5α-Reduktase-Hemmer
5α-Reduktase-Hemmer senken die Bildung von Dihydrotestosteron (DHT) und verkleinern so die Prostata. Im Kern stehen der Unterschied zwischen selektiver und dualer Hemmung, die Progressionshemmung beim BPS, die sexuellen UAW, die PSA-Halbierung und die Teratogenität für männliche Feten.
Dein roter Faden
- Einordnung: 5α-Reduktase-Hemmer (Finasterid, Dutasterid) hemmen die Umwandlung von Testosteron zu DHT, ohne den Androgenrezeptor zu blockieren.
- Mechanismus: Finasterid hemmt selektiv Typ 2 (Prostata, Haarfollikel), Dutasterid dual Typ 1 und 2; beide Azasteroide binden das Enzym praktisch irreversibel.
- Wirkung: Intraprostatisches DHT sinkt, die Prostata schrumpft über Monate um etwa ein Fünftel bis ein Viertel, die statische Obstruktion nimmt ab.
- Anwendung: BPS mit großer Prostata ab etwa 40 cm³ zur Progressionshemmung (weniger Harnverhalt und Operation), bei hohem Risiko kombiniert mit α1-Blocker; Finasterid niedrig dosiert bei androgenetischer Alopezie; volle Wirkung erst nach etwa einem Jahr.
- Kinetik: Abbau über CYP3A4; Dutasterid mit Halbwertszeit von etwa fünf Wochen, daher lange Nachwirkung und lange Blutspende-Sperre.
- UAW: Libido- und Erektionsstörungen, Ejakulationsstörungen, Gynäkomastie, depressive Verstimmung, Post-Finasterid-Syndrom; PSA halbiert sich, daher Messwert verdoppeln.
- Kontraindikationen: Frauen und Kinder, teratogen für männliche Feten; Schwangere dürfen zerbrochene Tabletten oder undichte Kapseln nicht berühren.
Überblick
5α-Reduktase-Hemmer blockieren die Umwandlung von Testosteron in das wirksamere Dihydrotestosteron (DHT). So entziehen sie androgenabhängigen Geweben wie Prostata und Haarfollikel ihr Hauptandrogen. Anders als die Androgenrezeptor-Antagonisten lassen sie den Rezeptor frei.
- Kein Rezeptorblock: Testosteron bleibt wirksam und steigt sogar leicht an, daher bleiben Muskulatur und Knochen weitgehend unbeeinflusst.
- Kausal, aber langsam: Sie verkleinern das Prostatagewebe über Monate, statt wie α1-Blocker rasch den Muskeltonus zu senken.
- Hauptindikation: benignes Prostatasyndrom (BPS) mit vergrößerter Prostata, vor allem zur Progressionshemmung.
- Zweite Indikation: androgenetische Alopezie des Mannes (niedrig dosiertes Finasterid).
Finasterid ist der typische Vertreter: selektiv für Typ 2 und als einziger Vertreter auch bei Haarausfall zugelassen.
- Prinzip: 4-Azasteroid, hemmt die 5α-Reduktase Typ 2 nahezu irreversibel → DHT ↓
- Kinetik: oral gut bioverfügbar, Abbau über CYP3A4, Halbwertszeit von Stunden, Wirkung überdauert sie
- Einsatz: BPS mit großer Prostata, androgenetische Alopezie beim Mann
- Besonderheit: Namensgeber des Post-Finasterid-Syndroms
Vertreter
In Deutschland sind zwei Vertreter im Handel, beide 4-Azasteroide mit testosteronähnlichem Grundgerüst. Sie unterscheiden sich in der Isoenzym-Selektivität und, durch den lipophilen Amidrest des Dutasterids, in der Verweildauer. Dutasterid gibt es auch als Fixkombination mit Tamsulosin.
Wirkmechanismus
Die 5α-Reduktase reduziert NADPH-abhängig die Δ4-Doppelbindung des Testosterons zu DHT. DHT bindet den Androgenrezeptor affiner und dissoziiert langsamer, es ist das eigentliche Wachstumssignal der Prostata (Androgenbiosynthese: Androgene und Anabolika). Es gibt zwei relevante Isoenzyme:
- Typ 1: vor allem Talgdrüsen, Kopfhaut und Leber; trägt relevant zum zirkulierenden DHT bei.
- Typ 2: Prostata, Samenbläschen, Nebenhoden, Genitalhaut und Haarfollikel; entscheidend für Prostatawachstum und die Virilisierung des männlichen Fetus.
Die Azasteroide sind Substratanaloga. Sie werden im aktiven Zentrum gebunden und bilden mit dem Cofaktor einen sehr stabilen Komplex (mechanismusbasierte, praktisch irreversible Hemmung).
- Hemmung: Finasterid nur Typ 2, Dutasterid Typ 1 und 2 → Serum-DHT sinkt deutlich bzw. nahezu vollständig.
- Prostata: intraprostatisches DHT ↓ → weniger Wachstumsfaktoren, Apoptose des Drüsenepithels.
- Volumen: Drüse schrumpft über Monate um etwa ein Fünftel bis ein Viertel → statische (mechanische) Obstruktion ↓.
- Testosteron: steigt leicht an, weil weniger umgewandelt wird.
Wirkungen und Anwendung
Weil nur die mechanische Komponente der Obstruktion angegangen wird, profitiert vor allem eine große Prostata.
- Benignes Prostatasyndrom: ab einem Prostatavolumen von etwa 40 cm³ als Langzeittherapie; Symptome bessern sich mäßig, entscheidend ist die Progressionshemmung mit seltenerem akutem Harnverhalt und seltenerer Operation.
- Kombination mit α1-Blockern: bei hohem Progressionsrisiko; der α1-Blocker wirkt rasch auf den Muskeltonus, der 5α-Reduktase-Hemmer langfristig auf das Volumen. Nicht sinnvoll, wenn nur Symptomlinderung das Ziel ist.
- Androgenetische Alopezie: niedrig dosiertes Finasterid beim Mann, weil DHT die Haarfollikel miniaturisiert; der Effekt hält nur während der Einnahme an.
- Wirkeintritt: frühestens nach drei bis sechs Monaten, volle Wirkung nach etwa einem Jahr → Therapietreue entscheidend.
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Die Obstruktion beim BPS hat eine statische Komponente, das Volumen, und eine dynamische, den α1-vermittelten Tonus der glatten Muskulatur. 5α-Reduktase-Hemmer greifen nur das Volumen an, und das langsam über Monate. Bei kleiner Drüse gibt es wenig zu verkleinern, die Beschwerden stammen eher vom Tonus, den ein α1-Blocker innerhalb von Tagen senkt.
Pharmakokinetik
Beide Stoffe werden oral gut resorbiert und hepatisch über CYP3A4 abgebaut. Entscheidend ist der Unterschied in der Verweildauer.
- Finasterid: Halbwertszeit von wenigen Stunden; die DHT-Senkung hält länger an, weil das Enzym fest gebunden bleibt.
- Dutasterid: sehr lipophil, hohe Plasmaproteinbindung, Halbwertszeit etwa fünf Wochen; Steady State erst nach rund einem halben Jahr, nach Absetzen monatelang nachweisbar.
- Folgen: UAW klingen nach Absetzen von Dutasterid nur langsam ab, Blutspende-Karenz entsprechend lang.
- Arzneiform: Dutasterid als Weichkapsel, nicht öffnen oder kauen (Schleimhautreizung, Exposition Dritter).
Unerwünschte Wirkungen
Die typischen UAW sind Klasseneffekte und folgen direkt aus dem DHT-Mangel in androgenabhängigen Geweben.
| UAW | warum | |
|---|---|---|
Sexualität |
Libido ↓, Erektionsstörungen (häufig) | DHT-Mangel in zentralen und penilen Zielgeweben (Erektile Dysfunktion) |
Sexualität |
Ejakulationsstörungen, Ejakulatvolumen ↓ | Prostata und Samenbläschen sind DHT-abhängige Drüsen |
Sexualität |
Gynäkomastie, Brustspannen | mehr Testosteron für die Aromatase → relatives Estrogenübergewicht |
ZNS |
depressive Verstimmung, selten Suizidgedanken | 5α-Reduktase bildet auch Neurosteroide wie Allopregnanolon (GABA_A-modulierend) |
Sexualität |
PSA ↓ | PSA stammt aus dem DHT-abhängigen Prostataepithel |
Insgesamt treten unter Therapie weniger Prostatakarzinome auf, relativ aber eher höhergradige. Deshalb gilt:
Unter 5α-Reduktase-Hemmern sinkt das PSA nach etwa einem halben Jahr auf die Hälfte: Messwert verdoppeln, und jeder Anstieg unter Therapie muss abgeklärt werden.
Anhaltende sexuelle, psychische und körperliche Beschwerden, die nach Absetzen eines 5α-Reduktase-Hemmers fortbestehen; Mechanismus ungeklärt.
Kontraindikationen und Wechselwirkungen
Die entscheidende Kontraindikation folgt aus der Embryologie: DHT aus der Typ-2-Reduktion virilisiert das äußere Genitale des männlichen Fetus.
- Frauen und Kinder: nicht indiziert; in der Schwangerschaft Fehlbildungen (Hypospadie, intersexuelles Genitale) beim männlichen Fetus.
- Sperma: geringe Wirkstoffmengen, daher Kondom, wenn die Partnerin schwanger ist.
- Blutspende: gesperrt, damit keine Schwangere Wirkstoff über Spenderblut erhält; nach Dutasterid etwa ein halbes Jahr, nach Finasterid etwa einen Monat.
- Schwere Leberinsuffizienz: Dutasterid kontraindiziert, weil hepatisch eliminiert.
- Wechselwirkungen: wenige; starke CYP3A4-Hemmer (Ritonavir, Itraconazol) erhöhen die Dutasterid-Spiegel. Mit α1-Blockern addieren sich die UAW, Ejakulationsstörungen überadditiv.
Beide Stoffe werden über die Haut resorbiert: Schwangere sollen zerbrochene Tabletten oder undichte Kapseln nicht berühren.
Eine Kundin in der 20. Schwangerschaftswoche holt Dutasterid-Kapseln für ihren Mann ab. Er habe Schluckbeschwerden, sie wolle die Kapseln für ihn öffnen. Außerdem plane er nächste Woche eine Blutspende.
- Darf sie die Kapseln öffnen?
- Was sagen Sie zur Blutspende?
Lösung anzeigen
- Nein. Dutasterid wird über die Haut resorbiert und kann beim männlichen Fetus die DHT-abhängige Genitalentwicklung stören; zudem reizt der Kapselinhalt die Mundschleimhaut. Die Kapseln werden ganz geschluckt, bei echten Schluckproblemen Rücksprache mit dem Arzt.
- Unter Dutasterid ist er von der Blutspende ausgeschlossen, weil Spenderblut eine Schwangere erreichen könnte. Wegen der Halbwertszeit von etwa fünf Wochen gilt die Sperre noch etwa ein halbes Jahr nach der letzten Einnahme.
Unterschiede innerhalb der Klasse
Beide sind Azasteroide; der lipophile Amidrest macht den Unterschied. Der Bis(trifluormethyl)phenylamid-Rest des Dutasterids erweitert die Hemmung auf Typ 1 und verlängert die Halbwertszeit massiv.
| Merkmal | Finasterid | Dutasterid |
|---|---|---|
| Hemmung | Typ 2 selektiv | Typ 1 und 2 (dual) |
| Serum-DHT | deutlich ↓ | nahezu vollständig ↓ |
| Halbwertszeit | Stunden | etwa fünf Wochen |
| Indikationen | BPS, Alopezie | BPS, auch fix mit Tamsulosin |
| Arzneiform | Filmtablette | Weichkapsel |
Beim BPS sind beide klinisch ähnlich wirksam. Die stärkere DHT-Senkung bringt keinen klar belegten Mehrnutzen, die lange Nachwirkung ist bei UAW und Exposition eher ein Nachteil.
Teste dich
Zuordnen
Aussage 2
5α-Reduktase-Hemmer senken den Testosteronspiegel deutlich.
Testosteron steigt leicht an, weil weniger zu DHT umgewandelt wird. Gesenkt wird DHT.
Warum?
Aussage 4
Nach Absetzen von Dutasterid ist die Blutspende-Sperre kürzer als nach Finasterid, weil Dutasterid schneller eliminiert wird.
Umgekehrt: Dutasterid hat eine Halbwertszeit von etwa fünf Wochen, die Sperre beträgt etwa ein halbes Jahr, bei Finasterid etwa einen Monat.
Aussage 5
Gynäkomastie unter 5α-Reduktase-Hemmern erklärt sich dadurch, dass mehr Testosteron für die Aromatase zur Verfügung steht.
Weniger Testosteron wird zu DHT reduziert, mehr wird zu Estradiol aromatisiert; es entsteht ein relatives Estrogenübergewicht.
Aussage 6
Die Wirkung beim BPS setzt wie bei α1-Blockern innerhalb weniger Tage ein.
Die Prostata schrumpft langsam: Wirkung frühestens nach drei bis sechs Monaten, volle Wirkung nach etwa einem Jahr. Rasch wirken α1-Blocker über den Muskeltonus.
Lückentext
Aussage 8
Finasterid hemmt selektiv die 5α-Reduktase Typ 2, Dutasterid hemmt Typ 1 und Typ 2.
Finasterid ist Typ-2-selektiv, Dutasterid ein dualer Hemmstoff und senkt das Serum-DHT daher nahezu vollständig.
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