Krankheitsbilder

Psoriasis

Die Psoriasis ist eine IL-23/Th17-getriebene Systemerkrankung. Den Kern bilden der Schweregrad nach PASI, BSA, DLQI und Upgrade-Kriterien, die daraus abgeleiteten Angriffspunkte und die Stufentherapie von Topika über konventionelle Systemtherapeutika bis zur Auswahl der Biologika nach Begleiterkrankungen.

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  • Definition: Die Psoriasis ist eine chronisch-entzündliche, genetisch disponierte Systemerkrankung mit scharf begrenzten erythrosquamösen Plaques, Auspitz- und Köbner-Phänomen sowie Komorbiditäten wie Psoriasis-Arthritis und metabolischem Syndrom.
  • Schweregrad: PASI oder BSA > 10 und DLQI > 10 bedeuten mittelschwer bis schwer, Upgrade-Kriterien wie Befall von Kopfhaut, Genitalien, Händen oder Nägeln stufen auch flächenmäßig leichte Formen hoch.
  • IL-23/Th17-Achse: Dendritische Zellen setzen IL-23 frei, das Th17-Zellen aktiv hält; deren IL-17 treibt Keratinozyten zu Chemokinbildung und Hyperproliferation, TNF-α verstärkt den Kreislauf.
  • Angriffspunkte: Topika setzen an Keratinozyten und kutaner Entzündung an, MTX, Ciclosporin und Fumarate an T-Zellen, Apremilast und Deucravacitinib an intrazellulären Signalen, Biologika an TNF-α, IL-17 und IL-23.
  • Stufenschema: Leichte Formen werden topisch behandelt (Calcipotriol plus Betamethason), mittelschwere bis schwere systemisch; Ziel ist PASI 75, besser PASI 90 und DLQI 0 oder 1.
  • Systemtherapeutika im Vergleich: MTX und Fumarate eignen sich für die Langzeittherapie, Ciclosporin nur kurz wegen Nephrotoxizität und Hypertonie, Acitretin ist wegen Teratogenität ein Spezialfall; Biologika sind am wirksamsten, bei schwerer Form auch Erstlinie.
  • Biologika-Auswahl: Bei Psoriasis-Arthritis kommen TNF-α- oder IL-17-Hemmer infrage, bei CED keine IL-17-Hemmer, bei schwerer Herzinsuffizienz keine TNF-α-Antagonisten; vor Beginn werden Tuberkulose und Hepatitis B ausgeschlossen.

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Überblick

Die Psoriasis ist eine chronisch-entzündliche, immunvermittelte Systemerkrankung auf genetischer Grundlage. Sie betrifft vor allem Haut und Nägel, oft aber auch Gelenke und Gefäße. Häufigste Form ist die Psoriasis vulgaris (Plaque-Psoriasis) mit scharf begrenzten, erythrosquamösen Plaques an Streckseiten, Kopfhaut und Sakralregion. Kratzt man die Schuppen ab, treten punktförmige Blutungen auf (Auspitz-Phänomen), weil die Papillenkapillaren dicht unter der ausgedünnten suprapapillären Epidermis liegen.

Körperumriss mit markierten Psoriasis-Prädilektionsstellen und hervorgehobenen Upgrade-Arealen

Prädilektionsstellen der Psoriasis vulgaris und Upgrade-Kriterien, die eine flächenmäßig leichte Psoriasis als mittelschwer einstufen
  • Weitere Formen: Psoriasis guttata (kleinfleckig, oft nach Streptokokkeninfekt), pustulosa (sterile Pusteln), inversa (Hautfalten), Nagelpsoriasis (Tüpfel, Ölflecken, Onycholyse).
  • Scores: PASI (Psoriasis Area and Severity Index: Rötung, Infiltration und Schuppung, gewichtet nach Fläche je Körperregion), BSA (befallene Körperoberfläche), DLQI (Dermatology Life Quality Index, Fragebogen zur Lebensqualität).
  • Schweregrad: leicht bei PASI, BSA und DLQI jeweils ≤ 10, mittelschwer bis schwer bei PASI oder BSA > 10 und DLQI > 10.
  • Upgrade-Kriterien: Befall sichtbarer Areale, der Kopfhaut, der Genitalregion oder von Handflächen und Fußsohlen, ausgeprägter Nagelbefall, starker Juckreiz oder therapierefraktäre Plaques stufen eine flächenmäßig leichte Psoriasis als mittelschwer ein. Damit wird sie systemtherapiepflichtig.
  • Komorbiditäten: Psoriasis-Arthritis (gezielt nach Gelenkschmerzen und Morgensteifigkeit fragen), metabolisches Syndrom, kardiovaskuläre Erkrankungen, Depression, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED).

Pathophysiologie und Angriffspunkte

Die Psoriasis ist ein sich selbst verstärkender Kreislauf aus angeborener und adaptiver Immunität (Immunabwehr) und Epidermis. Für die Therapie zählt die Kette von der dendritischen Zelle bis zum Keratinozyten.

  1. Disposition und Trigger: Genetische Anlage (u. a. HLA-C*06:02) plus Auslöser wie Streptokokkeninfekte, Verletzungen, Stress, Rauchen, Alkohol oder Arzneimittel.
  2. Dendritische Zellen: Komplexe aus dem antimikrobiellen Peptid LL-37 und körpereigener DNA aktivieren plasmazytoide dendritische Zellen (IFN-α). Diese aktivieren myeloische dendritische Zellen, die TNF-α, IL-12 und vor allem IL-23 freisetzen.
  3. IL-23/Th17-Achse: IL-23 hält Th17-Zellen und gewebsständige T-Gedächtniszellen aktiv, die IL-17A, IL-17F und IL-22 bilden.
  4. Keratinozyten als Verstärker: IL-17 induziert Chemokine und antimikrobielle Peptide → Neutrophile und weitere T-Zellen wandern ein, TNF-α verstärkt jede Stufe.
  5. Hyperproliferation: Der Zellzyklus ist verkürzt, die Epidermis erneuert sich in wenigen Tagen statt in etwa vier Wochen → Parakeratose, Schuppung, Akanthose, erweiterte Kapillaren.

Das Köbner-Phänomen zeigt, wie reizbar die Haut ist: Nach Kratzen, Schnitten, Tätowierung oder Sonnenbrand entstehen genau dort neue Plaques. Aus der Achse leiten sich die Targets ab: TNF-α als Verstärker, IL-23 als Taktgeber, IL-17 als Effektor.

Schema der Psoriasis-Pathogenese von dendritischen Zellen über IL-23 und Th17-Zellen zu IL-17 und Keratinozyten mit markierten Angriffspunkten der Arzneistoffklassen

IL-23/Th17-Achse der Psoriasis und die Angriffspunkte der Antipsoriatika
Angriffspunkt Arzneistoffklasse Effekt
Keratinozyten Vitamin-D-Analoga, Dithranol, Acitretin Proliferation ↓, Differenzierung normalisiert
Kutane Entzündung Topische Glucocorticoide antiinflammatorisch, antiproliferativ
T-Zellen, Zytokinbildung Methotrexat, Ciclosporin, Fumarate T-Zell-Aktivierung ↓
Intrazelluläre Signale Apremilast (PDE-4), Deucravacitinib (TYK2) Zytokinbildung ↓ bzw. IL-23-Signal ↓
TNF-α TNF-α-Antagonisten Verstärkerschleife ↓
IL-17 IL-17-Hemmer (Secukinumab, Ixekizumab, Bimekizumab) Effektor ↓, rascher Wirkeintritt
IL-23 IL-23-Hemmer (Guselkumab, Risankizumab), IL-12/23-Hemmer (Ustekinumab) Th17-Zellen verlieren ihr Überlebenssignal
Prüferinnenfrage
Warum wirken IL-17-Hemmer besonders schnell, während IL-23-Hemmer mit sehr langen Injektionsabständen auskommen?
Antwort anzeigen

IL-17 ist das Effektorzytokin direkt am Keratinozyten. Fängt man es ab, bricht die Verstärkerschleife aus Chemokinen und antimikrobiellen Peptiden sofort zusammen. IL-23 sitzt weiter oben: Es hält Th17-Zellen und gewebsständige T-Gedächtniszellen in der Haut aktiv. Ohne IL-23 geht dieser Zellpool erst allmählich zugrunde, deshalb setzt die Wirkung langsamer ein, hält aber lange an.

Therapie

Die deutsche S3-Leitlinie richtet die Therapie am Schweregrad aus: leichte Formen topisch, mittelschwere bis schwere systemisch, jeweils mit Basispflege. Das Ansprechen wird nach der Induktionsphase gemessen. Mindestziel ist PASI 75 (Rückgang um 75 %), angestrebt werden zunehmend PASI 90 und ein DLQI von 0 oder 1, sonst wird umgestellt oder kombiniert.

Flussdiagramm vom Schweregrad über topische Therapie und konventionelle Systemtherapie zu Biologika mit PASI-Kontrollpunkt

Stufentherapie der Psoriasis vulgaris nach Schweregrad und Ansprechen

Leichte Psoriasis: topisch und Licht

Die Grundlage richtet sich nach Lokalisation und Hautzustand (Dermatotherapie).

  • Fixkombination Calcipotriol + Betamethasondipropionat: Standard, weil das Glucocorticoid rasch antiinflammatorisch wirkt und das Vitamin-D-Analogon die Differenzierung normalisiert und Glucocorticoid einspart (weniger Atrophie und Rebound).
  • Topische Glucocorticoide allein: potent an Stamm und Kopfhaut, in Gesicht und Hautfalten nur schwach und kurz.
  • Dithranol: wirksam, aber reizend und verfärbend, heute Nische.
  • Keratolytika (Salicylsäure, Harnstoff): entschuppen vorab, damit die Wirkstoffe eindringen.
  • Phototherapie: Schmalband-UVB oder PUVA zwischen topischer und systemischer Therapie, begrenzt durch das kumulative Hautkrebsrisiko.

Mittelschwere bis schwere Psoriasis: systemisch

Konventionelle Systemtherapeutika sind günstig und lange erprobt, aber weniger wirksam als Biologika und laborintensiv. Topika laufen meist weiter, weil die Kombination besser wirkt als die Monotherapie.

Wirkstoff Stellenwert Stärke Grenze
Methotrexat Erstlinie wirkt auch bei Psoriasis-Arthritis nur einmal wöchentlich, Folsäure am Folgetag, hepato- und myelotoxisch, teratogen
Dimethylfumarat Erstlinie, Langzeittherapie kaum Interaktionen einschleichen wegen Flush und Magen-Darm-Beschwerden, Lymphopenie → Blutbild
Ciclosporin Erstlinie zur raschen Induktion schneller Wirkeintritt nur kurzzeitig: Nephrotoxizität, Hypertonie, Malignomrisiko, CYP3A4-Interaktionen
Acitretin Spezialfall pustulöse Form, Erythrodermie, nicht immunsuppressiv teratogen: Kontrazeption bis drei Jahre nach Ende, kein Alkohol (Etretinat)
Apremilast wenn Alternativen ungeeignet oral, kein obligates Labor mäßig wirksam, Diarrhö, Übelkeit
Deucravacitinib orale Alternative wirksamer als Apremilast Infekte der oberen Atemwege

Biologika

Biologika sind am wirksamsten: Unter IL-17- und IL-23-Hemmern erreichen viele Behandelte PASI 90, TNF-α-Antagonisten liegen darunter. Sie kommen bei Versagen, Unverträglichkeit oder Kontraindikation konventioneller Mittel zum Einsatz, bei schwerer Ausprägung auch direkt als Erstlinie. Vorher werden latente Tuberkulose und Hepatitis B ausgeschlossen und der Impfstatus geprüft, weil Lebendimpfstoffe unter Therapie tabu sind.

Situation bevorzugt warum
Psoriasis-Arthritis TNF-α-Antagonisten, IL-17-Hemmer wirken an Haut, peripheren Gelenken und Achsenskelett
CED TNF-α-Antikörper, IL-23- oder IL-12/23-Hemmer IL-17-Blockade kann CED verschlechtern (IL-17 stützt die Darmbarriere)
Herzinsuffizienz NYHA III bis IV IL-17- oder IL-23-Hemmer TNF-α-Antagonisten kontraindiziert
Rezidivierende Candidose IL-23-Hemmer IL-17 ist zentral für die Candida-Abwehr
Kinderwunsch, Schwangerschaft Certolizumab ohne Fc-Teil, kaum plazentagängig

Verschlechternde Arzneimittel

In der Medikationsanalyse fallen Arzneistoffe auf, die eine Psoriasis auslösen oder verschlimmern.

  • Betablocker: vermutlich über cAMP ↓ in Keratinozyten → Proliferation ↑.
  • Lithium: stört den Inositol-Signalweg und aktiviert Neutrophile.
  • Interferone, Imiquimod: verstärken das IFN-α-Signal → Aktivierung dendritischer Zellen.
  • Chloroquin, Hydroxychloroquin: Provokation bekannt, Mechanismus unklar.
  • Systemische Glucocorticoide: abruptes Absetzen → Rebound bis zur pustulösen Psoriasis.

Gewichtsreduktion, Rauchstopp und wenig Alkohol verbessern das Ansprechen und senken das kardiovaskuläre Risiko. Dazu kommen tägliche rückfettende Pflege und das Meiden von Hautverletzungen (Köbner-Phänomen).

Teste dich

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wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Aussage 1

Bei Psoriasis mit Herzinsuffizienz NYHA III bis IV sind TNF-α-Antagonisten die bevorzugten Biologika.

TNF-α-Antagonisten sind bei Herzinsuffizienz NYHA III bis IV kontraindiziert. Hier werden IL-17- oder IL-23-Hemmer gewählt.

Aussage 2

Eine flächenmäßig leichte Psoriasis kann bei Befall von Kopfhaut oder Genitalregion als mittelschwer eingestuft werden.

Das sind Upgrade-Kriterien. Sie stufen die Psoriasis hoch und machen sie damit systemtherapiepflichtig.

Aussage 3

IL-23 aus myeloischen dendritischen Zellen hält Th17-Zellen aktiv, die IL-17 bilden.

Das ist der Kern der IL-23/Th17-Achse. IL-17 wirkt dann als Effektor auf die Keratinozyten.

Zuordnen

Warum?

Reihenfolge

Aussage 7

Acitretin eignet sich besonders für junge Frauen mit Kinderwunsch, weil es nicht immunsuppressiv wirkt.

Acitretin ist teratogen. Nötig ist eine Kontrazeption bis drei Jahre nach Therapieende, daher ist es bei gebärfähigen Frauen ungeeignet. Bei Kinderwunsch kommt eher Certolizumab infrage.

Aussage 8

Das Auspitz-Phänomen beschreibt das Auftreten neuer Plaques an Stellen mechanischer Reizung.

Das ist das Köbner-Phänomen. Das Auspitz-Phänomen sind punktförmige Blutungen nach Abkratzen der Schuppen, weil die Papillenkapillaren dicht unter der ausgedünnten Epidermis liegen.

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