Arzneistoffe

Interleukin-Inhibitoren

Interleukin-Inhibitoren blockieren gezielt ein einzelnes Zytokin oder seinen Rezeptor: IL-6, IL-1, IL-17A, IL-12/23 und den IL-2-Rezeptor. Den Kern bilden die Ableitung von Indikation und typischen Nebenwirkungen aus dem jeweiligen Target sowie der Vergleich IL-17 gegenüber IL-23 bei CED.

✓ gelesen
Dein roter Faden6 Punkte
  • Einordnung: Interleukin-Inhibitoren sind parenterale Biologika, die ein einzelnes Zytokin oder seinen Rezeptor blockieren und nach dem Zielzytokin eingeteilt werden.
  • Mechanismus: Tocilizumab blockiert den IL-6-Rezeptor, Anakinra den IL-1-Rezeptor, Canakinumab IL-1β, Secukinumab IL-17A, Ustekinumab die p40-Untereinheit von IL-12/23 und Basiliximab CD25 ohne T-Zell-Depletion.
  • Indikationen: IL-6 bei RA und Riesenzellarteriitis, IL-1 bei autoinflammatorischen Erkrankungen, IL-17 und IL-23 bei Psoriasis und Spondyloarthritiden, IL-12/23 bei CED, IL-2R zur Induktion nach Nierentransplantation.
  • Targettypische UAW: alle erhöhen das Infektrisiko; IL-6-Blockade maskiert CRP, hebt Lipide und begünstigt Divertikelperforationen; IL-17-Blockade verursacht Candidosen und CED-Schübe.
  • Kontraindikationen und Wechselwirkungen: aktive Infektionen und Lebendimpfstoffe sind ausgeschlossen, IL-17-Hemmer meidet man bei CED, nach IL-6-Blockade steigt die CYP-Aktivität und Substratspiegel fallen.
  • Vergleich: IL-23-Hemmer wirken bei CED, weil sie die IL-23-unabhängige Barrierefunktion von IL-17 schonen; IL-6R-Antikörper sind bei RA auch als Monotherapie robust wirksam.

Kostenlos weiterlesen mit deinem Relaxed-Konto

Lege dir ein kostenloses Konto an, dann ist das ganze 2. Staatsexamen für dich frei. Kein Abo, keine Zahlungsdaten.

Kostenloses Konto anlegen

Bitte bestätige zuerst deine E-Mail-Adresse

Wir haben dir einen Link geschickt. Mit bestätigter E-Mail-Adresse liest du hier gleich weiter.

Zum Konto

Überblick

Interleukin-Inhibitoren sind Biologika, meist monoklonale IgG-Antikörper, dazu ein rekombinanter Rezeptorantagonist. Sie blockieren ein einzelnes Interleukin oder seinen Rezeptor und unterbrechen so eine definierte Entzündungsachse. Eingeteilt werden sie nach dem Zielzytokin, denn das Target bestimmt Indikation und Nebenwirkungsprofil. Herstellung und Immunogenität stehen bei Biologika und Biosimilars.

  • Gezielte Zytokinblockade: Anders als TNF-α-Antagonisten fällt jeweils nur ein Signalweg aus, daher targettypische Wirkungen und UAW.
  • Hauptindikationen: rheumatoide Arthritis, autoinflammatorische Erkrankungen, Psoriasis und Spondyloarthritiden, CED, Induktion nach Nierentransplantation.
  • Stellenwert: meist Zweitlinie nach konventionellen Systemtherapeutika.
  • Applikation: s.c. oder i.v., weil Proteine oral nicht bioverfügbar sind.
  • Abgrenzung: Antikörper gegen die Typ-2-Zytokine IL-4, IL-5 und IL-13 gehören zu den Biologika bei Asthma.

Typischer Vertreter ist Tocilizumab, ein humanisierter Antikörper gegen den IL-6-Rezeptor.

Tocilizumab
Interleukin-Inhibitoren · Leitsubstanz
  • Prinzip: humanisierter IgG1-Antikörper gegen löslichen und membranständigen IL-6-Rezeptor.
  • Kinetik: i.v. oder s.c.; konzentrationsabhängige, teils targetvermittelte Elimination, kein CYP-Metabolismus.
  • Einsatz: rheumatoide Arthritis (auch Monotherapie), Riesenzellarteriitis, systemische JIA, schwere COVID-19.
  • Besonderheit: senkt CRP und Fieber unabhängig vom Infektstatus.

Vertreter

Die Vertreter unterscheidet vor allem das Target: Blockiert wird entweder das Zytokin selbst (Canakinumab, Secukinumab, Ustekinumab) oder sein Rezeptor (Tocilizumab, Anakinra, Basiliximab). Gemeinsam sind parenterale Gabe, proteolytischer Abbau ohne CYP und bei den Antikörpern eine lange Halbwertszeit durch FcRn-Recycling. Anakinra hat als kleines Protein ohne Fc-Teil eine kurze Halbwertszeit.

Wirkstoffe
IL-6-Rezeptor
Tocilizumab
Sarilumab
IL-1
Anakinra Rezeptorantagonist
Canakinumab Anti-IL-1β
IL-17A
Secukinumab
IL-12/23 und IL-23
Ustekinumab p40
Risankizumab p19
IL-2-Rezeptor
Basiliximab Anti-CD25, chimär

Wirkmechanismus

Alle Vertreter verhindern, dass ein Zytokin an seinen Rezeptor bindet. Die nachgeschaltete JAK-STAT- oder NF-κB-Signalkette bleibt dadurch stumm, und welche Zellfunktion ausfällt, ist zytokinspezifisch (Physiologie und Th17-Achse bei Grundlagen der Immunabwehr).

Schema mit fünf Zytokin-Rezeptor-Paaren und den Bindungsstellen von Tocilizumab, Anakinra, Canakinumab, Secukinumab, Ustekinumab, Risankizumab und Basiliximab.

Angriffspunkte der Interleukin-Inhibitoren: Blockade des Zytokins oder seines Rezeptors.
  • IL-6-Rezeptor: Tocilizumab bindet löslichen und membranständigen IL-6R und hemmt damit klassisches Signaling und Trans-Signaling über gp130 → JAK/STAT3 ↓ → hepatische Akute-Phase-Proteine (CRP, Fibrinogen, Hepcidin) ↓, B-Zell- und Th17-Differenzierung ↓, Osteoklastenaktivierung ↓.
  • IL-1, Rezeptor vs. Zytokin: Anakinra ist rekombinanter IL-1-Rezeptorantagonist (IL-1Ra), blockiert IL-1R1 und damit IL-1α und IL-1β. Canakinumab neutralisiert selektiv IL-1β, das Produkt des NLRP3-Inflammasoms.
  • IL-17A: Secukinumab neutralisiert IL-17A → in Keratinozyten, Synoviozyten und an der Enthese weniger Chemokine und antimikrobielle Peptide, weniger Neutrophilenrekrutierung.
  • IL-12/23 und IL-23: Ustekinumab bindet die gemeinsame Untereinheit p40 und blockiert IL-12 (Th1) und IL-23 (Erhalt pathogener Th17-Zellen). Risankizumab bindet p19 und hemmt selektiv IL-23. Beide setzen oberhalb von IL-17 an.
  • IL-2-Rezeptor: Basiliximab bindet CD25, die α-Kette des hochaffinen IL-2R auf aktivierten T-Zellen → IL-2-getriebene klonale Expansion blockiert, ohne die Zellen zu depletieren, daher kein Zytokinfreisetzungssyndrom.

Wirkungen und Anwendung

Die Indikationen folgen aus der Rolle des Zytokins in der jeweiligen Erkrankung.

  • IL-6: rheumatoide Arthritis als bDMARD bei Eskalation, bevorzugt bei Monotherapie ohne MTX; Riesenzellarteriitis (spart Glucocorticoide); schwere COVID-19 mit progredientem Sauerstoffbedarf und systemischer Inflammation, immer zusammen mit Dexamethason.
  • IL-1: autoinflammatorische Erkrankungen (CAPS, familiäres Mittelmeerfieber bei Colchicin-Versagen, Still-Syndrom); Canakinumab als Reserve beim Gichtanfall, wenn NSAR und Colchicin nicht infrage kommen.
  • IL-17A und IL-23: mittelschwere bis schwere Psoriasis und Psoriasis-Arthritis; Secukinumab zusätzlich bei axialer Spondyloarthritis.
  • IL-12/23 und IL-23: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa (CED) nach Versagen konventioneller Therapie; Ustekinumab auch in der Schwangerschaft möglich.
  • IL-2R: Induktion nach Nierentransplantation, erlaubt einen verzögerten oder reduzierten Beginn der Calcineurin-Inhibitoren.
📖 Definition: Autoinflammatorische Erkrankung

Entzündung durch Fehlregulation der angeborenen Immunität, oft durch Mutationen im Inflammasom (etwa NLRP3), ohne Autoantikörper oder autoreaktive T-Zellen. Typisch sind Fieberschübe mit hohen Entzündungswerten, Schlüsselzytokin ist IL-1β.

Unerwünschte Wirkungen

Klasseneffekt ist die geschwächte Infektabwehr. Darüber hinaus spiegeln die UAW die physiologische Rolle des blockierten Zytokins.

Schema der unerwünschten Wirkungen: Interleukin-Inhibitoren, ausgehend vom Mechanismus, je Organ mit Piktogramm (Atmung, Haut, Blut, Leber, Magen-Darm).

Targettypische unerwünschte Wirkungen der Interleukin-Inhibitoren.
UAW warum
Immunsystem
Infektionen, TB-Reaktivierung (alle) Zytokinabwehr ↓; vor Beginn TB- und Hepatitis-B-Screening
Haut
Lokalreaktionen (s.c., Anakinra häufig) Proteininjektion, bei Anakinra täglich
Blut · Leber
Neutropenie, Transaminasen ↑ (IL-6, IL-1) Mobilisierung von Neutrophilen ↓
Stoffwechsel
LDL und Triglyceride ↑ (IL-6) entzündungsbedingte Lipidsenkung fällt weg
Magen-Darm
Divertikelperforation (IL-6) Warnsymptome und CRP maskiert
Immunsystem · Haut
Mukokutane Candidosen (IL-17) IL-17 ist zentral für die Candida-Abwehr an Haut und Schleimhaut
Magen-Darm
CED-Exazerbation (IL-17) IL-17A stabilisiert die Darmbarriere

CRP-Maskierung: Unter IL-6-Blockade bleiben CRP und oft auch Fieber trotz schwerer Infektion niedrig, weil die hepatische CRP-Synthese fast vollständig IL-6-abhängig ist. Ein normales CRP schließt eine Infektion dann nicht aus, die Beurteilung stützt sich auf die Klinik.

Kontraindikationen und Wechselwirkungen

Kontraindikationen leiten sich aus der Immunsuppression und aus dem Target ab.

  • Aktive schwere Infektion, unbehandelte TB: würde durch die Immunsuppression verschlimmert.
  • Lebendimpfstoffe: kontraindiziert wegen Impfinfektion; Totimpfstoffe möglichst vor Therapiebeginn.
  • CED (IL-17A-Hemmer): relative KI, weil die Blockade die Darmbarriere schwächt.
  • Divertikulitis (IL-6-Hemmer): Perforationsrisiko bei maskierten Symptomen.
  • Kombination mehrerer Biologika: additive Infektgefahr.
  • CYP-Normalisierung nach IL-6-Blockade: IL-6 unterdrückt in der Entzündung CYP3A4, 2C9, 2C19 und 1A2. Unter Tocilizumab steigt deren Aktivität wieder → Spiegel von Substraten mit enger Breite (Ciclosporin, Phenprocoumon, Theophyllin) und von Simvastatin fallen, noch Wochen nach Absetzen.
Fall aus der Apotheke
Tocilizumab bei Antikoagulation

Eine Patientin mit rheumatoider Arthritis und Vorhofflimmern ist stabil auf Phenprocoumon eingestellt und erhält neu Tocilizumab s.c. Wochen später berichtet sie, der Hausarzt habe bei Husten und Fieber ein normales CRP gemessen.

  1. Was ist bei Phenprocoumon zu beachten?
  2. Wie ist das normale CRP zu bewerten?
Lösung anzeigen
  1. Die entzündungsbedingt unterdrückte Expression von CYP2C9 und CYP3A4 normalisiert sich unter IL-6-Blockade. Phenprocoumon wird schneller abgebaut, die INR kann fallen, daher in den ersten Wochen engmaschig kontrollieren.
  2. Das ist CRP-Maskierung: Die hepatische CRP-Synthese hängt an IL-6. Ein normales CRP schließt die Infektion nicht aus, die Patientin soll die Symptome ärztlich abklären lassen.

Unterschiede innerhalb der Klasse

Die Infektanfälligkeit teilen alle, Indikation und typische UAW hängen am Target.

Target Vertreter Kernindikation typische UAW
IL-6R Tocilizumab RA, Riesenzellarteriitis CRP-Maskierung, Lipide ↑
IL-1 Anakinra, Canakinumab autoinflammatorische Erkrankungen Lokalreaktionen, Neutropenie
IL-17A Secukinumab Psoriasis, PsA, axiale SpA Candidosen, CED-Schub
IL-12/23 (p40) Ustekinumab Psoriasis, PsA, CED Infektionen, sonst gut verträglich
IL-2R Basiliximab Nierentransplantation selten Überempfindlichkeit

Bei axialer SpA wirkt Secukinumab, Ustekinumab dagegen nicht, weil IL-17 an der Enthese weitgehend IL-23-unabhängig gebildet wird. Bei der RA ist die IL-6R-Blockade als Monotherapie robust wirksam, während TNF-α-Antagonisten deutlich von begleitendem MTX profitieren.

Prüferinnenfrage
Warum setzt man bei Morbus Crohn IL-23-Hemmer ein, IL-17-Hemmer aber nicht?
Antwort anzeigen

IL-17A hat im Darm eine protektive Barrierefunktion: Es stabilisiert Tight Junctions und fördert Mucin und antimikrobielle Peptide, teils gebildet von IL-23-unabhängigen Zellen. Blockiert man IL-17A direkt, bricht diese Barriere weg und die CED verschlechtert sich. IL-23-Hemmer setzen weiter oben an, dämpfen pathogene Th17- und Th1-Zellen samt IL-22 und IFN-γ und lassen die IL-23-unabhängige Barriere-IL-17 weitgehend intakt.

Schema der IL-23/IL-17-Achse im Darmepithel mit pathogenem und protektivem IL-17-Weg und den Angriffspunkten von IL-23- und IL-17A-Hemmern.

IL-23-Hemmer dämpfen die pathogene Achse, IL-17A-Blockade trifft auch das barriereschützende IL-17A: unterschiedliche Folgen für die Darmbarriere.

Teste dich

Teste dich mit 11 Karten
wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Lückentext

Zuordnen

Aussage 3

Unter IL-6-Blockade sinken LDL und Triglyceride.

LDL und Triglyceride steigen, weil die entzündungsbedingte Lipidsenkung durch IL-6 wegfällt.

Aussage 4

Basiliximab depletiert aktivierte T-Zellen und kann ein Zytokinfreisetzungssyndrom auslösen.

Basiliximab blockiert CD25 ohne Depletion, daher kommt es nicht zum Zytokinfreisetzungssyndrom.

Wer bin ich?

Warum?

Aussage 7

Tocilizumab bindet sowohl den löslichen als auch den membranständigen IL-6-Rezeptor.

Dadurch hemmt es klassisches Signaling und Trans-Signaling über gp130.

Aussage 8

Anakinra blockiert den IL-1-Rezeptor Typ 1 und hemmt dadurch die Wirkung von IL-1α und IL-1β.

Als rekombinanter IL-1-Rezeptorantagonist besetzt Anakinra IL-1R1 und blockiert beide IL-1-Formen, während Canakinumab nur IL-1β neutralisiert.

Aussage 9

Lebendimpfstoffe sind unter Interleukin-Inhibitoren kontraindiziert.

Wegen der Immunsuppression droht eine Impfinfektion. Totimpfstoffe sollen möglichst vor Therapiebeginn gegeben werden.

Aussage 10

Ustekinumab bindet die p19-Untereinheit und hemmt selektiv IL-23.

Ustekinumab bindet die gemeinsame Untereinheit p40 und hemmt damit IL-12 und IL-23. Selektiv über p19 wirkt Risankizumab.

Prüferin fragt

Fehler entdeckt oder eine Idee? Wir verbessern die Inhalte laufend. Melde es uns gerne über dieses Formular ❤️

Teile der Inhalte wurden mithilfe von KI-Systemen erstellt und werden fortlaufend redaktionell geprüft. Trotz Sorgfalt können Fehler enthalten sein. Wichtige Informationen bitte anhand offizieller Quellen prüfen. Relaxed ins Stex ist ein unabhängiges Angebot und steht in keiner Kooperation mit dem IMPP. Das Angebot ist weder vom IMPP autorisiert noch mit diesem verbunden.

Zurück nach oben