Arzneistoffe

Allylamine und lokale Antimykotika

Allylamine (Terbinafin, Naftifin), Amorolfin und Ciclopirox sind die wichtigsten Nicht-Azol-Mittel gegen Dermatomykosen. Den Kern bilden die Hemmung der Squalenepoxidase mit fungizider Squalenakkumulation, die Keratophilie von Terbinafin und seine CYP2D6-Hemmung.

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Dein roter Faden7 Punkte
  • Einordnung: Allylamine (Terbinafin, Naftifin), Amorolfin und Ciclopirox sind neben den Azolen die Basis der Therapie von Dermatomykosen, nur Terbinafin wird auch oral gegeben.
  • Mechanismus: Allylamine hemmen nichtkompetitiv die pilzliche Squalenepoxidase, Ergosterolmangel wirkt fungistatisch, die Squalenakkumulation fungizid.
  • Andere Angriffspunkte: Amorolfin hemmt Δ14-Reduktase und Δ7-Δ8-Isomerase, Ciclopirox chelatiert Fe³⁺ und Al³⁺ und hemmt metallabhängige Enzyme.
  • Anwendung: Tinea topisch, Dermatophyten-Onychomykose mit Matrixbefall oral mit Terbinafin, begrenzter distaler Befall mit Nagellack; gegen Hefen sind Allylamine schwächer.
  • Keratophilie: Terbinafin reichert sich in Haut und Nägeln an und wirkt dort noch Monate nach Therapieende, bei sehr langer terminaler Halbwertszeit.
  • UAW und KI: Geschmacksstörungen, seltene idiosynkratische Hepatotoxizität und Hautreaktionen; kontraindiziert bei Lebererkrankung.
  • CYP2D6: Terbinafin hemmt CYP2D6 stark und anhaltend, Spiegel von Trizyklika und Metoprolol steigen, Codein und Tamoxifen werden schlechter aktiviert.

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Überblick

Allylamine hemmen die pilzliche Squalenepoxidase, einen frühen Schritt der Ergosterolsynthese, und wirken gegen Dermatophyten fungizid. Zusammen mit Amorolfin und Ciclopirox bilden sie neben den Azol-Antimykotika die Basis der Therapie von Dermatomykosen.

  • Früher Angriff: vor der Lanosterol-14α-Demethylase der Azole, deshalb staut sich Squalen an.
  • Spektrum: stark gegen Dermatophyten, schwächer gegen Hefen.
  • Lokal und systemisch: Naftifin, Amorolfin und Ciclopirox nur topisch, Terbinafin auch oral.

Terbinafin ist der typische Vertreter und das einzige oral verfügbare Allylamin.

Strukturformel von Terbinafin
Terbinafin
Allylamine · Leitsubstanz
  • Prinzip: nichtkompetitive Hemmung der Squalenepoxidase → Ergosterol ↓, Squalen ↑, fungizid gegen Dermatophyten.
  • Kinetik: stark lipophil und keratophil, sehr lange terminale Halbwertszeit, starker CYP2D6-Hemmer.
  • Einsatz: oral bei Dermatophyten-Onychomykose und ausgedehnter Tinea, topisch bei Tinea pedis und corporis.
  • Besonderheit: Geschmacksstörungen und seltene, idiosynkratische Hepatotoxizität.

Vertreter

Die Vertreter unterscheiden sich im Angriffspunkt und in der Arzneiform. Allylamine und Amorolfin stören die Ergosterolsynthese, Ciclopirox wirkt als Metallchelator. Für den Nagel stehen Amorolfin und Ciclopirox als Nagellack zur Verfügung.

Wirkstoffe
Strukturformel von Terbinafin
Allylamine Terbinafin oral und topisch
Strukturformel von Naftifin
Allylamine Naftifin nur topisch
Strukturformel von Amorolfin
Morpholine Amorolfin v. a. Nagellack
Strukturformel von Ciclopirox
Hydroxypyridone Ciclopirox Nagellack, Creme, Shampoo

Wirkmechanismus

Die Squalenepoxidase (Squalen-Monooxygenase) ist ein flavinabhängiges Enzym des endoplasmatischen Retikulums. Sie oxidiert Squalen zu 2,3-Oxidosqualen, der Vorstufe des Lanosterols, und liegt damit vor dem Angriffspunkt der Azole. Allylamine hemmen das Pilzenzym nichtkompetitiv und weit stärker als das Säugerenzym, die Cholesterolsynthese des Menschen bleibt daher unbeeinflusst.

Schema der Ergosterolsynthese mit markierten Enzymen und den hemmenden Wirkstoffklassen Allylamine, Azole und Morpholine.

Angriffspunkte in der Ergosterolsynthese: Allylamine früh, Azole in der Mitte, Morpholine spät; Ciclopirox wirkt davon unabhängig als Metallchelator.
  1. Enzymhemmung: Squalen wird nicht mehr zu 2,3-Oxidosqualen umgesetzt.
  2. Ergosterolmangel: Membranfluidität und membranständige Enzyme gestört → Wachstum gehemmt (fungistatisch).
  3. Squalenakkumulation: Squalen lagert sich in Lipidvesikel und Membranen ein → Membranschaden, Zelltod (fungizid).

Die beiden anderen Lokalmittel greifen an anderer Stelle an:

  • Amorolfin (Morpholin): hemmt späte Schritte, die Δ14-Reduktase und die Δ7-Δ8-Isomerase → Ergosterol ↓, atypische Sterole ↑.
  • Ciclopirox (Hydroxypyridon): chelatiert über die N-Hydroxypyridon-Gruppe dreiwertige Kationen (Fe³⁺, Al³⁺) und hemmt so metallabhängige Enzyme wie Katalase, Peroxidasen und Cytochrome der Atmungskette; kein Eingriff in die Sterolsynthese, Resistenzen kaum bekannt.
Prüferinnenfrage
Warum wirkt Terbinafin gegen Dermatophyten fungizid, die Azole aber überwiegend fungistatisch?
Antwort anzeigen

Beide erzeugen einen Ergosterolmangel, und der allein hemmt nur das Wachstum. Terbinafin blockiert vor dem Lanosterol, so dass sich Squalen in toxischer Menge anstaut und die Membran zerstört. Die Azole hemmen erst die 14α-Demethylase; die angehäuften methylierten Sterole stoppen das Wachstum, töten die Zelle aber meist nicht ab.

Wirkungen und Anwendung

Hauptindikation sind Dermatomykosen durch Dermatophyten (Trichophyton, Epidermophyton, Microsporum).

  • Tinea pedis, corporis, cruris: topisch Terbinafin oder Naftifin; die fungizide Wirkung erlaubt kurze Behandlungsdauern.
  • Onychomykose systemisch: orales Terbinafin ist Mittel der Wahl bei Dermatophytenbefall mit Matrixbeteiligung oder mehreren Nägeln.
  • Antimykotischer Nagellack: Amorolfin oder Ciclopirox bei begrenztem distalem Befall, auch ergänzend zur oralen Therapie.
  • Hefen: gegen Candida wirken Allylamine schwächer, weil deren Squalenepoxidase weniger empfindlich ist; bei Candida-Onychomykose ist Terbinafin nur zweite Wahl. Ciclopirox erfasst Hefen gut, auch Malassezia.
  • Selbstmedikation: topisches Terbinafin und die Nagellacke sind rezeptfrei, orales Terbinafin ist verschreibungspflichtig.

Pharmakokinetik

Die Kinetik von oralem Terbinafin erklärt die lange Wirkung im Nagel und die anhaltenden Wechselwirkungen.

📖 Definition: Keratophilie

Anreicherung eines lipophilen Arzneistoffs in keratinhaltigem Gewebe (Stratum corneum, Haar, Nagel) über Talg und Basalzellen; der Wirkstoff persistiert dort weit über das Therapieende hinaus.

  • Verteilung: stark lipophil, hohe Plasmaproteinbindung, Anreicherung in Fettgewebe, Haut und Nägeln → Wirkung im Nagel noch Monate nach Therapieende.
  • Elimination: Abbau über mehrere CYP (u. a. CYP2C9, CYP1A2, CYP3A4), Metaboliten renal; sehr lange terminale Halbwertszeit durch Rückverteilung aus dem Gewebe.
  • CYP2D6: kein relevantes Substrat, aber starker Hemmstoff, der über das Absetzen hinaus wirkt.
  • Topika: kaum systemische Aufnahme; Nagellack hinterlässt einen wirkstoffreichen Film, aus dem der Wirkstoff in die Nagelplatte diffundiert.

Unerwünschte Wirkungen

Topisch sind alle Vertreter gut verträglich. Die relevanten UAW betreffen orales Terbinafin und sind überwiegend idiosynkratisch, also nicht aus der Hemmung des kaum betroffenen menschlichen Enzyms ableitbar.

UAW warum
Magen-Darm
Gastrointestinale Beschwerden häufig (oral)
Mund
Geschmacksstörung bis -verlust häufig (oral)
Leber
Hepatotoxizität selten (oral)
Haut
Hautreaktionen gelegentlich Exanthem, sehr selten SJS/TEN, DRESS
Haut
Lokale Reizung Topika

Kontraindikationen und Wechselwirkungen

Kontraindikationen betreffen fast nur orales Terbinafin; Topika sind nur bei Überempfindlichkeit ausgeschlossen.

  • Lebererkrankung: chronisch oder aktiv kontraindiziert, weil Terbinafin hepatisch abgebaut wird und selbst hepatotoxisch sein kann.
  • Niereninsuffizienz: bei deutlich eingeschränkter Funktion nicht empfohlen (renale Ausscheidung der Metaboliten).
  • Stillzeit: orales Terbinafin meiden, es geht in die Muttermilch über.
  • CYP2D6-Substrate: Spiegel ↑ von trizyklischen Antidepressiva, Metoprolol, Flecainid, Propafenon; Wirkung ↓ bei Prodrugs, die CYP2D6 aktiviert (Codein, Tramadol, Tamoxifen), siehe Arzneimittelwechselwirkungen.
  • Terbinafin als Opfer: Rifampicin senkt, Fluconazol erhöht seine Spiegel.
⚠️ Achtung: Anhaltende CYP2D6-Hemmung

Terbinafin macht Normalmetabolisierer funktionell zu Langsam-Metabolisierern, wegen der Gewebepersistenz noch Wochen nach dem Absetzen. Neue CYP2D6-Substrate vorsichtig einschleichen, Kombination mit Tamoxifen oder Codein meiden.

Unterschiede innerhalb der Klasse

Die Lokalmittel unterscheiden sich vor allem in Spektrum und Arzneiform; die Wahl folgt Erreger und Ort.

Wirkstoff Angriff Spektrum Besonderheit
Terbinafin Squalenepoxidase Dermatophyten stark, Hefen schwächer auch oral
Naftifin Squalenepoxidase wie Terbinafin nur topisch, leicht antiphlogistisch
Amorolfin Δ14-Reduktase, Δ7-Δ8-Isomerase breit inkl. Hefen und Schimmelpilze Nagellack
Ciclopirox Metallchelatierung breit inkl. Hefen, Malassezia, einige Bakterien antiphlogistisch, Nagellack, Shampoo

Nagellack erreicht die Nagelmatrix kaum und genügt nur bei distalem Befall weniger Nägel. Orales Terbinafin gelangt über Blut und Matrix in den nachwachsenden Nagel und ist bei Matrixbefall nötig; der Therapieerfolg zeigt sich erst, wenn der gesunde Nagel nachgewachsen ist.

Schnitt durch einen Finger- oder Zehennagel mit Pfeilen für den Weg des Nagellacks von außen und des oralen Wirkstoffs über die Matrix.

Topische und systemische Therapie der Onychomykose erreichen den Nagel auf unterschiedlichen Wegen.

Teste dich

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wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Aussage 1

Die fungizide Wirkung der Allylamine beruht vor allem auf der Akkumulation von Squalen.

Der Ergosterolmangel allein hemmt nur das Wachstum, das angestaute Squalen schädigt die Membran und tötet die Zelle.

Lückentext

Aussage 3

Ciclopirox hemmt wie die Azole die Lanosterol-14α-Demethylase.

Ciclopirox greift nicht in die Sterolsynthese ein, sondern chelatiert dreiwertige Kationen wie Fe³⁺ und hemmt metallabhängige Enzyme.

Aussage 4

Terbinafin hemmt die menschliche Squalenepoxidase ähnlich stark wie das Pilzenzym und senkt deshalb das Cholesterol.

Allylamine hemmen das Pilzenzym weit stärker als das Säugerenzym, die menschliche Cholesterolsynthese bleibt unbeeinflusst.

Zuordnen

Aussage 6

Bei einer Candida-Onychomykose ist orales Terbinafin Mittel der ersten Wahl.

Wegen der geringeren Aktivität gegen Candida ist Terbinafin hier nur zweite Wahl. Erste Wahl ist es bei der Dermatophyten-Onychomykose.

Aussage 7

Amorolfin hemmt späte Schritte der Ergosterolsynthese, die Δ14-Reduktase und die Δ7-Δ8-Isomerase.

Als Morpholin greift Amorolfin nach dem Lanosterol an, es fehlt Ergosterol und atypische Sterole häufen sich an.

Aussage 8

Die CYP2D6-Hemmung durch Terbinafin kann noch Wochen nach dem Absetzen fortbestehen.

Wegen der Anreicherung im Gewebe und der sehr langen terminalen Halbwertszeit bleibt die Hemmung lange bestehen.

Warum?

Prüferin fragt

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