Arzneistoffe

Azol-Antimykotika

Azol-Antimykotika hemmen die pilzeigene Lanosterol-14α-Demethylase (CYP51) und damit die Ergosterolsynthese. Den Kern bilden das Spektrum der einzelnen Triazole, ihre sehr unterschiedliche Kinetik und die CYP3A4-Hemmung als Quelle zahlreicher Wechselwirkungen.

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Dein roter Faden6 Punkte
  • Einordnung: Azole sind Ergosterol-Synthesehemmer; Imidazole wie Clotrimazol werden lokal, Triazole systemisch eingesetzt.
  • Mechanismus: Der Ring-Stickstoff bindet das Häm-Eisen der Lanosterol-14α-Demethylase (CYP51), Ergosterol fehlt, toxische 14α-Methylsterole häufen sich an; bei Hefen fungistatisch.
  • Spektrum: Fluconazol erfasst Candida und Kryptokokken (nicht C. krusei, keine Schimmelpilze), Voriconazol ist Erstlinie bei Aspergillose, Posaconazol und Isavuconazol erfassen auch Mucorales.
  • Kinetik: Fluconazol hydrophil und renal, Itraconazol säureabhängig resorbiert, Voriconazol nichtlinear über CYP2C19 mit TDM, Isavuconazol als wasserlösliches Prodrug.
  • UAW: Klassenweit Hepatotoxizität und QT-Verlängerung, bei Voriconazol Sehstörungen, Phototoxizität und Halluzinationen, bei Itraconazol negative Inotropie.
  • Wechselwirkungen: CYP3A4-Hemmung erhöht Simvastatin, Calcineurininhibitoren, Midazolam und DOAK; Induktoren führen zum Therapieversagen; QT-verlängernde CYP3A4-Substrate sind kontraindiziert, ebenso systemische Azole in der Schwangerschaft.

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Überblick

Azol-Antimykotika hemmen die pilzeigene Lanosterol-14α-Demethylase (CYP51) und unterbinden so die Bildung von Ergosterol, dem Leitsterol der Pilzmembran. Jedes Azol trägt einen fünfgliedrigen Stickstoffheterocyclus, der an das Häm-Eisen des Enzyms bindet. Nach diesem Ring unterscheidet man zwei Gruppen.

Strukturformeln von Imidazol, Triazol, Clotrimazol und Fluconazol mit hervorgehobenem bindendem Stickstoffatom

Imidazole tragen zwei, Triazole drei Stickstoffatome im Ring; das hervorgehobene N (N3 bzw. N4) bindet das Häm-Eisen von CYP51.
  • Imidazole: zwei N im Ring (Clotrimazol), wenig selektiv für Pilz-CYP51 → fast nur lokal bei Haut- und Vaginalmykosen.
  • Triazole: drei N im Ring, selektiver und metabolisch stabiler → die systemischen Azole, oral und i. v.
  • Abgrenzung: Polyene binden vorhandenes Ergosterol, Azole verhindern seine Bildung; daher bei Hefen nur fungistatisch.
  • Klassenproblem: Hemmung humaner CYP-Enzyme (v. a. CYP3A4) → viele Wechselwirkungen.

Der typische Vertreter ist Fluconazol, das gut verträgliche Triazol gegen Hefepilze.

Strukturformel von Fluconazol
Fluconazol
Azol-Antimykotika · Leitsubstanz
  • Prinzip: Triazol, hemmt CYP51 → Ergosterol ↓, fungistatisch gegen Candida und Kryptokokken.
  • Kinetik: hydrophil, oral nahezu vollständig bioverfügbar, liquorgängig, renal unverändert ausgeschieden.
  • Einsatz: Schleimhaut-Candidosen, Step-down bei Candidämie, Kryptokokkose.
  • Besonderheit: Lücken bei C. krusei, oft C. glabrata und allen Schimmelpilzen.

Vertreter

Die Vertreter unterscheiden sich vor allem im Spektrum: Fluconazol erfasst nur Hefen, die neueren Triazole auch Schimmelpilze. Gemeinsam ist ihnen der Angriff an CYP51, verschieden sind Resorption, Metabolismus und Stärke der CYP-Hemmung.

Wirkstoffe
Strukturformel von Clotrimazol
Imidazol, lokal Clotrimazol Haut, Vagina
Strukturformel von Fluconazol
Triazol, Hefen Fluconazol hydrophil, renal
Strukturformel von Itraconazol
Triazole mit Schimmelpilzwirkung Itraconazol Nägel, Dermatophyten
Strukturformel von Voriconazol
Triazole mit Schimmelpilzwirkung Voriconazol Aspergillus, TDM
Strukturformel von Posaconazol
Triazole mit Schimmelpilzwirkung Posaconazol Prophylaxe, Mucorales
Strukturformel von Isavuconazol
Triazole mit Schimmelpilzwirkung Isavuconazol Prodrug, Mucorales

Wirkmechanismus

Der Ergosterol-Biosyntheseweg entspricht bis zum Lanosterol der Cholesterolsynthese des Menschen. Erst danach zweigt er pilzspezifisch ab.

Schema des Ergosterol-Biosynthesewegs mit markierten Hemmstellen von Allylaminen an der Squalenepoxidase, Azolen an CYP51 und Bindung der Polyene an Ergosterol

Ergosterolsynthese und Angriffspunkte der Antimykotika: Azole hemmen die Lanosterol-14α-Demethylase (CYP51).
  1. Mevalonatweg: Acetyl-CoA → HMG-CoA → Mevalonat → Squalen.
  2. Squalenepoxidase: Squalen → 2,3-Oxidosqualen → Lanosterol (Angriff der Allylamine).
  3. CYP51: oxidative Abspaltung der 14α-Methylgruppe des Lanosterols (Angriff der Azole).
  4. Späte Schritte: Reduktionen und Isomerisierungen → Ergosterol, Einbau in die Membran.

Das freie Ring-Stickstoffatom (N-3 im Imidazol, N-4 im Triazol) koordiniert das Häm-Eisen von CYP51, der lipophile Rest besetzt die Substrattasche. Ergosterol fehlt, stattdessen häufen sich 14α-Methylsterole an, die über die Δ5,6-Desaturase (ERG3) zu einem toxischen Diol werden. Membranfluidität und membranständige Enzyme sind gestört: Hefen werden fungistatisch gehemmt, gegen Aspergillus wirken die neueren Triazole eher fungizid.

  • Target-Veränderung: Mutation oder Überexpression von ERG11 bzw. cyp51A (Aspergillus).
  • Efflux: ABC- und MFS-Transporter senken die intrazelluläre Konzentration.
  • Umgehung: ERG3-Verlust → kein toxisches Diol.
  • Intrinsisch: C. krusei resistent, C. glabrata oft vermindert empfindlich.
Prüferinnenfrage
Azole hemmen ein CYP-Enzym. Warum ist das für den Menschen nicht fatal?
Antwort anzeigen

Triazole hemmen die humane CYP51 um Größenordnungen schwächer als die Pilz-CYP51, weil ihr Rest auf die Substrattasche des Pilzenzyms zugeschnitten ist. Absolut ist die Selektivität nicht: Die Hemmung von CYP3A4, 2C9 und 2C19 erklärt die Wechselwirkungen. Imidazole sind weniger selektiv. Ketoconazol hemmt die Steroidsynthese der Nebenniere so stark, dass es systemisch nur noch bei Cushing-Syndrom eingesetzt wird.

Wirkungen und Anwendung

Das Spektrum bestimmt die Indikation, der Stellenwert bei den einzelnen Infektionen steht bei den Mykosen.

  • Fluconazol: Mittel der Wahl bei Soorösophagitis, systemisch bei oropharyngealer und vaginaler Candidose, Konsolidierung bei Kryptokokkose. Bei Candidämie nicht mehr initial (dort Echinocandine), sondern als orale Step-down-Therapie bei empfindlichem Erreger.
  • Itraconazol: Onychomykose (Dermatophyten, Candida), chronisch mukokutane Candidose.
  • Voriconazol: Erstlinie bei invasiver Aspergillose, wirkt auch gegen C. krusei.
  • Posaconazol: Prophylaxe invasiver Mykosen bei Hochrisikopatienten (lange Neutropenie, Graft-versus-Host-Erkrankung).
  • Isavuconazol: invasive Aspergillose und Mukormykose.
  • Clotrimazol: lokal bei Haut- und Vaginalmykosen, in der Schwangerschaft Mittel der Wahl bei Vaginalcandidose.

Pharmakokinetik

Die Triazole decken das ganze Spektrum von hydrophil-renal bis lipophil-hepatisch ab.

  • Fluconazol: klein und hydrophil, geringe Plasmaproteinbindung, liquor- und harngängig; renal unverändert → Dosis an die Nierenfunktion anpassen.
  • Itraconazol: sehr lipophil; Kapseln brauchen saures Milieu und Mahlzeit, Säureblocker senken die Resorption. Anreicherung im Keratin erlaubt Pulstherapie.
  • Voriconazol: sättigbarer Abbau über CYP2C19 → nichtlineare Kinetik; CYP2C19-Polymorphismus → TDM der Talspiegel.
  • Isavuconazol: wasserlösliches Prodrug (Isavuconazoniumsulfat), von Plasmaesterasen gespalten; linear, sehr lange Halbwertszeit.

Unerwünschte Wirkungen

Fluconazol ist gut verträglich, die breiter wirksamen Triazole haben eigene, teils spiegelabhängige UAW.

UAW warum
Leber
Hepatotoxizität (Klasse) Leberzellschaden, teils idiosynkratisch → Transaminasen kontrollieren
Herz
QT-Verlängerung (Klasse) Blockade kardialer hERG-K⁺-Kanäle; Isavuconazol verkürzt dagegen die QT-Zeit
Auge
Sehstörungen (Voriconazol) häufig, reversible Wirkung an der Retina kurz nach Gabe
Haut
Phototoxizität (Voriconazol) phototoxische Metabolite; Langzeit → Plattenepithelkarzinome der Haut, Lichtschutz
ZNS
Halluzinationen (Voriconazol) spiegelabhängig, v. a. bei langsamen CYP2C19-Metabolisierern
Herz
Negative Inotropie (Itraconazol) kann eine Herzinsuffizienz verschlechtern → dort meiden

Kontraindikationen und Wechselwirkungen

Die meisten Probleme entstehen, weil Azole auch humane CYP-Enzyme hemmen (Grundlagen).

  • CYP3A4-Hemmung: stark durch Itraconazol, Posaconazol, Voriconazol; moderat durch Fluconazol (zusätzlich CYP2C9, 2C19) und Isavuconazol.
  • Statine: Simvastatin ↑ → Rhabdomyolyse; mit starken Azolen kontraindiziert.
  • Calcineurininhibitoren: Ciclosporin, Tacrolimus ↑ → Nephrotoxizität; Dosis anpassen, Spiegel kontrollieren.
  • Midazolam, DOAK: Spiegel ↑ → verlängerte Sedierung bzw. Blutungsrisiko (Rivaroxaban, Apixaban).
  • Induktoren: Rifampicin, Carbamazepin, Johanniskraut → Azolspiegel ↓, Therapieversagen.
  • Schwangerschaft: systemische Azole kontraindiziert (teratogen), lokales Clotrimazol möglich.
⚠️ Achtung: QT-Risiko doppelt

CYP3A4-Substrate, die selbst die QT-Zeit verlängern (Pimozid, Chinidin), steigen im Spiegel und blockieren zusätzlich hERG: Gefahr von Torsade de pointes (Herzrhythmusstörungen). Mit starken Azolen kontraindiziert.

Unterschiede innerhalb der Klasse

Fluconazol erreicht die CYP51 der Schimmelpilze nicht ausreichend, Aspergillus ist intrinsisch resistent. Voriconazol, ein strukturell abgewandeltes Fluconazol, bindet auch Aspergillus-CYP51 und ist deshalb dort Erstlinie, während bei Candida Kinetik, Verträglichkeit und geringe Interaktionen für Fluconazol sprechen.

Vergleich der Strukturformeln von Fluconazol und Voriconazol mit hervorgehobenen Unterschieden und Spektrumbalken für Candida und Aspergillus

Vom Fluconazol zum Voriconazol: kleine Strukturänderung, Schimmelpilze im Spektrum.
Wirkstoff Spektrum Kinetik Interaktionen
Fluconazol Candida, Kryptokokken renal, liquorgängig moderat (3A4, 2C9)
Itraconazol plus Dermatophyten, Aspergillus säureabhängige Resorption stark (3A4)
Voriconazol plus C. krusei, Aspergillus nichtlinear, CYP2C19, TDM stark
Posaconazol breitestes, Mucorales mahlzeitabhängig stark (3A4)
Isavuconazol Aspergillus, Mucorales Prodrug, linear moderat, QT ↓

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wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Zuordnen

Aussage 2

Fluconazol wird überwiegend hepatisch über CYP2C19 abgebaut und zeigt eine nichtlineare Kinetik.

Das trifft auf Voriconazol zu. Fluconazol ist hydrophil und wird renal unverändert ausgeschieden, daher Dosisanpassung an die Nierenfunktion.

Warum?

Aussage 4

Candida krusei ist intrinsisch resistent gegen Fluconazol, wird aber von Voriconazol erfasst.

C. krusei gehört zu den Lücken von Fluconazol, Voriconazol wirkt dagegen.

Aussage 5

Die Resorption von Itraconazol-Kapseln sinkt unter Protonenpumpenhemmern.

Itraconazol-Kapseln brauchen ein saures Milieu und eine Mahlzeit, Säureblocker vermindern die Resorption.

Aussage 6

Azole binden direkt an Ergosterol in der Pilzmembran und bilden Poren.

Das ist der Mechanismus der Polyene. Azole hemmen die Lanosterol-14α-Demethylase (CYP51) und verhindern so die Bildung von Ergosterol.

Reihenfolge

Wer bin ich?

Aussage 9

Isavuconazol verlängert wie die übrigen Triazole die QT-Zeit.

Isavuconazol verkürzt die QT-Zeit, die übrigen Triazole verlängern sie durch hERG-Blockade.

Prüferin fragt

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