Arzneistoffe

Topische Glucocorticoide und Calcineurin-Inhibitoren

Topische Glucocorticoide sind die wichtigsten antientzündlichen Dermatika. Im Kern geht es um ihre Wirkstärkeklassen, den therapeutischen Index der Soft-Steroide und die UAW aus der Antiproliferation. Dazu kommen die topischen Calcineurin-Inhibitoren als steroidfreie Alternative ohne Atrophierisiko.

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  • Einordnung: Topische Glucocorticoide sind die wichtigsten antientzündlichen Dermatika, eingeteilt in die Wirkstärkeklassen I (Hydrocortison) bis IV (Clobetasolpropionat); TCI wie Pimecrolimus sind die steroidfreie Alternative.
  • Mechanismus GC: Der GR hemmt über Transrepression NF-κB und AP-1 und induziert über Transaktivierung Annexin A1; dazu kommen Vasokonstriktion und Antiproliferation.
  • Mechanismus TCI: Pimecrolimus bindet FKBP12, der Komplex hemmt Calcineurin, NFAT bleibt phosphoryliert, und die T-Zell-Zytokine sinken, ohne Wirkung auf Fibroblasten.
  • Wirkstärke und Index: Halogenierung steigert Potenz und Nebenwirkungen; Soft-Steroide wie Prednicarbat werden in der Haut inaktiviert und erreichen einen therapeutischen Index von 2.
  • Indikationen: Neurodermitis und Kontaktekzem, Psoriasis, gern als Fixkombination mit Calcipotriol; TCI in Problemzonen wie Gesicht und Intertrigines.
  • UAW aus dem Mechanismus: Antiproliferation erklärt Steroidatrophie, Striae und Teleangiektasien, die Immunsuppression erklärt Infektionen; dazu kommen periorale Dermatitis, Rebound, Glaukom periokulär und systemische Effekte bei Kindern unter Okklusion.
  • GC vs. TCI: TCI verursachen keine Atrophie, sie brennen aber anfangs, begünstigen virale Infektionen, sind erst ab 2 Jahren zugelassen und erfordern UV-Schutz.

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Überblick

Topische Glucocorticoide (TGC) sind Agonisten am Glucocorticoid-Rezeptor, die auf der Haut antiphlogistisch, immunsuppressiv und antiproliferativ wirken. Sie sind die wichtigsten antientzündlichen Dermatika. Nach ihrer Potenz, unter anderem im Vasokonstriktionstest bestimmt, teilt man sie in vier Wirkstärkeklassen ein:

Klasse Wirkstärke Vertreter
I schwach Hydrocortison
II mittelstark Prednicarbat, Methylprednisolonaceponat
III stark Mometasonfuroat, Betamethasonvalerat
IV sehr stark Clobetasolpropionat
  • Topische Calcineurin-Inhibitoren (TCI): Pimecrolimus und Tacrolimus, steroidfreie Alternative ohne Atrophierisiko.
  • Haupteinsatz: Ekzeme, vor allem Neurodermitis, und Psoriasis.
  • Stellenwert: TGC in der Erstlinie, TCI für Problemzonen oder wenn TGC nicht infrage kommen.

Typischer Vertreter ist Prednicarbat, ein mittelstarkes Soft-Steroid.

Strukturformel von Prednicarbat
Prednicarbat
Topische Glucocorticoide · Leitsubstanz
  • Prinzip: nicht halogenierter Prednisolon-Doppelester (17-Ethylcarbonat, 21-Propionat), Klasse II.
  • Kinetik: Epidermale Esterasen bilden den aktiven 17-Monoester. Der weitere Abbau zu Prednisolon inaktiviert ihn weitgehend.
  • Einsatz: Ekzeme, Neurodermitis, auch bei Kindern.
  • Besonderheit: therapeutischer Index 2.

Vertreter

Die Glucocorticoide unterscheiden sich in Wirkstärke und Struktur. Halogenierte Steroide sind potenter und stabiler, nicht halogenierte Doppelester werden schon in der Haut abgebaut. Gemeinsam ist allen die Veresterung, die die Penetration verbessert. Die TCI sind Makrolactame ohne Steroidgerüst.

Wirkstoffe
Strukturformel von Prednicarbat
Soft-Steroide Prednicarbat
Soft-Steroide Methylprednisolonaceponat
Halogeniert, stark Mometasonfuroat hoher therapeutischer Index
Strukturformel von Betamethasonvalerat
Halogeniert, stark Betamethasonvalerat
Strukturformel von Clobetasolpropionat
Halogeniert, sehr stark Clobetasolpropionat
Strukturformel von Pimecrolimus
Calcineurin-Inhibitoren Pimecrolimus Creme, leichtere Formen
Strukturformel von Tacrolimus
Calcineurin-Inhibitoren Tacrolimus Salbe, stärker wirksam

Wirkmechanismus

Beide Gruppen dämpfen die Transkription proinflammatorischer Gene, allerdings über verschiedene Targets. Rezeptorpharmakologie und systemische Wirkungen stehen bei den Glucocorticoiden.

Glucocorticoide

Das lipophile Steroid bindet den zytosolischen Glucocorticoid-Rezeptor (GR). Dieser löst sich von Hsp90 und wandert in den Kern.

  • Transrepression: Das GR-Monomer bindet NF-κB und AP-1 → IL-1, IL-2, TNF-α, COX-2 und Adhäsionsmoleküle ↓. Darauf beruht der Hauptteil der antientzündlichen Wirkung.
  • Transaktivierung: Das GR-Dimer bindet an GRE → Annexin A1 ↑ → Phospholipase A₂ gehemmt → Prostaglandine und Leukotriene ↓.
  • Vasokonstriktion: Die Haut blasst ab, die Exsudation nimmt ab.
  • Antiproliferativ: Keratinozyten, Fibroblasten und Kollagensynthese ↓. Bei Psoriasis ist das erwünscht, zugleich ist es die Ursache der Atrophie.

Calcineurin-Inhibitoren

Die TCI wirken wie die systemischen Calcineurin-Inhibitoren, aber nur lokal:

  1. Bindung: an das zytosolische Immunophilin FKBP12.
  2. Calcineurin-Hemmung: Der Komplex blockiert die Ca²⁺/Calmodulin-abhängige Phosphatase.
  3. NFAT-Blockade: NFAT bleibt phosphoryliert und gelangt nicht in den Kern.
  4. Folge: IL-2, IL-4, IL-13 und IFN-γ in T-Zellen ↓, Mastzellmediatoren ↓. Fibroblasten bleiben unbeeinflusst → keine Atrophie.

Schema einer Hautzelle mit Glucocorticoid-Rezeptor-Weg und einer T-Zelle mit FKBP12-Calcineurin-NFAT-Weg

Glucocorticoide wirken über den zytosolischen GR (Transrepression und Transaktivierung im Kern), Calcineurin-Inhibitoren über FKBP12, die Hemmung von Calcineurin und die Blockade von NFAT.

Wirkungen und Anwendung

Aus dem Mechanismus folgen antiphlogistische, immunsuppressive, antipruriginöse und antiproliferative Wirkungen. Welche davon zählt, hängt von der Indikation ab.

  • Ekzeme: Bei Neurodermitis sind TGC ab Stufe 2 die Erstlinie. Die Wirkstärke richtet sich nach Schweregrad, Lokalisation und Alter. Beim Kontaktekzem werden sie ebenso eingesetzt.
  • Psoriasis: topische Erstlinie, hier wirkt vor allem der antiproliferative Effekt. Häufig wird die Fixkombination Betamethason plus Calcipotriol verwendet (Antipsoriatika).
  • Problemzonen: TCI bevorzugt in Gesicht, Intertrigines und Genitalbereich. Das gilt auch für den kutanen Lupus im Gesicht (Kollagenosen).

Pharmakokinetik

Wie stark ein TGC wirkt und wie viel davon systemisch ankommt, bestimmt vor allem seine Struktur. Vehikel und Hautzustand werden in den Grundlagen der Dermatotherapie behandelt.

  • Veresterung (C17, C21): Lipophilie ↑ → bessere Penetration ins Stratum corneum, Bildung eines Reservoirs.
  • Halogenierung (9α-F): GR-Affinität ↑, Abbau verlangsamt → potenter, aber mit mehr Atrophie und mehr systemischer Wirkung.
  • Soft-Steroide: in der Epidermis aktiv. Esterasen in Dermis und Blut spalten sie zu schwach wirksamem Prednisolon bzw. Methylprednisolon.
  • TCI: große lipophile Moleküle (um 800 Da) → kaum systemische Resorption, bei Pimecrolimus noch weniger als bei Tacrolimus.

Strukturformeln von Prednicarbat und Clobetasolpropionat mit markierten Estergruppen und Halogenatomen

Soft-Steroid und halogeniertes Steroid im Vergleich: Ester verbessern die Penetration, Halogene erhöhen Potenz und Stabilität.
📖 Definition: Therapeutischer Index

Verhältnis der erwünschten antientzündlichen zur unerwünschten, vor allem atrophogenen Wirkung eines TGC. Prednicarbat, Methylprednisolonaceponat und Mometasonfuroat erreichen einen Wert von 2, ältere halogenierte TGC liegen niedriger.

Unerwünschte Wirkungen

Die lokalen UAW der TGC folgen aus Antiproliferation und lokaler Immunsuppression. Ihr Risiko steigt mit Wirkstärke, Dauer, dünner Haut und Okklusion.

Hautquerschnitt mit markierter Atrophie, Teleangiektasien und Follikel, dazu ein Gesicht mit perioraler Dermatitis und Auge

Lokale UAW topischer Glucocorticoide und wo sie entstehen.
UAW warum
Haut
Steroidatrophie (dünne, verletzliche Haut), Striae, Teleangiektasien Kollagensynthese ↓, den Gefäßen fehlt die Stütze; teils irreversibel
Haut
Steroidakne, periorale Dermatitis follikuläre Reizung und Immunmodulation, v. a. im Gesicht
Haut
Rebound-Phänomen Nach abruptem Absetzen flammt die Entzündung über das Ausgangsniveau auf
Immunsystem
Infektionen (Mykosen, Impetigo, Herpes) lokale Immunsuppression; eine Tinea wird maskiert
Auge
Glaukom, Katarakt periokuläre Anwendung: Abflusswiderstand im Trabekelwerk ↑
Stoffwechsel
NNR-Suppression, Wachstumsverzögerung Kinder: große Oberfläche pro kg; Okklusion, auch durch die Windel

TCI greifen nicht ins Bindegewebe ein, ihr Profil ist deshalb ein anderes:

  • Brennen, Wärmegefühl: zu Beginn häufig, durch Neuropeptidfreisetzung aus sensiblen Nervenendigungen; lässt nach einigen Tagen nach.
  • Virale Hautinfektionen: Herpes simplex bis zum Eczema herpeticatum, durch die lokale T-Zell-Hemmung.
  • Malignom-Warnhinweis: in der Fachinformation wegen eines theoretischen Lymphom- und Hauttumorrisikos. Klinisch gibt es keinen überzeugenden Hinweis darauf.

Kontraindikationen und Wechselwirkungen

Kontraindiziert ist die Anwendung, wo lokale Immunsuppression schadet oder die Haut leicht atrophiert.

  • Unbehandelte Hautinfektionen (bakteriell, viral, mykotisch, Varizellen): Die Immunsuppression fördert die Ausbreitung.
  • Rosazea, periorale Dermatitis: werden durch TGC ausgelöst oder verschlechtert.
  • Gesicht, Intertrigines, Genitale: Die Haut ist dünn → nur schwache Klassen über wenige Tage oder TCI.
  • Säuglinge: keine starken TGC, keine Okklusion.
  • TCI: zugelassen erst ab 2 Jahren. Nicht bei Immundefizienz oder unter systemischer Immunsuppression. Auf Sonnenschutz achten und keine gleichzeitige Phototherapie, weil sich lokale Immunsuppression und UV-Belastung addieren.
  • Wechselwirkungen: wegen der geringen Resorption klinisch kaum relevant.
⚠️ Achtung: Starke Steroide im Gesicht

Klasse III oder IV im Gesicht führt zu perioraler Dermatitis und zu Steroidabhängigkeit mit Rebound. Am Augenlid droht ein Steroidglaukom.

Unterschiede innerhalb der Klasse

Gewählt wird das schwächste Glucocorticoid, das die Entzündung sicher kontrolliert. Bei langer Anwendung oder dünner Haut nimmt man eines mit hohem therapeutischem Index.

A Soft-Steroide
  • Prednicarbat, Methylprednisolonaceponat
  • nicht halogeniert, lokal inaktiviert
  • Index 2 → Kinder, längere Anwendung
B Halogenierte
  • Betamethasonvalerat, Clobetasolpropionat
  • stabil, stark bis sehr stark
  • niedrigerer Index → kurz, dicke Plaques, Palmae, Kopfhaut

Mometasonfuroat ist halogeniert, erreicht aber wegen seiner geringen systemischen Verfügbarkeit ebenfalls Index 2.

Prüferinnenfrage
Warum nehmen Sie im Gesicht lieber Pimecrolimus als ein Glucocorticoid?
Antwort anzeigen

Die Gesichtshaut ist dünn und lässt viel Wirkstoff penetrieren. TGC lösen dort Atrophie und periorale Dermatitis aus, am Auge ein Glaukom. Pimecrolimus hemmt über FKBP12 und Calcineurin nur die Aktivierung von T-Zellen und Mastzellen, Fibroblasten und Kollagensynthese bleiben unbeeinflusst. Deshalb macht es keine Atrophie und eignet sich auch für längere Anwendung; der Preis ist das anfängliche Brennen.

Zwei Begriffe gehören zur Auswahl dazu:

  • Tachyphylaxie: nachlassende Wirkung bei kontinuierlicher Anwendung, klinisch umstritten. Konsequenz: Intervall- statt Dauertherapie.
  • Steroidphobie: Angst vor „Cortison“ → Unterdosierung, zu frühes Absetzen, Therapieversagen. Bei passender Klasse und Dauer sind TGC sicher.

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wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Warum?

Aussage 2

Topische Calcineurin-Inhibitoren verursachen wie Glucocorticoide eine Hautatrophie, weil sie die Fibroblasten hemmen.

TCI lassen Fibroblasten und Kollagensynthese unbeeinflusst und führen deshalb nicht zur Atrophie. Ihre typischen UAW sind anfängliches Brennen und virale Hautinfektionen.

Aussage 3

Die Halogenierung an 9α beschleunigt den Abbau eines Glucocorticoids und schwächt es dadurch ab.

Halogenierung erhöht die GR-Affinität und verlangsamt den Abbau. Das Steroid wird potenter, verursacht aber auch mehr Atrophie und systemische Wirkung.

Wer bin ich?

Aussage 5

Der Hauptteil der antientzündlichen Wirkung topischer Glucocorticoide beruht auf der Transrepression von NF-κB und AP-1.

Das GR-Monomer bindet NF-κB und AP-1 und senkt so die Bildung von Zytokinen, COX-2 und Adhäsionsmolekülen.

Zuordnen

Aussage 7

Pimecrolimus hemmt Calcineurin, nachdem es an das Immunophilin Cyclophilin gebunden hat.

Pimecrolimus bindet wie Tacrolimus an FKBP12. Erst dieser Komplex hemmt Calcineurin, sodass NFAT phosphoryliert bleibt.

Aussage 8

Bei Säuglingen kann eine Windel die Resorption eines topischen Glucocorticoids steigern, weil sie okklusiv wirkt.

Okklusion erhöht die Penetration. Zusammen mit der großen Körperoberfläche pro kg steigt so das Risiko systemischer Effekte.

Reihenfolge

Prüferin fragt

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