Grundlagen

Grundlagen der Dermatotherapie

Wie Stratum corneum, Wirkstoffeigenschaften und Vehikel bestimmen, ob ein Dermatikum am Wirkort ankommt, und wo die topische und systemische Dermatotherapie angreift. Im Kern stehen die Barriere, die Einflussgrößen der Penetration, die Vehikelwahl nach Hautzustand und die Basistherapie.

✓ gelesen
Dein roter Faden6 Punkte
  • Barriere: Das Stratum corneum aus Korneozyten und Lipidlamellen (Ziegel-Mörtel-Modell) mit dem NMF ist die Hauptbarriere, bei entzündeter Haut ist sie gestört.
  • Penetration: Wirkstoffe mit mittlerer Lipophilie und unter etwa 500 Da penetrieren gut, Lokalisation, Hautzustand und Alter bestimmen die Aufnahme.
  • Okklusion und Reservoir: Okklusion hydratisiert die Hornschicht und steigert die Penetration, das Reservoir erlaubt seltene Anwendung, bei Kindern und großflächig droht systemische Belastung.
  • Vehikel: Das Phasendreieck ordnet die Grundlagen, akut und nässend wird wasserreich, chronisch und trocken fett behandelt, das Vehikel wirkt selbst mit und kann sensibilisieren.
  • Praxis: Die Fingertip-Unit standardisiert die Menge, Emollienzien als Basistherapie stabilisieren die Barriere, Harnstoff und Salicylsäure wirken hydratisierend bzw. keratolytisch.
  • Angriffspunkte: Entzündung, Proliferation und Differenzierung, UV-Licht, systemische Immunmodulation und Juckreiz, der bei Neurodermitis kaum histaminvermittelt ist.

Kostenlos weiterlesen mit deinem Relaxed-Konto

Lege dir ein kostenloses Konto an, dann ist das ganze 2. Staatsexamen für dich frei. Kein Abo, keine Zahlungsdaten.

Kostenloses Konto anlegen

Bitte bestätige zuerst deine E-Mail-Adresse

Wir haben dir einen Link geschickt. Mit bestätigter E-Mail-Adresse liest du hier gleich weiter.

Zum Konto

Aufbau und Barrierefunktion der Haut

Die Haut ist in der Dermatotherapie Zielorgan und Barriere zugleich. Was topisch wirken soll, muss das Stratum corneum überwinden, und was es überwindet, kann auch systemisch ankommen.

  • Epidermis: gefäßfreies, verhornendes Plattenepithel; Keratinozyten proliferieren basal und differenzieren nach außen.
  • Dermis: Gefäße, Nerven, Immunzellen; hier findet die Resorption statt.
  • Subkutis: Fettgewebe, als Wirkort topischer Therapie kaum relevant.

Das Stratum corneum ist die Hauptbarriere. Im Ziegel-Mörtel-Modell bilden die abgestorbenen Korneozyten die Ziegel und interzelluläre Lipidlamellen aus Ceramiden, Cholesterol und freien Fettsäuren den Mörtel. Der natürliche Feuchthaltefaktor (NMF: Aminosäuren, Harnstoff, Lactat) bindet Wasser in den Korneozyten.

Schnitt durch die Haut, vergrößerte Hornschicht mit Korneozyten als Ziegel und Lipidlamellen als Mörtel, Pfeile für interzellulären, transzellulären und follikulären Weg

Hautschichten und Stratum corneum im Ziegel-Mörtel-Modell mit den Wegen der Penetration
  • Gestörte Barriere: Entzündete Haut verliert Lipide und NMF, Wasserverlust sowie Aufnahme von Wirkstoffen und Allergenen steigen (Pathophysiologie bei Neurodermitis).
  • Hautanhangsgebilde: Haarfollikel und Drüsen sind ein Nebenweg mit kleiner Fläche, bedeutsam für große oder geladene Moleküle.

Penetration und Permeation

Topische Arzneistoffe gelangen durch passive Diffusion entlang des Konzentrationsgefälles ins Gewebe (Membrantransport, Applikation und Resorption).

📖 Definition: Penetration, Permeation, Resorption

Penetration ist das Eindringen in eine Hautschicht, Permeation der Durchtritt durch sie in die nächste. Resorption ist die Aufnahme in die Gefäße der Dermis und damit der Übergang ins System.

  • Lipophilie: mittlere Lipophilie optimal, weil nacheinander die lipophile Hornschicht und die wässrige lebende Epidermis passiert werden.
  • Molekülgröße: unter etwa 500 Da gut, Antikörper praktisch nicht.
  • Lokalisation: Gesicht, Lider, Genitale und Intertrigines nehmen viel auf, Handflächen und Fußsohlen wenig (dicke Hornschicht).
  • Hautzustand und Alter: Entzündete Haut, Frühgeborene (unreife Hornschicht) und Kinder (große Körperoberfläche je kg) nehmen mehr auf.

Okklusion durch Fettsalbe, Folie oder Windel verhindert die Wasserabgabe. Das hydratisierte Stratum corneum quillt und wird durchlässiger, die Penetration steigt deutlich.

  • Reservoir: Lipophile Wirkstoffe lagern sich in der Hornschicht ein und werden über Stunden nachgeliefert, daher genügt bei vielen topischen Glucocorticoiden eine Anwendung täglich.
  • Systemische Belastung: bei großflächiger oder okklusiver Anwendung und bei Kindern, etwa Suppression der Nebennierenrinde durch Glucocorticoide oder Salicylatvergiftung durch Salicylsäure.
Prüferinnenfrage
Warum penetriert ein sehr lipophiler Wirkstoff schlechter als einer mit mittlerer Lipophilie?
Antwort anzeigen

Der Wirkstoff muss zwei Kompartimente nacheinander passieren: die lipophile Lipidmatrix des Stratum corneum und die wasserreiche lebende Epidermis. Ein sehr lipophiler Stoff verteilt sich gut in die Hornschicht, tritt aber kaum in die Epidermis über und bleibt im Reservoir liegen. Ein sehr hydrophiler Stoff gelangt gar nicht erst in die Hornschicht.

Vehikel und Grundlagen

Das Vehikel ist die wirkstofftragende Grundlage. Es bestimmt die Freisetzung (am besten, wenn der Wirkstoff gelöst, aber nicht zu gut löslich ist), hydratisiert oder trocknet die Haut und wirkt selbst therapeutisch. Im Phasendreieck stehen fest (Puder), flüssig (Wasser, Alkohol) und fett (Lipide) an den Ecken, ihre Mischungen ergeben die übrigen Formen.

Dreieck mit Ecken Puder, Flüssigkeit und Fett, an den Seiten Paste, Schüttelmixtur und Creme, Pfeil von akut nach chronisch

Phasendreieck der Dermatika und Vehikelwahl nach Akuität
Vehikel Phasen Eigenwirkung Einsatz
Salbe fett okkludierend, rückfettend chronisch, trocken, schuppend
Creme W/O fett > wässrig rückfettend subakut bis chronisch
Creme O/W, Lotion wässrig > fett kühlend, wenig fettend subakut, Gesicht
Gel, Lösung flüssig kühlend, austrocknend akut, behaarte Haut
Schüttelmixtur fest + flüssig kühlend, austrocknend akut, juckend, nicht nässend
Paste fest + fett abdeckend, Sekret bindend intertriginös, Windelbereich
💡 Merke

Feucht auf feucht, fett auf trocken: Je akuter und nässender die Dermatose, desto wasserreicher das Vehikel, je chronischer und trockener, desto fetter.

  • Vehikel als Mitwirkender: Rückfettung, Verdunstungskälte und Austrocknung bessern die Haut schon ohne Wirkstoff, deshalb wird in Studien gegen das Vehikel geprüft.
  • Sensibilisierende Hilfsstoffe: Wollwachsalkohole, Duftstoffe, Konservierungsmittel wie Isothiazolinone, Propylenglykol; Risiko steigt bei gestörter Barriere und Daueranwendung (Hilfsstofftoxikologie).

Praxis der topischen Therapie

Topische Therapie scheitert oft an zu geringer Menge und mangelnder Adhärenz, seltener am Wirkstoff.

  • Fingertip-Unit (FTU): Salbenstrang aus einer Tube mit 5 mm Öffnung über das Fingerendglied eines Erwachsenen, etwa 0,5 g, ausreichend für die Fläche zweier Handflächen; macht die Menge reproduzierbar.
  • Emollienzien: wirkstofffreie, rückfettende und hydratisierende Externa, die Barrierelipide ersetzen und den Wasserverlust senken.
  • Basistherapie: dauerhafte Emollienzienpflege auch im erscheinungsfreien Intervall; verlängert die Remission und spart Glucocorticoide.
  • Feuchthaltemittel: Harnstoff und Glycerol binden Wasser wie der NMF; Harnstoff brennt auf entzündeter Haut und bei Kleinkindern.
  • Keratolytika: lösen den Zusammenhalt der Korneozyten und lösen Schuppen ab, etwa Salicylsäure (fördert zugleich die Penetration anderer Wirkstoffe) und Harnstoff in höherer Konzentration.
  • Adhärenz: seltene Anwendung (Reservoir), kosmetisch akzeptables Vehikel und klare Mengenangaben per FTU.

Pharmakologische Angriffspunkte

Die Dermatotherapie greift an wenigen Stellen an; Mechanismen und Vertreter stehen auf den Klassenseiten, die Anwendung etwa bei Psoriasis.

Schema der Haut mit beschrifteten Angriffspunkten für Emollienzien, Glucocorticoide, Retinoide, Phototherapie, Biologika und Juckreiztherapie

Pharmakologische Angriffspunkte in der Haut
Angriffspunkt Prinzip Effekt
Barriere Emollienzien, Feuchthaltemittel Lipide und Wasser ↑, Rezidive ↓
Entzündung topische Glucocorticoide und Calcineurin-Inhibitoren Zytokine ↓, T-Zell-Aktivierung ↓
Proliferation, Differenzierung Retinoide, Vitamin-D-Analoga (Antipsoriatika) Hyperproliferation ↓, Verhornung normalisiert
UV-Licht Phototherapie (Schmalspektrum-UVB) lokal immunsuppressiv, antiproliferativ
systemisches Immunsystem Methotrexat, Ciclosporin, JAK-Inhibitoren, Interleukin-Inhibitoren Entzündungskaskade ↓
Juckreiz Kühlung, Polidocanol, Hemmung von IL-4/IL-13 Juck-Kratz-Zirkel unterbrochen

Juckreiz ist ein eigenes Therapieziel, weil Kratzen die Barriere weiter schädigt und die Entzündung unterhält. Bei Neurodermitis vermitteln ihn vor allem Zytokine wie IL-31, nicht Histamin, daher helfen H1-Antihistaminika kaum. Die Photochemotherapie (PUVA) steht bei den Antipsoriatika.

Teste dich

Teste dich mit 9 Karten
wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Aussage 1

Permeation bezeichnet den Durchtritt durch eine Hautschicht, Resorption die Aufnahme in die Gefäße der Dermis.

Penetration ist das Eindringen in eine Schicht, Permeation der Durchtritt in die nächste, Resorption der Übergang ins System.

Aussage 2

H1-Antihistaminika lindern den Juckreiz bei Neurodermitis gut, weil er überwiegend histaminvermittelt ist.

Der Juckreiz bei Neurodermitis wird vor allem durch Zytokine wie IL-31 vermittelt, deshalb helfen H1-Antihistaminika kaum.

Zuordnen

Lückentext

Aussage 5

Okklusion steigert die Penetration, weil sie die Wasserabgabe verhindert und das Stratum corneum hydratisiert.

Das hydratisierte Stratum corneum quillt und wird durchlässiger, etwa unter Fettsalbe, Folie oder Windel.

Warum?

Aussage 7

Für eine akut nässende Dermatose ist eine Fettsalbe das Vehikel der Wahl.

Akut und nässend wird wasserreich und kühlend behandelt, etwa mit O/W-Lotion oder Gel. Fettsalben passen zu chronisch trockener Haut.

Aussage 8

Handflächen und Fußsohlen nehmen topische Wirkstoffe besonders gut auf.

Wegen der dicken Hornschicht ist die Aufnahme dort gering. Hoch ist sie an Gesicht, Lidern, Genitale und Intertrigines.

Prüferin fragt

Fehler entdeckt oder eine Idee? Wir verbessern die Inhalte laufend. Melde es uns gerne über dieses Formular ❤️

Teile der Inhalte wurden mithilfe von KI-Systemen erstellt und werden fortlaufend redaktionell geprüft. Trotz Sorgfalt können Fehler enthalten sein. Wichtige Informationen bitte anhand offizieller Quellen prüfen. Relaxed ins Stex ist ein unabhängiges Angebot und steht in keiner Kooperation mit dem IMPP. Das Angebot ist weder vom IMPP autorisiert noch mit diesem verbunden.

Zurück nach oben