Amantadin und Budipin
Amantadin ist das verbliebene nicht-dopaminerge Antiparkinsonmittel: Der NMDA-Kanalblock im Striatum dämpft Levodopa-induzierte Dyskinesien, die Infusion hilft in der akinetischen Krise. Den Rahmen setzen die unveränderte renale Elimination mit Kumulationsgefahr und das QT-Risiko, das schon Budipin vom Markt gebracht hat.
Dein roter Faden
- Einordnung: Amantadin ist ein nicht-dopaminerges Antiparkinsonmittel. Budipin ist wegen kardialer UAW vom Markt genommen.
- Mechanismus: Der niederaffine, unkompetitive NMDA-Kanalblock dämpft die glutamaterge Überaktivität im Striatum. Dazu kommen eine schwache Dopaminfreisetzung und anticholinerge Effekte.
- Anwendung: Amantadin wird bei Levodopa-induzierten Dyskinesien ergänzt und in der akinetischen Krise als Infusion gegeben. Die Influenza-Indikation ist wegen Resistenz historisch.
- Kinetik: Amantadin wird unverändert renal eliminiert, kumuliert bei Niereninsuffizienz und muss an die eGFR angepasst werden.
- UAW: Typisch sind QT-Verlängerung mit Torsade de pointes, Halluzinationen und Verwirrtheit, anticholinerge Effekte sowie Livedo reticularis mit Knöchelödemen.
- KI und WW: Kontraindiziert bei QT-Verlängerung, Bradykardie und Hypokaliämie, EKG-Kontrollen sind Pflicht. Keine Kombination mit weiteren QT-verlängernden Arzneistoffen, nicht abrupt absetzen.
Kostenlos weiterlesen mit deinem Relaxed-Konto
Lege dir ein kostenloses Konto an, dann ist das ganze 2. Staatsexamen für dich frei. Kein Abo, keine Zahlungsdaten.
Bitte bestätige zuerst deine E-Mail-Adresse
Wir haben dir einen Link geschickt. Mit bestätigter E-Mail-Adresse liest du hier gleich weiter.
Überblick
Amantadin und Budipin sind nicht-dopaminerge Antiparkinsonmittel. Als niederaffine Blocker des NMDA-Rezeptorkanals dämpfen sie die glutamaterge Überaktivität im Striatum, die beim Dopaminmangel entsteht. Sie ersetzen kein Dopamin und stimulieren keine Dopaminrezeptoren. Damit unterscheiden sie sich grundsätzlich von Levodopa und den Dopaminagonisten.
- Amantadin: ursprünglich ein Virustatikum gegen Influenza A, heute vor allem Antidyskinetikum bei Levodopa-induzierten Dyskinesien.
- Akuttherapie: als Infusion in der akinetischen Krise, weil es parenteral verfügbar ist.
- Budipin: war die Reservesubstanz beim therapieresistenten Tremor. Es ist wegen schwerer kardialer UAW (QT-Verlängerung) nicht mehr im Handel.
- Stellenwert: Ergänzung im fortgeschrittenen Stadium, keine Basistherapie.
Typischer Vertreter ist Amantadin, der einzige noch verfügbare NMDA-Antagonist in der Parkinsontherapie.
- Prinzip: unkompetitiver, niederaffiner NMDA-Kanalblock, dazu leicht dopaminfreisetzend und anticholinerg.
- Kinetik: gut resorbiert, ZNS-gängig, unverändert renal eliminiert.
- Einsatz: Levodopa-induzierte Dyskinesien, akinetische Krise (Infusion).
- Besonderheit: EKG-Kontrollen wegen QT-Verlängerung, Dosis an die Nierenfunktion anpassen.
Struktur: primäres Amin an einem lipophilen Adamantan-Käfig.
Vertreter
Beide Substanzen sind lipophile Amine, die den NMDA-Rezeptor blockieren. Sie unterscheiden sich in der Struktur: Amantadin ist ein Aminoadamantan, Budipin ein 4,4-Diphenylpiperidin. Auch das Rezeptorprofil ist verschieden, Budipin wirkt deutlich stärker anticholinerg. Im Handel ist nur noch Amantadin, als Sulfat (oral und als Infusionslösung) und als Hydrochlorid (oral). Budipin hat heute nur noch Bedeutung für den Vergleich innerhalb der Klasse.
Wirkmechanismus
Im Striatum halten Dopamin und Glutamat aus den kortikostriatalen Bahnen die Balance. Wie die Basalganglienschleife aufgebaut ist, steht unter Aufbau des Nervensystems. Fällt Dopamin weg, überwiegt die glutamaterge Erregung der striatalen Projektionsneurone.
- Dopaminmangel: Die Hemmung der kortikostriatalen Glutamatübertragung entfällt, NMDA-Rezeptoren auf striatalen Projektionsneuronen werden überaktiv.
- Pulsatile Levodopa-Gabe: Sie sensitiviert die striatale NMDA-Signalgebung zusätzlich, Grundlage der Dyskinesien.
- Kanalblock: Amantadin besetzt den offenen NMDA-Kanal und vermindert den Ca²⁺-Einstrom (Prinzip wie bei Memantin).
- Folge: Die überschießende Ausgangsaktivität der Basalganglien normalisiert sich, Dyskinesien und Akinese nehmen ab.
Dazu kommen schwächere Effekte: Amantadin steigert die Dopaminfreisetzung, hemmt die Wiederaufnahme und wirkt leicht anticholinerg. Budipin vereinte einen Mehrfachmechanismus mit NMDA-Antagonismus, indirekt dopaminerger und ausgeprägt antimuscarinischer Wirkung. Das erklärt seine Tremorwirkung, denn der Tremor spricht besonders auf Anticholinergika an.
Antwort anzeigen
Die Dyskinesien entstehen nicht allein durch zu viel Dopamin. Entscheidend ist die durch pulsatile Stimulation sensitivierte glutamaterge NMDA-Übertragung im Striatum. Der Kanalblock setzt genau dort an, die dopaminerge Komponente ist dagegen schwach. So sinken die Dyskinesien, ohne dass die Levodopawirkung verloren geht.
Wirkungen und Anwendung
Der Nutzen liegt dort, wo Levodopa allein nicht mehr ausreicht oder nicht gegeben werden kann.
- Levodopa-induzierte Dyskinesien: Amantadin ist das einzige Antidyskinetikum mit Evidenz und kann beim fortgeschrittenen Parkinson-Syndrom ergänzt werden. In der Frühphase empfiehlt die Leitlinie es mangels Evidenz nicht.
- Akinetische Krise: Amantadin-Infusion, wenn eine orale Gabe nicht möglich ist, etwa bei Schluckstörung oder perioperativ.
- Tremor: Budipin war früher Reservesubstanz. Amantadin wirkt auf den Tremor nur schwach, deutlich schwächer als Levodopa und Anticholinergika.
- Influenza A: Historische Indikation. Amantadin blockiert den M2-Ionenkanal und hemmt so das Uncoating. Die zirkulierenden A-Stämme sind resistent, deshalb spielt es für die Influenza keine Rolle mehr.
Pharmakokinetik
Die Kinetik bestimmt die Sicherheit, weil Amantadin praktisch nicht metabolisiert wird.
- Resorption und Verteilung: oral gut bioverfügbar, großes Verteilungsvolumen, gut ZNS-gängig (lipophiler Adamantan-Käfig).
- Elimination: unverändert renal über glomeruläre Filtration und tubuläre Sekretion von Kationen. Ein alkalischer Urin verlangsamt die Ausscheidung.
- Niereninsuffizienz: Die Halbwertszeit verlängert sich stark, Amantadin kumuliert. Die Dosis wird an die eGFR angepasst. Wegen des großen Verteilungsvolumens wird es kaum dialysiert.
- CYP: praktisch keine Rolle, daher kaum metabolische Wechselwirkungen.
Unerwünschte Wirkungen
Die UAW folgen aus dem Rezeptorprofil und der Kumulation. Ältere Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sind besonders gefährdet.
| UAW | warum | |
|---|---|---|
Herz |
QT-Verlängerung, Torsade de pointes | Blockade kardialer K⁺-Kanäle (hERG), spiegelabhängig; Mechanismus unter Herzrhythmusstörungen |
ZNS |
Halluzinationen, Verwirrtheit, Schlafstörungen | zentrale NMDA-Blockade plus Dopaminfreisetzung, verstärkt bei Kumulation |
Mund · Magen-Darm |
Mundtrockenheit, Obstipation, Harnverhalt, Akkommodationsstörung | anticholinerge Komponente |
Haut · Gefäße |
Livedo reticularis, Knöchelödeme | lokale Katecholamin-vermittelte Gefäßregulation in der Haut (Mechanismus nicht ganz geklärt), reversibel |
ZNS |
Akinetische Krise, Hyperthermie nach abruptem Absetzen | plötzlicher Wegfall der antiglutamatergen und dopaminergen Wirkung |
Netzartige, bläulich-livide Hautzeichnung, meist an den Beinen, durch ungleichmäßige Durchblutung des Hautgefäßnetzes. Unter Amantadin harmlos und nach dem Absetzen rückläufig.
Kontraindikationen und Wechselwirkungen
Fast alle Kontraindikationen gehen auf das Arrhythmierisiko zurück, die Wechselwirkungen auf additive Effekte und die renale Elimination.
- QT-Verlängerung, Bradykardie, AV-Block, Kardiomyopathie: kontraindiziert, weil eine weitere Repolarisationsverzögerung Torsade de pointes auslösen kann.
- Hypokaliämie, Hypomagnesiämie: kontraindiziert, weil Elektrolytmangel die Repolarisation zusätzlich verlängert.
- EKG-Kontrollen: vorgeschrieben vor Therapiebeginn und in den ersten Wochen, ebenso bei Dosiserhöhung.
- Weitere QT-verlängernde Arzneistoffe: etwa Klasse-III-Antiarrhythmika, Makrolide, Fluorchinolone, Citalopram, viele Antipsychotika. Die Effekte addieren sich.
- Niereninsuffizienz: Kumulation, deshalb Dosisanpassung, bei schwerer Einschränkung zurückhaltend einsetzen.
- Anticholinergika: additive anticholinerge und zentrale UAW (Verwirrtheit, Harnverhalt).
- Andere NMDA-Antagonisten wie Memantin: additive zentrale UAW, Psychosegefahr.
- Hydrochlorothiazid mit Triamteren: senkt die renale Clearance von Amantadin.
Amantadin nie ungeprüft mit weiteren QT-verlängernden Arzneistoffen kombinieren. Diuretika-bedingte Hypokaliämie verschärft das Risiko.
Ein 79-jähriger Parkinson-Patient nimmt Levodopa/Benserazid und Amantadin. Er bringt ein neues Rezept über Hydrochlorothiazid/Triamteren. Seine Frau berichtet, er sehe seit Kurzem nachts Personen im Zimmer.
- Welcher Zusammenhang ist pharmakologisch plausibel?
- Worauf weisen Sie den Arzt hin?
Lösung anzeigen
- Amantadin wird unverändert renal eliminiert. Im Alter ist die Nierenfunktion oft eingeschränkt, das Diuretikum senkt die Clearance zusätzlich. Steigende Spiegel erklären Halluzinationen und Verwirrtheit.
- Nierenfunktion bestimmen und die Amantadin-Dosis anpassen oder eine andere antihypertensive Therapie wählen. Wegen des QT-Risikos auch Kalium und EKG kontrollieren. Amantadin nicht abrupt absetzen, sonst droht eine akinetische Krise.
Unterschiede innerhalb der Klasse
Beide Substanzen blockieren den NMDA-Rezeptor. Budipin setzte aber stärker auf die anticholinerge Komponente und war kardial deutlich riskanter.
| Merkmal | Amantadin | Budipin |
|---|---|---|
| Struktur | Aminoadamantan | 4,4-Diphenylpiperidin |
| Profil | NMDA-Block, schwach dopaminerg und anticholinerg | NMDA-Block, stark antimuscarinisch, indirekt dopaminerg |
| Hauptindikation | Dyskinesien, akinetische Krise | Parkinson-Tremor (Reserve) |
| QT-Risiko | vorhanden, EKG-Kontrollen | ausgeprägt, Grund der Marktrücknahme |
| Status | im Handel, auch als Infusion | nicht mehr im Handel |
Teste dich
Aussage 1
Amantadin wird überwiegend über CYP3A4 abgebaut und hat daher viele metabolische Wechselwirkungen.
Amantadin wird praktisch nicht metabolisiert, sondern unverändert renal eliminiert. Relevant sind deshalb die Nierenfunktion und die renale Clearance, nicht CYP-Interaktionen.
Warum?
Lückentext
Zuordnen
Aussage 5
Amantadin wirkt gegen Levodopa-induzierte Dyskinesien, weil es die sensitivierte NMDA-Übertragung im Striatum blockiert.
Die Dyskinesien beruhen auf einer überschießenden glutamatergen Signalgebung, die der Kanalblock dämpft.
Aussage 6
Livedo reticularis unter Amantadin ist eine netzartige, bläulich-livide Hautzeichnung, die nach dem Absetzen zurückgeht.
Sie tritt meist an den Beinen auf, oft zusammen mit Knöchelödemen, und ist reversibel.
Aussage 7
Gegen die aktuell zirkulierenden Influenza-A-Stämme ist Amantadin wegen Resistenz unwirksam.
Amantadin blockiert den viralen M2-Kanal, die zirkulierenden A-Stämme sind jedoch resistent. Die Influenza-Indikation ist deshalb nur noch historisch.
Aussage 8
Budipin wurde wegen ausgeprägter Hepatotoxizität vom Markt genommen.
Grund der Marktrücknahme waren schwere kardiale UAW, vor allem die QT-Verlängerung.
Prüferin fragt
Fehler entdeckt oder eine Idee? Wir verbessern die Inhalte laufend. Melde es uns gerne über dieses Formular ❤️
Teile der Inhalte wurden mithilfe von KI-Systemen erstellt und werden fortlaufend redaktionell geprüft. Trotz Sorgfalt können Fehler enthalten sein. Wichtige Informationen bitte anhand offizieller Quellen prüfen. Relaxed ins Stex ist ein unabhängiges Angebot und steht in keiner Kooperation mit dem IMPP. Das Angebot ist weder vom IMPP autorisiert noch mit diesem verbunden.