Arzneistoffe

Inhalationsanästhetika

Inhalationsanästhetika (volatile halogenierte Ether, Lachgas, Xenon) halten die Narkose über den alveolären Partialdruck aufrecht. Den Kern bilden Mechanismus, die Verteilungskoeffizienten mit MAC als Maß für Steuerbarkeit und Potenz sowie die UAW mit der Triggerfunktion für die maligne Hyperthermie.

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  • Einordnung: Volatile halogenierte Ether (Sevofluran, Desfluran, Isofluran) und Gase (Lachgas, Xenon), pulmonal aufgenommen und abgeatmet, daher gut steuerbar.
  • Mechanismus: Volatile verstärken GABA-A- und Glycinrezeptoren und aktivieren K2P-Kanäle, Lachgas und Xenon hemmen NMDA-Rezeptoren.
  • Verteilungskoeffizienten und MAC: Niedriger Blut/Gas-Koeffizient bedeutet schnelle An- und Abflutung, hoher Öl/Gas-Koeffizient hohe Potenz und niedrige MAC.
  • Anwendung: Narkoseerhaltung in der balancierten Anästhesie, Sevofluran zur Maskeneinleitung, Lachgas als analgetisches Adjuvans.
  • UAW mit MH-Trigger: Atemdepression, Blutdruckabfall, Uterusrelaxation, PONV, alle Volatilen triggern die maligne Hyperthermie, Lachgas inaktiviert Vitamin B12 und dehnt Gasräume aus.
  • Vergleich der Vertreter: Sevofluran nicht reizend, Desfluran am schnellsten aber reizend und klimaschädlich, Isofluran potent und langsamer, Lachgas wegen MAC über 100 % nur Adjuvans.

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Überblick

Inhalationsanästhetika sind Narkosemittel, die über die Lunge aufgenommen und überwiegend unverändert wieder abgeatmet werden. Ihre Wirkung folgt dem Partialdruck im Gehirn, der sich über die Atmung schnell steuern lässt. Man unterscheidet volatile halogenierte Ether, die als Flüssigkeit über Verdampfer zugeführt werden, und Anästhesiegase (Lachgas, Xenon). Den Rahmen mit Narkosekomponenten und -stadien beschreibt die Allgemeinanästhesie.

  • Steuerbarkeit: pulmonale Elimination, daher Narkosetiefe weitgehend unabhängig von Leber und Niere.
  • Profil der Volatilen: starke Hypnose und Immobilität, schwache Analgesie → Kombination mit Opioiden (balancierte Anästhesie).
  • Stellenwert: Standard der Narkoseerhaltung, Alternative zur TIVA mit Injektionsanästhetika.
  • Historische Referenz: Halothan (halogeniertes Alkan, in Deutschland nicht mehr im Handel) steht für Hepatotoxizität und Katecholamin-Sensibilisierung.

Typischer Vertreter ist Sevofluran, der Standard für Maskeneinleitung und Narkoseerhaltung.

Sevofluran
Inhalationsanästhetika · Leitsubstanz
  • Prinzip: fluorierter Methylisopropylether, verstärkt GABA-A- und Glycinrezeptoren, aktiviert K2P-Kanäle.
  • Kinetik: niedriger Blut/Gas-Koeffizient → schnelle An- und Abflutung, geringer Abbau über CYP2E1 (Fluorid, Hexafluorisopropanol).
  • Einsatz: Maskeneinleitung, Narkoseerhaltung.
  • Besonderheit: nicht atemwegsreizend, bronchodilatierend, MH-Trigger.

Vertreter

Alle Vertreter werden pulmonal aufgenommen und abgeatmet, sie unterscheiden sich in Applikation, Blutlöslichkeit und Potenz. Desfluran trägt gegenüber Isofluran nur ein F statt Cl: weniger lipophil, schlechter blutlöslich, weniger potent, siedet nahe Raumtemperatur und braucht einen beheizten Verdampfer.

Wirkstoffe
Volatile Ether
Sevofluran nicht reizend
Desfluran schnellste Abflutung
Isofluran potent, gut löslich
Anästhesiegase
Distickstoffmonoxid Lachgas, analgetisch
Xenon Edelgas

Wirkmechanismus

Inhalationsanästhetika binden an hydrophobe Taschen mehrerer Membranproteine statt an einen einzelnen Rezeptor. Die Korrelation von Lipophilie und Potenz (Meyer-Overton) gilt weiter, als Target gelten heute aber Proteine; die Narkosetheorien behandelt die Allgemeinanästhesie. Volatile Ether wirken an mehreren Stellen zugleich:

Schema einer Nervenzellmembran mit GABA-A-, Glycin-, K2P- und NMDA-Rezeptor; Pfeile zeigen Verstärkung durch volatile Ether und Hemmung durch Lachgas und Xenon.

Molekulare Angriffspunkte der Inhalationsanästhetika und die daraus folgenden Narkosekomponenten.
  1. GABA-A-Rezeptor: positive allosterische Modulation in den Transmembrandomänen → längere Cl⁻-Kanalöffnung → Hyperpolarisation kortikaler und thalamischer Neurone → Hypnose, Amnesie.
  2. Glycinrezeptor: Verstärkung im Rückenmark → Hemmung motorischer Reflexe → Immobilität, die die MAC bestimmt.
  3. K2P-Kanäle (TREK-1, TASK): Aktivierung → K⁺-Ausstrom → negativeres Ruhemembranpotenzial, Erregbarkeit sinkt.
  4. Präsynapse: verminderte Transmitterfreisetzung, zusätzlich Hemmung neuronaler Nicotinrezeptoren.

Lachgas und Xenon wirken kaum GABAerg, sondern hemmen den NMDA-Rezeptor (Xenon an der Glycin-Bindungsstelle). Daraus folgt ihr Profil: gute Analgesie bei schwacher Hypnose.

Wirkungen und Anwendung

Die Wirkungen folgen aus dem Mechanismus und unterscheiden sich zwischen Ethern und Gasen.

  • Hypnose und Amnesie: dosisabhängig, GABA-A-vermittelt.
  • Immobilität: spinal über Glycinrezeptoren.
  • Analgesie: bei Volatilen schwach, bei Lachgas und Xenon deutlich (NMDA).
  • Relaxation: schwach eigen, verstärkt nichtdepolarisierende Muskelrelaxanzien.
  • Bronchodilatation: Sevofluran, Isofluran.

Eingesetzt werden sie so:

  • Narkoseerhaltung: mit Opioid und ggf. Relaxans.
  • Maskeneinleitung: Sevofluran, v. a. bei Kindern und ohne venösen Zugang.
  • Lachgas: Adjuvans in der Narkose, als Gemisch mit Sauerstoff zur Analgesie bei kurzen Eingriffen und unter der Geburt.
  • Sonderfall: beim superrefraktären Status epilepticus können volatile Anästhetika erwogen werden.

Pharmakokinetik

Anflutung und Potenz lassen sich aus zwei Verteilungskoeffizienten ableiten.

  • Blut/Gas-Verteilungskoeffizient: Konzentrationsverhältnis Blut zu Alveolargas im Gleichgewicht, also die Blutlöslichkeit. Niedrig → Blut rasch gesättigt, Partialdruck in Alveole und Gehirn steigt schnell → schnelle An- und Abflutung (Xenon < Desfluran ≈ Lachgas < Sevofluran < Isofluran).
  • Öl/Gas-Verteilungskoeffizient: Maß der Lipophilie → je höher, desto potenter, desto niedriger die MAC.
  • Ventilation und Herzzeitvolumen: Hyperventilation beschleunigt die Anflutung, hohes HZV verzögert sie, weil mehr Anästhetikum aus der Alveole abtransportiert wird.
  • Second-Gas-Effekt: Lachgas in hoher Konzentration wird rasch aufgenommen → das Restgas in der Alveole konzentriert sich → der begleitende Volatile flutet schneller an.
  • Diffusionshypoxie: beim Abstellen strömt Lachgas massiv in die Alveole zurück und verdünnt O₂ → bei Ausleitung reinen Sauerstoff geben.
  • Metabolisierung: Halothan > Sevofluran > Isofluran > Desfluran, Lachgas und Xenon praktisch nicht.

Kurvendiagramm FA/FI gegen Zeit mit steil ansteigenden Kurven für Lachgas und Desfluran und flacheren Kurven für Isofluran und Halothan.

Je geringer die Blutlöslichkeit, desto schneller nähert sich die alveoläre der inspiratorischen Konzentration.

Zwei Alveolenschemata nebeneinander: links Lachgas strömt ins Blut und das Volatile wird konzentriert, rechts Lachgas strömt zurück und verdünnt Sauerstoff.

Second-Gas-Effekt bei der Einleitung und Diffusionshypoxie bei der Ausleitung.
📖 Definition: MAC

Die minimale alveoläre Konzentration ist die Konzentration, bei der 50 % der Patienten auf den Hautschnitt nicht mit Abwehrbewegung reagieren. Sie ist umgekehrt proportional zur Potenz, MAC-Anteile verschiedener Anästhetika addieren sich.

Unerwünschte Wirkungen

Die meisten UAW sind dosisabhängige Klasseneffekte der Volatilen, einige substanzspezifisch.

UAW warum
Atmung
Atemdepression zentral, CO₂-Antwort ↓
Gefäße
Blutdruckabfall Vasodilatation, negative Inotropie
Schwangerschaft
Uterusrelaxation Relaxation glatter Muskulatur → Atonie-Blutung
Muskel
Maligne Hyperthermie alle Volatilen sind Trigger (maligne Hyperthermie), Lachgas und Xenon nicht
ZNS
Übelkeit, Erbrechen (PONV) Volatile und Lachgas
Atmung · Herz
Desfluran: Husten, Laryngospasmus, Tachykardie stechender Geruch, Sympathikusaktivierung bei raschem Konzentrationsanstieg
Leber · Herz
Halothan: Hepatitis, Arrhythmien Trifluoracetyl-Protein-Addukte → Immunreaktion; Myokard katecholaminsensibilisiert
Blut · ZNS
Lachgas: megaloblastäre Anämie, Myelopathie oxidiert Cobalamin → Methioninsynthase ↓ (makrozytäre Anämien)
Atmung
Lachgas: Ausdehnung luftgefüllter Räume viel besser löslich als N₂, strömt schneller ein als N₂ aus
Stoffwechsel
Klimarelevanz Desfluran und Lachgas mit hohem Treibhauspotenzial, Sevofluran geringer

Kontraindikationen und Wechselwirkungen

Kontraindikationen und Wechselwirkungen ergeben sich aus Triggerfunktion, Vasodilatation und Physik des Lachgases.

  • MH-Disposition: Volatile kontraindiziert, triggerfreie Narkose (TIVA, Lachgas, Xenon möglich).
  • Erhöhter Hirndruck: zerebrale Vasodilatation → Hirndurchblutung und Hirndruck ↑.
  • Lachgas bei Vitamin-B12-Mangel: Verstärkung des Mangels.
  • Nichtdepolarisierende Relaxanzien: Wirkung verstärkt und verlängert → Dosis reduzieren.
  • Opioide, Benzodiazepine, Propofol: additiv → MAC sinkt.
  • Halothan und Katecholamine: Arrhythmiegefahr.
⚠️ Achtung: Lachgas in Hohlräumen

Bei Pneumothorax, Ileus, Luftembolie oder intraokularer Gasblase dehnt Lachgas den Gasraum aus. Diese Situationen sind Kontraindikationen.

Unterschiede innerhalb der Klasse

Die volatilen Ether unterscheiden sich vor allem in Blutlöslichkeit und Atemwegsreizung.

Merkmal Sevofluran Desfluran Isofluran
Blut/Gas-Koeffizient 0,65 0,42 1,4
Potenz mittel gering hoch
Atemwege nicht reizend stark reizend stechend
Einsatz Einleitung, Erhaltung Erhaltung, lange Eingriffe Erhaltung
Prüferinnenfrage
Warum leitet man bei Kindern mit Sevofluran per Maske ein und nicht mit Desfluran?
Antwort anzeigen

Sevofluran riecht kaum und reizt die Atemwege nicht, deshalb kommt es nicht zu Husten oder Laryngospasmus. Sein niedriger Blut/Gas-Koeffizient sorgt für eine schnelle Anflutung. Desfluran flutet zwar noch schneller an, ist aber stark atemwegsreizend und aktiviert den Sympathikus, Isofluran reizt ebenfalls und flutet langsamer an.

Lachgas bleibt Adjuvans, weil seine MAC über 100 % liegt und bei Normaldruck ohne Hypoxie nicht erreichbar ist. Xenon hat die beste Kinetik, ist kreislaufstabil und kein MH-Trigger, aber teuer.

💡 Merke

Niedriger Blut/Gas-Koeffizient heißt schnell, hoher Öl/Gas-Koeffizient heißt potent.

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wie in der mündlichen Prüfung iBei „Prüferin fragt“ antwortest du erst selbst, laut oder im Kopf, deckst dann die Antwort auf und hakst ab, welche Kernpunkte du genannt hast. Danach kommen Nachfragen wie in der echten Prüfung. Die übrigen Karten (Zuordnen, Reihenfolge, Warum, Richtig oder falsch) prüfen das Wissen, das du dafür brauchst.

Aussage 1

Lachgas und Xenon sind keine Triggersubstanzen der malignen Hyperthermie.

Trigger sind die volatilen Anästhetika, Lachgas und Xenon können bei MH-Disposition in einer triggerfreien Narkose verwendet werden.

Aussage 2

Ein hohes Herzzeitvolumen verzögert die Anflutung eines Inhalationsanästhetikums.

Mehr Blutfluss transportiert mehr Anästhetikum aus der Alveole ab, der alveoläre Partialdruck steigt langsamer.

Wer bin ich?

Aussage 4

Ein niedriger Blut/Gas-Verteilungskoeffizient führt zu einer langsamen Anflutung.

Niedrige Blutlöslichkeit bedeutet schnelle Sättigung des Blutes und raschen Partialdruckanstieg, also schnelle An- und Abflutung.

Aussage 5

Volatile Ether wirken vorwiegend über eine Blockade von NMDA-Rezeptoren.

Volatile verstärken GABA-A- und Glycinrezeptoren und aktivieren K2P-Kanäle. NMDA-Antagonismus ist der Hauptmechanismus von Lachgas und Xenon.

Aussage 6

Die Diffusionshypoxie tritt bei der Einleitung mit Lachgas auf.

Sie tritt bei der Ausleitung auf, wenn Lachgas massiv in die Alveolen zurückströmt und den Sauerstoff verdünnt.

Warum?

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Prüferin fragt

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