Lithium
Lithium ist das klassische Phasenprophylaktikum und der Goldstandard in der Rezidivprophylaxe der bipolaren Störung. Den Kern bilden die Mechanismushypothesen (Inositol-Depletion, GSK-3β), die natriumgekoppelte renale Elimination mit geringer therapeutischer Breite und die daraus folgenden UAW, Intoxikationen und Interaktionen.
Dein roter Faden
- Einordnung: Lithium ist das klassische Phasenprophylaktikum und Goldstandard der Rezidivprophylaxe bei bipolarer Störung, eingesetzt überwiegend als Lithiumcarbonat in Retardform.
- Mechanismus: Li⁺ hemmt unkompetitiv die Inositolmonophosphatase (Inositol-Depletion, gedämpfte IP₃/DAG-Signale vor allem in überaktiven Neuronen) und die GSK-3β (Neuroprotektion).
- Indikationen: Phasenprophylaxe, Manie mit verzögertem Wirkeintritt und Augmentation bei therapieresistenter Depression; einzige Substanz mit belegter suizidprotektiver Wirkung.
- Kinetik: keine Metabolisierung, renale Elimination mit proximaler Rückresorption gemeinsam mit Na⁺; geringe therapeutische Breite, Spiegel 12 h nach Einnahme, meist 0,6 bis 0,8 mmol/l.
- UAW: Tremor, nephrogener Diabetes insipidus, Hypothyreose und Struma, Gewichtszunahme, chronische Nephropathie und Teratogenität.
- Intoxikation: gastrointestinale und neurologische Zeichen bis Krampfanfall und Koma, ausgelöst durch Dehydratation, Na⁺-Mangel oder Interaktionen; bei schweren Verläufen Hämodialyse.
- Interaktionen: Thiazide, ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten und NSAR erhöhen den Spiegel über Natriumverlust oder GFR-Senkung.
Kostenlos weiterlesen mit deinem Relaxed-Konto
Lege dir ein kostenloses Konto an, dann ist das ganze 2. Staatsexamen für dich frei. Kein Abo, keine Zahlungsdaten.
Bitte bestätige zuerst deine E-Mail-Adresse
Wir haben dir einen Link geschickt. Mit bestätigter E-Mail-Adresse liest du hier gleich weiter.
Überblick
Lithium wird als Salz oral gegeben. Das freie Kation Li⁺ greift an Enzymen intrazellulärer Signalwege an und stabilisiert so die neuronale Erregbarkeit. Es ist das klassische Phasenprophylaktikum, also ein Arzneistoff, der neue manische und depressive Episoden verhindert oder abschwächt, und gilt bei der bipolaren Störung als Goldstandard.
- Kein Rezeptorligand: wirkt auf Second-Messenger-Enzyme, daher keine anticholinergen oder antihistaminergen Effekte.
- Suizidprotektiv: bislang einzige Substanz mit belegter antisuizidaler Wirkung.
- Indikationen: Phasenprophylaxe, Manie, Augmentation bei therapieresistenter Depression.
- Schwachstelle: geringe therapeutische Breite und natriumgekoppelte renale Elimination.
Eingesetzt wird in Deutschland überwiegend Lithiumcarbonat als Retardtablette.
- Prinzip: Li⁺ hemmt Inositolmonophosphatase und GSK-3β.
- Kinetik: nicht metabolisiert, nicht proteingebunden, renal wie Na⁺ behandelt.
- Einsatz: Rezidivprophylaxe bipolarer Störungen, Manie, Augmentation.
- Besonderheit: Serumspiegelkontrolle zwingend.
Vertreter
Wirksam ist allein das Li⁺-Ion, die Salze unterscheiden sich nur im Li⁺-Gehalt je Tablette und in der Galenik. Deshalb rechnet man in mmol Li⁺ und wechselt das Präparat nie ohne Spiegelkontrolle. Retardtabletten glätten die Spitzenspiegel und mindern so Tremor und Magen-Darm-Beschwerden.
Wirkmechanismus
Li⁺ ähnelt im Ionenradius Mg²⁺ und verdrängt es an magnesiumabhängigen Enzymen. Zwei Angriffspunkte gelten als zentral, welcher klinisch entscheidend ist, ist nicht geklärt.
- PLC-Aktivierung: Gq-gekoppelte Rezeptoren lassen die Phospholipase C PIP₂ in IP₃ und DAG spalten.
- Recycling: IP₃ wird schrittweise zu freiem Inositol dephosphoryliert.
- IMPase-Hemmung: Li⁺ hemmt die Inositolmonophosphatase unkompetitiv.
- Inositol-Depletion: Neurone nehmen kaum Inositol aus dem Blut auf, die PIP₂-Resynthese stockt → IP₃/Ca²⁺- und DAG/PKC-Signal ↓.
Unkompetitiv bedeutet: Die Hemmung wächst mit der Substratmenge. Überaktive Signalwege werden stark gedämpft, normal aktive kaum, deshalb stabilisiert Lithium die Stimmung, ohne zu sedieren.
- GSK-3β-Hemmung: direkt und indirekt über Akt → β-Catenin, BDNF und Bcl-2 ↑ → neuroprotektiv und neuroplastisch.
- Adenylatcyclase: cAMP ↓, auch in Niere und Schilddrüse (Grundlage wichtiger UAW).
- Transmitter: Dopamin- und Noradrenalinfreisetzung ↓ (antimanisch), serotonerge Transmission ↑.
Wirkungen und Anwendung
Lithium wirkt auf beide Pole affektiver Störungen, aber mit Verzögerung.
- Antimanisch: Wirkeintritt erst nach etwa ein bis zwei Wochen, akut daher oft kombiniert mit einem Antipsychotikum.
- Phasenprophylaktisch: erste Wahl zur Rezidivprophylaxe der bipolaren Störung, besonders bei hohem Suizidrisiko; in der akuten bipolaren Depression rät die Leitlinie ab.
- Suizidprotektiv: senkt suizidale Handlungen, daher auch bei unipolarer Depression mit Indikation zur Rezidivprophylaxe und Suizidgefahr angeboten.
- Augmentation: Zugabe zum Antidepressivum bei Nichtansprechen, eine von mehreren gleichwertigen Strategien mit völlig anderem Wirkansatz.
Pharmakokinetik
Li⁺ wird vollständig resorbiert, nicht metabolisiert, nicht an Plasmaproteine gebunden und ausschließlich renal eliminiert (Nierenfunktion).
- Natriumkopplung: glomerulär filtriert, überwiegend proximal gemeinsam mit Na⁺ rückresorbiert; Na⁺-Mangel → Li⁺-Rückresorption ↑ → Spiegel ↑.
- Geringe therapeutische Breite: Zielspiegel meist 0,6 bis 0,8 mmol/l, Intoxikation ab etwa 1,2 mmol/l möglich, bei Älteren früher; Spiegelkontrolle 12 h nach der letzten Einnahme.
- Halbwertszeit: etwa ein Tag, im Alter und bei Niereninsuffizienz länger; Steady State nach etwa einer Woche.
Antwort anzeigen
Mit dem Schweiß gehen Na⁺ und Wasser verloren. Die Niere antwortet mit gesteigerter proximaler Na⁺-Rückresorption, und Li⁺ wird über dieselben Wege mitgenommen, weil die Transportsysteme die beiden Kationen kaum unterscheiden. Zusätzlich sinkt die GFR, sodass der Spiegel bei unveränderter Dosis steigt.
Unerwünschte Wirkungen
Die organbezogenen UAW folgen aus der Hemmung cAMP- und inositolabhängiger Signalwege außerhalb des ZNS.
| UAW | warum | |
|---|---|---|
ZNS |
Feinschlägiger Tremor (häufig) | spiegelabhängig, v. a. bei Spitzenspiegeln |
Niere |
Polyurie, Polydipsie, nephrogener Diabetes insipidus | Li⁺ gelangt über ENaC in die Hauptzellen → ADH-Signal und Aquaporin-2 ↓ |
Stoffwechsel |
Hypothyreose, Struma | Iodaufnahme und Hormonfreisetzung ↓ → TSH ↑ |
Stoffwechsel |
Gewichtszunahme | Durst mit kalorienhaltigen Getränken, Hypothyreose |
Niere |
Chronische Nierenschädigung | tubulointerstitielle Nephropathie unter Langzeittherapie |
Schwangerschaft |
Teratogenität | Herzfehlbildungen (Ebstein-Anomalie) bei Exposition im ersten Trimenon |
Seltener sind Hyperparathyreoidismus mit Hyperkalzämie sowie Akne und die Provokation einer Psoriasis. Kontrolliert werden daher neben dem Spiegel Kreatinin bzw. eGFR, TSH und Calcium.
Toxischer Lithiumspiegel durch Akkumulation, ausgelöst durch Dehydratation (Erbrechen, Diarrhö, Fieber, Hitze), Na⁺-Restriktion, Interaktionen oder nachlassende Nierenfunktion. Zeichen: Übelkeit, Diarrhö, grobschlägiger Tremor, Ataxie, Dysarthrie, Verwirrtheit bis Krampfanfälle, Koma und Herzrhythmusstörungen.
Therapie: Lithium absetzen, Volumen und Na⁺ ersetzen, in schweren Fällen Hämodialyse, denn das kleine, ungebundene Ion ist gut dialysierbar. Aktivkohle bindet Li⁺ nicht.
Kontraindikationen und Wechselwirkungen
Fast alle Kontraindikationen und Interaktionen laufen über eine Achse: Was Na⁺ oder Volumen verknappt oder die GFR senkt, erhöht den Lithiumspiegel.
- Schwere Niereninsuffizienz: Elimination ↓, Akkumulation.
- Natriummangel, Dehydratation, kochsalzarme Diät: proximale Li⁺-Rückresorption ↑.
- Schwere Herzerkrankungen: Herzinsuffizienz mit gestörtem Na⁺-Haushalt, Sinusknotenstörungen, weil Li⁺ die Erregungsbildung hemmt.
- Schwangerschaft, Stillzeit: strenge Abwägung, Li⁺ geht in die Muttermilch über (Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit).
Die wichtigsten Wechselwirkungen greifen in das renale Natrium-Handling ein:
- Thiazide: distaler Na⁺-Verlust → kompensatorisch proximale Rückresorption von Na⁺ und Li⁺ ↑.
- ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten: Aldosteron ↓ → Natriurese, dazu GFR ↓ über die efferente Arteriole.
- NSAR: renale Prostaglandine ↓ → Nierendurchblutung und GFR ↓; als Analgetikum eher Paracetamol.
- Theophyllin, Coffein: Spiegel ↓, weil die renale Li⁺-Clearance steigt.
Wird zur Lithiumtherapie ein Thiazid, ACE-Hemmer, AT1-Antagonist oder NSAR neu angesetzt, kann der Spiegel innerhalb weniger Tage toxisch werden. Nur mit engmaschiger Spiegelkontrolle kombinieren, NSAR in der Selbstmedikation meiden.
Teste dich
Aussage 1
Unter einem Thiazid sinkt der Lithiumspiegel, weil die Natriurese auch Li⁺ ausschwemmt.
Der Spiegel steigt: Der distale Na⁺-Verlust führt kompensatorisch zu gesteigerter proximaler Rückresorption von Na⁺ und Li⁺.
Zuordnen
Aussage 3
Lithium hemmt die Inositolmonophosphatase unkompetitiv, sodass vor allem stark aktivierte Signalwege gedämpft werden.
Bei unkompetitiver Hemmung wächst die Hemmung mit der Substratmenge. Überaktive Gq-Signalwege werden daher stärker gedämpft als normal aktive.
Aussage 4
Lithium ist bislang die einzige Substanz mit belegter antisuizidaler Wirkung.
Deshalb wird es bei hohem Suizidrisiko besonders zur Phasenprophylaxe empfohlen, auch bei unipolarer Depression mit Indikation zur Rezidivprophylaxe.
Warum?
Aussage 6
Lithium wird hepatisch über CYP3A4 abgebaut, daher erhöhen CYP-Hemmer seinen Spiegel.
Lithium wird gar nicht metabolisiert, sondern ausschließlich renal eliminiert. Spiegelanstiege entstehen über das renale Natrium-Handling und die GFR.
Lückentext
Aussage 8
In der akuten bipolaren Depression ist Lithium nach der Leitlinie Mittel der ersten Wahl.
Die Leitlinie rät in der akuten bipolaren Depression von Lithium ab. Erste Wahl ist es in der Rezidivprophylaxe der bipolaren Störung.
Prüferin fragt
Fehler entdeckt oder eine Idee? Wir verbessern die Inhalte laufend. Melde es uns gerne über dieses Formular ❤️
Teile der Inhalte wurden mithilfe von KI-Systemen erstellt und werden fortlaufend redaktionell geprüft. Trotz Sorgfalt können Fehler enthalten sein. Wichtige Informationen bitte anhand offizieller Quellen prüfen. Relaxed ins Stex ist ein unabhängiges Angebot und steht in keiner Kooperation mit dem IMPP. Das Angebot ist weder vom IMPP autorisiert noch mit diesem verbunden.