Arzneistoffe

PARP-Inhibitoren

PARP-Inhibitoren blockieren die Reparatur von DNA-Einzelstrangbrüchen und fixieren PARP auf der DNA. Den Kern bilden die synthetische Letalität bei Homologe-Rekombinations-Defizienz (BRCA1/2), das PARP-Trapping als Grund für Wirkung und Myelotoxizität sowie die Unterschiede in der Kinetik von Olaparib und Niraparib.

✓ gelesen
Dein roter Faden7 Punkte
  • Einordnung: PARP-Inhibitoren (Olaparib, Niraparib, Rucaparib, Talazoparib) greifen einen DNA-Reparaturdefekt des Tumors an und sind das erste klinische Beispiel synthetischer Letalität.
  • Mechanismus: Als Nicotinamid-Mimetika verdrängen sie NAD⁺ an PARP1/2, Einzelstrangbrüche bleiben offen und PARP wird auf der DNA gefangen (Trapping), was die Replikationsgabel kollabieren lässt.
  • Synthetische Letalität: Die entstehenden Doppelstrangbrüche kann nur eine Zelle mit intakter homologer Rekombination reparieren; HR-defiziente Tumorzellen (BRCA1/2) sterben, gesunde Zellen mit einem funktionellen Allel überleben.
  • Biomarker und Indikationen: BRCA-Mutation, HRD-Score und Platinsensitivität bestimmen den Einsatz, meist als Erhaltung bei Ovarial-, Mamma-, Prostata- und Pankreaskarzinom, beim Prostatakarzinom auch mit Abirateron oder Enzalutamid.
  • Unerwünschte Wirkungen: Leitend ist die Myelosuppression (Anämie, Thrombozytopenie), dazu selten MDS/AML, häufig Übelkeit und Fatigue, unter Niraparib Hypertonie durch Monoamintransporter-Hemmung.
  • Kinetik und Wechselwirkungen: Olaparib ist CYP3A4-Substrat und empfindlich für Hemmer und Induktoren, Niraparib wird CYP-unabhängig abgebaut, Talazoparib renal und über P-gp, Rucaparib hemmt selbst CYP-Enzyme.
  • Unterschiede: Die Trapping-Potenz steigt von Olaparib und Rucaparib über Niraparib zu Talazoparib und mit ihr Zytotoxizität und Myelotoxizität.

Kostenlos weiterlesen mit deinem Relaxed-Konto

Lege dir ein kostenloses Konto an, dann ist das ganze 2. Staatsexamen für dich frei. Kein Abo, keine Zahlungsdaten.

Kostenloses Konto anlegen

Bitte bestätige zuerst deine E-Mail-Adresse

Wir haben dir einen Link geschickt. Mit bestätigter E-Mail-Adresse liest du hier gleich weiter.

Zum Konto

Überblick

PARP-Inhibitoren hemmen die Poly(ADP-Ribose)-Polymerasen PARP1 und PARP2, die Einzelstrangbrüche der DNA reparieren. Zusätzlich fixieren sie die Enzyme auf der DNA. Tödlich ist das für Tumorzellen, die Doppelstrangbrüche nicht fehlerfrei reparieren können: das erste klinisch genutzte Prinzip synthetischer Letalität.

  • Angriffspunkt: ein Reparaturdefekt des Tumors, kein onkogener Signalweg wie bei den Tyrosinkinase-Inhibitoren.
  • Selektion: über Biomarker (BRCA1/2-Mutation, HRD), nicht über das Gewebe.
  • Indikationen: Ovarial-, Mamma-, Prostata- und Pankreaskarzinom, oft als Erhaltungstherapie.
  • Klassen-UAW: Myelosuppression.

Typischer Vertreter mit der breitesten Zulassung ist Olaparib.

Strukturformel von Olaparib
Olaparib
PARP-Inhibitoren · Leitsubstanz
  • Prinzip: verdrängt NAD⁺ an PARP1/2, dazu moderates PARP-Trapping
  • Kinetik: oral, Abbau über CYP3A4
  • Einsatz: Ovarial-, Mamma-, Prostata- und Pankreaskarzinom mit BRCA-Mutation bzw. HRD
  • Besonderheit: auch kombiniert mit Bevacizumab oder Abirateron

Vertreter

Alle Vertreter sind oral verfügbare Nicotinamid-Mimetika mit demselben Wirkprinzip und der Myelosuppression als Klasseneffekt. Unterscheiden lassen sie sich vor allem nach Elimination und Interaktionspotenzial sowie nach der Stärke des PARP-Trappings.

Wirkstoffe
Strukturformel von Olaparib
CYP3A4-Substrat Olaparib breiteste Zulassung
Strukturformel von Niraparib
CYP-unabhängige Elimination Niraparib Carboxylesterasen
Strukturformel von Talazoparib
CYP-unabhängige Elimination Talazoparib renal, stärkstes Trapping
Strukturformel von Rucaparib
CYP-Inhibitor Rucaparib hemmt mehrere CYP-Enzyme

Wirkmechanismus

PARP1 bindet an Einzelstrangbrüche und knüpft aus NAD⁺ Poly(ADP-Ribose)-Ketten an sich selbst und an Histone. Diese PARylierung rekrutiert Reparaturproteine und löst PARP danach wieder von der DNA. PARP-Inhibitoren sind Nicotinamid-Mimetika und verdrängen NAD⁺ aus der katalytischen Tasche.

Schema mit gesunder Zelle und BRCA-defizienter Tumorzelle unter PARP-Inhibitor: Einzelstrangbruch, gefangenes PARP, kollabierte Replikationsgabel, Doppelstrangbruch; links Reparatur durch homologe Rekombination, rechts Zelltod.

Synthetische Letalität: PARP-Hemmung und Trapping erzeugen Doppelstrangbrüche, die nur Zellen mit intakter homologer Rekombination überleben.
  1. Katalytische Hemmung: keine PARylierung → Einzelstrangbrüche bleiben offen.
  2. PARP-Trapping: ohne Auto-PARylierung bleibt PARP am Bruch gebunden; der PARP-DNA-Komplex ist zytotoxischer als die bloße Enzymhemmung.
  3. Replikation: die Replikationsgabel kollabiert an Bruch oder Komplex → Doppelstrangbruch.
  4. Homologe Rekombination (HR): repariert Doppelstrangbrüche fehlerfrei mit dem Schwesterchromatid als Matrize (BRCA1, BRCA2, PALB2, RAD51).
  5. Bei HR-Defizienz: Ausweichen auf fehleranfälliges nicht-homologes End-Joining → Chromosomenaberrationen → Zelltod.

Homologe-Rekombinations-Defizienz (HRD) ist der funktionelle Ausfall der HR, meist durch BRCA1/2-Mutationen (BRCA als Tumorsuppressorgen), seltener durch Defekte anderer HR-Gene. Sie hinterlässt eine messbare genomische Narbe.

📖 Definition: Synthetische Letalität

Zwei Defekte (oder ein Defekt plus eine Hemmung) sind einzeln mit dem Überleben vereinbar, zusammen tödlich. Die BRCA-defiziente Tumorzelle überlebt dank PARP, die gesunde Zelle unter PARP-Hemmung dank intakter HR.

Prüferinnenfrage
Warum verschont ein PARP-Inhibitor die gesunden Zellen einer BRCA1-Mutationsträgerin weitgehend?
Antwort anzeigen

Die Keimbahnmutation betrifft nur ein Allel: Gesunde Zellen behalten ein funktionelles BRCA1 und damit eine intakte HR. Der Tumor hat das zweite Allel verloren und ist HR-defizient, nur dort trifft die PARP-Hemmung auf den zweiten Defekt. Absolut ist das Fenster nicht, denn Trapping schädigt auch rasch proliferierende Knochenmarkszellen; daher die Myelotoxizität.

Wirkungen und Anwendung

PARP-Inhibitoren wirken selektiv zytotoxisch auf HR-defiziente Tumorzellen und verlängern vor allem das progressionsfreie Überleben. Biomarker-Test und Platinansprechen bestimmen deshalb die Indikation.

  • Testung: Keimbahn-BRCA (Blut), somatische BRCA-Mutation (Tumorgewebe), beim Ovarialkarzinom zusätzlich HRD-Score.
  • Platinsensitivität: klinischer Surrogatmarker der HRD, weil auch Schäden durch Platinverbindungen die HR benötigen → Erhaltungstherapie nach Ansprechen auf Platin.
  • Ovarialkarzinom: Erhaltung in Erstlinie und Rezidiv (Olaparib, bei HRD auch mit Bevacizumab; Niraparib auch ohne Biomarker; Rucaparib).
  • Mammakarzinom: HER2-negativ mit Keimbahn-BRCA-Mutation, adjuvant oder metastasiert (Olaparib, Talazoparib).
  • Prostatakarzinom: metastasiert kastrationsresistent, mono bei BRCA-Mutation oder mit Abirateron bzw. Enzalutamid, weil AR-Blockade HR-Gene herunterreguliert.
  • Pankreaskarzinom: metastasiert mit Keimbahn-BRCA-Mutation, Erhaltung nach Platin (Olaparib).

Pharmakokinetik

Alle PARP-Inhibitoren werden oral als Dauertherapie eingenommen. In Elimination und Interaktionspotenzial unterscheiden sie sich deutlich.

  • Olaparib: Abbau über CYP3A4 → empfindlich gegenüber Hemmern und Induktoren.
  • Niraparib: Hydrolyse durch Carboxylesterasen, CYP-unabhängig; lange Halbwertszeit.
  • Talazoparib: kaum metabolisiert, überwiegend renal, Substrat von P-gp und BCRP → Dosis an die Nierenfunktion anpassen.
  • Rucaparib: hemmt CYP1A2, CYP2C9, CYP2C19 und CYP3A → eher Verursacher als Opfer von Wechselwirkungen.
  • Arzneiform: Olaparib-Tabletten und -Kapseln haben unterschiedliche Bioverfügbarkeit und sind nicht mg-gleich austauschbar.

Unerwünschte Wirkungen

Die meisten UAW folgen daraus, dass Reparaturhemmung und Trapping auch gesunde, sich rasch teilende Zellen treffen. Blutbild daher vor Beginn und regelmäßig unter Therapie, bei Niraparib anfangs besonders engmaschig.

Schema der unerwünschten Wirkungen: PARP-Inhibitoren, ausgehend vom Mechanismus, je Organ mit Piktogramm (Blut, Schwangerschaft, Magen-Darm, Gefäße, ZNS, Niere).

Unerwünschte Wirkungen der PARP-Inhibitoren, geordnet nach Organ und Ursache.
UAW warum
Blut
Anämie, Thrombozytopenie, Neutropenie (häufig) Trapping schädigt hämatopoetische Vorläufer; Anämie betont bei Olaparib, frühe Thrombozytopenie bei Niraparib
Blut
MDS, AML (selten) DNA-Schäden in Stammzellen, begünstigt durch platinhaltige Vortherapie
ZNS · Magen-Darm
Übelkeit, Erbrechen, Fatigue, Dysgeusie (sehr häufig) Klasseneffekt, meist zu Therapiebeginn; Mechanismus nicht vollständig geklärt
Gefäße · ZNS
Hypertonie, sehr selten posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom (Niraparib) Hemmung von Dopamin-, Noradrenalin- und Serotonintransporter
Niere
Kreatininanstieg (Olaparib, Rucaparib) Hemmung tubulärer Transporter (OCT2, MATE), meist ohne echte GFR-Senkung

Kontraindikationen und Wechselwirkungen

Kontraindikationen ergeben sich aus der Genotoxizität, Wechselwirkungen aus der Kinetik und der additiven Myelotoxizität.

  • Schwangerschaft, Stillzeit: embryofetotoxisch, weil die DNA-Reparatur in sich teilenden Zellen gehemmt wird → sichere Kontrazeption.
  • Myelotoxische Arzneistoffe: Zytostatika und andere knochenmarkschädigende Substanzen → additive Myelosuppression; Kombination mit Chemotherapie daher nicht vorgesehen.
  • Talazoparib: P-gp-Hemmer (Amiodaron, Verapamil, Itraconazol) → Spiegel ↑.
  • Rucaparib: als CYP-Hemmer → Substrate mit geringer therapeutischer Breite (Warfarin) überwachen.
  • Olaparib: CYP3A4-Hemmer und -Induktoren (Prinzip unter Arzneimittelwechselwirkungen).
⚠️ Achtung: Olaparib und CYP3A4

Starke CYP3A4-Hemmer (Clarithromycin, Itraconazol, Ritonavir) steigern die Olaparib-Exposition deutlich und damit die Myelotoxizität: vermeiden oder Dosis reduzieren. Starke Induktoren (Rifampicin, Carbamazepin, Johanniskraut) senken sie so stark, dass die Wirkung verloren geht.

Unterschiede innerhalb der Klasse

Die katalytische Hemmung ist bei allen Vertretern ähnlich stark, die Trapping-Potenz unterscheidet sich dagegen um Größenordnungen. Stärkeres Trapping bedeutet mehr Zytotoxizität, aber auch mehr Myelotoxizität. Zwischen Olaparib und Niraparib entscheidet praktisch die Komedikation (CYP3A4) bzw. die Kontrolle von Blutdruck und Thrombozyten.

Balkendiagramm ohne Zahlenwerte: katalytische Hemmung bei allen vier PARP-Inhibitoren ähnlich, Trapping-Potenz steigend von Olaparib und Rucaparib über Niraparib zu Talazoparib.

Ähnlich starke katalytische Hemmung, unterschiedliches Trapping: Mit der Trapping-Potenz steigen Zytotoxizität und Myelotoxizität.
Olaparib Niraparib Rucaparib Talazoparib
Trapping moderat stark moderat sehr stark
Elimination CYP3A4 Carboxylesterasen mehrere CYP renal, P-gp
Profil-UAW Anämie Thrombozytopenie, Hypertonie Transaminasen ↑, Photosensibilität Anämie
Schwerpunkt alle vier Entitäten Ovar, Prostata Ovar Mamma, Prostata

Teste dich

Teste dich mit 11 Karten
wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Aussage 1

Talazoparib hat die schwächste Trapping-Potenz der Klasse und ist deshalb am wenigsten myelotoxisch.

Talazoparib trappt am stärksten. Stärkeres Trapping bedeutet mehr Zytotoxizität und mehr Myelotoxizität.

Aussage 2

Niraparib wird überwiegend über CYP3A4 abgebaut und ist deshalb besonders empfindlich gegenüber CYP3A4-Induktoren.

Niraparib wird CYP-unabhängig durch Carboxylesterasen hydrolysiert. Das CYP3A4-Substrat der Klasse ist Olaparib.

Zuordnen

Aussage 4

PARP-Trapping trägt stärker zur Zytotoxizität bei als die bloße katalytische Hemmung von PARP.

Der auf der DNA gefangene PARP-DNA-Komplex blockiert die Replikationsgabel und ist zytotoxischer als die reine Enzymhemmung.

Aussage 5

Platinsensitivität gilt als klinischer Hinweis auf eine Homologe-Rekombinations-Defizienz.

Auch Platinschäden erfordern die homologe Rekombination zur Reparatur; wer auf Platin anspricht, hat häufig eine HRD.

Lückentext

Warum?

Aussage 8

Olaparib-Tabletten und Olaparib-Kapseln können mg-gleich gegeneinander ausgetauscht werden.

Die beiden Arzneiformen haben eine unterschiedliche Bioverfügbarkeit und sind nicht mg-gleich austauschbar.

Aussage 9

Die Hypertonie unter Niraparib beruht auf einer Hemmung der Transporter für Dopamin, Noradrenalin und Serotonin.

Niraparib hemmt diese Monoamintransporter; mehr Noradrenalin im synaptischen Spalt erhöht den Blutdruck.

Reihenfolge

Prüferin fragt

Fehler entdeckt oder eine Idee? Wir verbessern die Inhalte laufend. Melde es uns gerne über dieses Formular ❤️

Teile der Inhalte wurden mithilfe von KI-Systemen erstellt und werden fortlaufend redaktionell geprüft. Trotz Sorgfalt können Fehler enthalten sein. Wichtige Informationen bitte anhand offizieller Quellen prüfen. Relaxed ins Stex ist ein unabhängiges Angebot und steht in keiner Kooperation mit dem IMPP. Das Angebot ist weder vom IMPP autorisiert noch mit diesem verbunden.

Zurück nach oben