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ACE-Hemmer

ACE-Hemmer senken Angiotensin II und Aldosteron und erhöhen über die gehemmte Kininase II das Bradykinin. Aus diesem doppelten Mechanismus folgen ihre Wirkungen bei Hypertonie, Herzinsuffizienz und Nephropathie ebenso wie Husten, Angioödem, Hyperkaliämie und die typischen Wechselwirkungen.

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  • Einordnung: ACE-Hemmer sind RAAS-Hemmstoffe, Leitsubstanz ist Ramipril, ein Ethylester-Prodrug mit langer Wirkdauer.
  • Mechanismus: Hemmung der zinkhaltigen ACE senkt Angiotensin II und Aldosteron; da ACE identisch mit Kininase II ist, steigt Bradykinin, Renin steigt gegenregulatorisch.
  • Wirkungen: Vor- und Nachlastsenkung ohne Reflextachykardie, milde Natriurese, Anti-Remodeling und Nephroprotektion über Dilatation der efferenten Arteriole.
  • Indikationen: Erstlinie bei Hypertonie, prognoseverbessernd bei Herzinsuffizienz, nach Myokardinfarkt und bei chronischer Nierenkrankheit mit Proteinurie.
  • UAW aus dem Mechanismus: Reizhusten und Angioödem durch Bradykinin, Hyperkaliämie durch Aldosteronmangel, Kreatininanstieg und Erstdosis-Hypotonie durch Wegfall von Angiotensin II, Fetotoxizität.
  • KI und WW: Schwangerschaft, Angioödem, beidseitige Nierenarterienstenose, Sacubitril; Hyperkaliämie mit Kalium und kaliumsparenden Substanzen, Lithiumanstieg, Triple Whammy mit Diuretikum und NSAR.

Überblick

ACE-Hemmer hemmen das Angiotensin-Konversionsenzym (ACE) und senken so die Bildung von Angiotensin II. Weil dasselbe Enzym Bradykinin abbaut, steigt dieses zusätzlich an. Das unterscheidet sie von den übrigen Hemmstoffen des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems und erklärt ihre typischen UAW.

  • Einordnung: RAAS-Hemmstoffe neben AT1-Antagonisten, ARNI, Reninhemmern und MRA.
  • Kernmerkmal: doppelter Effekt, Angiotensin II ↓ und Bradykinin ↑.
  • Indikationen: Hypertonie, Herzinsuffizienz, nach Myokardinfarkt, Nephropathie mit Proteinurie.
  • Stellenwert: Erstlinie bei Hypertonie, prognoseverbessernde Säule bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF).

Leitsubstanz ist Ramipril, ein lang wirksames Prodrug.

Strukturformel von Ramipril
Ramipril
ACE-Hemmer · Leitsubstanz
  • Prinzip: Ethylester, hepatisch zu Ramiprilat gespalten, das ACE kompetitiv am Zinkzentrum hemmt.
  • Kinetik: renale Elimination, lange Wirkdauer durch feste Bindung an Gewebe-ACE.
  • Einsatz: Hypertonie, Herzinsuffizienz, nach Infarkt, Nephropathie, kardiovaskuläre Prävention bei hohem Risiko.

Vertreter

Alle ACE-Hemmer sind Peptidomimetika, die das Zinkion im aktiven Zentrum komplexieren; in äquivalenter Dosis wirken sie gleich. Sie unterscheiden sich vor allem in der Kinetik: Die meisten sind Ethylester-Prodrugs, Lisinopril und Captopril werden als Wirkform gegeben.

Wirkstoffe
Strukturformel von Ramipril
Ethylester-Prodrugs Ramipril
Strukturformel von Enalapril
Ethylester-Prodrugs Enalapril
Strukturformel von Perindopril
Ethylester-Prodrugs Perindopril
Strukturformel von Benazepril
Ethylester-Prodrugs Benazepril
Strukturformel von Lisinopril
Wirkformen Lisinopril Lysin-Analogon, nicht metabolisiert
Strukturformel von Captopril
Wirkformen Captopril SH-Gruppe, kurz wirksam

Wirkmechanismus

ACE ist eine zinkhaltige Dipeptidylcarboxypeptidase des Gefäßendothels, besonders dicht in der Lunge. Sie spaltet von Peptiden ein C-terminales Dipeptid ab. ACE-Hemmer binden mit einer Carboxylat- oder Sulfhydrylgruppe (Captopril) an das Zink und blockieren damit zwei Substratwege.

Schema: ACE wandelt Angiotensin I in Angiotensin II um und baut Bradykinin ab; der ACE-Hemmer blockiert beide Reaktionen, Renin steigt über fehlende Rückkopplung.

ACE-Hemmer blockieren ein Enzym mit zwei Funktionen: weniger Angiotensin II, mehr Bradykinin.
  1. Angiotensin II ↓: Angiotensin I wird nicht umgewandelt → AT₁-vermittelte Vasokonstriktion, Sympathikusaktivierung und ADH-Freisetzung entfallen.
  2. Aldosteron ↓: fehlender Reiz an der Nebennierenrinde → weniger Na⁺- und Wasserretention, weniger K⁺-Sekretion.
  3. Bradykinin ↑: gehemmte Kininase II → Bradykinin wirkt länger an B₂-Rezeptoren, setzt NO und Prostacyclin frei → zusätzliche Vasodilatation.
  4. Renin ↑: die negative Rückkopplung von Angiotensin II auf die juxtaglomerulären Zellen fällt weg → Renin und Angiotensin I steigen.

Der Reninanstieg schwächt die Wirkung kaum, weil der Engpass am ACE liegt. ACE-unabhängige Wege (Chymase) bilden aber etwas Angiotensin II nach, Aldosteron kann unter Dauertherapie teilweise zurückkehren.

📖 Definition: Kininase II

Kininase II ist dasselbe Enzym wie ACE und inaktiviert Bradykinin und Substanz P. Jeder ACE-Hemmer hemmt daher zwangsläufig auch den Bradykinin-Abbau.

Wirkungen und Anwendung

Aus Angiotensin-II-Senkung und Bradykinin-Anstieg folgen hämodynamische und strukturelle Effekte.

  • Vasodilatation: arteriell und venös → Nach- und Vorlast ↓, ohne Reflextachykardie, weil die Angiotensin-II-vermittelte Sympathikusaktivierung entfällt.
  • Natriurese: Aldosteron ↓ → milde Na⁺- und Wasserausscheidung.
  • Anti-Remodeling: Angiotensin II und Aldosteron treiben Hypertrophie und Fibrose von Myokard und Gefäßwand.
  • Nephroprotektion: efferente Arteriole erweitert → intraglomerulärer Druck und Proteinurie ↓.

Daraus ergeben sich die Indikationen:

Pharmakokinetik

Kinetisch ist die Klasse einheitlich: kaum CYP-Metabolismus, überwiegend renale Elimination.

  • Prodrug-Prinzip: Die Dicarbonsäuren (Ramiprilat, Enalaprilat) sind zu polar für gute Resorption; als lipophilere Ethylester resorbiert, spalten hepatische Carboxylesterasen sie zur Wirkform.
  • Ausnahmen: Captopril und Lisinopril sind direkt wirksam.
  • Renale Elimination: Kumulation bei Niereninsuffizienz → Dosis an die Nierenfunktion anpassen.
  • Wirkdauer: feste Bindung an Gewebe-ACE verlängert Ramiprilat und Lisinopril, Captopril wirkt kurz.
  • Wenig CYP: relevante Interaktionen sind pharmakodynamisch.

Unerwünschte Wirkungen

Die typischen unerwünschten Wirkungen folgen direkt aus den beiden Enzymfunktionen: Bradykinin ↑ und Angiotensin II bzw. Aldosteron ↓.

Schema der unerwünschten Wirkungen: ACE-Hemmer, ausgehend vom Mechanismus, je Organ mit Piktogramm (Atmung, Mund, Niere, Gefäße, Schwangerschaft).

UAW der ACE-Hemmer, getrennt nach Bradykinin-Anstieg und Angiotensin-II-Mangel.
UAW warum
Atmung
Trockener Reizhusten (häufig) Bradykinin und Substanz P ↑ in der Bronchialschleimhaut → sensibilisierte C-Fasern; Klasseneffekt, nicht dosisabhängig → Wechsel auf AT1-Antagonisten
Haut
Angioödem (selten, lebensbedrohlich) Bradykinin → B₂-Rezeptor → Gefäßpermeabilität ↑ → Schwellung von Lippen, Zunge, Larynx, auch nach Jahren
Niere
Hyperkaliämie Aldosteron ↓ → distale K⁺-Sekretion ↓ (Hyperkaliämie)
Niere
Kreatininanstieg efferente Konstriktion entfällt → Filtrationsdruck ↓; moderat erwartbar, stark bei Nierenarterienstenose
Gefäße
Erstdosis-Hypotonie bei stark aktiviertem RAAS (Diuretika, Volumenmangel, Herzinsuffizienz) hängt der Blutdruck an Angiotensin II → Abfall nach erster Gabe; niedrig beginnen
Schwangerschaft
Fetotoxizität (2./3. Trimenon) fetale Niere RAAS-abhängig → Oligohydramnion, Nierenversagen, Schädelossifikationsstörung (Schwangerschaft)
Prüferinnenfrage
Warum helfen Antihistaminika und Glucocorticoide beim Angioödem unter ACE-Hemmern kaum?
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Weil das bradykininvermittelte Angioödem nicht über Mastzellen und Histamin entsteht, sondern über angestautes Bradykinin am B₂-Rezeptor. Deshalb fehlen Urtikaria und Juckreiz, und die Anaphylaxietherapie greift schlecht. Entscheidend sind Absetzen und Sicherung der Atemwege; ACE-Hemmer sind danach dauerhaft kontraindiziert.

Kontraindikationen und Wechselwirkungen

Kontraindikationen und Wechselwirkungen verstärken fast immer einen der drei Mechanismen: Bradykinin, Kalium oder die Abhängigkeit der GFR von Angiotensin II.

  • Schwangerschaft: fetotoxisch, bei Kinderwunsch vorher umstellen.
  • Angioödem in der Vorgeschichte: auch hereditär; Gliptine und mTOR-Inhibitoren erhöhen das Risiko zusätzlich.
  • Beidseitige Nierenarterienstenose: GFR hängt an der efferenten Konstriktion → akutes Nierenversagen.
  • Sacubitril/Valsartan: Neprilysin baut ebenfalls Bradykinin ab → Angioödem; mindestens 36 Stunden Abstand (ARNI).

Bei den Wechselwirkungen dominieren pharmakodynamische Effekte:

  • Kalium, kaliumsparende Diuretika, MRA, Trimethoprim, Tacrolimus: additive Hyperkaliämie.
  • Lithium: Na⁺-Verlust → proximale Li⁺-Rückresorption ↑ → Lithiumspiegel ↑.
⚠️ Achtung: Triple Whammy

ACE-Hemmer + Diuretikum + NSAR: Das Diuretikum senkt das Volumen, NSAR verengen über Prostaglandinmangel die afferente, ACE-Hemmer erweitern die efferente Arteriole. Die GFR bricht ein, akutes Nierenversagen droht, besonders bei Älteren und Exsikkose.

Unterschiede innerhalb der Klasse

In äquivalenter Dosis wirken die ACE-Hemmer gleich. Sie unterscheiden sich in Prodrug-Status, Wirkdauer und strukturbedingten Nebenwirkungen.

Wirkstoff Prodrug Wirkdauer Besonderheit
Ramipril ja lang hohe Affinität zu Gewebe-ACE
Enalapril ja mittel gut belegt bei Herzinsuffizienz
Lisinopril nein lang Lysin-Analogon des Enalaprilats
Captopril nein kurz SH-Gruppe, schneller Wirkeintritt

Captopril ist der Sonderfall: Die Sulfhydrylgruppe erklärt Geschmacksstörungen und Exantheme, die kurze Wirkdauer erfordert mehrere Gaben täglich. Für die Dauertherapie sind lang wirksame Prodrugs Standard.

Vergleich der Strukturformeln von vier ACE-Hemmern mit markierter Sulfhydryl- bzw. Carboxylatgruppe und Ethylester.

Zinkbindende Gruppe und Ethylester bestimmen Wirkform, Resorption und Besonderheiten.

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Zuordnen

Aussage 2

Unter ACE-Hemmern sinkt die Reninkonzentration im Plasma.

Renin steigt, weil die negative Rückkopplung von Angiotensin II auf die juxtaglomerulären Zellen wegfällt.

Aussage 3

ACE-Hemmer hemmen dasselbe Enzym, das auch Bradykinin inaktiviert.

ACE ist identisch mit der Kininase II, die Bradykinin und Substanz P abbaut. Deshalb steigt unter jedem ACE-Hemmer das Bradykinin.

Aussage 4

Die Hyperkaliämie unter ACE-Hemmern entsteht, weil die aldosteronvermittelte distale K⁺-Sekretion abnimmt.

Weniger Angiotensin II bedeutet weniger Aldosteron, damit sezerniert der distale Tubulus weniger K⁺.

Aussage 5

ACE-Hemmer senken den Lithiumspiegel, weil sie die renale Lithiumausscheidung steigern.

Der Lithiumspiegel steigt: Der Na⁺-Verlust führt zu vermehrter proximaler Rückresorption von Li⁺.

Warum?

Aussage 7

Lisinopril ist ein Ethylester-Prodrug, das in der Leber aktiviert wird.

Lisinopril ist bereits die Wirkform, ein Lysin-Analogon des Enalaprilats, und wird nicht metabolisiert. Ethylester-Prodrugs sind etwa Ramipril und Enalapril.

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