Arzneistoffe

JAK-Inhibitoren

JAK-Inhibitoren sind orale, zielgerichtete synthetische DMARD: Sie hemmen ATP-kompetitiv die Januskinasen und blockieren damit ganze Zytokinfamilien. Im Kern stehen der Mechanismus, die daraus ableitbaren UAW und die Patientenauswahl nach den Sicherheitssignalen.

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  • Einordnung: JAK-Inhibitoren sind orale tsDMARD, synthetisch wie Methotrexat, aber zielgerichtet wie Biologika und nicht immunogen.
  • JAK-STAT-Blockade: Sie hemmen ATP-kompetitiv die Kinasedomäne der Januskinasen, sodass STAT-Phosphorylierung und Gentranskription ausbleiben und ganze Zytokinfamilien blockiert werden.
  • Indikationen: rheumatoide Arthritis nach csDMARD-Versagen gleichrangig mit Biologika, dazu Psoriasis-Arthritis, axiale Spondyloarthritis, chronisch entzündliche Darmerkrankungen und atopische Dermatitis.
  • Sicherheitssignale: Infektionen und Herpes zoster, Zytopenien über JAK2, Lipidanstieg über IL-6-Blockade sowie venöse Thromboembolien, MACE und Malignome.
  • Patientenauswahl: Nach der EMA ab 65 Jahren, bei Rauchern und bei kardiovaskulärem oder Malignomrisiko nur ohne Alternative, bei VTE-Risiko mit Vorsicht; Wechselwirkungen über CYP3A4 bei Tofacitinib und Upadacitinib, renale Elimination bei Baricitinib.
  • Selektivität: Tofacitinib JAK1/JAK3, Baricitinib JAK1/JAK2, Upadacitinib und Filgotinib JAK1; die Selektivität ist relativ und schützt nicht vor den Klassenrisiken.

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Überblick

JAK-Inhibitoren hemmen die intrazellulären Januskinasen (JAK) und unterbrechen so die Signalweiterleitung zahlreicher proinflammatorischer Zytokine. Als kleine, oral verfügbare Moleküle stehen sie zwischen den konventionellen DMARD und den Biologika.

  • tsDMARD: targeted synthetic DMARD, chemisch synthetisiert wie Methotrexat, aber gegen ein definiertes Target gerichtet.
  • Orale Alternative zu Biologika: Tablette statt Injektion, nicht immunogen, daher keine Anti-Drug-Antikörper.
  • Breite Blockade: Ein Wirkstoff hemmt die Signale vieler Zytokine zugleich, ein Biologikum meist nur eines.
  • Stellenwert: Eskalation nach Versagen konventioneller DMARD, gleichrangig mit Biologika, wegen der Sicherheitssignale nur nach Risikoabwägung.

Typischer Vertreter ist Tofacitinib, an dem auch die Sicherheitssignale der Klasse erkannt wurden.

Strukturformel von Tofacitinib
Tofacitinib
JAK-Inhibitoren · Leitsubstanz
  • Prinzip: bevorzugt JAK1 und JAK3, schwächer JAK2 → γc-Zytokine, IL-6 und Interferone ↓
  • Kinetik: oral, kurze Halbwertszeit, Abbau überwiegend über CYP3A4
  • Einsatz: rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, axiale Spondyloarthritis, Colitis ulcerosa
  • Besonderheit: bei Risikopatienten mehr MACE, Malignome und VTE als unter TNF-α-Antagonisten

Vertreter

Alle Vertreter sind reversible, ATP-kompetitive Hemmstoffe mit einem Heterocyclus, der die Adeninbindung an der Hinge-Region der Kinase nachahmt. Sie unterscheiden sich in der JAK-Selektivität und im Eliminationsweg, was vor allem für Wechselwirkungen und Niereninsuffizienz zählt.

Wirkstoffe
Strukturformel von Tofacitinib
JAK1/JAK3-betont Tofacitinib CYP3A4
Strukturformel von Baricitinib
JAK1/JAK2-betont Baricitinib überwiegend renal
JAK1-selektiv Upadacitinib CYP3A4, Retardtablette
JAK1-selektiv Filgotinib Carboxylesterase, aktiver Metabolit

Wirkmechanismus

JAK1, JAK2, JAK3 und TYK2 sind zytoplasmatische Tyrosinkinasen, die paarweise an Typ-I- und Typ-II-Zytokinrezeptoren gebunden sind und das Signal über STAT-Proteine in den Zellkern leiten (JAK-STAT-Weg). JAK-Inhibitoren besetzen kompetitiv zu ATP die Bindetasche der katalytischen Kinasedomäne (JH1). Ohne Phosphorylierung von Rezeptor und STAT unterbleiben STAT-Dimerisierung, Kerntranslokation und Transkription der Entzündungsgene.

Schema eines Zytokinrezeptors mit zwei Januskinasen, ein Inhibitor besetzt die ATP-Bindestelle, die STAT-Aktivierung und Kerntranslokation sind durchgestrichen.

JAK-Inhibitoren blockieren die ATP-Bindetasche der Januskinase, STAT-Proteine werden nicht phosphoryliert.

Jedes Zytokin signalisiert über ein bestimmtes JAK-Paar. Ein JAK-Inhibitor trifft deshalb ganze Zytokinfamilien, woraus Wirkung und UAW gleichermaßen folgen.

JAK-Paar Zytokine Folge der Hemmung
JAK1/JAK3 γc-Zytokine (IL-2, IL-7, IL-15, IL-21) T-, B- und NK-Zell-Funktion ↓
JAK1/JAK2 (± TYK2) IL-6, IFN-γ Akute-Phase-Reaktion ↓, Makrophagenaktivierung ↓
JAK2/JAK2 EPO, TPO, GM-CSF Hämatopoese ↓
TYK2 mit JAK1 bzw. JAK2 IFN-α/β, IL-12, IL-23 antivirale Abwehr ↓, Th1/Th17 ↓
📖 Definition: JAK-Selektivität

Relative Hemmpotenz gegenüber den vier JAK-Isoformen in enzymatischen oder zellulären Tests. Sie ist konzentrationsabhängig: Bei therapeutischen Spiegeln werden meist mehrere JAKs mitgehemmt, weil die ATP-Tasche hochkonserviert ist.

Wirkungen und Anwendung

JAK-Inhibitoren wirken antiinflammatorisch und immunsuppressiv, Schmerz und Steifigkeit bessern sich innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen.

Pharmakokinetik

Alle werden oral gegeben, gut resorbiert und haben Plasmahalbwertszeiten im Stundenbereich. Die Wirkung klingt nach Absetzen innerhalb weniger Tage ab, die Therapie ist bei Infektionen oder Operationen daher gut steuerbar.

Wirkstoff Elimination Konsequenz
Tofacitinib, Upadacitinib überwiegend CYP3A4 Interaktionen mit CYP3A4-Hemmern und -Induktoren
Baricitinib überwiegend unverändert renal, Sekretion über OAT3 Dosis an die Nierenfunktion anpassen, bei eGFR < 30 ml/min nicht empfohlen
Filgotinib Carboxylesterase → aktiver Metabolit mit langer Halbwertszeit, renal kaum CYP-Interaktionen, Nierenfunktion beachten

Unerwünschte Wirkungen

Die meisten UAW sind die Kehrseite der Zytokinblockade und gelten für die ganze Klasse. Blutbild, Lipide und Leberwerte werden vor und unter Therapie kontrolliert.

Schema der unerwünschten Wirkungen: JAK-Inhibitoren, ausgehend vom Mechanismus, je Organ mit Piktogramm (Blut, Atmung, Haut, Leber, Gefäße, Herz).

Unerwünschte Wirkungen der JAK-Inhibitoren, soweit bekannt mit den zugrunde liegenden Zytokinsignalen.
UAW warum
Immunsystem
Infektionen, auch opportunistisch, TB-Reaktivierung γc- und IFN-Signale ↓ → T- und NK-Zell-Abwehr ↓
Immunsystem
Herpes zoster, häufiger als unter Biologika antivirale IFN- und NK-Zell-Antwort ↓ → VZV-Reaktivierung
Blut
Zytopenien (Anämie, Thrombo-, Lympho-, Neutropenie) JAK2 (EPO, TPO, GM-CSF) ↓, JAK1/JAK3 (IL-7, IL-15) ↓
Stoffwechsel
LDL- und HDL-Anstieg IL-6-Blockade hebt die entzündungsbedingte Lipidsenkung auf
Blut
Venöse Thromboembolien Mechanismus ungeklärt, dosisabhängig
Herz · Immunsystem
MACE, Malignome (Lunge, Lymphome, nicht-melanozytärer Hautkrebs) ungeklärt, gestörte Tumorimmunüberwachung diskutiert

In einer großen Sicherheitsstudie bei RA-Patienten ab 50 Jahren mit kardiovaskulärem Risikofaktor traten unter Tofacitinib MACE und Malignome häufiger auf als unter TNF-α-Antagonisten, dazu mehr VTE und schwere Infektionen. Die EMA hat daraus Beschränkungen für alle JAK-Inhibitoren bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen abgeleitet: ab 65 Jahren, bei (früheren) Langzeitrauchern und bei erhöhtem kardiovaskulärem oder Malignomrisiko nur, wenn keine geeignete Alternative besteht. Bei VTE-Risiko gilt Vorsicht, wo möglich wird niedriger dosiert.

Kontraindikationen und Wechselwirkungen

Kontraindikationen folgen aus der Immunsuppression und den Sicherheitssignalen, Wechselwirkungen aus dem Eliminationsweg.

  • Aktive schwere Infektionen, aktive Tuberkulose: vorher TB- und Hepatitis-Screening, bei schwerer Infektion pausieren.
  • Risikogruppen: ab 65 Jahren, Rauchen, kardiovaskuläres oder Malignomrisiko nur ohne Alternative, VTE-Risiko mit Vorsicht.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: im Tierversuch teratogen → zuverlässige Verhütung, vor geplanter Konzeption absetzen.
  • Lebendimpfstoffe: nicht unter Therapie, Impfungen vorher komplettieren, auch gegen Herpes zoster.
  • Starke CYP3A4-Hemmer (Clarithromycin, Itraconazol): Exposition von Tofacitinib und Upadacitinib ↑ → nach Fachinformation Dosis reduzieren oder meiden.
  • Starke CYP3A4-Induktoren (Rifampicin, Carbamazepin): Exposition ↓ → Wirkverlust, meiden.
  • Probenecid: hemmt OAT3 → Baricitinib-Spiegel ↑.
⚠️ Achtung: Kombination mit Biologika

Nicht mit Biologika oder potenten Immunsuppressiva wie Azathioprin und Ciclosporin kombinieren: Die additive Immunsuppression erhöht das Risiko schwerer Infektionen. Mit MTX ist die Kombination dagegen etabliert.

Unterschiede innerhalb der Klasse

Klinisch unterscheiden sich die vier Vertreter weniger, als ihre Selektivitätsprofile nahelegen. Entscheidender ist die Abgrenzung zu Methotrexat und Biologika.

A Methotrexat
  • Erstlinie, Ankerdroge
  • Wirkeintritt erst nach Wochen
  • Kombinationspartner für beide
B JAK-Inhibitor
  • oral, rascher Wirkeintritt
  • nicht immunogen, gut steuerbar
  • bevorzugt, wenn Monotherapie nötig
  • bei Risikopatienten nur ohne Alternative
C Biologikum
  • Injektion, lange Halbwertszeit
  • gezielt gegen ein Zytokin oder eine Zelle
  • Anti-Drug-Antikörper möglich
  • bevorzugt bei kardiovaskulärem Risiko
Prüferinnenfrage
Ist ein JAK1-selektiver Inhibitor sicherer als Tofacitinib?
Antwort anzeigen

Das ist nicht belegt. Selektivität ist relativ und konzentrationsabhängig, bei therapeutischen Spiegeln werden weitere JAKs mitgehemmt. Thromboembolien, MACE und Herpes zoster treten bei allen Vertretern auf, deshalb gelten die EMA-Beschränkungen für die ganze Klasse. Selektivität verschiebt allenfalls Akzente, etwa beim JAK2-abhängigen Blutbild.

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wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Aussage 1

JAK-Inhibitoren binden an die extrazelluläre Domäne von Zytokinrezeptoren und verhindern so die Zytokinbindung.

Sie wirken intrazellulär: Sie besetzen kompetitiv zu ATP die Bindetasche der Kinasedomäne der Januskinasen.

Aussage 2

Baricitinib wird überwiegend unverändert renal ausgeschieden, deshalb wird die Dosis an die Nierenfunktion angepasst.

Baricitinib wird über OAT3 tubulär sezerniert und überwiegend unverändert renal eliminiert, bei eGFR unter 30 ml/min wird es nicht empfohlen.

Lückentext

Aussage 4

Anämie und Thrombozytopenie unter JAK-Inhibitoren lassen sich auf die Hemmung von JAK2 zurückführen.

EPO und TPO signalisieren über JAK2-Homodimere, ihre Blockade dämpft die Hämatopoese.

Aussage 5

Filgotinib wird überwiegend über CYP3A4 abgebaut und ist daher besonders anfällig für Interaktionen mit Clarithromycin.

Filgotinib wird über Carboxylesterase zu einem aktiven Metaboliten umgesetzt und renal ausgeschieden, CYP-Interaktionen spielen kaum eine Rolle. CYP3A4 ist bei Tofacitinib und Upadacitinib relevant.

Warum?

Zuordnen

Aussage 8

Die EMA hat die Anwendungsbeschränkungen nach den Sicherheitssignalen unter Tofacitinib auf alle JAK-Inhibitoren bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen übertragen.

Die Restriktionen für Patienten ab 65 Jahren, Raucher und Patienten mit kardiovaskulärem oder Malignomrisiko gelten für die ganze Klasse.

Aussage 9

Der LDL-Anstieg unter JAK-Inhibitoren entsteht durch die Hemmung der JAK2-abhängigen EPO-Signale.

Der Lipidanstieg folgt aus der IL-6-Blockade, die die entzündungsbedingte Lipidsenkung aufhebt. Die EPO-Hemmung über JAK2 erklärt die Anämie.

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