Arzneistoffe

CGRP-Inhibitoren

CGRP-Inhibitoren blockieren den CGRP-Signalweg im trigeminovaskulären System: drei Wirkprinzipien (Liganden-Antikörper, Rezeptor-Antikörper, Gepante), deren Kinetik und UAW sich aus Molekülgröße und Target ableiten. Kern sind der periphere Angriff der Antikörper, der Unterschied zwischen Antikörpern und Gepanten und der Stellenwert nach der Standardprophylaxe.

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  • CGRP als Target: CGRP aus trigeminalen Afferenzen erweitert meningeale Gefäße und sensibilisiert Nozizeptoren; sein Rezeptor ist der Komplex aus CLR und RAMP1.
  • Drei Wirkprinzipien: Liganden-Antikörper (Fremanezumab, Galcanezumab, Eptinezumab) fangen CGRP ab, Erenumab blockiert den Rezeptor, Gepante antagonisieren ihn kompetitiv als kleine Moleküle.
  • Prophylaxe und Akuttherapie: Antikörper und Atogepant zur Prophylaxe der episodischen und chronischen Migräne, Rimegepant zusätzlich in der Attacke, auch bei Triptan-Kontraindikation.
  • Kinetik und Applikation: Antikörper s.c. bzw. Eptinezumab i.v., Halbwertszeit etwa vier Wochen, Abbau ohne CYP und peripherer Wirkort außerhalb der Blut-Hirn-Schranke; Gepante oral, CYP3A4- und P-gp-Substrate.
  • UAW: Injektionsstellenreaktionen, Obstipation und Blutdruckanstieg vor allem unter Erenumab, Übelkeit unter Gepanten; theoretisches Risiko bei Ischämie, weil der schützende CGRP-Vasodilatator wegfällt.
  • Stellenwert und Erstattung: Einsatz und GKV-Erstattung nach Versagen, Unverträglichkeit oder Kontraindikation der Standardprophylaxe; Vorsicht bei Gefäßerkrankung, nicht in der Schwangerschaft, Gepante nicht mit starken CYP3A4-Hemmern.

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Überblick

CGRP-Inhibitoren unterbrechen die Signalwirkung des Neuropeptids Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP). Dazu dienen monoklonale Antikörper gegen CGRP oder seinen Rezeptor oder niedermolekulare Rezeptorantagonisten, die Gepante. Sie sind die erste gezielt für die Migräne entwickelte Prophylaxe, während alle älteren Prophylaktika aus anderen Indikationen stammen.

  • Target: CGRP-Signalweg im trigeminovaskulären System, nicht Serotoninrezeptoren wie bei den Triptanen.
  • Keine Vasokonstriktion: keine direkte gefäßverengende Wirkung.
  • Verträglichkeit: Antikörper wirken peripher, daher ohne die zentralen UAW von Topiramat oder Amitriptylin.
  • Indikation und Stellenwert: Migräneprophylaxe nach Versagen der Standardprophylaxe; Rimegepant zusätzlich in der Attacke.

Typischer Vertreter ist Erenumab, der einzige Antikörper gegen den CGRP-Rezeptor.

Erenumab
CGRP-Inhibitoren · Leitsubstanz
  • Prinzip: vollhumaner IgG2-Antikörper, blockiert den CGRP-Rezeptor (CLR/RAMP1)
  • Kinetik: Fertigpen, \(t_{1/2}\) etwa vier Wochen, proteolytischer Abbau ohne CYP
  • Einsatz: Prophylaxe der episodischen und chronischen Migräne
  • Besonderheit: Warnhinweise zu schwerer Obstipation und Blutdruckanstieg

Vertreter

Die Vertreter unterscheiden sich im Target (Rezeptor oder Ligand) und in der Molekülgröße: Antikörper sind Biologika zur parenteralen Gabe, Gepante kleine, oral verfügbare Moleküle. Gemeinsam ist allen die Unterbrechung der CGRP-Signalkette.

Wirkstoffe
Rezeptor-Antikörper
Erenumab s.c., monatlich
Liganden-Antikörper
Fremanezumab s.c., monatlich oder vierteljährlich
Galcanezumab s.c., monatlich
Eptinezumab i.v., vierteljährlich
Gepante
Rimegepant Attacke und Prophylaxe
Atogepant nur Prophylaxe

Wirkmechanismus

CGRP wird bei Aktivierung trigeminaler Afferenzen freigesetzt, erweitert meningeale Gefäße und sensibilisiert nozizeptive Neurone (Physiologie unter Schmerzentstehung, Rolle in der Attacke unter Migräne). Sein Rezeptor ist ein Komplex aus dem Gₛ-gekoppelten Calcitonin-Rezeptor-ähnlichen Rezeptor (CLR) und dem Hilfsprotein RAMP1.

Drei Wirkprinzipien greifen an dieser Kette an:

Schema einer trigeminalen Nervenendigung, die CGRP freisetzt; ein Antikörper bindet CGRP, ein zweiter Antikörper den CGRP-Rezeptor aus CLR und RAMP1, ein kleines Gepant-Molekül sitzt in der Rezeptorbindungstasche; eine Linie markiert die Blut-Hirn-Schranke, Ganglion und Gefäß liegen außerhalb.

Drei Angriffspunkte am CGRP-Signalweg: Ligand abfangen, Rezeptor durch Antikörper blockieren oder kompetitiv durch Gepante antagonisieren.
  • Liganden-Antikörper (Fremanezumab, Galcanezumab, Eptinezumab): fangen freies CGRP ab, bevor es den Rezeptor erreicht.
  • Rezeptor-Antikörper (Erenumab): besetzt die extrazelluläre Domäne von CLR/RAMP1 und verhindert die Aktivierung.
  • Gepante: binden kompetitiv in die Bindungstasche an der Grenzfläche von CLR und RAMP1.
📖 Definition: Gepante

Niedermolekulare, nichtpeptidische, oral bioverfügbare Antagonisten am CGRP-Rezeptor (Wortstamm -gepant). Sie wirken schneller und kürzer als Antikörper und eignen sich daher auch für die Attacke.

Antikörper passieren die Blut-Hirn-Schranke kaum und wirken trotzdem, weil Trigeminusganglion und meningeale Gefäße außerhalb der Schranke liegen. Daraus erklärt sich auch das Fehlen zentralnervöser UAW.

Wirkungen und Anwendung

Die Blockade senkt die Zahl der Migränetage und mildert verbleibende Attacken. Eine direkte analgetische oder vasokonstriktorische Wirkung haben die Antikörper nicht.

  • Prophylaxe der episodischen und chronischen Migräne: alle Antikörper und Atogepant bei Erwachsenen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat; Erfolg nach etwa drei Monaten beurteilen.
  • Akuttherapie: Rimegepant in der Attacke, wenn Triptane nicht wirken oder kontraindiziert sind; zusätzlich zur Prophylaxe der episodischen Migräne zugelassen.
  • Stellenwert: nach Versagen, Unverträglichkeit oder Kontraindikation der Standardprophylaxe (Betablocker, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin, bei chronischer Migräne OnabotulinumtoxinA). An diese Vorbedingung ist auch die Erstattung durch die GKV geknüpft (Einordnung unter Migräne).

Pharmakokinetik

Die Kinetik folgt der Molekülgröße: Antikörper verhalten sich wie andere IgG, Gepante wie klassische kleine Moleküle.

  • Antikörper, Applikation: s.c. per Fertigpen oder Fertigspritze, Eptinezumab als i.v.-Infusion mit sofort vollständiger Bioverfügbarkeit.
  • Antikörper, Elimination: proteolytischer Abbau, \(t_{1/2}\) etwa vier Wochen; kein CYP, keine Anpassung bei Nieren- oder Leberinsuffizienz.
  • Lagerung: im Kühlschrank, vor der Injektion Raumtemperatur annehmen lassen.
  • Gepante: oral (Rimegepant als Schmelztablette), \(t_{1/2}\) im Stundenbereich; Substrate von CYP3A4 und P-Glykoprotein.

Unerwünschte Wirkungen

Die Klasse ist gut verträglich. Die UAW folgen aus der Applikation oder aus der physiologischen Rolle von CGRP als Vasodilatator und Regulator der Darmmotilität.

Schema der unerwünschten Wirkungen: CGRP-Inhibitoren, ausgehend vom Mechanismus, je Organ mit Piktogramm (Haut, Magen-Darm, Gefäße, Herz, ZNS).

UAW der CGRP-Inhibitoren leiten sich aus der Applikation, dem Wegfall physiologischer CGRP-Wirkungen an Gefäßen und Darm sowie substanzspezifischen Effekten der Gepante ab.
UAW warum
Haut
Injektionsstellenreaktionen (häufig) s.c.-Gabe eines Proteins; bei Eptinezumab Infusionsreaktionen
Magen-Darm
Obstipation, teils schwer (v. a. Erenumab) CGRP fördert Motilität und Sekretion im Darm
Gefäße
Blutdruckanstieg (Erenumab) Wegfall des vasodilatatorischen CGRP-Tonus
ZNS
Übelkeit (Gepante) substanzspezifisch; bei Atogepant auch Müdigkeit, Appetitminderung
Immunsystem
Überempfindlichkeit (selten) Exanthem bis Anaphylaxie, auch verzögert

Offen bleibt ein theoretisches Risiko: Bei Ischämie wirkt CGRP als körpereigener Schutzvasodilatator in Herz und Gehirn. Ob die Blockade Infarkte oder Schlaganfälle verschlimmert, ist unklar, weil Patienten mit relevanter Gefäßerkrankung in den Zulassungsstudien fehlten.

Kontraindikationen und Wechselwirkungen

Absolute Kontraindikation ist nur die Überempfindlichkeit. Die übrigen Einschränkungen beruhen auf fehlenden Daten oder auf der Kinetik.

  • Kardiovaskuläre Erkrankung: Vorsicht bei KHK, Schlaganfall, pAVK oder Raynaud-Syndrom, weil die schützende Vasodilatation entfällt; unter Erenumab Blutdruck kontrollieren.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: nicht anwenden; IgG sind ab dem zweiten Trimenon plazentagängig, und Antikörper wirken nach dem Absetzen noch Monate nach.
  • Antikörper: keine pharmakokinetischen Wechselwirkungen, Kombination mit Triptanen in der Attacke möglich.
  • Gepante und CYP3A4-Induktoren (Rifampicin, Carbamazepin, Johanniskraut): Exposition sinkt, Wirkverlust.
⚠️ Achtung: Gepante und CYP3A4-Hemmer

Starke CYP3A4-Hemmer wie Clarithromycin, Itraconazol oder Ritonavir erhöhen die Exposition der Gepante deutlich: Rimegepant nicht kombinieren, Atogepant nur in reduzierter Dosis.

Unterschiede innerhalb der Klasse

Der entscheidende Unterschied liegt zwischen Antikörpern und Gepanten. Die kurze Halbwertszeit macht Gepante steuerbar und rasch absetzbar, etwa bei Kinderwunsch oder neuer Gefäßerkrankung.

Links ein großer Y-förmiger Antikörper mit Spritze und Kalender, rechts ein kleines Molekül mit Tablette und Uhr, darunter Stichworte zu Abbau und Einsatz.

Antikörper und Gepante: Molekülgröße bestimmt Applikation, Wirkdauer und Wechselwirkungspotenzial.
Merkmal Liganden-Antikörper Erenumab Gepante
Target CGRP CGRP-Rezeptor CGRP-Rezeptor
Applikation s.c., Eptinezumab i.v. s.c. oral
Einsatz Prophylaxe Prophylaxe Prophylaxe, Rimegepant auch akut
Wirkdauer Wochen Wochen Stunden
Wechselwirkungen keine relevanten keine relevanten CYP3A4, P-gp
Prüferinnenfrage
Warum kommt Rimegepant für eine Migränepatientin mit KHK infrage, der Sie keine Triptane geben dürfen?
Antwort anzeigen

Triptane verengen als 5-HT₁B-Agonisten auch Koronararterien und sind deshalb bei KHK kontraindiziert. Rimegepant ist ein reiner Antagonist ohne intrinsische Aktivität und wirkt nicht direkt vasokonstriktorisch. Es nimmt nur die CGRP-vermittelte Dilatation weg, deshalb bleibt bei schwerer Gefäßerkrankung Vorsicht geboten; die kurze Halbwertszeit macht es im Zweifel gut steuerbar.

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Warum?

Zuordnen

Aussage 3

Rimegepant ist sowohl zur Behandlung der Attacke als auch zur Prophylaxe der episodischen Migräne zugelassen.

Rimegepant ist der einzige CGRP-Inhibitor mit Zulassung auch für die Attacke; Atogepant und die Antikörper dienen nur der Prophylaxe.

Aussage 4

Monoklonale CGRP-Antikörper werden über CYP3A4 abgebaut und interagieren daher mit Clarithromycin.

Antikörper werden proteolytisch abgebaut, ohne CYP-Beteiligung, und haben keine pharmakokinetischen Wechselwirkungen. Die CYP3A4-Interaktion betrifft die Gepante.

Aussage 5

Eptinezumab wird als intravenöse Infusion verabreicht.

Eptinezumab ist der einzige CGRP-Antikörper zur i.v.-Gabe, mit sofort vollständiger Bioverfügbarkeit; die übrigen Antikörper werden s.c. injiziert.

Wer bin ich?

Aussage 7

Erenumab bindet an CGRP selbst und fängt das Neuropeptid ab, bevor es den Rezeptor erreicht.

Erenumab ist der einzige Antikörper gegen den CGRP-Rezeptor (CLR/RAMP1). Den Liganden CGRP fangen Fremanezumab, Galcanezumab und Eptinezumab ab.

Aussage 8

Gepante wirken wie Triptane direkt vasokonstriktorisch.

Gepante sind reine Antagonisten am CGRP-Rezeptor ohne direkte gefäßverengende Wirkung. Die Vasokonstriktion ist ein Effekt der Triptane über 5-HT₁B-Rezeptoren.

Aussage 9

Der Blutdruckanstieg unter Erenumab erklärt sich durch den Wegfall des vasodilatatorischen CGRP-Tonus.

CGRP ist ein potenter Vasodilatator; blockiert man seinen Rezeptor, entfällt dieser Tonus und der Blutdruck kann steigen.

Prüferin fragt

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