Grundlagen

Eicosanoide

Die Arachidonsäurekaskade liefert über Cyclooxygenase und Lipoxygenase Prostanoide und Leukotriene mit teils gegensätzlichen Wirkungen. Kern der Seite sind die COX-Isoformen, das Thromboxan-Prostacyclin-Gleichgewicht und die Angriffspunkte von Glucocorticoiden, COX-Hemmern, Leukotrienantagonisten und Prostaglandin-Analoga.

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  • Kaskade: PLA₂ setzt Arachidonsäure aus Membranphospholipiden frei, die COX bildet über PGG₂ das Endoperoxid PGH₂, gewebespezifische Synthasen machen daraus die Prostanoide.
  • COX-Isoformen: COX-1 ist konstitutiv (Thrombozyten, Magen, Niere), COX-2 induzierbar bei Entzündung, aber auch konstitutiv in Niere, Endothel und ZNS.
  • Prostanoide: Sie wirken über GPCR (EP, IP, TP, FP, DP); PGE₂ schützt den Magen, erhält die Nierenperfusion und vermittelt Fieber und Hyperalgesie, PGF₂α kontrahiert den Uterus und senkt den Augeninnendruck.
  • Gegenspieler: TXA₂ aus Thrombozyten (TP, Gq) fördert Aggregation und Vasokonstriktion, PGI₂ aus dem Endothel (IP, Gs) hemmt beides.
  • Leukotriene: Die 5-Lipoxygenase liefert LTB₄ (Chemotaxis von Neutrophilen) und Cysteinyl-Leukotriene (CysLT₁, Bronchokonstriktion), bei COX-Hemmung wird Arachidonsäure zu den Leukotrienen umgeleitet.
  • Angriffspunkte: Glucocorticoide hemmen indirekt PLA₂ und COX-2-Expression, NSAR, Coxibe und ASS die COX, Montelukast den CysLT₁-Rezeptor, stabilisierte Prostaglandin-Analoga ersetzen Prostanoide gezielt.
  • Erwartbare UAW: Unter COX-Hemmung fallen die Schutzfunktionen an Magen, Niere und Gefäßwand weg, dazu droht die Verschiebung zu den Leukotrienen.

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Arachidonsäurekaskade

Eicosanoide sind Lipidmediatoren aus der C20-Fettsäure Arachidonsäure. Sie werden bei Bedarf gebildet statt gespeichert und wirken lokal als Gewebshormone (Einordnung: Gewebshormone und Mediatoren). Aus ihren Bildungswegen leiten sich Wirkungen und UAW von NSAR, Coxiben, ASS, Glucocorticoiden und Leukotrienantagonisten ab.

  1. Freisetzung: Die cytosolische Phospholipase A₂ (PLA₂) wird durch Ca²⁺ und Phosphorylierung aktiviert und spaltet Arachidonsäure aus der sn-2-Position von Membranphospholipiden → geschwindigkeitsbestimmender Schritt.
  2. Cyclooxygenase-Weg: Die COX (Prostaglandin-H-Synthase) bildet mit Cyclooxygenase- und Peroxidase-Aktivität über PGG₂ das instabile Endoperoxid PGH₂.
  3. Gewebespezifische Synthasen: Aus PGH₂ entstehen die Prostanoide PGE₂, PGI₂, TXA₂, PGF₂α und PGD₂, je nach Enzymausstattung der Zelle.
  4. Lipoxygenase-Weg: Die 5-Lipoxygenase (mit dem Hilfsprotein FLAP) bildet in Leukozyten und Mastzellen LTA₄, daraus LTB₄ oder durch Glutathion-Konjugation die Cysteinyl-Leukotriene LTC₄, LTD₄, LTE₄.

Beide Cyclooxygenase-Isoformen katalysieren dieselbe Reaktion, unterscheiden sich aber in Regulation und Gewebeverteilung.

A COX-1
  • Expression: konstitutiv
  • Orte: Thrombozyten (einzige Isoform), Magenschleimhaut, Niere
  • Funktion: Schleimhautschutz, Hämostase, Nierenperfusion
B COX-2
  • Expression: induzierbar durch Zytokine, Endotoxin, Wachstumsfaktoren
  • Orte: Entzündungsgewebe, konstitutiv auch in Niere, Endothel, ZNS, Uterus
  • Funktion: Entzündung, Fieber, Schmerz, aber auch Prostacyclin im Endothel

Die Gleichung „COX-1 schützt, COX-2 schadet“ greift deshalb zu kurz: Auch COX-2 liefert schützende Prostanoide.

Prostanoide: Rezeptoren und Wirkungen

Prostanoide wirken über G-Protein-gekoppelte Rezeptoren, benannt nach dem bevorzugten Liganden (EP, IP, TP, FP, DP). Gs-gekoppelte Rezeptoren erschlaffen glatte Muskulatur und hemmen Thrombozyten über cAMP, Gq-gekoppelte kontrahieren über Ca²⁺.

Prostanoid Bildungsort Rezeptor (Signal) Wirkungen
PGE₂ ubiquitär, Entzündungsgewebe EP1–EP4 (Gq, Gs, Gi je Subtyp) Magen: Säure ↓, Schleim und HCO₃⁻ ↑; Niere: Vasodilatation, Natriurese; Hypothalamus: Sollwert ↑ (Fieber); Nozizeptoren sensibilisiert (Hyperalgesie)
PGI₂ Endothel IP (Gs, cAMP ↑) Vasodilatation, Aggregationshemmung
TXA₂ Thrombozyten (COX-1) TP (Gq, Ca²⁺ ↑) Aggregation, Vaso- und Bronchokonstriktion
PGF₂α Uterus, Auge FP (Gq) Uteruskontraktion, uveoskleraler Kammerwasserabfluss ↑
PGD₂ Mastzellen DP1 (Gs), DP2 (Gi) Vasodilatation, Rekrutierung von Eosinophilen und Th2-Zellen

Natürliche Prostanoide sind kurzlebig: TXA₂ und PGI₂ zerfallen in Sekunden bis Minuten, PGE₂ wird in der Lunge durch die 15-Hydroxyprostaglandin-Dehydrogenase rasch inaktiviert. Sie wirken daher autokrin und parakrin.

Das Thromboxan-Prostacyclin-Gleichgewicht entsteht aus zwei Zelltypen: Thrombozyten bilden über COX-1 TXA₂, das Endothel über COX-1 und COX-2 PGI₂. Das Verhältnis entscheidet lokal, ob Aggregation und Vasokonstriktion oder Vasodilatation und Aggregationshemmung überwiegen. Darauf beruhen die Wirkung von ASS und das kardiovaskuläre Risiko der Coxibe.

Gegenüberstellung von Thrombozyt und Endothelzelle: links TXA₂ über TP-Rezeptor mit Aggregation und Vasokonstriktion, rechts PGI₂ über IP-Rezeptor mit Aggregationshemmung und Vasodilatation

Thromboxan-Prostacyclin-Gleichgewicht zwischen Thrombozyt und Endothel
Prüferinnenfrage
Prostacyclin und Thromboxan entstehen beide aus PGH₂. Warum wirken sie trotzdem entgegengesetzt?
Antwort anzeigen

Weil sie in verschiedenen Zellen gebildet werden und an verschiedene Rezeptoren binden. TXA₂ aus Thrombozyten aktiviert den Gq-gekoppelten TP-Rezeptor, Ca²⁺ steigt, Thrombozyten aggregieren und Gefäße kontrahieren. PGI₂ aus dem Endothel aktiviert den Gs-gekoppelten IP-Rezeptor, cAMP steigt und hemmt Aggregation und Gefäßtonus. So hält intaktes Endothel die Thrombozytenaktivierung lokal begrenzt.

Leukotriene

Leukotriene sind die Mediatoren des Lipoxygenase-Wegs und wirken vor allem bei Entzündung und Allergie.

  • LTB₄: über BLT-Rezeptoren stark chemotaktisch für Neutrophile, fördert Adhäsion und Degranulation.
  • Cysteinyl-Leukotriene (LTC₄, LTD₄, LTE₄): über den CysLT₁-Rezeptor an den Atemwegen stark bronchokonstriktorisch (wirksamer als Histamin), dazu Schleimsekretion ↑, Gefäßpermeabilität ↑ und Rekrutierung von Eosinophilen → zentrale Mediatoren beim Asthma bronchiale.
  • Umleitung bei COX-Hemmung: Mehr Arachidonsäure steht der 5-Lipoxygenase zur Verfügung, zugleich fällt bronchoprotektives PGE₂ weg → Cysteinyl-Leukotriene ↑ bei empfindlichen Patienten, Grundlage der Analgetika-Intoleranz (klinisch bei den NSAR).

Flussschema: Membranphospholipide werden durch Phospholipase A₂ zu Arachidonsäure, die sich in Cyclooxygenase-Weg zu Prostanoiden und 5-Lipoxygenase-Weg zu Leukotrienen verzweigt; Hemmstoffe sind an den Enzymen und am CysLT₁-Rezeptor eingezeichnet

Arachidonsäurekaskade mit den pharmakologischen Angriffspunkten

Pharmakologische Angriffspunkte

Arzneistoffe greifen auf drei Ebenen ein: Freisetzung, Synthese und Rezeptor. Je weiter oben in der Kaskade, desto breiter die Wirkung.

Angriffspunkt Arzneistoffklasse Effekt
PLA₂ (indirekt), COX-2-Expression Glucocorticoide Annexin-1-Induktion und Transrepression → Prostanoide und Leukotriene ↓
COX-1 und COX-2, reversibel NSAR Prostanoide ↓: Analgesie, Antipyrese, Antiphlogese
COX-2 selektiv Coxibe Entzündungsprostanoide ↓, Thrombozyten-TXA₂ unbeeinflusst
COX irreversibel (Acetylierung eines Serins) ASS TXA₂ ↓ im kernlosen Thrombozyten für dessen Lebensdauer
CysLT₁-Rezeptor Leukotrienrezeptor-Antagonisten (Montelukast) Bronchokonstriktion und Entzündung ↓
💡 Merke

Was Prostanoide physiologisch schützen, fällt unter COX-Hemmung weg: Magenschleimhaut (PGE₂), Nierenperfusion (PGE₂, PGI₂), Balance zwischen Thrombozyt und Gefäßwand (TXA₂/PGI₂). Dazu kommt die Umleitung zu den Leukotrienen.

Prostaglandin-Analoga

Natürliche Prostanoide sind für die Therapie meist zu instabil. Analoga sind chemisch und metabolisch stabilisiert (Carbacyclin-Gerüst bei Iloprost, Methylgruppe an C16 bei Misoprostol) oder als Ester-Prodrug formuliert.

Strukturformeln: PGF₂α neben Latanoprost mit markiertem Isopropylester, PGI₂ neben Iloprost mit markiertem Ersatz des Ringsauerstoffs durch eine CH₂-Gruppe

Natürliche Prostanoide und ihre Analoga im Vergleich: Latanoprost als Isopropylester-Prodrug von PGF₂α, Iloprost als PGI₂-Analogon mit stabilem Carbacyclin-Gerüst.
Wirkstoff Analog von (Rezeptor) Einsatz
Misoprostol PGE₁ (EP) Schleimhautschutz unter NSAR (Schleimhautprotektiva), am Uterus
Dinoproston PGE₂ (identisch) Zervixreifung, Geburtseinleitung
Alprostadil PGE₁ (identisch) erektile Dysfunktion, Offenhalten des Ductus arteriosus
Iloprost PGI₂ (IP) inhalativ bei pulmonal-arterieller Hypertonie
Latanoprost PGF₂α (FP) Glaukom; Isopropylester, in der Cornea zur Säure hydrolysiert; Irishyperpigmentierung, Wimpernwachstum

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wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Aussage 1

Thrombozyten bilden Thromboxan A₂ ausschließlich über COX-1.

Thrombozyten besitzen als einzige Isoform COX-1, deshalb beeinflussen COX-2-selektive Hemmer ihre TXA₂-Bildung nicht.

Aussage 2

Prostacyclin wirkt über einen Gq-gekoppelten Rezeptor aggregationsfördernd.

Prostacyclin aktiviert den Gs-gekoppelten IP-Rezeptor, cAMP steigt, Aggregation und Gefäßtonus sinken. Gq-gekoppelt und aggregationsfördernd ist der TP-Rezeptor für TXA₂.

Lückentext

Zuordnen

Aussage 5

COX-2 wird in Niere und Endothel auch konstitutiv exprimiert.

COX-2 ist zwar induzierbar, kommt aber auch konstitutiv in Niere, Endothel, ZNS und Uterus vor und liefert dort etwa Prostacyclin.

Aussage 6

Latanoprost senkt den Augeninnendruck, indem es die Kammerwasserproduktion hemmt.

Latanoprost ist ein PGF₂α-Analogon und steigert über FP-Rezeptoren den uveoskleralen Kammerwasserabfluss.

Reihenfolge

Aussage 8

LTB₄ wirkt vor allem über den CysLT₁-Rezeptor bronchokonstriktorisch.

LTB₄ wirkt über BLT-Rezeptoren chemotaktisch auf Neutrophile. Bronchokonstriktorisch über CysLT₁ wirken die Cysteinyl-Leukotriene LTC₄, LTD₄ und LTE₄.

Warum?

Aussage 10

Cysteinyl-Leukotriene entstehen durch Konjugation von LTA₄ mit Glutathion.

Aus LTA₄ entsteht durch Glutathion-Konjugation LTC₄, daraus LTD₄ und LTE₄.

Prüferin fragt

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