Uteruswirksame Arzneistoffe
Uterotonika steigern die Kontraktion des Myometriums, Tokolytika hemmen sie. Den Kern bilden die Endstrecke Ca²⁺ und MLCK, der Unterschied zwischen rhythmischer und tonischer Kontraktion sowie die aus dem Mechanismus folgenden UAW und Kontraindikationen.
Dein roter Faden
- Einordnung: Uterotonika steigern, Tokolytika hemmen die Myometriumkontraktion, gemeinsame Endstrecke sind Ca²⁺ und MLCK.
- Mechanismus Uterotonika: Oxytocin und Carbetocin über den Gq-gekoppelten Oxytocinrezeptor, Prostaglandine über EP₁/EP₃, Methylergometrin über α- und 5-HT₂-Rezeptoren mit tonischer Dauerkontraktion.
- Mechanismus Tokolytika: Atosiban blockiert den Oxytocinrezeptor, β₂-Sympathomimetika hemmen über cAMP die MLCK, Nifedipin blockiert L-Typ-Ca²⁺-Kanäle.
- Einsatz: Oxytocin zur Wehenförderung, Dinoproston zur Zervixreifung, bei Atonie Oxytocin, dann Sulproston oder Methylergometrin, Atosiban bei vorzeitigen Wehen.
- Kinetik: Oxytocin mit Minuten-Halbwertszeit als steuerbare Infusion, Carbetocin durch Strukturschutz langwirksam, Dinoproston vaginal.
- UAW aus dem Mechanismus: Überstimulation mit fetaler Hypoxie, Wasserretention durch ADH-Ähnlichkeit von Oxytocin, gastrointestinale UAW, Fieber und Bronchokonstriktion bei Prostaglandinen, Vasospasmen bei Methylergometrin.
- KI und WW: Methylergometrin nicht bei Präeklampsie oder vor Geburt der Plazenta und nicht mit starken CYP3A4-Hemmern, Prostaglandine nicht bei Asthma.
Kostenlos weiterlesen mit deinem Relaxed-Konto
Lege dir ein kostenloses Konto an, dann ist das ganze 2. Staatsexamen für dich frei. Kein Abo, keine Zahlungsdaten.
Bitte bestätige zuerst deine E-Mail-Adresse
Wir haben dir einen Link geschickt. Mit bestätigter E-Mail-Adresse liest du hier gleich weiter.
Überblick
Uteruswirksame Arzneistoffe verändern den Tonus des Myometriums. Uterotonika steigern Frequenz und Kraft der Kontraktionen, Tokolytika hemmen sie (Tokolyse = medikamentöse Wehenhemmung). Fast alle wirken über dieselbe Endstrecke der glatten Muskelzelle: die intrazelluläre Ca²⁺-Konzentration und die Myosin-leichte-Ketten-Kinase (MLCK).
- Uterotonika: Oxytocin-Rezeptor-Agonisten, Prostaglandine, Mutterkornalkaloide; Geburtseinleitung, Zervixreifung, postpartale Blutung.
- Tokolytika: der Oxytocin-Rezeptor-Antagonist Atosiban, dazu β₂-Sympathomimetika und Calciumkanalblocker aus anderen Klassen.
- Setting: fast ausschließlich Kreißsaal, parenteral oder vaginal, unter CTG-Kontrolle von Wehen und kindlicher Herzfrequenz.
Typischer Vertreter ist Oxytocin, das Nonapeptid des Hypophysenhinterlappens (Hypothalamus- und Hypophysenhormone).
- Prinzip: Agonist am Gq-gekoppelten Oxytocinrezeptor → Ca²⁺ ↑ → rhythmische Kontraktionen mit Erschlaffungsphasen
- Kinetik: Peptid, oral unwirksam, \(t_{1/2}\) wenige Minuten → i.v.-Infusion, sofort abschaltbar
- Einsatz: Wehenförderung, Geburtseinleitung bei reifer Zervix, Prophylaxe und Therapie der Uterusatonie
- Besonderheit: Estrogene steigern die Rezeptordichte zum Termin hin, daher am Termin hochwirksam, in der Frühschwangerschaft kaum
Vertreter
Die Vertreter unterscheiden sich im Rezeptor und damit in der Art der Kontraktion: Oxytocin-Analoga und Prostaglandine erzeugen rhythmische Wehen, Methylergometrin eine tonische Dauerkontraktion. Atosiban nutzt denselben Rezeptor wie Oxytocin, aber als Antagonist.
Wirkmechanismus
Oxytocin und Carbetocin aktivieren den Oxytocinrezeptor, einen Gq-gekoppelten GPCR des Myometriums.
- Rezeptor: Oxytocinrezeptor → Gq → Phospholipase C
- Second Messenger: IP₃ setzt Ca²⁺ aus dem sarkoplasmatischen Retikulum frei, zusätzlich Einstrom über Kationenkanäle
- Kopplung: Ca²⁺-Calmodulin aktiviert die MLCK → Phosphorylierung der leichten Myosinketten
- Effekt: Kontraktion; zusätzlich lokale Prostaglandinbildung, die den Effekt verstärkt
- Prostaglandine: über EP₁- und EP₃-Rezeptoren (Gq bzw. Gi) Ca²⁺ ↑ → Kontraktion; an der Zervix über EP₂/EP₄ Kollagenabbau und Wassereinlagerung → Zervixreifung (Physiologie: Eicosanoide). Sulproston ist EP₃-/EP₁-betont und wirkt daher vor allem kontrahierend.
- Methylergometrin: Partialagonist an α-Adrenozeptoren und 5-HT₂-Rezeptoren → tonische Dauerkontraktion, die die Gefäße der Plazentahaftfläche abklemmt.
- Atosiban: kompetitiver Antagonist am Oxytocinrezeptor (und am Vasopressin-V₁ₐ-Rezeptor) → kein IP₃-Signal, Ca²⁺ ↓.
- Tokolyse aus Nachbarklassen: β₂-Sympathomimetika über Gs → cAMP ↑ → PKA hemmt die MLCK; Calciumkanalblocker blockieren den Ca²⁺-Einstrom über L-Typ-Kanäle.
Antwort anzeigen
Oxytocin erzeugt rhythmische Kontraktionen mit Erschlaffungsphasen, in denen die Plazenta wieder durchblutet wird, und ist dank kurzer Halbwertszeit sofort abschaltbar. Methylergometrin verursacht eine tonische Dauerkontraktion, die die uteroplazentare Perfusion unterbricht und das Kind hypoxisch macht. Genau diese Dauerkontraktion ist nach Geburt der Plazenta erwünscht, weil sie die offenen Gefäße komprimiert.
Wirkungen und Anwendung
Eingesetzt werden die Stoffe rund um Geburt und Schwangerschaftsende sowie bei drohender Frühgeburt.
- Geburtseinleitung und Wehenförderung: Oxytocin-Infusion bei reifer Zervix; bei unreifer Zervix zuerst ein Prostaglandin.
- Zervixreifung: Dinoproston vaginal, weil PGE₂ den Kollagenumbau anstößt; alternativ orales Misoprostol.
- Postpartale Blutung bei Uterusatonie: Oxytocin, Carbetocin (Prophylaxe nach Sectio), Sulproston, Methylergometrin.
- Schwangerschaftsabbruch, intrauteriner Fruchttod: Prostaglandin nach Vorbehandlung mit dem Antigestagen Mifepriston, das das Myometrium für Prostaglandine sensibilisiert.
- Tokolyse bei vorzeitigen Wehen: Atosiban; Ziel ist Zeitgewinn für die Lungenreifeinduktion mit Glucocorticoiden und die Verlegung in ein Perinatalzentrum.
Unzureichende Kontraktion des Uterus nach der Geburt. Da die Blutstillung an der Plazentahaftfläche mechanisch durch die Kontraktion erfolgt, ist sie die häufigste Ursache schwerer postpartaler Blutungen.
Pharmakokinetik
Die Kinetik bestimmt die Applikation: Peptide werden parenteral gegeben, Prostaglandine auch lokal.
- Oxytocin: von Peptidasen (Oxytocinase) rasch gespalten, \(t_{1/2}\) wenige Minuten → Dauerinfusion, die bei Überstimulation sofort gestoppt werden kann.
- Carbetocin: N-terminal desaminiert, Disulfidbrücke durch Thioether ersetzt, Tyrosin O-methyliert → Schutz vor Aminopeptidasen und Disulfidspaltung, deutlich längere Wirkung → einmalige Injektion.
- Dinoproston: vaginal als Gel, Tablette oder Insert mit kontrollierter Freisetzung; das Insert lässt sich bei Überstimulation entfernen.
- Sulproston: nur als i.v.-Infusion.
- Methylergometrin: oral und parenteral, hepatisch über CYP3A4 abgebaut.
Unerwünschte Wirkungen
Die UAW folgen aus Kontraktion glatter Muskulatur außerhalb des Uterus und aus der Strukturverwandtschaft von Oxytocin mit ADH.
| UAW | warum | |
|---|---|---|
Schwangerschaft |
Überstimulation, fetale Hypoxie, Uterusruptur | alle Uterotonika |
Niere |
Wasserretention, Hyponatriämie | Oxytocin (hochdosiert, lange) |
Gefäße |
Hypotonie, Flush, Tachykardie | Oxytocin, Carbetocin (Bolus) |
Magen-Darm |
Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö | Prostaglandine |
ZNS |
Fieber | Prostaglandine |
Atmung · Herz |
Bronchokonstriktion, Koronarspasmen | Sulproston |
Gefäße |
Hypertonie, Vasospasmen, Myokardischämie | Methylergometrin |
Kontraindikationen und Wechselwirkungen
Kontraindikationen leiten sich aus der Wirkung auf Gefäße und Bronchien ab.
- Methylergometrin bei Präeklampsie, Hypertonie, KHK, pAVK: Vasokonstriktion verschärft Blutdruck und Ischämie.
- Methylergometrin vor Geburt der Plazenta: Dauerkontraktion führt zu fetaler Hypoxie und Plazentaretention.
- Prostaglandine bei Asthma: Bronchokonstriktion; Sulproston zusätzlich bei kardiovaskulären Erkrankungen kontraindiziert.
- Uterotonika bei mechanischem Geburtshindernis: Kontraktion gegen ein Hindernis riskiert die Uterusruptur.
- Prostaglandin plus Oxytocin: gegenseitige Verstärkung → Oxytocin erst mit zeitlichem Abstand nach Dinoproston.
Starke CYP3A4-Inhibitoren (Clarithromycin, Itraconazol, Ritonavir) hemmen den Abbau von Methylergometrin. Folge ist Ergotismus mit schweren Vasospasmen bis zur Extremitäten- und Myokardischämie.
Unterschiede innerhalb der Klasse
Bei der Tokolyse entscheidet die maternale Verträglichkeit: Atosiban wirkt uteroselektiv, die Nachbarklassen bringen ihre systemischen Effekte mit.
| Atosiban | Fenoterol | Nifedipin | |
|---|---|---|---|
| Mechanismus | Oxytocinrezeptor-Antagonist | β₂-Agonist, cAMP ↑ | L-Typ-Ca²⁺-Kanal-Block |
| maternale UAW | gering (Übelkeit) | Tachykardie, Lungenödem, Hyperglykämie, Hypokaliämie | Hypotonie, Reflextachykardie, Flush |
| Applikation | i.v. | i.v. | oral (off-label) |
Bei der Uterusatonie folgen die Uterotonika einer Stufenfolge.
- Oxytocin: erste Wahl, nach Sectio prophylaktisch auch Carbetocin
- Sulproston i.v.: bei Versagen von Oxytocin; Methylergometrin als Alternative ohne Hypertonie oder Präeklampsie
- Ergänzend: Tranexamsäure gegen die Hyperfibrinolyse
Teste dich
Reihenfolge
Aussage 2
Methylergometrin ist bei Präeklampsie kontraindiziert, weil es über α- und 5-HT₂-Rezeptoren Gefäße verengt.
Die Vasokonstriktion verschärft Blutdruck und Ischämie, deshalb ist Methylergometrin bei Präeklampsie und Hypertonie kontraindiziert.
Aussage 3
Atosiban hemmt Wehen, indem es über β₂-Rezeptoren das cAMP in der Myometriumzelle erhöht.
Das ist der Mechanismus von Fenoterol. Atosiban ist ein kompetitiver Antagonist am Oxytocinrezeptor und verhindert so den Ca²⁺-Anstieg.
Wer bin ich?
Aussage 5
Prostaglandine wie Sulproston sind bei Asthma gut geeignet, weil sie die Bronchien erweitern.
Sulproston kann eine Bronchokonstriktion auslösen. Prostaglandine sind bei Asthma kontraindiziert.
Aussage 6
Carbetocin ist gegen Aminopeptidasen und Disulfidspaltung geschützt und wirkt deshalb länger als Oxytocin.
Desaminierung am N-Terminus, Thioether statt Disulfidbrücke und O-Methylierung des Tyrosins verlängern die Wirkung, daher genügt eine einmalige Injektion.
Zuordnen
Warum?
Aussage 9
Unter β₂-Sympathomimetika zur Tokolyse sind maternale Tachykardie und Lungenödem typische Komplikationen.
Fenoterol verursacht maternale Tachykardie, Lungenödem, Hyperglykämie und Hypokaliämie, Atosiban ist dagegen maternal gut verträglich.
Prüferin fragt
Fehler entdeckt oder eine Idee? Wir verbessern die Inhalte laufend. Melde es uns gerne über dieses Formular ❤️
Teile der Inhalte wurden mithilfe von KI-Systemen erstellt und werden fortlaufend redaktionell geprüft. Trotz Sorgfalt können Fehler enthalten sein. Wichtige Informationen bitte anhand offizieller Quellen prüfen. Relaxed ins Stex ist ein unabhängiges Angebot und steht in keiner Kooperation mit dem IMPP. Das Angebot ist weder vom IMPP autorisiert noch mit diesem verbunden.