Arzneistoffe

TNF-α-Antagonisten

TNF-α-Antagonisten neutralisieren den Tumornekrosefaktor α und sind die meistverwendeten Biologika bei RA, Spondyloarthritiden, Psoriasis und CED. Kern sind die Strukturtypen (Fc-haltiger Antikörper, Fab’-Fragment, Rezeptor-Fusionsprotein), die Unterschiede bei CED und in der Schwangerschaft erklären, sowie Infektionen und Tuberkulose-Reaktivierung.

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Dein roter Faden7 Punkte
  • Einordnung: TNF-α-Antagonisten sind die erste und meistverwendete bDMARD-Klasse und schalten ein Schlüsselzytokin der chronischen Entzündung aus.
  • Mechanismus: Antikörper neutralisieren lösliches und membranständiges TNF-α, Etanercept fängt als TNFR2-Fc-Köderrezeptor v. a. lösliches TNF-α ab; dadurch sinken IL-1, IL-6, MMP und RANKL.
  • Strukturtypen: chimär (Infliximab), human (Adalimumab, Golimumab), PEG-Fab’ ohne Fc (Certolizumab pegol), Rezeptor-Fusionsprotein (Etanercept).
  • Indikationen: RA nach csDMARD-Versagen mit MTX, Spondyloarthritiden und Psoriasis-Arthritis, Psoriasis, CED (nur Antikörper), Uveitis (Adalimumab).
  • UAW: Infektionen und Reaktivierung latenter Tuberkulose (Granulomerhalt), HBV-Reaktivierung, Infusionsreaktionen, paradoxe Psoriasis, Lupus, Herzinsuffizienz-Verschlechterung, Demyelinisierung.
  • KI und WW: aktive Tuberkulose, schwere Infektionen, NYHA III/IV, Demyelinisierung; keine Lebendimpfstoffe, keine Kombination mit anderen Biologika; vorher TB- und HBV-Screening.
  • Unterschiede: Etanercept unwirksam bei CED, Certolizumab ohne Fc in der Schwangerschaft bevorzugt, Infliximab wegen ADA mit MTX oder Thiopurin.

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Überblick

TNF-α-Antagonisten (TNF-Inhibitoren, TNFi) sind Biologika, die den Tumornekrosefaktor α neutralisieren und damit ein Schlüsselzytokin chronischer Entzündung ausschalten. Sie waren die erste Klasse biologischer DMARD (bDMARD, disease-modifying antirheumatic drugs) und sind bis heute die meistverwendete. Allgemeines zu Biologika steht unter Biologika und Biosimilars.

  • Zwei Bauprinzipien: monoklonale Antikörper (vollständig oder als Fab’-Fragment) und ein löslicher TNF-Rezeptor als Fusionsprotein (Etanercept).
  • Gezielt statt breit: blockieren ein einzelnes Zytokin statt der Lymphozytenproliferation; das Infektionsrisiko steigt trotzdem deutlich.
  • Krankheitsmodifizierend: bremsen neben der Entzündung die radiologische Gelenkdestruktion.
  • Stellenwert: Eskalation nach Versagen von csDMARD bzw. NSAR.

Leitsubstanz ist Adalimumab, ein vollhumaner IgG1-Antikörper mit dem breitesten Indikationsspektrum der Klasse.

Adalimumab
TNF-α-Antagonisten · Leitsubstanz
  • Prinzip: humaner IgG1-Antikörper gegen lösliches und membranständiges TNF-α
  • Kinetik: s.c. per Fertigpen; Halbwertszeit etwa zwei Wochen durch FcRn-Recycling
  • Einsatz: RA, axiale Spondyloarthritis, Psoriasis-Arthritis, Psoriasis, M. Crohn, Colitis ulcerosa, nichtinfektiöse Uveitis
  • Besonderheit: zahlreiche Biosimilars; Anti-Drug-Antikörper trotz humaner Sequenz möglich

Vertreter

Alle Vertreter fangen TNF-α ab. Sie unterscheiden sich im Aufbau: chimäre oder humane Sequenz, mit oder ohne Fc-Teil, Antikörper oder Rezeptor. Davon hängen Immunogenität, Plazentagängigkeit und Indikationsspektrum ab.

Fünf schematische Moleküle nebeneinander: drei vollständige IgG1-Antikörper, davon einer chimär, ein PEGyliertes Fab'-Fragment ohne Fc-Teil und ein Fusionsprotein aus TNF-Rezeptor und Fc-Teil.

Strukturtypen der TNF-α-Antagonisten im Vergleich
Wirkstoffe
Chimärer IgG1-Antikörper
Infliximab i.v., auch s.c.
Humane IgG1-Antikörper
Adalimumab
Golimumab
PEGyliertes Fab’-Fragment
Certolizumab pegol ohne Fc-Teil
Rezeptor-Fusionsprotein
Etanercept TNFR2 mit Fc-Teil

Wirkmechanismus

TNF-α stammt vor allem aus aktivierten Makrophagen und T-Zellen und wirkt als Trimer über TNFR1 (p55, ubiquitär) und TNFR2 (p75, v. a. Immun- und Endothelzellen).

📖 Definition: Lösliches vs. membranständiges TNF-α

TNF-α entsteht als membranständiges Trimer (mTNF), das im Zellkontakt wirkt und selbst Signale in die tragende Zelle leiten kann (reverse signaling). Die Protease TACE (ADAM17) spaltet es ab; lösliches TNF-α (sTNF) wirkt systemisch, v. a. über TNFR1.

Die Rezeptorbindung startet eine sich selbst verstärkende Kaskade:

  1. Signal: TNFR1 → NF-κB- und MAP-Kinase-Aktivierung
  2. Zytokinkaskade: IL-1, IL-6, Chemokine, Adhäsionsmoleküle ↑ → Leukozyteneinstrom, CRP ↑
  3. Destruktion: Matrixmetalloproteinasen → Knorpelabbau; RANKL ↑ → Osteoklasten → Erosionen

Die Antikörper binden sTNF und mTNF hochaffin und verhindern die Rezeptorbindung. Fc-haltige Antikörper lösen an mTNF-tragenden Zellen zusätzlich Zytotoxizität aus und treiben aktivierte T-Zellen über reverse signaling in die Apoptose. Etanercept ist ein dimeres Fusionsprotein aus TNFR2 und IgG1-Fc: ein Köderrezeptor, der sTNF und Lymphotoxin-α abfängt, mTNF aber weniger stabil bindet.

Schema: Immunzelle mit membranständigem TNF-α, Spaltung durch TACE zu löslichem TNF-α, Bindung an TNFR1 und TNFR2 mit nachgeschalteter Entzündungskaskade; Antikörper binden lösliches und membranständiges TNF-α, Etanercept vor allem lösliches.

TNF-α-Signalweg und Angriffspunkte der TNF-α-Antagonisten

Wirkungen und Anwendung

Die Blockade wirkt antientzündlich und strukturerhaltend: CRP und Gelenkschwellung sinken rasch, die radiologische Progression wird gebremst.

  • Rheumatoide Arthritis: nach Versagen der optimierten csDMARD-Strategie, mit MTX kombiniert (Rheumatoide Arthritis)
  • Spondyloarthritiden und Psoriasis-Arthritis: bei hoher Aktivität trotz NSAR erste Biologika-Option (Spondyloarthritiden)
  • Psoriasis: wenn andere Systemtherapien versagen oder ungeeignet sind, Adalimumab mit der stärksten Empfehlung (Psoriasis)
  • CED: Infliximab, Adalimumab, Golimumab (nur Colitis ulcerosa) bei steroidrefraktärem Verlauf und zur Remissionserhaltung (CED, Alternativen unter Biologika bei CED)
  • Nichtinfektiöse Uveitis: Adalimumab

Pharmakokinetik

Als große Proteine werden TNFi parenteral gegeben und wie Immunglobuline abgebaut.

  • Applikation: Infliximab als i.v.-Infusion (auch s.c.), alle übrigen s.c. zur Selbstinjektion
  • Halbwertszeit: FcRn rettet Fc-haltige IgG vor lysosomalem Abbau → etwa zwei Wochen, Golimumab nur monatlich; Etanercept kürzer → wöchentlich; Certolizumab durch PEG verlängert
  • Elimination: proteolytisch, kein CYP, nicht renal
  • Anti-Drug-Antikörper (ADA): v. a. gegen den murinen Anteil von Infliximab → Wirkverlust, Infusionsreaktionen; MTX oder Azathioprin senken die ADA-Bildung
  • Plazenta: FcRn transportiert Fc-haltige Wirkstoffe aktiv, besonders im dritten Trimenon; Certolizumab ohne Fc kaum

Unerwünschte Wirkungen

Fast alle unerwünschten Wirkungen folgen daraus, dass TNF-α für die Abwehr intrazellulärer Erreger und die Immunregulation gebraucht wird.

Schema der unerwünschten Wirkungen: TNF-α-Antagonisten, ausgehend vom Mechanismus, je Organ mit Piktogramm (Atmung, Leber, Haut, Blut, Herz, ZNS).

Unerwünschte Wirkungen der TNF-α-Antagonisten, geordnet nach Mechanismus und betroffenem Organ
UAW warum
Immunsystem
Infektionen (auch opportunistisch: Listerien, Pilze, Zoster) TNF aktiviert Makrophagen, rekrutiert Neutrophile
Immunsystem
Reaktivierung latenter Tuberkulose, oft extrapulmonal TNF hält das Granulom aufrecht, das Mykobakterien einschließt
Immunsystem
Hepatitis-B-Reaktivierung geschwächte Kontrolle der Virusreplikation
Immunsystem
Infusions- und Injektionsreaktionen ADA gegen chimären Infliximab; s.c. lokal
Herz · ZNS
Herzinsuffizienz-Verschlechterung, Demyelinisierung in Studien beobachtet, Mechanismus ungeklärt
Haut
Paradoxe Psoriasis fehlende TNF-Bremse → plasmazytoide dendritische Zellen bilden mehr IFN-α
Immunsystem
Medikamenteninduzierter Lupus (ANA, Anti-dsDNA) Autoantikörperbildung, reversibel
Immunsystem
Malignome (weißer Hautkrebs, Lymphome) verminderte Tumorüberwachung

Kontraindikationen und Wechselwirkungen

Kontraindiziert ist die TNF-Blockade dort, wo sie eine bestehende Erkrankung verschlimmert.

  • Aktive Tuberkulose, schwere Infektionen: Erregerkontrolle bricht zusammen
  • Herzinsuffizienz NYHA III/IV: Dekompensation möglich
  • Demyelinisierende Erkrankungen (MS, Optikusneuritis): Schubauslösung
  • Lebendimpfstoffe: Gefahr der Impfinfektion, daher vor Therapiestart impfen; Totimpfstoffe sind möglich
  • Andere Biologika (Abatacept, Anakinra): mehr schwere Infektionen ohne Wirkgewinn
  • Thiopurine, MTX: gewollt gegen ADA, aber additiv immunsuppressiv; Thiopurin plus TNFi selten hepatosplenales T-Zell-Lymphom bei jungen Männern
⚠️ Achtung: Screening vor Therapiestart

Vor jeder TNF-Blockade wird eine latente Tuberkulose ausgeschlossen bzw. behandelt (Tuberkulose), ebenso eine HBV-Infektion (Hepatitis B).

Unterschiede innerhalb der Klasse

Die Struktur erklärt die Unterschiede: Fc-Teil, Fab’-Fragment oder Rezeptor entscheiden über Immunogenität, Plazentagängigkeit und Wirksamkeit bei CED.

Wirkstoff Struktur Applikation CED Besonderheit
Infliximab chimärer IgG1-AK i.v. (auch s.c.) ja mit MTX oder Thiopurin gegen ADA
Adalimumab humaner IgG1-AK s.c. ja auch Uveitis
Golimumab humaner IgG1-AK s.c., monatlich nur Colitis ulcerosa längstes Intervall
Certolizumab pegol PEG-Fab’, kein Fc s.c. nein kaum plazentagängig
Etanercept TNFR2-Fc s.c., wöchentlich nein geringeres TB-Risiko
Prüferinnenfrage
Warum wirkt Etanercept bei Morbus Crohn nicht, obwohl es TNF-α neutralisiert?
Antwort anzeigen

Etanercept bindet lösliches TNF-α gut, membranständiges aber weniger stabil. Die Antikörper binden mTNF auf aktivierten T-Zellen der Darmschleimhaut fest und treiben sie über reverse signaling in die Apoptose, was als entscheidend für die Wirkung bei CED gilt. Bei Spondyloarthritis mit begleitender CED sind deshalb Antikörper vorzuziehen.

In der Schwangerschaft ist Certolizumab pegol bevorzugt, weil ihm der Fc-Teil für den FcRn-Transport fehlt. Nach Fc-haltigen TNFi im dritten Trimenon erhält der Säugling in den ersten Lebensmonaten keine Lebendimpfstoffe.

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wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Warum?

Reihenfolge

Wer bin ich?

Zuordnen

Aussage 5

TNF-α-Antagonisten werden über CYP3A4 abgebaut und interagieren daher mit Azol-Antimykotika.

Als Proteine werden sie proteolytisch abgebaut, ohne CYP und ohne renale Elimination; CYP-Interaktionen spielen keine Rolle.

Aussage 6

Unter TNF-Blockade sind Lebendimpfstoffe kontraindiziert, Totimpfstoffe dagegen möglich.

Lebendimpfstoffe können unter Immunsuppression eine Impfinfektion auslösen und sollten vor Therapiestart gegeben werden.

Aussage 7

Etanercept ist ein Fusionsprotein aus dem TNF-Rezeptor 2 (p75) und dem Fc-Teil von IgG1.

Etanercept ist kein Antikörper, sondern ein dimerer löslicher TNFR2, der als Köderrezeptor TNF-α und Lymphotoxin-α abfängt.

Aussage 8

Die paradoxe Psoriasis unter TNF-Blockade wird mit einer vermehrten IFN-α-Bildung plasmazytoider dendritischer Zellen erklärt.

TNF-α bremst normalerweise die IFN-α-Bildung; fällt diese Bremse weg, kann eine Psoriasis neu auftreten.

Aussage 9

Certolizumab pegol passiert die Plazenta in hohem Maß, weil die PEGylierung den FcRn-Transport verstärkt.

Certolizumab pegol fehlt der Fc-Teil, daher wird es nicht über FcRn transportiert und ist kaum plazentagängig; deshalb wird es in der Schwangerschaft bevorzugt.

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