Standardimpfungen
Die Standardimpfungen des STIKO-Impfkalenders, geordnet nach Lebensphasen: was Säuglinge, Jugendliche, Erwachsene und Ältere erhalten. Den Kern bilden die Logik des Kalenders und die begründete Wahl des Impfstoffs (Konjugat statt Polysaccharid, Zoster-Totimpfstoff, Influenzaimpfstoffe für Ältere).
Dein roter Faden
- Kalenderlogik: Der STIKO-Impfkalender ordnet die Standardimpfungen nach Lebensphasen. Er beginnt mit 2 Monaten, weil Säuglinge am stärksten gefährdet sind, und setzt auf Kombinationsimpfstoffe.
- Nachholimpfung: Impflücken werden in jedem Alter geschlossen. Jede dokumentierte Impfung zählt, unterbrochene Serien werden fortgesetzt.
- Säuglinge: Sechsfachimpfung und PCV im Schema 2+1, Rotavirus oral früh, Meningokokken B und C, MMR und Varizellen ab 11 Monaten, wegen der maternalen Antikörper.
- Jugendliche: Tdap-Auffrischungen und HPV für beide Geschlechter mit 9 bis 14 Jahren, als prophylaktische Krebsprävention vor den ersten Sexualkontakten.
- Ältere: ab 60 Influenza jährlich, PCV20, Zoster-Totimpfstoff und COVID-19-Auffrischung, ab 75 RSV; Td lebenslang alle 10 Jahre, Pertussis in jeder Schwangerschaft.
- Impfstoffwahl: Konjugat statt Polysaccharid wegen T-Zell-Hilfe und Gedächtnis, adjuvantierter Zoster-Totimpfstoff statt Lebendimpfstoff, Hochdosis- oder adjuvantierte Influenzaimpfstoffe gegen die Immunoseneszenz.
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Impfkalender im Überblick
Der STIKO-Impfkalender ist das Schema der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut. Er legt die Standardimpfungen fest, die allen Menschen einer Altersgruppe empfohlen sind. Impfungen, die nur bei besonderem Risiko, auf Reisen oder im Beruf gelten, sind Indikationsimpfungen. Die Impfstofftypen erklärt die Seite Grundlagen der Impfung.
- Struktur nach Altersgruppen: Grundimmunisierung im ersten Lebensjahr, Auffrischungen in Schul- und Jugendalter, Td-Auffrischungen im Erwachsenenalter, ab 60 Jahren die Impfungen gegen Erreger, die im Alter schwer verlaufen.
- Früh beginnen: Start im Alter von 2 Monaten, weil Pertussis, Hib und Pneumokokken gerade junge Säuglinge lebensbedrohlich treffen.
- Kombinationsimpfstoff: mehrere Antigene in einer Injektion (Sechsfachimpfstoff, MMR). Das bedeutet weniger Injektionen und höhere Impfquoten bei gleichwertiger Immunantwort.
Schließen einer Impflücke in jedem Alter. Jede dokumentierte Impfung zählt: Eine unterbrochene Serie wird fortgesetzt, nicht neu begonnen.
Säuglinge und Kleinkinder
Im ersten Lebensjahr stehen Erreger im Vordergrund, die vor allem Säuglinge schwer erkranken lassen.
- Sechsfachimpfung: Diphtherie- und Tetanustoxoid, azelluläre Pertussis-Antigene, inaktivierte Polioviren (IPV), Hib-Konjugat und HBsAg (Hepatitis B). Totimpfstoff im Schema 2+1, bei Frühgeborenen 3+1, weil das unreife Immunsystem eine zusätzliche Dosis braucht.
- Pneumokokken-Konjugatimpfstoff (PCV): parallel im Schema 2+1, gegen Meningitis, Sepsis und Pneumonie.
- Rotavirus: oraler Lebendimpfstoff ab der 6. Lebenswoche, Serie früh abschließen.
- Meningokokken B: Proteinimpfstoff aus rekombinanten Oberflächenproteinen, ab dem Säuglingsalter. Meningokokken C: Konjugatimpfstoff im 2. Lebensjahr.
- Masern, Mumps, Röteln, Varizellen: attenuierte Lebendimpfstoffe, zwei Dosen ab 11 Monaten. Früher neutralisieren maternale Antikörper das Impfvirus. Die erste Dosis wird bevorzugt getrennt (MMR plus V) gegeben, weil nach der MMRV-Erstimpfung Fieberkrämpfe etwas häufiger auftreten.
- RSV-Prophylaxe: Nirsevimab in der ersten RSV-Saison, ein monoklonaler Antikörper (passive Immunisierung).
Kinder und Jugendliche
Im Schul- und Jugendalter wird die Grundimmunisierung aufgefrischt und um HPV ergänzt.
- Auffrischungen: Tdap mit 5 bis 6 Jahren, Tdap-IPV mit 9 bis 16 Jahren. Kleinbuchstaben bedeuten einen reduzierten Antigengehalt und damit bessere Verträglichkeit.
- HPV: für Mädchen und Jungen mit 9 bis 14 Jahren, Nachholimpfung bis zum 18. Geburtstag. Der 9-valente Totimpfstoff besteht aus virusähnlichen Partikeln (VLP) aus L1-Kapsidprotein: keine virale DNA, nicht infektiös.
- Krebsprävention: verhindert persistierende Infektionen mit HPV 16 und 18, damit Zervix-, Anal-, Penis- und Oropharynxkarzinome. HPV 6 und 11 verursachen Genitalwarzen. Die Impfung wirkt nur prophylaktisch, daher vor den ersten Sexualkontakten. Bei Jungen kommen Eigenschutz und Herdenschutz zusammen.
Erwachsene und Ältere
Bei Erwachsenen geht es um nachlassenden Schutz, um Impflücken und um die nachlassende Immunantwort im Alter (Immunoseneszenz).
| Impfung | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Td/Tdap | Td alle 10 Jahre, einmal als Tdap | Toxinschutz lässt nach; Erwachsene stecken Säuglinge mit Pertussis an |
| Pertussis in der Schwangerschaft | in jeder Schwangerschaft, zu Beginn des 3. Trimenons | diaplazentarer IgG-Transfer → Nestschutz |
| MMR | nach 1970 Geborene mit unklarem Status, einmalig | Impflücke dieser Jahrgänge |
| Influenza | ab 60 jährlich im Herbst | Antigendrift, kurzer Schutz |
| Pneumokokken | ab 60 einmalig PCV20 | invasive Infektionen, Pneumonie |
| Herpes zoster | ab 60 adjuvantierter Totimpfstoff, zwei Dosen | Reaktivierung bei Immunoseneszenz |
| RSV | ab 75 einmalig, Protein-Impfstoff (präF) | schwere Verläufe im Alter |
| COVID-19 | ab 60 jährliche Auffrischung im Herbst | nachlassender Schutz, Virusvarianten |
Impfstoffe im Vergleich
Bei mehreren Erregern entscheidet der Impfstofftyp über Wirksamkeit und Einsatzalter.
- T-Zell-unabhängig: repetitive Epitope aktivieren B-Zellen direkt
- vorwiegend IgM, kein Gedächtnis, kein Booster
- unter 2 Jahren unwirksam
- Polysaccharid an Trägerprotein gekoppelt → T-Helferzell-Hilfe
- Klassenwechsel zu IgG, Gedächtniszellen
- ab dem Säuglingsalter wirksam, senkt Trägertum → Herdenschutz
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Der Konjugatimpfstoff löst über das Trägerprotein eine T-Zell-abhängige Antwort mit Gedächtnis aus. Sie ist robuster und hält länger an, auch bei Immunoseneszenz. PCV20 deckt die meisten relevanten Serotypen ab. Deshalb hat die STIKO die Standardimpfung auf den Konjugatimpfstoff umgestellt.
- Zoster: Tot- statt Lebendimpfstoff: rekombinantes Glykoprotein E mit dem Adjuvans AS01B. Er schützt besser und länger, auch Hochbetagte, und ist auch bei Immunsuppression möglich. Der attenuierte Lebendimpfstoff ist nicht mehr empfohlen. Über häufige, ausgeprägte Lokal- und Allgemeinreaktionen für ein bis drei Tage aufklären.
- Influenza für Ältere: Hochdosis- oder MF59-adjuvantierter Impfstoff, weil mehr Antigen bzw. ein Adjuvans die schwächere Antwort im Alter ausgleicht.
- Rotavirus und Invagination: sehr seltenes Risiko in den Tagen nach der Impfung, das mit dem Alter bei der Erstimpfung steigt. Deshalb früh beginnen, die Altersgrenzen einhalten und Eltern über Warnzeichen aufklären (Bauchschmerzen, Erbrechen, blutiger Stuhl).
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Warum?
Zuordnen
Aussage 3
Die STIKO empfiehlt die HPV-Impfung für Mädchen als Standardimpfung, für Jungen gilt sie als Indikationsimpfung.
Die HPV-Impfung ist für Mädchen und Jungen mit 9 bis 14 Jahren als Standardimpfung empfohlen. Bei Jungen kommen Eigenschutz und Herdenschutz zusammen.
Aussage 4
Die Pertussisimpfung in der Schwangerschaft schützt den Säugling durch diaplazentar übertragene IgG-Antikörper.
Die Impfung zu Beginn des 3. Trimenons führt zu hohen mütterlichen IgG-Spiegeln. Sie gehen auf das Kind über (Nestschutz), bevor es selbst geimpft werden kann.
Lückentext
Aussage 6
Polysaccharidimpfstoffe lösen eine T-Zell-abhängige Immunantwort mit Gedächtniszellen aus.
Polysaccharide aktivieren B-Zellen T-Zell-unabhängig. Es entsteht vorwiegend IgM ohne Gedächtnis. Erst die Kopplung an ein Trägerprotein (Konjugatimpfstoff) ermöglicht T-Helferzell-Hilfe und Gedächtnis.
Aussage 7
Die Sechsfachimpfung enthält neben Toxoiden auch attenuierte, vermehrungsfähige Polioviren.
Die Sechsfachimpfung ist ein Totimpfstoff. Sie enthält inaktivierte Polioviren (IPV), keine attenuierten.
Aussage 8
Der adjuvantierte Zoster-Totimpfstoff kann auch bei Immunsuppression eingesetzt werden.
Als rekombinanter Glykoprotein-E-Impfstoff mit Adjuvans enthält er kein vermehrungsfähiges Virus. Im Unterschied zum attenuierten Lebendimpfstoff ist er daher auch bei Immunsuppression möglich.
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