Arzneistoffe

HER2-Antikörper

HER2-Antikörper (Trastuzumab, Pertuzumab) blockieren den bei HER2-Amplifikation überexprimierten Rezeptor an zwei verschiedenen Domänen. Kern sind die HER2-Biologie, die beiden Bindungsstellen mit dualer Blockade, der Biomarker als Voraussetzung und die reversible Typ-II-Kardiotoxizität.

✓ gelesen
Dein roter Faden7 Punkte
  • Einordnung: HER2-Antikörper sind humanisierte IgG1 gegen HER2, eine ligandenlose Rezeptortyrosinkinase der EGFR-Familie, die bei Genamplifikation überexprimiert ist.
  • HER2-Biologie: HER2 liegt offen vor und ist der bevorzugte Dimerisierungspartner; das HER2/HER3-Dimer treibt PI3K/AKT und MAPK.
  • Zwei Bindungsstellen: Trastuzumab an Domäne IV hemmt ligandenunabhängiges Signal und Shedding und vermittelt ADCC, Pertuzumab an Domäne II blockiert die Heterodimerisierung; zusammen duale Blockade.
  • Biomarker: Einsatz nur bei HER2-Positivität (IHC 3+ oder IHC 2+ mit positiver ISH) bei Mamma- und Magenkarzinom, meist mit Taxan.
  • Kinetik: proteolytischer Abbau ohne CYP, Halbwertszeit mehrere Wochen, auch subkutan und als Fixkombination mit Hyaluronidase.
  • Kardiotoxizität: Typ II, nicht kumulativ und meist reversibel, daher LVEF-Monitoring; nicht gleichzeitig mit Anthrazyklinen.
  • Weitere UAW und KI: Infusionsreaktionen, Diarrhö unter Pertuzumab, Oligohydramnion; kontraindiziert bei Herzinsuffizienz und in der Schwangerschaft.

Kostenlos weiterlesen mit deinem Relaxed-Konto

Lege dir ein kostenloses Konto an, dann ist das ganze 2. Staatsexamen für dich frei. Kein Abo, keine Zahlungsdaten.

Kostenloses Konto anlegen

Bitte bestätige zuerst deine E-Mail-Adresse

Wir haben dir einen Link geschickt. Mit bestätigter E-Mail-Adresse liest du hier gleich weiter.

Zum Konto

Überblick

HER2-Antikörper sind humanisierte monoklonale IgG1-Antikörper gegen die extrazelluläre Domäne von HER2 (Human Epidermal Growth Factor Receptor 2, ErbB2), einer Rezeptortyrosinkinase der EGFR-Familie. Sie unterbrechen die HER2-getriebene Proliferations- und Überlebenssignalgebung und markieren die Tumorzelle für das Immunsystem. Aufbau und Effektorfunktionen von Antikörpern stehen bei den monoklonalen Antikörpern.

  • HER2-Amplifikation: Vervielfachung des ERBB2-Gens → massive Rezeptordichte → ligandenunabhängige Daueraktivierung, ein klassisches Onkogen-Prinzip (Tumorentstehung).
  • Biomarkergesteuert: Nutzen nur bei HER2-positivem Tumor, weil nur dann die Zelle vom Signal abhängt.
  • Kombinationspartner: wirken vor allem zusammen mit Chemotherapie, nicht als Monotherapie der ersten Wahl.
  • Abgrenzung: an Zytostatika gekoppelt als Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, intrazellulär als HER2-Tyrosinkinase-Inhibitoren.

Trastuzumab ist der typische Vertreter, Pertuzumab ergänzt ihn an einer zweiten Bindungsstelle.

Trastuzumab
HER2-Antikörper · Leitsubstanz
  • Prinzip: bindet HER2 an Domäne IV, hemmt ligandenunabhängige Signalgebung und Shedding, vermittelt ADCC.
  • Kinetik: i. v. oder s. c., proteolytischer Abbau, lange Halbwertszeit.
  • Einsatz: HER2-positives Mamma- und Magenkarzinom, meist mit Taxan.
  • Besonderheit: reversible Kardiotoxizität, regelmäßige LVEF-Kontrolle.

Vertreter

Im Handel sind zwei unkonjugierte HER2-Antikörper, die sich durch ihr Epitop unterscheiden und deshalb nicht austauschbar, sondern komplementär sind. Beide sind humanisierte IgG1-Antikörper aus CHO-Zellen, für Trastuzumab gibt es Biosimilars.

Wirkstoffe
Domäne IV (juxtamembranär)
Trastuzumab Signal- und Shedding-Hemmung
Domäne II (Dimerisierungsarm)
Pertuzumab Dimerisierungshemmung

Wirkmechanismus

HER2 hat als einziger Rezeptor der EGFR-Familie keinen bekannten Liganden. Seine Extrazellulärdomäne liegt dauerhaft in offener Konformation vor, der Dimerisierungsarm (Domäne II) ist exponiert. Damit ist HER2 der bevorzugte Dimerisierungspartner für EGFR, HER3 und HER4.

📖 Definition: HER2-Dimerisierung

Zusammenlagerung von HER2 mit sich selbst (bei Überexpression ligandenunabhängig) oder mit einem ligandenbeladenen Partner. Das HER2/HER3-Heterodimer ist das stärkste Signal und aktiviert vor allem PI3K/AKT.

  1. Amplifikation: sehr viele HER2-Moleküle in der Membran.
  2. Dimerisierung: Homo- und Heterodimere, Transphosphorylierung der Tyrosinkinase.
  3. Signal: RAS/MAPK (Proliferation) und PI3K/AKT (Überleben).
  4. Ergebnis: unkontrolliertes Wachstum, Apoptoseresistenz.
  • Trastuzumab (Domäne IV): hemmt die ligandenunabhängige HER2-Signalgebung, verhindert das Shedding (Abspaltung der Ektodomäne durch Metalloproteasen, das ein konstitutiv aktives Rumpfstück p95HER2 hinterlässt) und vermittelt ADCC.
  • Pertuzumab (Domäne II): blockiert sterisch den Dimerisierungsarm und damit die ligandeninduzierte Heterodimerisierung, besonders HER2/HER3.
  • Duale HER2-Blockade: beide Antikörper zugleich, weil sie verschiedene Epitope besetzen und unterschiedliche Signalwege schließen.

Schema eines HER2/HER3-Rezeptordimers mit Pertuzumab an Domäne II und Trastuzumab an Domäne IV sowie nachgeschalteten Signalwegen.

Duale HER2-Blockade: Pertuzumab verhindert die ligandeninduzierte Heterodimerisierung, Trastuzumab hemmt ligandenunabhängiges Signal und Shedding und vermittelt ADCC.
Prüferinnenfrage
Warum kombiniert man zwei Antikörper gegen denselben Rezeptor?
Antwort anzeigen

Weil sie an verschiedenen Domänen binden und sich deshalb nicht verdrängen. Trastuzumab hemmt vor allem das ligandenunabhängige Signal und das Shedding, lässt aber die ligandeninduzierte Bildung von HER2/HER3-Dimeren weitgehend zu. Genau diese Lücke schließt Pertuzumab an Domäne II, und beide vermitteln ADCC. Die Blockade wird dadurch vollständiger.

Wirkungen und Anwendung

Voraussetzung ist der Nachweis der HER2-Positivität am Tumorgewebe, weil nur HER2-abhängige Tumoren ansprechen.

  • Biomarker: Immunhistochemie (IHC) 3+ oder IHC 2+ mit positivem In-situ-Hybridisierungsnachweis (ISH) der Genamplifikation.
  • Mammakarzinom, früh: neoadjuvant und adjuvant, bei hohem Risiko Trastuzumab plus Pertuzumab.
  • Mammakarzinom, metastasiert: duale Blockade mit Taxan in der Erstlinie.
  • Magenkarzinom: nur Trastuzumab, metastasiertes HER2-positives Adenokarzinom des Magens oder gastroösophagealen Übergangs, mit Platin und Fluoropyrimidin.
  • Taxan-Kombination: Docetaxel oder Paclitaxel (Mitosehemmstoffe) wirken synergistisch, ohne die Kardiotoxizität von Anthrazyklinen zu addieren.

Pharmakokinetik

Als IgG-Antikörper werden beide wie körpereigene Proteine abgebaut und über den neonatalen Fc-Rezeptor (FcRn) vor dem lysosomalen Abbau geschützt.

  • Elimination: Proteolyse, kein CYP, keine renale Ausscheidung, daher kaum pharmakokinetische Wechselwirkungen.
  • Halbwertszeit: mehrere Wochen, Gabe im Abstand von drei Wochen möglich. Folge: Wirkung und Risiko (Herz, Fetus) halten Monate nach Therapieende an.
  • Subkutan: Trastuzumab s. c. und die Fixkombination Pertuzumab/Trastuzumab s. c., beide mit Hyaluronidase, die das Interstitium kurzzeitig durchlässig macht und so größere Volumina erlaubt; Injektion in Minuten statt Infusion.

Unerwünschte Wirkungen

Die typischen UAW folgen daraus, dass HER2 auch in gesundem Gewebe Signale vermittelt, vor allem im Herzen und im fetalen Gewebe.

Schema der unerwünschten Wirkungen: HER2-Antikörper, ausgehend vom Mechanismus, je Organ mit Piktogramm (Herz, Magen-Darm, Haut, Schwangerschaft, Blut).

Unerwünschte Wirkungen der HER2-Antikörper, abgeleitet aus dem Mechanismus.
UAW warum
Herz
Kardiotoxizität (LVEF ↓, Herzinsuffizienz) Neuregulin/HER2/HER4-Signal schützt Kardiomyozyten unter Stress; Blockade → kontraktile Dysfunktion
Immunsystem
Infusionsreaktionen (Fieber, Schüttelfrost, Dyspnoe) Zytokinfreisetzung, vor allem bei der ersten Gabe
Magen-Darm · Haut
Diarrhö (v. a. Pertuzumab mit Docetaxel), Exanthem Hemmung der HER-Signale im Darmepithel und in der Haut
Schwangerschaft
Oligohydramnion, Lungenhypoplasie des Fetus HER2-abhängige Nierenentwicklung → fetale Urinproduktion ↓
📖 Definition: Typ-II-Kardiotoxizität

Funktionelle, nicht dosiskumulative und meist reversible Myokarddysfunktion ohne Untergang von Kardiomyozyten. Nach Pause oder Herzinsuffizienztherapie ist eine Fortsetzung oft möglich.

Daher wird die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) vor und regelmäßig während der Therapie per Echokardiografie kontrolliert.

Kontraindikationen und Wechselwirkungen

Kontraindikationen und Wechselwirkungen ergeben sich fast vollständig aus Herz und Schwangerschaft, weil pharmakokinetische Interaktionen fehlen.

  • Herzinsuffizienz oder deutlich reduzierte LVEF: kein Beginn, weil der kardiale Schutzmechanismus wegfällt.
  • Schwangerschaft: nicht anwenden (Oligohydramnion); wirksame Kontrazeption bis etwa sieben Monate nach der letzten Gabe wegen der langen Halbwertszeit.
  • Überempfindlichkeit: gegen den Antikörper oder Mausproteine.
  • Anthrazykline: additive Kardiotoxizität; sequenziell, nicht gleichzeitig geben.
⚠️ Achtung: Anthrazyklin plus Trastuzumab

Gleichzeitige Gabe steigert das Herzinsuffizienzrisiko stark. Nach Trastuzumab-Ende wegen der langen Halbwertszeit möglichst mehrere Monate kein Anthrazyklin.

Unterschiede innerhalb der Klasse

Gegen HER2 wirken drei Prinzipien, die sich in Angriffsort und Applikation unterscheiden.

Vergleichsschema von HER2-Antikörper, HER2-Konjugat und HER2-Tyrosinkinase-Inhibitor am Rezeptor.

Antikörper, Konjugat und Tyrosinkinase-Inhibitor greifen HER2 an unterschiedlichen Orten an.
Merkmal Trastuzumab Pertuzumab Konjugate HER2-TKI
Angriff Domäne IV Domäne II Trastuzumab als Zytostatika-Träger intrazelluläre ATP-Bindungsstelle
Hemmt v. a. ligandenunabhängiges Signal, Shedding Heterodimerisierung plus zytotoxische Nutzlast Kinaseaktivität aller Dimere
Indikation Mamma, Magen nur Mamma, mit Trastuzumab vorbehandelte Situationen metastasiert, auch ZNS
Applikation i. v., s. c. i. v., s. c. (Fixkombination) i. v. oral

Die Kardiotoxizität der HER2-Antikörper ist Typ II, die der Anthrazykline dagegen Typ I: dosiskumulativ, mit Zelluntergang und irreversibel.

Teste dich

Teste dich mit 9 Karten
wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Aussage 1

HER2 besitzt keinen bekannten Liganden und ist der bevorzugte Dimerisierungspartner der anderen EGFR-Familienmitglieder.

Seine Extrazellulärdomäne liegt offen vor, der Dimerisierungsarm in Domäne II ist exponiert.

Aussage 2

HER2-Antikörper werden proteolytisch abgebaut und haben daher kaum CYP-vermittelte Wechselwirkungen.

Als IgG-Antikörper werden sie wie körpereigene Proteine abgebaut, CYP spielt keine Rolle.

Aussage 3

Pertuzumab ist wie Trastuzumab auch beim HER2-positiven Magenkarzinom zugelassen.

Beim Magenkarzinom wird nur Trastuzumab eingesetzt, Pertuzumab nur beim Mammakarzinom in Kombination mit Trastuzumab.

Lückentext

Warum?

Aussage 6

Die Kardiotoxizität von Trastuzumab ist dosiskumulativ und beruht auf dem Untergang von Kardiomyozyten.

Das beschreibt die Typ-I-Kardiotoxizität der Anthrazykline. Trastuzumab verursacht Typ II: funktionell, nicht kumulativ, meist reversibel.

Aussage 7

Pertuzumab bindet an Domäne IV von HER2 und verhindert vor allem das Shedding der Ektodomäne.

Das gilt für Trastuzumab. Pertuzumab bindet an Domäne II und blockiert die Heterodimerisierung, besonders HER2/HER3.

Zuordnen

Prüferin fragt

Fehler entdeckt oder eine Idee? Wir verbessern die Inhalte laufend. Melde es uns gerne über dieses Formular ❤️

Teile der Inhalte wurden mithilfe von KI-Systemen erstellt und werden fortlaufend redaktionell geprüft. Trotz Sorgfalt können Fehler enthalten sein. Wichtige Informationen bitte anhand offizieller Quellen prüfen. Relaxed ins Stex ist ein unabhängiges Angebot und steht in keiner Kooperation mit dem IMPP. Das Angebot ist weder vom IMPP autorisiert noch mit diesem verbunden.

Zurück nach oben