Krankheitsbilder

Malaria

Malaria ist eine von Anopheles-Mücken übertragene Plasmodien-Infektion; in Deutschland ist sie ein Importnotfall. Kern sind der Lebenszyklus als Landkarte der Wirkorte, die Therapie nach Art und Schwere (ACT, Artesunat i.v., Primaquin gegen Hypnozoiten) und die Prophylaxe einschließlich Atovaquon/Proguanil.

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  • Erreger: Fünf Plasmodium-Arten; P. falciparum verursacht die Malaria tropica, die bei nicht-immunen Reisenden rasch kompliziert verläuft und als Notfall gilt.
  • Zyklus: Sporozoiten befallen die Leber, Merozoiten die Erythrozyten; Schizontenruptur verursacht Fieber, Hypnozoiten von P. vivax und P. ovale verursachen Rezidive.
  • Komplikationen: Zytoadhärenz über PfEMP1 führt zur Sequestration in Gehirn, Niere und Lunge.
  • Wirkorte: Artemisinine und Arylaminoalkohole wirken auf Blutschizonten, Atovaquon/Proguanil zusätzlich auf Leberschizonten, Primaquin auf Hypnozoiten.
  • Therapie nach Schwere: Unkomplizierte Malaria tropica oral mit ACT (Alternative Atovaquon/Proguanil), komplizierte mit Artesunat i.v., Malaria tertiana zusätzlich Primaquin nach G6PD-Ausschluss.
  • Prophylaxe: Basis Expositionsprophylaxe, bei hohem Risiko Chemoprophylaxe (kausal Atovaquon/Proguanil eine Woche, suppressiv Doxycyclin vier Wochen nach Rückkehr), sonst Notfall-Selbsttherapie.

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Überblick

Malaria ist eine fieberhafte Infektion der Leber und der Erythrozyten durch Plasmodien (einzellige Protozoen), übertragen durch den Stich weiblicher Anopheles-Mücken. Die Plasmodium-Art bestimmt Verlauf und Therapie.

Art Form Besonderheit
P. falciparum Malaria tropica unregelmäßiges Fieber, komplizierte Verläufe, keine Hypnozoiten
P. vivax, P. ovale Malaria tertiana 48-h-Rhythmus, Hypnozoiten → Rezidive
P. malariae Malaria quartana 72-h-Rhythmus, Spätrückfälle aus niedriger Blutparasitämie
P. knowlesi Knowlesi-Malaria Zoonose in Südostasien, kann kompliziert verlaufen

In Deutschland ist Malaria eine Importkrankheit in der Größenordnung von tausend Fällen pro Jahr, meist Malaria tropica aus Subsahara-Afrika. Bei nicht-immunen Reisenden kann die Malaria tropica binnen Stunden bis Tagen kompliziert verlaufen und ist deshalb ein Notfall.

  • Leitsymptom: Fieber nach Tropenaufenthalt, auch Wochen bis Monate nach Rückkehr und trotz Prophylaxe.
  • Diagnostik: Dicker Tropfen (Anreicherung, empfindlich) und Blutausstrich (Art, Parasitämie in Prozent); Antigen-Schnelltests nur ergänzend.
  • Therapiekontrolle: Parasitämie, Thrombozyten, LDH; unter Artemisininen Entfieberung binnen 48 h.
📖 Definition: Komplizierte Malaria

Malaria mit Organbeteiligung oder hoher Parasitenlast: Bewusstseinstrübung oder Krampfanfall (zerebrale Malaria), Schock, Lungenödem, Nierenversagen, schwere Anämie, Hypoglykämie, Azidose, Spontanblutung oder Hyperparasitämie.

💡 Merke

Fieber nach Tropenaufenthalt ist Malaria, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Pathophysiologie und Angriffspunkte

Der Lebenszyklus erklärt Fieber, Rezidive und Komplikationen. Jedes Stadium ist ein eigenes Target, und kein Wirkstoff erfasst alle.

Kreisförmiges Schema des Plasmodien-Zyklus mit Mücke, Leber und roten Blutkörperchen; Primaquin an den Hypnozoiten, Atovaquon/Proguanil an Leber- und Blutschizonten, Artemisinine und Lumefantrin an den Blutschizonten

Lebenszyklus der Plasmodien und Wirkorte der Malariamittel
  1. Inokulation: Die Mücke überträgt Sporozoiten, die binnen Minuten Hepatozyten befallen.
  2. Leberstadium: Gewebeschizonten bilden symptomlos Tausende Merozoiten. Bei P. vivax und P. ovale bleiben einzelne Parasiten als Hypnozoiten ruhend in der Leber und lösen Monate bis Jahre später Rezidive aus.
  3. Blutstadium: Merozoiten befallen Erythrozyten und reifen über Ringform und Trophozoit zum Schizonten; die Ruptur setzt neue Merozoiten frei und löst den Fieberschub aus.
  4. Hämoglobinabbau: In der sauren Nahrungsvakuole verdaut der Parasit Hämoglobin und entgiftet das freie Häm durch Polymerisation zu Hämozoin.
  5. Gametozyten: Geschlechtsformen werden beim nächsten Stich aufgenommen und vermehren sich in der Mücke.

P. falciparum befällt Erythrozyten jeden Alters und baut das Adhäsin PfEMP1 in deren Membran ein. Befallene Zellen haften am Endothel (Zytoadhärenz) und sequestrieren in der Mikrozirkulation von Gehirn, Niere und Lunge. Mikrozirkulationsstörung, Hämolyse und Entzündung erklären die komplizierte Malaria.

P. falciparum ist nahezu überall chloroquinresistent; in Südostasien und zunehmend Ostafrika verzögert eine Teilresistenz den Parasitenabfall unter Artemisininen. Deshalb kombiniert man stets zwei Wirkprinzipien mit unterschiedlicher Halbwertszeit.

Die Klassen ordnen sich nach dem Stadium, das sie treffen:

Angriffspunkt Arzneistoffklasse Effekt
Blutschizonten (Endoperoxid) Artemether, Artesunat, Dihydroartemisinin (Artemisinin-Derivate) sehr rascher Parasitenabfall
Blutschizonten (Häm-Entgiftung) Lumefantrin, Piperaquin, Chinin, Chloroquin (Aminochinoline und Arylaminoalkohole) langsamere, anhaltende Elimination
Leber- und Blutschizonten (Mitochondrium, Folat) Atovaquon/Proguanil Therapie, kausale Prophylaxe
Hypnozoiten Primaquin (8-Aminochinoline) Rezidivprophylaxe
Blutschizonten (langsam) Doxycyclin (Tetracycline), Clindamycin (Lincosamide) suppressive Prophylaxe, Kombinationspartner

Therapie

Ziel ist eine rasche Parasitenelimination, bevor die Malaria kompliziert verläuft, bei Malaria tertiana zusätzlich die Eradikation der Hypnozoiten. Unkomplizierte Malaria wird nach der deutschen Leitlinie oral behandelt, komplizierte initial parenteral, immer mit tropenmedizinischem Konsil.

Akuttherapie nach Art und Schwere

Die Wahl folgt der Art und dem Schweregrad:

Flussdiagramm von der Diagnose Malaria über Art und Schweregrad zu ACT, Atovaquon/Proguanil, Artesunat intravenös und Primaquin

Malariatherapie nach Art und Schweregrad
Situation Therapie Begründung
Unkomplizierte M. tropica, Knowlesi Artemether/Lumefantrin oder Dihydroartemisinin/Piperaquin (ACT) Artemisinin senkt die Parasitenlast rasch, der langlebige Partner beseitigt den Rest; bei Piperaquin QTc-Kontrolle
Alternative Atovaquon/Proguanil langsamerer Wirkeintritt, daher nicht bei höherer Parasitämie
Erbrechen Artesunat i.v., dann oral Resorption unsicher
Komplizierte Malaria Artesunat i.v., dann orale Anschlusstherapie Notfall; Chinin i.v. nur bei schwerer Artemisinin-Allergie
Malaria tertiana ACT oder Atovaquon/Proguanil, danach Primaquin Blutstadien plus Hypnozoiten
Malaria quartana Dihydroartemisinin/Piperaquin, alternativ Atovaquon/Proguanil Lumefantrin: kurze Halbwertszeit, Versagensrisiko

Chloroquin bleibt bei Nicht-tropica-Formen ein Einzelfall, nur nach Ausschluss einer Mischinfektion mit P. falciparum.

Prüferinnenfrage
Warum reicht bei Malaria tertiana Artemether/Lumefantrin allein nicht aus?
Antwort anzeigen

Artemisinine und Lumefantrin wirken nur auf Blutstadien und erreichen die ruhenden Hypnozoiten in der Leber nicht. Ohne Primaquin drohen Rezidive nach Monaten. Vorher muss ein G6PD-Mangel ausgeschlossen werden, weil Primaquin sonst schwere Hämolysen auslöst (Pharmakogenetik); in der Schwangerschaft wird es nicht gegeben.

Prüferinnenfrage
Warum ist Artesunat bei komplizierter Malaria dem Chinin überlegen?
Antwort anzeigen

Artesunat erfasst auch junge Ringformen und verhindert so ihre Reifung zu endothelhaftenden Stadien; die Parasitenlast fällt schneller, die Letalität sinkt. Chinin verlängert stark die QTc-Zeit und verursacht Hypoglykämien, weil es die Insulinsekretion steigert. Es bleibt der Ausweg bei Artemisinin-Allergie.

Bei komplizierter Malaria zählt die Supportivtherapie mit; Krampfanfälle werden mit Benzodiazepinen behandelt. Nicht empfohlen sind:

Atovaquon/Proguanil

Die fixe Kombination hat keine eigene Seite; sie dient zur Therapie und zur Prophylaxe.

  • Atovaquon: lipophiles Hydroxynaphthochinon, Ubichinon-Analogon; hemmt den Cytochrom-bc₁-Komplex der Parasiten-Atmungskette → Kollaps des mitochondrialen Membranpotenzials, die Pyrimidinsynthese (Dihydroorotat-Dehydrogenase) stoppt.
  • Proguanil: Biguanid, senkt synergistisch die Schwelle für den Potenzialkollaps; der Metabolit Cycloguanil (über CYP2C19) hemmt die Dihydrofolatreduktase.
  • Wirkort: Blut- und Leberschizonten, daher kausale Prophylaxe möglich.
  • Kinetik: Atovaquon mit fetthaltiger Mahlzeit einnehmen, weil die Resorption sonst gering ist; Proguanil renal, bei GFR < 30 ml/min Alternativen.
  • UAW und WW: gastrointestinal, Kopfschmerz; kein QTc-Effekt, daher Ausweichpräparat bei QTc-Verlängerung. Rifampicin und Metoclopramid senken die Atovaquon-Spiegel.
⚠️ Achtung: Versagen der Prophylaxe

Atovaquon allein selektiert rasch Resistenzmutationen im Cytochrom-b-Gen. Wer trotz korrekter Atovaquon/Proguanil-Prophylaxe erkrankt, wird mit einem Artemisinin-Präparat behandelt, nicht erneut mit Atovaquon/Proguanil.

Prophylaxe

Die Vorbeugung ruht auf Mückenschutz, je nach Risiko ergänzt durch Medikamente.

  • Expositionsprophylaxe: Schutz vor Stichen der dämmerungs- und nachtaktiven Anopheles durch Repellents (DEET, Icaridin), lange Kleidung und Permethrin-imprägnierte Moskitonetze; in jedem Endemiegebiet die Basis.
  • Chemoprophylaxe: regelmäßige Einnahme eines Malariamittels vor, während und nach dem Aufenthalt bei hohem Risiko, etwa in Subsahara-Afrika.
  • Notfall-Selbsttherapie: Mitführen eines Therapeutikums (Artemether/Lumefantrin oder Atovaquon/Proguanil) bei geringerem Risiko; Einnahme bei Fieber, wenn ärztliche Hilfe nicht rasch erreichbar ist, danach trotzdem ärztliche Kontrolle.
  • Impfstoffe: für Kinder in Endemiegebieten, für Reisende nicht verfügbar (Indikationsimpfungen).

Wie lange die Chemoprophylaxe nach der Rückkehr läuft, hängt vom Wirkort ab:

Zeitachse mit Aufenthalt im Endemiegebiet, darunter ein kürzerer Balken für Atovaquon/Proguanil und ein längerer für Doxycyclin nach der Rückkehr

Kausale und suppressive Chemoprophylaxe im Zeitverlauf
A Kausal: Atovaquon/Proguanil

Trifft schon die Leberschizonten und verhindert den Übertritt ins Blut. Einnahme bis eine Woche nach Rückkehr genügt.

B Suppressiv: Doxycyclin

Trifft nur Blutstadien. Einnahme bis vier Wochen nach Rückkehr, bis alle Merozoiten aus der Leber erfasst sind; off-label, UAW bei den Tetracyclinen.

Keines von beiden erreicht Hypnozoiten: Eine Malaria tertiana kann trotz Prophylaxe Monate später auftreten.

Teste dich

Teste dich mit 11 Karten
wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Aussage 1

Hypnozoiten werden von P. vivax und P. ovale gebildet, nicht von P. falciparum.

Nur die Erreger der Malaria tertiana bilden ruhende Leberformen, die Rezidive auslösen; deshalb braucht nur sie Primaquin.

Aussage 2

Bei Malaria quartana ist Artemether/Lumefantrin wegen seiner langen Halbwertszeit besonders geeignet.

Lumefantrin hat eine vergleichsweise kurze Halbwertszeit, daher theoretisches Versagensrisiko. Bevorzugt wird Dihydroartemisinin/Piperaquin.

Zuordnen

Aussage 4

Doxycyclin wirkt als kausale Prophylaxe auf die Leberschizonten und kann daher eine Woche nach Rückkehr abgesetzt werden.

Doxycyclin wirkt nur suppressiv auf Blutstadien und muss bis vier Wochen nach Rückkehr eingenommen werden. Kausal wirkt Atovaquon/Proguanil.

Lückentext

Aussage 6

Artesunat intravenös ist das Mittel der Wahl bei komplizierter Malaria tropica.

Artesunat erfasst auch junge Ringformen, senkt die Parasitenlast schneller als Chinin und senkt die Letalität; Chinin bleibt der Ausweg bei Artemisinin-Allergie.

Aussage 7

Atovaquon wird am besten nüchtern eingenommen, weil Nahrung seine Resorption vermindert.

Atovaquon ist sehr lipophil; eine fetthaltige Mahlzeit steigert die Resorption deutlich. Es wird daher mit dem Essen eingenommen.

Warum?

Reihenfolge

Aussage 10

Die Zytoadhärenz P.-falciparum-infizierter Erythrozyten über PfEMP1 erklärt die Organkomplikationen der Malaria tropica.

Befallene Erythrozyten haften am Endothel und sequestrieren in der Mikrozirkulation von Gehirn, Niere und Lunge.

Prüferin fragt

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