wie Codein, Nicht-Opioide wie Dextromethorphan, Noscapin, Pentoxyverin, Butamirat) oder peripher (Levodropropizin).
  • Mechanismen: Opioide über μ-Rezeptoren, Dextromethorphan über σ₁-Agonismus und NMDA-Blockade ohne μ-Affinität (D-Enantiomer), Levodropropizin über Hemmung sensorischer C-Fasern.
  • Indikation: nur kurzzeitig beim trockenen, quälenden Reizhusten, bei schwacher Evidenz; chronischer Husten erfordert die Ursachensuche.
  • Kinetik: CYP2D6 bildet aus Dextromethorphan Dextrorphan und aus dem Prodrug Codein Morphin; ultraschnelle Metabolisierer machen Codein bei Kindern und Stillenden gefährlich.
  • UAW: Sedierung und Atemdepression aus der Dämpfung des Hirnstamms, Obstipation bei Opioiden, anticholinerge Effekte bei Pentoxyverin, dissoziativer Missbrauch von Dextromethorphan.
  • Wechselwirkungen: additive Dämpfung mit Alkohol und Sedativa, Serotonin-Syndrom von Dextromethorphan mit MAO-Hemmern (kontraindiziert) und SSRI.
  • Kein Mix mit Expektoranzien: Wer Sekret löst und gleichzeitig den Husten unterdrückt, erzeugt Sekretstau.

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Überblick

Antitussiva (Hustenstiller) unterdrücken den Hustenreflex. Zentral wirksame heben die Reizschwelle im Hustenzentrum des Hirnstamms an, peripher wirksame dämpfen die sensiblen Afferenzen der Atemwege. Sie wirken rein symptomatisch und passen nur zum trockenen, unproduktiven Reizhusten.

  • Zentral wirksam: Opioide (Codein, Dihydrocodein) und Nicht-Opioide (Dextromethorphan, Noscapin, Pentoxyverin, Butamirat).
  • Peripher wirksam: Levodropropizin, kaum ZNS-gängig und daher wenig sedierend.
  • Opioide vs. Nicht-Opioide: Opioide dämpfen auch das Atemzentrum und haben Abhängigkeitspotenzial. Die Nicht-Opioide wirken ohne μ-Agonismus.
  • Stellenwert: kurzzeitig bei quälendem Reizhusten, Evidenz insgesamt schwach.

Typischer Vertreter ist Dextromethorphan, ein rezeptfreies Morphinan ohne Opioidwirkung.

Dextromethorphan
Antitussiva · Leitsubstanz
  • Prinzip: zentral, σ₁-Agonist und NMDA-Antagonist, kein μ-Agonist
  • Kinetik: CYP2D6 → aktiver Metabolit Dextrorphan
  • Einsatz: trockener Reizhusten, kurzzeitig
  • Besonderheit: hemmt zusätzlich den Serotonintransporter → Serotonin-Syndrom mit MAO-Hemmern

Vertreter

Alle Vertreter hemmen den Hustenreflex. Unterschieden werden sie nach Wirkort (zentral oder peripher) und danach, ob sie Opioidrezeptoren aktivieren. Codein und Dihydrocodein gehören pharmakologisch zu den schwach wirksamen Opioiden und werden hier nur eingeordnet.

Wirkstoffe
Zentral, Morphinan ohne Opioidwirkung Dextromethorphan σ₁, NMDA, SERT
Zentral, Nicht-Opioid Noscapin Opiumalkaloid
Strukturformel von Pentoxyverin
Zentral, Nicht-Opioid Pentoxyverin zusätzlich anticholinerg
Strukturformel von Butamirat
Zentral, Nicht-Opioid Butamirat
Strukturformel von Levodropropizin
Peripher Levodropropizin sensorische C-Fasern
Strukturformel von Codein
Opioid-Antitussiva Codein Prodrug, CYP2D6
Strukturformel von Dihydrocodein
Opioid-Antitussiva Dihydrocodein

Wirkmechanismus

Der Reflexbogen läuft über vagale Afferenzen zum Hustenzentrum im Nucleus tractus solitarii der Medulla oblongata (Grundlagen: Physiologie der Atemwege). Zentrale Antitussiva heben dort die Reizschwelle an, periphere senken schon die afferente Erregung in der Bronchialschleimhaut.

Schema des Hustenreflexes von der Bronchialschleimhaut über den Vagus zum Hirnstamm, mit markierten Angriffspunkten peripherer und zentraler Antitussiva.

Angriffspunkte der Antitussiva im Hustenreflexbogen
  • Opioide: μ-Agonismus im Hirnstamm dämpft Husten- und Atemzentrum gleichermaßen, daher die Atemdepression.
  • Dextromethorphan: σ₁-Agonist und nicht-kompetitiver NMDA-Antagonist, der Metabolit Dextrorphan blockiert den NMDA-Kanal stärker → glutamaterge Übertragung im Hustenzentrum ↓. Zusätzlich hemmt es den Serotonintransporter (SERT).
  • Noscapin: Opiumalkaloid vom Phthalidisochinolin-Typ ohne Affinität zu Opioidrezeptoren, daher weder analgetisch noch abhängigkeitserzeugend. Mechanismus nicht abschließend geklärt.
  • Pentoxyverin, Butamirat: zentral ohne Opioidrezeptor, Pentoxyverin über σ₁ mit anticholinerger und lokalanästhetischer Komponente.
  • Levodropropizin: hemmt die Aktivierung sensorischer C-Fasern und die Neuropeptidfreisetzung.
Prüferinnenfrage
Dextromethorphan ist ein Morphinan. Warum wirkt es weder analgetisch noch wie ein Opioid?
Antwort anzeigen

Dextromethorphan ist das D-Enantiomer, also das Spiegelbild des Opioids Levomethorphan. Opioidrezeptoren binden stereoselektiv nur die L-Morphinane, deshalb fehlen μ-Affinität, Analgesie und Obstipation. Antitussiv wirkt es über σ₁- und NMDA-Rezeptoren. In hohen Dosen erzeugt die NMDA-Blockade durch Dextrorphan einen dissoziativen Rausch, ein anderer Missbrauchstyp als bei Opioiden.

Strukturformeln von Dextromethorphan und Levomethorphan als Spiegelbilder sowie Codein.

Dextromethorphan und Levomethorphan sind Enantiomere: Nur das L-Morphinan Levomethorphan bindet wie Codein an μ-Opioidrezeptoren.

Wirkungen und Anwendung

Antitussiva heben die Hustenschwelle und senken Frequenz und Stärke der Hustenstöße. Sinnvoll ist das nur, wo der Husten keine Reinigungsfunktion hat.

  • Trockener Reizhusten: quälender oder schlafstörender unproduktiver Husten, etwa früh im viralen Atemwegsinfekt, kurzzeitig und gern zur Nacht. Dextromethorphan und Pentoxyverin gibt es rezeptfrei, Codein ist verschreibungspflichtig.
  • Nicht bei produktivem Husten: Unterdrückung behindert die Clearance, Sekret staut sich, Infekte werden begünstigt.
  • Begrenzte Evidenz: Beim ohnehin selbstlimitierenden Infekthusten ist der Nutzen nur schwach belegt.
  • Chronischer Husten: erst die Ursache klären (Asthma, Reflux, ACE-Hemmer), statt dauerhaft zu dämpfen.

Pharmakokinetik

Dextromethorphan und Codein hängen beide von CYP2D6 ab, mit gegensätzlicher Bedeutung des Metaboliten (Polymorphismus: Pharmakogenetik).

  • Dextromethorphan: CYP2D6 bildet Dextrorphan, daneben baut CYP3A4 ab. Langsame Metabolisierer und CYP2D6-Hemmer (Fluoxetin, Paroxetin, Bupropion) → Spiegel und Halbwertszeit ↑, mehr zentrale und serotonerge UAW.
  • Codein: Prodrug, CYP2D6 bildet Morphin. Ultraschnelle Metabolisierer → Morphinintoxikation mit Atemdepression, langsame → kaum Wirkung.
  • Levodropropizin: geringe ZNS-Penetration, daher wenig Sedierung.

Reaktionsschema der O-Demethylierung von Dextromethorphan zu Dextrorphan und von Codein zu Morphin durch CYP2D6.

CYP2D6-abhängige O-Demethylierung von Dextromethorphan und Codein

Unerwünschte Wirkungen

Die UAW folgen aus der zentralen Dämpfung und den Nebenzielen der einzelnen Stoffe.

UAW warum
ZNS
Sedierung, Schwindel Opioide, Pentoxyverin, Dextromethorphan
Atmung
Atemdepression Opioide, Pentoxyverin bei Kleinkindern
Magen-Darm
Obstipation Codein, Dihydrocodein
Mund · Blase
Mundtrockenheit, Harnverhalt Pentoxyverin
ZNS
Dissoziation, Halluzinationen Dextromethorphan in hohen Dosen
  • Missbrauch von Dextromethorphan: vor allem bei Jugendlichen als rezeptfreie Rauschdroge. Wiederholtes Verlangen nach größeren Mengen kritisch hinterfragen.
  • Codein bei Kindern und in der Stillzeit: kontraindiziert unter 12 Jahren und in der Stillzeit, weil ultraschnelle Metabolisierer (Kind bzw. Mutter, Morphin in der Muttermilch) lebensbedrohliche Atemdepressionen verursachen. Bei Jugendlichen mit beeinträchtigter Atemfunktion nicht empfohlen.

Kontraindikationen und Wechselwirkungen

Die meisten Einschränkungen folgen aus zwei Eigenschaften: gehemmte Sekretclearance und zentrale Dämpfung.

  • Produktiver Husten, Kombination mit Expektoranzien: gelöstes Sekret kann nicht abgehustet werden → Sekretstau, Infektgefahr. Allenfalls zeitversetzt: Expektorans tagsüber, Antitussivum zur Nacht.
  • Asthma, COPD, Ateminsuffizienz: Atemdepression und Sekretretention verschlechtern die Ventilation, vor allem unter Opioiden.
  • Zentral dämpfende Stoffe: Alkohol, Benzodiazepine, Opioide, sedierende H1-Antihistaminika → additive Sedierung und Atemdepression.
  • Serotonerge Arzneistoffe: SSRI oder SNRI plus Dextromethorphan → Serotonin-Syndrom, verstärkt durch CYP2D6-Hemmung (Fluoxetin, Paroxetin).
  • Noscapin: kontraindiziert in der Schwangerschaft (bindet Tubulin, aneugenes Potenzial), kann Vitamin-K-Antagonisten verstärken.
  • Pentoxyverin: nicht bei Kindern unter 2 Jahren (Atemdepression), Vorsicht bei Engwinkelglaukom und Prostatahyperplasie.
⚠️ Achtung: Dextromethorphan und MAO-Hemmer

Die Kombination mit MAO-Hemmern ist kontraindiziert, auch bis zwei Wochen nach deren Absetzen: SERT-Hemmung plus gehemmter Serotoninabbau kann ein lebensbedrohliches Serotonin-Syndrom auslösen.

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wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Aussage 1

Dextromethorphan wird über CYP2D6 zum aktiven Metaboliten Dextrorphan umgesetzt.

CYP2D6 bildet Dextrorphan, das den NMDA-Rezeptor stärker blockiert; CYP3A4 ist ein Nebenweg.

Zuordnen

Aussage 3

Pentoxyverin kann wegen seiner anticholinergen Komponente Mundtrockenheit und Harnverhalt verursachen.

Pentoxyverin hat neben der zentralen σ₁-Wirkung eine antimuskarinerge Komponente, daher auch Vorsicht bei Engwinkelglaukom und Prostatahyperplasie.

Aussage 4

Bei ultraschnellen CYP2D6-Metabolisierern wirkt Codein schwächer, weil weniger Morphin entsteht.

Umgekehrt: Ultraschnelle Metabolisierer bilden mehr Morphin und riskieren eine Morphinintoxikation. Langsame Metabolisierer haben kaum Wirkung.

Warum?

Aussage 6

Levodropropizin wirkt peripher an sensorischen Afferenzen und ist deshalb kaum sedierend.

Levodropropizin hemmt die Aktivierung sensorischer C-Fasern und gelangt kaum ins ZNS, daher die geringe Sedierung.

Wer bin ich?

Aussage 8

Bei produktivem Husten ist die Kombination eines Antitussivums mit einem Expektorans sinnvoll, weil so Schleim und Hustenreiz zugleich behandelt werden.

Das Antitussivum verhindert das Abhusten des gelösten Sekrets, es droht Sekretstau. Bei produktivem Husten kein Antitussivum, allenfalls zeitversetzt zur Nacht.

Aussage 9

Noscapin ist ein Opiumalkaloid und wirkt antitussiv über μ-Opioidrezeptoren.

Noscapin stammt zwar aus dem Opium, hat aber keine Affinität zu Opioidrezeptoren und wirkt daher weder analgetisch noch abhängigkeitserzeugend.

Prüferin fragt

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