Krankheitsbilder

Ektoparasitosen

Skabies und Kopflausbefall sind die wichtigsten Ektoparasitosen in Deutschland. Im Kern geht es darum, wie Pyrethroide, Ivermectin und Dimeticon wirken, warum Permethrin bei Skabies Mittel der ersten Wahl ist und warum Wiederholungsbehandlung und Kontaktpersonen über den Erfolg entscheiden.

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Dein roter Faden6 Punkte
  • Einordnung: Skabies (Sarcoptes scabiei, Haut-zu-Haut-Kontakt) und Kopflausbefall (Kopf-zu-Kopf) sind die wichtigsten Ektoparasitosen, Kleider- und Filzläuse sind Randthemen.
  • Erreger und Zyklus: Die Milbe lebt im Stratum corneum, der Juckreiz beruht auf einer Typ-IV-Sensibilisierung und setzt bei Erstbefall erst nach Wochen ein; Läuselarven schlüpfen nach etwa einer Woche.
  • Angriffspunkte: Pyrethroide verzögern die Inaktivierung neuronaler Na⁺-Kanäle, Ivermectin öffnet glutamatgesteuerte Cl⁻-Kanäle, Dimeticon verschließt rein physikalisch die Tracheen der Laus.
  • Erstwahl Skabies: Permethrin topisch, weil skabizid und ovozid, kaum resorbiert und mit großer therapeutischer Breite; Ivermectin oral bei Immunsuppression, erosiver Haut oder nicht gesicherter Ganzkörperbehandlung, bei Scabies crustosa beide kombiniert.
  • Erstwahl Kopfläuse: häufig Dimeticon, weil Pyrethroid-Resistenzen durch kdr-Mutationen verbreitet sind; immer kombiniert mit nassem Auskämmen.
  • Wiederholung und Kontakte: Ivermectin und Läusemittel sind nicht sicher ovozid, daher Wiederholung (Läuse Tag 8 bis 10); bei Skabies alle engen Kontaktpersonen gleichzeitig mitbehandeln, anhaltender Juckreiz ist oft ein postskabiöses Ekzem.

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Überblick

Ektoparasitosen sind Infestationen von Haut oder Haaren durch Parasiten, die auf oder in der Epidermis leben. In Deutschland betreffen sie vor allem zwei Erreger, die überwiegend lokal mit neurotoxischen oder physikalisch wirkenden Mitteln behandelt werden.

  • Skabies (Krätze): Befall durch die Krätzmilbe Sarcoptes scabiei var. hominis, übertragen durch längeren Haut-zu-Haut-Kontakt. Typisch ist nächtlicher, in Bettwärme verstärkter Juckreiz an Fingerzwischenräumen, Handgelenken, Achseln, Mamillen, Nabel und Genitale. Gesichert wird die Diagnose u. a. dermatoskopisch (Milbe am Gangende).
  • Pediculosis capitis (Kopflausbefall): Befall durch Pediculus humanus capitis, übertragen direkt von Kopf zu Kopf, vor allem bei Kindern. Nachweis durch nasses Auskämmen mit einem Läusekamm.
  • Kleider- und Filzläuse: Kleiderläuse leben in Textilien, betreffen vor allem Menschen ohne Möglichkeit zur Wäschehygiene und übertragen Fleckfieber. Filzläuse (Pthirus pubis) besiedeln die Schambehaarung und werden meist sexuell übertragen.

Umriss eines Körpers mit markierten Fingerzwischenräumen, Handgelenken, Achseln, Mamillen, Nabel und Genitale, daneben Querschnitt der Haut mit Milbengang.

Prädilektionsstellen der Skabies und Milbengang in der Hornschicht.

Pathophysiologie und Angriffspunkte

Die Antiparasitika treffen Nervensystem oder Atmung der Arthropoden. Wann und wie oft behandelt wird, ergibt sich aus den Lebenszyklen.

Krätzmilbe

Bei gewöhnlicher Skabies leben nur wenige Milben auf dem Körper, der Juckreiz ist immunologisch bedingt.

  1. Infestation: Das begattete Weibchen gräbt einen Gang ins Stratum corneum und legt dort über Wochen täglich Eier.
  2. Entwicklung: Larven schlüpfen nach wenigen Tagen, sind nach etwa zwei Wochen geschlechtsreif und besiedeln neue Hautstellen.
  3. Sensibilisierung: Milben, Eier und Kot lösen eine Typ-IV-Reaktion aus → Juckreiz und Ekzem, auch fern der Gänge.
  4. Verzögerter Juckreiz: bei Erstbefall erst nach etwa zwei bis fünf Wochen, bei Reinfestation binnen Tagen → schon vor den Symptomen ansteckend.

Bei der Scabies crustosa (Borkenkrätze) fehlt die Immunkontrolle, etwa bei Immunsuppression oder kognitiver Einschränkung. Die Milben vermehren sich massenhaft unter dicken Borken, der Juckreiz ist oft gering, die Kontagiosität über Schuppen sehr hoch.

Kopflaus

Kopfläuse saugen mehrmals täglich Blut und kleben ihre Eier mit wasserunlöslichem Kitt kopfhautnah ans Haar. Larven schlüpfen nach etwa einer Woche und sind nach gut einer weiteren Woche geschlechtsreif. Leere Eihüllen (Nissen) wachsen mit dem Haar heraus und belegen keinen aktiven Befall.

Angriffspunkt Arzneistoffklasse Effekt
Spannungsabhängige Na⁺-Kanäle der Nervenmembran Pyrethroide (Permethrin), Pyrethrum + Piperonylbutoxid Inaktivierung verzögert → Dauererregung, Lähmung
Glutamatgesteuerte Cl⁻-Kanäle Ivermectin (Anthelminthika) Hyperpolarisation → Paralyse
Stigmen und Tracheen der Laus Dimeticon Verschluss → Hypoxie, gestörter Wasserhaushalt
Milbe (Target unklar) Benzylbenzoat, Crotamiton akarizid, Crotamiton auch antipruriginös
Entzündliche Hautreaktion Topische Glucocorticoide Ekzem und Juckreiz ↓

Pyrethroide sind synthetische, licht- und hydrolysestabilere Analoga der Pyrethrine aus Chrysanthemenblüten. Als Ester werden sie im Säuger rasch durch Esterasen gespalten. Dimeticon (Polydimethylsiloxan) ist ein niedrigviskoses Silikonöl ohne Rezeptor, es wirkt rein physikalisch.

Schema mit Krätzmilbe im Hornschichtgang und Kopflaus am Haar, Pfeile zeigen Na⁺-Kanal, Chloridkanal und Tracheen als Angriffspunkte der jeweiligen Wirkstoffe.

Angriffspunkte der Mittel gegen Skabies und Kopfläuse: neurotoxisch an Ionenkanälen, physikalisch an den Atemwegen der Laus und antientzündlich an der Hautreaktion.

Therapie

Beide Ektoparasitosen werden überwiegend topisch behandelt. Die Wahl folgt Wirkung auf die Eier, Resorption und Resistenzlage.

Skabies

Nach der deutschen Leitlinie sollen Milben, Larven und Eier abgetötet und Infektionsketten unterbrochen werden. Da die Milben im Stratum corneum sitzen, reicht meist eine topische Therapie.

Mittel Stellenwert Begründung
Permethrin-Creme 1. Wahl, auch Schwangere, Stillende, Säuglinge skabizid und ovozid, kaum resorbiert, große therapeutische Breite → oft Einmalbehandlung
Ivermectin oral 2. Wahl; 1. Wahl bei Immunsuppression, erosiver Haut, nicht gesicherter Ganzkörperbehandlung (Sammelunterkünfte) ähnlich wirksam, aber nicht ovozid → Wiederholung; Juckreiz bessert langsamer, Wechselwirkungen (P-gp, Vitamin-K-Antagonisten)
Benzylbenzoat 2. Wahl akarizid und ovozid, häufiger Hautreizung, mehrtägig; nicht bei Säuglingen (Benzylalkohol → Gasping-Syndrom)
Crotamiton 2. Wahl akarizid und juckreizlindernd, schwächer, mehrtägig; ohne Altersgrenze
Permethrin + Ivermectin Scabies crustosa, stationär und isoliert hohe Milbenlast, Borken behindern Penetration; dazu Keratolyse mit Salicylvaseline
Prüferinnenfrage
Permethrin ist ein Nervengift. Warum dürfen Sie es trotzdem Schwangeren und Säuglingen geben?
Antwort anzeigen

Pyrethroide binden an die Na⁺-Kanäle der Arthropoden mit deutlich höherer Affinität als an die der Säuger, und ihre Wirkung nimmt bei niedriger Temperatur zu, was wechselwarme Milben trifft. Über die Haut wird nur sehr wenig resorbiert. Der resorbierte Anteil wird als Ester rasch hydrolysiert und renal ausgeschieden, daher die große therapeutische Breite.

  • Anwendung: Permethrin lückenlos vom Unterkiefer abwärts auftragen, inklusive Finger- und Zehenzwischenräume, Genitale und unter den Nägeln, 8 bis 12 Stunden einwirken lassen; nicht direkt nach warmem Bad, weil warme, hydratisierte Haut mehr resorbiert (Topika).
  • Wiederholung nach einer Woche: bei Befall von Handflächen und Fußsohlen, ausgedehnter Skabies, Ausbrüchen, Immunsuppression oder Zweifel an der Anwendung; bei Ivermectin wegen fehlender Ovozidie regelhaft.
  • Kontaktpersonen: bei engem Hautkontakt gleichzeitig mitbehandeln, auch ohne Symptome, weil der Juckreiz der Ansteckung um Wochen nachhinkt.
  • Wäsche: bei mindestens 50 °C waschen oder sieben Tage verschlossen lagern, weil die Milbe ohne Wirt nicht überlebt.
  • Postskabiöses Ekzem: Juckreiz kann wochenlang anhalten, ohne dass Milben überleben → topische Glucocorticoide statt erneuter Antiskabiosa.

Kopflausbefall

Läuse und Larven sollen abgetötet und Nachschlüpfer erfasst werden, bevor sie Eier legen. Behandelt wird immer kombiniert: Läusemittel plus nasses Auskämmen.

Zeitachse über 17 Tage mit Entwicklungsstadien der Kopflaus und markierten Tagen für Behandlung und nasses Auskämmen.

Behandlungsschema bei Kopflausbefall, abgestimmt auf den Entwicklungszyklus der Laus.
  • Dimeticon: kriecht in Stigmen und Tracheen der Laus und verlegt sie. Nicht resorbiert, Resistenz nicht zu erwarten, daher häufig erste Wahl; manche Präparate sind entzündlich (keine offene Flamme).
  • Pyrethroide und Pyrethrum: Permethrin-Lösung oder Pyrethrumextrakt mit Piperonylbutoxid, das die CYP-abhängige Entgiftung in der Laus hemmt (Synergist).
  • Pyrethroid-Resistenz: kdr-Mutationen (knockdown resistance) im Na⁺-Kanal der Laus vermindern die Bindung; weit verbreitet → bei Versagen auf Dimeticon wechseln.
  1. Tag 1: Läusemittel anwenden, danach nass auskämmen.
  2. Tag 5: nass auskämmen → früh geschlüpfte Larven entfernen.
  3. Tag 8 bis 10: zweite Behandlung → Nachschlüpfer sterben vor der Geschlechtsreife.
  4. Tag 13 und 17: nass auskämmen, zuletzt als Erfolgskontrolle.
💡 Merke

Kein Läusemittel tötet alle Eier sicher ab: Erst die Zweitbehandlung an Tag 8 bis 10 erfasst die Nachschlüpfer, bevor sie selbst Eier legen.

Haushaltsmitglieder werden kontrolliert, behandelt nur Befallene. Kopflausbefall lässt sich mit dieser Beratung in der Selbstmedikation behandeln, Skabies gehört wegen Diagnose und Kontaktbehandlung in ärztliche Hand.

Fall aus der Apotheke
Wieder Läuse nach Behandlung

Eine Mutter berichtet, ihre Tochter sei vor zwei Wochen einmal mit einer Permethrin-Lösung behandelt worden. Jetzt findet sie wieder lebende Läuse.

  1. Woran kann das liegen?
  2. Was empfehlen Sie?
Lösung anzeigen
  1. Am häufigsten fehlt die Zweitbehandlung an Tag 8 bis 10, sodass überlebende Eier nachschlüpfen. Daneben kommen Anwendungsfehler, eine Reinfestation aus dem Umfeld und eine Pyrethroid-Resistenz durch kdr-Mutationen in Frage.
  2. Wechsel auf Dimeticon, weil es physikalisch wirkt und keine Kreuzresistenz zu erwarten ist. Dazu das vollständige Schema mit nassem Auskämmen und Zweitbehandlung sowie die Kontrolle aller Haushaltsmitglieder.

Teste dich

Teste dich mit 9 Karten
wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Aussage 1

Nissen am Haar belegen einen aktiven Kopflausbefall.

Nissen sind leere Eihüllen, die mit dem Haar herauswachsen. Ein aktiver Befall wird durch lebende Läuse beim nassen Auskämmen nachgewiesen.

Lückentext

Zuordnen

Aussage 4

Permethrin verzögert die Inaktivierung spannungsabhängiger Na⁺-Kanäle in der Nervenmembran von Milben und Läusen.

Pyrethroide halten die Na⁺-Kanäle offen, es kommt zu Dauererregung und Lähmung der Arthropoden.

Aussage 5

Bei der Scabies crustosa ist der Juckreiz oft gering, die Kontagiosität aber besonders hoch.

Wegen fehlender Immunkontrolle leben massenhaft Milben in den Borken, die Sensibilisierungsreaktion ist schwach, die Übertragung über Schuppen leicht.

Aussage 6

Dimeticon tötet Kopfläuse neurotoxisch über deren Na⁺-Kanäle ab.

Dimeticon wirkt rein physikalisch: Es verschließt Stigmen und Tracheen der Laus. Über Na⁺-Kanäle wirken die Pyrethroide.

Warum?

Aussage 8

Ivermectin oral wirkt ovozid, deshalb genügt bei Skabies eine Einmalgabe.

Ivermectin ist nicht ovozid, deshalb wird die Gabe wiederholt. Ovozid ist dagegen Permethrin.

Prüferin fragt

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