Alpha-Sympathomimetika
α-Sympathomimetika verengen über α1-Rezeptoren und den Gq-Weg Gefäße. Kern sind die Imidazolin-Derivate als Schleimhautabschwellungsmittel mit dem Risiko der Rhinitis medicamentosa, Midodrin als oral wirksames Prodrug bei orthostatischer Hypotonie und Phenylephrin für die Mydriasis ohne Zykloplegie.
Dein roter Faden
- Einteilung: Systemische α-Sympathomimetika (Midodrin, Etilefrin) heben den Blutdruck, lokale (Imidazoline, Phenylephrin) schwellen Schleimhäute ab oder erweitern die Pupille.
- Mechanismus: α1-Agonismus aktiviert über Gq die Phospholipase C, IP₃ setzt Ca²⁺ frei, Ca²⁺-Calmodulin aktiviert MLCK, die Gefäßmuskulatur kontrahiert; Imidazoline erregen zusätzlich α2.
- Struktur und Kinetik: Midodrin wird erst durch Glycinabspaltung zu Desglymidodrin aktiv; Imidazoline sind keine MAO- oder COMT-Substrate und wirken daher lange.
- Indikationen: Orthostatische Hypotonie, akute Rhinitis und Sinusitis, Mydriasis ohne Zykloplegie durch Phenylephrin, konjunktivale Rötung durch Tetryzolin.
- Rhinitis medicamentosa: Dauergebrauch desensibilisiert die α-Rezeptoren, nach der Ischämie folgt reaktive Hyperämie mit Rebound-Schwellung, deshalb nur etwa eine Woche anwenden.
- UAW und KI: Hypertonie, Reflexbradykardie, Harnverhalt und bei Säuglingen ZNS-Depression; kontraindiziert bei Rhinitis sicca, Engwinkelglaukom, Phäochromozytom und schwerer Hypertonie, Vorsicht mit MAO-Hemmern und Trizyklika.
Überblick
α-Sympathomimetika sind direkte Agonisten an α-Adrenozeptoren. Über den α1-Rezeptor kontrahieren sie glatte Gefäßmuskulatur und wirken vasokonstriktorisch. Anders als die Katecholamine erregen sie β-Rezeptoren kaum und sind keine COMT-Substrate. Das allgemeine Prinzip steht bei den direkten Sympathomimetika.
- Systemisch: Midodrin und Etilefrin oral bei orthostatischer Hypotonie.
- Lokal: Abschwellung von Nasen- und Bindehautschleimhaut, Mydriasis.
- Imidazolin-Derivate: Xylometazolin, Oxymetazolin, Tetryzolin; Imidazolinring statt Phenylethylamin-Gerüst, α1- und α2-agonistisch, Standard der Schleimhautabschwellung.
- Stellenwert: rein symptomatisch, lokal nur kurzfristig.
Typischer Vertreter ist das Imidazolin Xylometazolin.
- Prinzip: Agonist an α1- und α2-Rezeptoren der venösen Kapazitätsgefäße der Nasenschleimhaut → Abschwellung.
- Kinetik: Nasenspray oder -tropfen, Wirkeintritt nach Minuten, Wirkung über mehrere Stunden; systemische Resorption gering, bei Säuglingen relevant.
- Einsatz: akute Rhinitis, Sinusitis, Tubenbelüftungsstörung.
- Besonderheit: Dauergebrauch führt zur Rhinitis medicamentosa.
In der Selbstmedikation nur kurzfristig anwenden.
Vertreter
Die Vertreter unterscheiden sich nach Applikation (systemisch oder lokal), Grundgerüst (Phenylethylamin vs. Imidazolin) und Rezeptorprofil. Midodrin und Phenylephrin sind α1-selektiv, die Imidazoline zusätzlich α2-agonistisch. Etilefrin hat als Mischprofil eine deutliche β1-Komponente.
Wirkmechanismus
Alle Vertreter wirken über den postsynaptischen α1-Rezeptor der Gefäßmuskelzelle, einen Gq-gekoppelten Rezeptor.
- Bindung: Agonist aktiviert den α1-Rezeptor.
- Gq/11 → Phospholipase Cβ: PIP₂ wird zu IP₃ und Diacylglycerol (DAG) gespalten.
- Ca²⁺-Freisetzung: IP₃ öffnet IP₃-Rezeptoren des sarkoplasmatischen Retikulums, DAG aktiviert Proteinkinase C.
- Kontraktion: Ca²⁺-Calmodulin aktiviert die Myosin-leichte-Ketten-Kinase (MLCK) → Myosinphosphorylierung → Vasokonstriktion (Arteriolen: Widerstand ↑, Venen: Rückstrom ↑).
Die Imidazolin-Derivate erregen zusätzlich α2-Rezeptoren (Gi, cAMP ↓), die an Schleimhautgefäßen ebenfalls kontrahierend wirken. Gelangen sie ins ZNS, senken sie wie die zentralen α2-Agonisten (Antisympathotonika) den Sympathikustonus. Als Nicht-Phenylethylamine werden sie weder von MAO noch von COMT abgebaut und wirken lange.
Midodrin ist selbst kaum wirksam: Erst die Abspaltung von Glycin liefert Desglymidodrin, einen selektiven α1-Agonisten. Etilefrin erregt neben α1 auch β1 und steigert so zusätzlich Kontraktilität und Herzzeitvolumen.
Wirkungen und Anwendung
Aus der Vasokonstriktion und der Kontraktion des Pupillendilatators ergeben sich die Anwendungen.
- Blutdruck ↑: Widerstand und venöser Rückstrom steigen → Midodrin, Etilefrin bei orthostatischer Hypotonie, wenn Allgemeinmaßnahmen nicht reichen; Midodrin ergänzend zu Diuretika bei refraktärem Aszites der Leberzirrhose.
- Schleimhautabschwellung: Konstriktion der Kapazitätsgefäße der Nasenmuscheln → freie Nasenatmung, Sekretabfluss aus Nebenhöhlen und Tuben; bei akuter Rhinitis, Sinusitis, kurzfristig bei allergischer Rhinitis.
- Mydriasis ohne Zykloplegie: Phenylephrin kontrahiert den M. dilatator pupillae (α1); der muskarinisch innervierte Ziliarmuskel bleibt unbeeinflusst, die Akkommodation erhalten (Pupillenmotorik).
- Konjunktivale Vasokonstriktion: Tetryzolin-Augentropfen gegen Rötung bei nicht infektiöser Reizung.
Pharmakokinetik
Die Kinetik bestimmt, welcher Vertreter oral, welcher nur lokal sinnvoll ist.
- Midodrin: oral gut resorbiert, systemische Deglycinierung zu Desglymidodrin; dieses ist hydrophil, kaum ZNS-gängig, renal eliminiert und kurz wirksam → Einnahme tagsüber, nicht kurz vor dem Hinlegen.
- Etilefrin: ausgeprägter First-Pass durch Konjugation, daher geringe orale Bioverfügbarkeit.
- Phenylephrin: kein Catechol, aber MAO-Substrat und sulfatiert → oral wenig wirksam, daher lokal oder i.v. (Anästhesie).
- Lokale Anwendung: Resorption über die Schleimhaut und den verschluckten Anteil (Nasen-Rachen-Raum, Tränennasengang); lipophile Imidazoline sind ZNS-gängig und bei Säuglingen wegen des geringen Körpergewichts systemisch relevant.
Unerwünschte Wirkungen
Die meisten UAW folgen aus der α-Erregung außerhalb des Zielorgans. Eine Reflexbradykardie ist die vagal vermittelte Gegenregulation des Herzens auf einen Blutdruckanstieg.
| UAW | warum | |
|---|---|---|
Gefäße |
Hypertonie, Liegehypertonie | α1-Vasokonstriktion; im Liegen fehlt die orthostatische Gegenregulation (v. a. Midodrin) |
Herz |
Reflexbradykardie | Blutdruck ↑ → Barorezeptoren → Vagus ↑ (Barorezeptorreflex); bei Etilefrin wegen β1 eher Tachykardie, Palpitationen |
Haut |
Rhinitis medicamentosa, Rebound-Schwellung | Desensibilisierung der α-Rezeptoren, reaktive Hyperämie nach Ischämie |
ZNS |
ZNS-Depression bei Säuglingen | Imidazoline: zentrale α2-Erregung → Sedierung bis Koma, Atemdepression, Bradykardie, Hypothermie |
Blase |
Harnverhalt | α1 an Blasenhals und Prostata → Auslasswiderstand ↑ |
Haut |
Piloarrektion, Kribbeln der Kopfhaut | α1 am M. arrector pili (Midodrin) |
Haut |
Brennen, trockene Schleimhaut | lokale Minderdurchblutung |
Chronische Schleimhautschwellung durch Dauergebrauch abschwellender Nasensprays: Nachlassende Wirkung und Rebound führen zu immer häufigerer Anwendung, die Schleimhaut wird geschädigt. Deshalb Imidazoline nur etwa eine Woche am Stück anwenden.
Kontraindikationen und Wechselwirkungen
Kontraindikationen ergeben sich aus Vasokonstriktion, Mydriasis und systemischer Resorption.
- Rhinitis sicca: Minderdurchblutung trocknet die Schleimhaut weiter aus.
- Engwinkelglaukom: Mydriasis verlegt den Kammerwinkel → Glaukomanfall.
- Säuglinge und Kleinkinder: nur altersgerechte, niedrig konzentrierte Zubereitungen, weil sonst ZNS-Depression droht.
- Schwere Hypertonie, KHK, Hyperthyreose: Nachlast und Sauerstoffbedarf steigen.
- Phäochromozytom: Katecholaminüberschuss plus Vasokonstriktor → hypertensive Krise.
- Midodrin zusätzlich: Harnverhalt, schwere Niereninsuffizienz, Liegehypertonie.
- Betablocker, Herzglykoside: additive Bradykardie.
MAO-Hemmer bremsen den Abbau von Phenylephrin, Trizyklika hemmen die neuronale Wiederaufnahme und verstärken adrenerge Wirkungen. In Kombination, auch mit Nasentropfen, drohen hypertensive Krisen.
Unterschiede innerhalb der Klasse
Lokal unterscheiden sich die Vertreter vor allem in der Wirkdauer, systemisch im Rezeptorprofil.
| Wirkstoff | Wirkdauer | Einsatz |
|---|---|---|
| Tetryzolin | kurz | Auge |
| Phenylephrin | kurz | Auge (Mydriasis) |
| Xylometazolin | mittel | Nase |
| Oxymetazolin | am längsten | Nase |
Midodrin vs. Etilefrin: Midodrin wirkt α1-selektiv rein vaskulär ohne Frequenzanstieg. Etilefrin hebt über β1 zusätzlich das Herzzeitvolumen, verursacht aber Tachykardie und Palpitationen.
Antwort anzeigen
Tropicamid lähmt als Parasympatholytikum den M. sphincter pupillae, aber auch den Ziliarmuskel, es kommt zur Zykloplegie. Phenylephrin kontrahiert über α1 den M. dilatator pupillae und lässt die Akkommodation unberührt. Kombiniert ergänzen sich beide Wege, weil der Sphinkter erschlafft und der Dilatator zieht: Die Mydriasis wird kräftiger.
Teste dich
Aussage 1
α1-Rezeptoren vermitteln die Vasokonstriktion über Gs und einen Anstieg von cAMP.
α1-Rezeptoren sind Gq-gekoppelt: Phospholipase C bildet IP₃, das Ca²⁺ aus dem sarkoplasmatischen Retikulum freisetzt; Ca²⁺-Calmodulin aktiviert die MLCK.
Warum?
Aussage 3
Oxymetazolin wirkt an der Schleimhaut länger als Tetryzolin.
Oxymetazolin hat unter den Imidazolinen die längste Wirkdauer, Tetryzolin wirkt kurz und wird vor allem am Auge eingesetzt.
Aussage 4
Midodrin wirkt selbst direkt am α1-Rezeptor, sein Metabolit Desglymidodrin ist inaktiv.
Umgekehrt: Midodrin ist ein Prodrug, erst durch Glycinabspaltung entsteht der aktive α1-Agonist Desglymidodrin.
Zuordnen
Aussage 6
Etilefrin verursacht wegen seiner β1-Komponente eher Tachykardie als Reflexbradykardie.
Die direkte β1-Erregung steigert Frequenz und Kontraktilität und überwiegt die vagale Gegenregulation; α1-selektive Vertreter lösen dagegen eher eine Reflexbradykardie aus.
Wer bin ich?
Aussage 8
Phenylephrin erweitert die Pupille, ohne die Akkommodation zu lähmen, weil der Ziliarmuskel muskarinisch innerviert ist.
Phenylephrin kontrahiert über α1 den M. dilatator pupillae; der Ziliarmuskel wird parasympathisch über Muscarinrezeptoren gesteuert und bleibt unbeeinflusst.
Reihenfolge
Prüferin fragt
Fehler entdeckt oder eine Idee? Wir verbessern die Inhalte laufend. Melde es uns gerne über dieses Formular ❤️
Teile der Inhalte wurden mithilfe von KI-Systemen erstellt und werden fortlaufend redaktionell geprüft. Trotz Sorgfalt können Fehler enthalten sein. Wichtige Informationen bitte anhand offizieller Quellen prüfen. Relaxed ins Stex ist ein unabhängiges Angebot und steht in keiner Kooperation mit dem IMPP. Das Angebot ist weder vom IMPP autorisiert noch mit diesem verbunden.